Viele Patientinnen suchen Hilfe, nachdem sie bereits verschiedene Therapien, Medikamente und Diagnosen durchlaufen haben, oft ohne sich wirklich verstanden zu fühlen. Sie leiden unter Erschöpfung trotz ausreichend Schlaf, sind verunsichert durch unerklärliche hormonelle Schwankungen oder frustriert von Hautproblemen ohne erkennbaren Auslöser. Was sie sich wünschen, ist eine klare Strategie, eine Therapie, die nicht nur Symptome behandelt, sondern die individuelle Ursache berücksichtigt, einen strukturierten Weg, der Sinn ergibt und Halt gibt. Hier setzt die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) an, mit einem individuellen Behandlungsansatz.
Migräne: Ein weitverbreitetes Leiden
Migräne ist eine häufige Kopfschmerzart, von der vor allem Frauen betroffen sind. Die Betroffenen leiden unter immer wiederkehrenden Kopfschmerzen, die meist nur auf einer Seite des Kopfes auftreten. Die Patienten sprechen von pulsierenden, hämmernden oder bohrenden Schmerzen, die sich bei körperlicher Belastung verstärken. Die Migräne-Attacken, die immer wiederkehren, belasten die Betroffenen oft schon sehr lange. Viele kennen bereits die typischen Vorzeichen, die vor einer Attacke auftreten und von Patient zu Patient unterschiedlich sein können. Dabei kann es sich um Müdigkeit, Heißhungerattacken oder mangelnde Konzentration handeln.
Migräne ist neben Spannungskopfschmerzen die häufigste Kopfschmerz-Art. Die Attacken treten in unregelmäßigen Abständen auf und können zwischen vier und 72 Stunden andauern. Die Intensität der Schmerzen kann sich von Anfall zu Anfall unterscheiden. Bei einer besonders schweren Form der Krankheit halten die Attacken sogar länger als 72 Stunden an. Dies ist für die Betroffenen äußerst belastend. Neben den Kopfschmerzen kommen häufig Sehstörungen, Übelkeit und Erbrechen als typische Symptome hinzu. Eine Besonderheit bei Migräne ist die sogenannte Aura, eine besondere Form von Sehstörungen, die ein auffälliges Symptom bei Migräne ist.
Konventionelle Behandlungsmethoden und ihre Grenzen
Zur Behandlung von Migräne stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, darunter medikamentöse Ansätze wie Schmerzmittel und spezifische Migräne-Medikamente (z. B. Triptane). Während Medikamente oft die erste Anlaufstelle sind, suchen viele Betroffene nach weiteren, sanfteren und nachhaltigeren Lösungen. Vor allem, wenn Medikamente nicht weiterhelfen, können andere Behandlungen sinnvoll sein, um ihre Symptome zu lindern.
Akuttherapie: Zur schnellen Linderung während eines Anfalls dienen rezeptfreie Schmerzmittel (wie NSAR, z.B. Ibuprofen, oder Paracetamol), oft kombiniert mit Mitteln gegen Übelkeit. Prophylaktische Therapie: Um Häufigkeit und Schwere der Attacken bei häufig Betroffenen zu reduzieren, werden täglich einzunehmende Medikamente (z.B. Obwohl diese Ansätze vielen helfen, können sie Nebenwirkungen verursachen, nicht immer ausreichend wirksam sein oder zum Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MÜK) führen.
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Menstruelle Migräne: Wenn Hormone eine Rolle spielen
Bei manchen Frauen spielen auch die Hormone eine Rolle. Bei ihnen hängen die Migräne-Anfälle mit dem Menstruationszyklus zusammen und treten immer wieder kurz vor der Monatsblutung auf. Oft hören die Anfälle in der Schwangerschaft oder nach den Wechseljahren auf. Meist treten die Anfälle zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr auf, aber auch bei Kindern ist Migräne möglich. Eine Sonderform der Migräne ist die mensesabhängige Migräne.
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) als Alternative
Anders als die westliche Medizin, die Migräne oft als neurologische Störung betrachtet, sieht die TCM sie als Ausdruck eines Ungleichgewichts im Energiefluss des Körpers - dem sogenannten Qi. Dieses Qi fließt entlang spezifischer Bahnen, den Meridianen. Die TCM unterscheidet verschiedene Migräne-Muster, abhängig davon, welche Meridiane betroffen sind und ob ein Überschuss oder ein Mangel an Qi oder Blut vorliegt. Eine genaue Diagnose ist daher entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung.
Akupunktur bei Migräne: Wie sie funktioniert
Die Akupunktur Migräne-Behandlung zielt darauf ab, den harmonischen Fluss des Qi wiederherzustellen und die zugrunde liegenden Ungleichgewichte zu korrigieren. Bei Migräne gibt es spezielle Akupunkturpunkte auf den Meridianen. Die Chinesische Medizin sieht Migräne als Symptome einer Störung des Leber-Meridians. Die Leber hat unter anderem die Aufgabe, den Blutzuckerspiegel im Gleichgewicht zu halten. Wenn dieser zu niedrig ist, wird Adrenalin ausgeschüttet, um den Blutzuckerspiegel wieder zu normalisieren. Die kann Kopfschmerzen oder Migräne auslösen.
Die Akupunktur bei Migräne findet oft nicht nur am Kopf statt, sondern auch an anderen Körperstellen, an denen der Leber-Meridian entlang läuft, beispielsweise am Bein. Auch das Ohr, dass mit allen Organen verbunden ist, kann als Stelle für die Akupunktur sinnvoll sein.
Die Anzahl und Frequenz der Sitzungen sind individuell. Oft wird mit einer Serie von etwa 10-12 Behandlungen begonnen. Zunächst eine Behandlung pro Woche für 2-3 Mal, dann ca. 2 Behandlungen pro Monat. Bei chronischer Migräne kann eine längerfristige Behandlung im Sinne einer Prophylaxe sinnvoll sein, wobei die Abstände zwischen den Sitzungen dann meist vergrößert werden (z.B. alle 4-6 Wochen). Ziel ist es, die Häufigkeit und Intensität Ihrer Migräneattacken nachhaltig zu reduzieren.
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Grundsätzlich ist Akupunktur eine sehr nebenwirkungsarme Methode und für die meisten Menschen mit Migräne geeignet, unabhängig davon, ob es sich um episodische oder chronische Migräne handelt, mit oder ohne Aura.
Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Akupunktur bei Migräne
Akupunktur stellt eine gute Behandlungsoption für Migränepatienten dar, insbesondere dann, wenn Medikamente keinen oder nur einen geringen Effekt erzielen. Die wissenschaftliche Evidenz unterstützt ihre Wirksamkeit sowohl in der akuten Behandlung als auch in der Vorbeugung von Migräneanfällen. Die Wirksamkeit von Akupunktur bei Migräne ist inzwischen gut untersucht. Aus diesem Grund wird Akupunktur auch in den Leitlinien einiger medizinischer Fachgesellschaften als Behandlungsoption bei Migräne empfohlen.
Eine ausführliche Meta-Analyse aus dem Jahr 2016 untersuchte die Wirksamkeit von Akupunktur bei der Vorbeugung von Migräne. Die Analyse umfasste 22 Studien mit insgesamt 4985 Teilnehmern. Eines der Ergebnisse dieser Studie war, dass Akupunktur eine ebenso wirksame Maßnahme zur Reduktion der Migränehäufigkeit sein kann wie prophylaktische Medikamente. Zudem zeigten Patienten, die Akupunktur erhielten, weniger Nebenwirkungen im Vergleich zu denen, die medikamentös behandelt wurden. Diese Ergebnisse legen nahe, dass Akupunktur eine wertvolle Alternative oder Ergänzung zur medikamentösen Behandlung darstellen könnte.
Eine weitere Studie, veröffentlicht in JAMA Internal Medicine im Jahr 2017, untersuchte die Langzeiteffekte von Akupunktur auf chronische Migräne. Die Studie umfasste 249 Teilnehmer, die in drei Gruppen eingeteilt wurden: echte Akupunktur, Scheinakupunktur und eine Kontrollgruppe, welche keine Akupunktur erhielt. Die Ergebnisse zeigten, dass die Gruppe, die echte Akupunktur erhielt, eine signifikante Reduktion der Migräneanfälle und der Schmerzintensität über einen Zeitraum von 24 Wochen erlebte.
Kritik an der Akupunktur bei menstrueller Migräne
Es gibt auch kritische Stimmen bezüglich der Wirksamkeit von Akupunktur bei menstrueller Migräne. Forscher durchsuchten medizin-wissenschaftliche Datenbanken und konnten 13 Studien mit insgesamt 826 Patientinnen ermitteln. Auf dieser Datenbasis fanden die Forscher, dass aktuell keine Hinweise dafür vorliegen, dass Akupunktur einer Scheinakupunktur bei der Reduktion der Zahl monatlicher Migräneanfälle oder ihrer Dauer überlegen wäre. Auch beim Blick auf Kopfschmerzstärke und Zahl der jeweils eingenommenen Schmerzmittel zeigte sich kein Vorteil der Akupunktur. Aus den gesammelten Daten ergab sich allerdings eine signifikante Verbesserung der mittleren Kopfschmerzstärke in der Akupunkturgruppe im Vergleich zur medikamentösen Behandlung. Die Forscher betonen dabei jedoch, dass alle Studien zu wenig Teilnehmer hatten, also nur eine geringe Aussagekraft und mit einem mäßig bis hohen Bias-Risiko belastet waren. Die Autoren schließen, dass es keine überzeugenden Hinweise darauf gibt, ob Akupunktur eine geeignete Behandlungsmethode bei menstrueller Migräne ist.
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Wichtiger Hinweis
Akupunktur kann eine wertvolle Ergänzung zur konventionellen Migränetherapie sein. Sprechen Sie Behandlungsänderungen immer auch mit Ihrem behandelnden Arzt ab. Während einer akuten Schmerzattacke kann die Behandlung jedoch nicht helfen. Daher muss die Akupunktur in den schmerzfreien Phasen zwischen zwei Attacken durchgeführt werden und hat damit eher eine vorbeugende Wirkung.
Weitere Säulen der TCM-Behandlung bei Menstruationsbeschwerden und Migräne
Die TCM bietet neben der Akupunktur weitere Therapieansätze, die bei Menstruationsbeschwerden und Migräne hilfreich sein können.
Chinesische Phytotherapie (Kräutermedizin)
Die chinesische Phytotherapie, auch als Kräutermedizin bekannt, ist eine der ältesten Heilmethoden der TCM und wird seit Jahrtausenden angewendet. Sie nutzt die gezielte Kombination verschiedener Pflanzen und Kräuter, um das Gleichgewicht von Yin und Yang im Körper zu unterstützen, Krankheiten zu behandeln und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern.
Ernährungsempfehlungen
Dabei ist ein Gleichgewicht von Yin und Yang im Körper essenziell. Eine typgerechte, abgestimmte Ernährung trägt dazu bei, diese Harmonie zu bewahren und zu fördern. Wir schauen gemeinsam, welche Lebensmittel Deinem Körper guttun und welche Du besser meiden solltest, um Dein inneres Gleichgewicht zu fördern.
Lebensstilempfehlungen
Auch Dein Alltag, Stressmanagement und Bewegung spielen eine Rolle für Deine hormonelle Gesundheit. Stress und eine unregelmäßige Lebensweise gelten als Faktoren, die Migräne begünstigen können. Daher können in Verbindung mit Akupunktur auch Maßnahmen zur Entspannung im Rahmen der Behandlung sehr sinnvoll sein.
Behandlung von Menstruationsstörungen
Menstruationsstörungen sind äußerst vielfältig und können sich in unterschiedlichster Weise zeigen. Während die westliche Frauenheilkunde diese primär als Ausdruck hormoneller Ungleichgewichte interpretiert, betrachten wir in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) das Gesamtbild.
Menstruationsschmerzen (Dysmenorrhoe)
Aus Sicht der Chinesischen Medizin sind Menstruationsschmerzen (Dysmenorrhoe) fast immer ein Zeichen dafür, dass der Energiefluss (Qi) und das Blut im Beckenbereich nicht frei zirkulieren können. Es liegt eine Stagnation oder Blockade vor, die sich als Schmerz äußert - sei es ein dumpfer Druck, krampfartige Attacken oder ziehende Empfindungen. In den allermeisten Fällen lassen sich Menstruationsschmerzen mit der Chinesischen Medizin, insbesondere der Akupunktur, sehr gut behandeln. Wir können Blockaden lösen und den Fluss harmonisieren, sodass Deine Periode wieder schmerzfrei oder zumindest deutlich erträglicher wird.
Zyklusstörungen
Solche Zyklusstörungen deuten in der Regel auf hormonelle oder funktionelle Ungleichgewichte hin, die weitreichende Auswirkungen auf Deinen gesamten Körper haben können. Spätestens, wenn Du schwanger werden möchtest, wird es entscheidend, Deinen Zyklus zu regulieren.
Blutungsstörungen
Die Menge, Farbe und Beschaffenheit Deiner Blutung kann in der TCM viel über Deinen Gesundheitszustand verraten. Blutungsstörungen sind oft klare Signale, dass eine Disharmonie vorliegt.
Zu schwache Blutung (Hypomenorrhoe)
Eine zu schwache oder spärliche Blutung wird selten als „Krankheit“ empfunden, kann aber ein wichtiges Zeichen für eine zugrunde liegende Schwäche (z.B. Blutmangel) oder eine Energie- und Blutstagnation sein. Besonders bei Frauen mit Kinderwunsch spielt die Blutmenge eine entscheidende Rolle, denn sie kann Aufschluss darüber geben, wie gut sich Deine Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) aufbaut und ob sie anschließend vollständig abblutet.
Zu starke oder zu lange Blutungen (Hypermenorrhoe/Menorrhagie)
Eine sehr starke oder übermäßig lange Blutung kann mehrere Ursachen haben. Aus TCM-Sicht kann dies auf eine Schwäche des Qi (das Blut nicht halten kann), eine ausgeprägte Blutstagnation oder auf zu viel Hitze im Körper hindeuten. Die genaue Ursache muss bei jeder Frau individuell mit den Methoden der TCM (z.B. Zungen- und Pulsdiagnose) festgestellt werden.
Schmierblutungen
Schmierblutungen vor der Periode sind ein Phänomen, mit dem sich sehr viele Frauen herumplagen. Oftmals ist dies ein Hinweis auf eine Progesteronschwäche, ein häufiges hormonelles Ungleichgewicht. Bräunliches Blut vor der Periode kann in der TCM zudem auf eine Schwäche des Qi oder eine beginnende Stagnation hindeuten. Schmierblutungen in der Mitte des Zyklus wiederum können ein Zeichen für einen relativen Östradiolmangel (Östrogendominanz) oder eine leichte hormonelle Instabilität sein.
Stockende Blutung
Stockende Menstruationsblutungen, bei denen der Fluss zwischendurch aufhört oder sehr unregelmäßig ist, zeigen an, dass das Blut nicht richtig und frei fließt. Es liegt eine Blockade des Qi und Blutes vor, die viele unterschiedliche Ursachen haben kann - von emotionalem Stress bis zu Kälte im Unterleib, die den Fluss verlangsamt oder zum Stillstand bringt.
Weitere Beschwerden rund um die Menstruation
Neben den direkt zyklusbezogenen Problemen gibt es eine ganze Reihe weiterer Beschwerden, die Frauen oft rund um die Menstruation plagen und auf hormonelle oder energetische Dysbalancen hinweisen:
- Kopfschmerzen und Migräne: Sehr häufig vor oder während der Periode auftretend.
- Übelkeit und Magen-Darm-Störungen: Wie zum Beispiel Durchfälle oder Verstopfung, die auf eine Dysfunktion im Verdauungssystem hinweisen können.
- Stimmungsschwankungen: Von erhöhter Reizbarkeit über Niedergeschlagenheit bis hin zu weinerlicher Stimmung - oft Teil des prämenstruellen Syndroms (PMS).
- Brustspannung und Bauchschmerzen: Klassische PMS-Symptome, die auf gestautes Qi oder Feuchtigkeit hindeuten können.
- Akne und Hautunreinheiten: Hormonelle Schwankungen spiegeln sich oft im Hautbild wider, insbesondere bei einer Neigung zu Hitze oder Feuchtigkeit im Körper.
- Müdigkeit und Energieabfall: Ein Gefühl der Erschöpfung, das den Alltag erheblich beeinflussen kann.
All diese Symptome sind keine Laune der Natur, sondern Botschaften Deines Körpers.
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