Die Trigeminusneuralgie ist eine Erkrankung, die durch extreme, blitzartige Schmerzen im Gesicht gekennzeichnet ist. Obwohl die Ursachen vielfältig sein können, spielen sogenannte Triggerreize eine wesentliche Rolle bei der Auslösung der Schmerzattacken. Ein solcher Trigger kann Kälte sein.
Was ist Trigeminusneuralgie?
Die Trigeminusneuralgie ist eine Reizempfindlichkeit des fünften Hirnnervs, des Nervus trigeminus. Dieser Nerv ist für die Sensibilität im Gesicht verantwortlich. Bei einer Neuralgie kommt es zu Schmerzen, die in verschiedene Bereiche des Gesichts ausstrahlen können.
Charakteristisch für die Trigeminusneuralgie sind plötzlich einschießende, nur Sekunden andauernde, elektrisierende Schmerzen im Gesicht. Die Schmerzen zählen zu den stärksten beschriebenen Schmerzen überhaupt und treten überwiegend auf nur einer Gesichtshälfte auf.
Ursachen und Auslöser der Trigeminusneuralgie
Bei der Trigeminusneuralgie werden die Ursachen der Erkrankung und die Triggerreize (Auslöser) der jeweiligen Schmerzattacken unterschieden.
Ursachen
Die Symptome der klassischen Trigeminusneuralgie entstehen wahrscheinlich durch elektrische Ladungsübersprünge zwischen einem Blutgefäß, welches eng am Nervus trigeminus anliegt, und dem Nerv selbst. Eine Entzündung im Bereich einer Zahnwurzel kann zu ähnlich elektrisierenden Schmerzen führen wie bei einer Trigeminusneuralgie.
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Häufigste Ursache ist ein im Bereich des Hirnstamms gelegenes Gefäß, das durch die sich ständig wiederholende Pulswelle des Blutstroms den Trigeminusnerv beim Austritt aus dem Hirnstamm reizt und schädigt (neurovaskuläre Kompression = Druckschädigung des Nerven durch den Gefäß-Nerven-Kontakt).
Bei etwa 15 % der Fälle wird die Trigeminusneuralgie durch eine zugrunde liegende Erkrankung ausgelöst. Dies wird als sekundäre oder symptomatische Trigeminusneuralgie bezeichnet. Typische Ursachen sind Multiple Sklerose (MS), bei der es zu einer Demyelinisierung der Nervenfasern kommt, oder eine Raumforderung im Bereich des Kleinhirnbrückenwinkels wie Tumore oder Zysten.
Die zentrale Pathogenese der Trigeminusneuralgie liegt in der Demyelinisierung der Nervenfasern im Bereich der vulnerablen Nervenwurzeleintrittszone des Nervus trigeminus. Die Demyelinisierung bedeutet den Verlust der Myelinschicht, die normalerweise die Nervenfasern umgibt und für eine schnelle und koordinierte Übertragung elektrischer Signale verantwortlich ist. Ohne diese Schicht können elektrische Impulse abnormal und unkontrolliert weitergeleitet werden, was zu ektoper Aktivität führt, also zu einer Entladung elektrischer Signale an falschen Stellen.
Triggerreize
Während die symptomatische Trigeminusneuralgie meist durch eine Grunderkrankung ausgelöst wird, gibt es bei der klassischen Form sogenannte Triggerreize. Diese beziehen sich nicht auf die Ursache der Erkrankung selbst, sondern auf den Auslöser der jeweiligen Schmerzattacke. Die Trigger können bei der Trigeminusneuralgie sehr unterschiedlich sein. Oft rufen ganz alltägliche Dinge den Schmerz hervor. Dazu gehören:
- Berühren des Gesichtes
- Lächeln beziehungsweise Lachen
- Kauen beziehungsweise Essen kalter oder heißer Speisen
- Trinken
- Zähneputzen
- Waschen des Gesichtes
- Sprechen
- Auftragen von Make-up
- Rasieren
- Zugluft
Unabhängig von Triggerreizen können die stechenden Schmerzen auch spontan auftreten, das heißt ohne Anlass. Sie strahlen meist in eines, selten in mehrere der drei Territorien der Gesichtshälfte aus, die durch die Äste des Nervus trigeminus versorgt werden. Am häufigsten ist der Gesichtsbereich betroffen, der vom Unterkieferast versorgt wird, seltener der Bereich des Oberkieferastes und in sehr seltenen Fällen der Bereich des Augenastes.
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Der Einfluss von Kälte
Bei einigen Menschen mit Trigeminusneuralgie löst die kalte Luft im Winter starke Gesichtsschmerzen aus. „Häufige Auslöser der Gesichtsschmerzen sind beispielsweise ein Berührungsreiz im Gesicht, ein Luftzug oder auch ein Kältereiz. Die Trigeminusneuralgie tritt häufiger im Winter als im Sommer auf“, ergänzt Dr. Bergmann. „Es empfiehlt sich daher, Zugluft und einen extremen Kälteeinfluss im Gesicht zu vermeiden. Im Winter ist es ratsam, die Gesichtshaut zu schützen und eine geeignete Hautschutzcreme aufzutragen.“
Kälte kann also ein entscheidender Trigger für Schmerzattacken sein. Dies führt dazu, dass Betroffene, die jahrelang unter den Beschwerden leiden, ein Vermeidungsverhalten entwickeln und beispielsweise nicht mehr nach draußen gehen, wenn kalte Luft als Auslöser wirkt.
Symptome und Anzeichen
Bei der Trigeminusneuralgie schießen blitzartig Schmerzen in eine Gesichtshälfte ein. Manchmal passiert das ohne äußeren Anlass und kann so schmerzhaft und überraschend sein, dass die Betroffenen für Sekunden wie gelähmt sind. Oft gibt es aber auch auslösende Faktoren („Trigger“).
Patienten berichten von folgenden Symptomen, die einzeln oder in Kombination auftreten können:
- Schwere blitzartige Schmerzen, die sich wie ein Elektroschock anfühlen
- Spontane starke Schmerzen, die durch Berührung des Gesichtes oder Kauen und Sprechen ausgelöst werden
- Serien hintereinander einschießender, starker Schmerzen, die wenige Sekunden bis Minuten anhalten
- Episoden schwerer Schmerzattacken über Wochen oder Monate, die sich mit Perioden abwechseln, in denen Betroffene keine Schmerzen haben
- Ein andauerndes, brennendes Gefühl kann bereits vor dem eigentlichen Auftreten des Gesichtsschmerzes vorhanden sein
- Schmerzen in der Region, die vom Trigeminusnerv versorgt werden, beispielsweise Augen, Wange, Lippen, Kiefer, Zähne, Zahnfleisch
Während bei der klassischen Trigeminusneuralgie zwischen den bis zu 100 Schmerzattacken am Tag in der Regel Beschwerdefreiheit besteht, sind bei Patient:innen mit der symptomatischen Form die Schmerzen meist dauerhaft. Denkbar sind zudem auch Gefühlstörungen oder motorische Ausfälle im Versorgungsbereich des Nervus trigeminus. Nicht zuletzt ist der Augenast bei der symptomatischen Form häufiger betroffen, als bei der klassischen Form.
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Diagnose
Die Diagnose beruht zunächst darauf, dass Betroffene den Schmerz und die Auslöser gut beschreiben. Schildern Sie die Art und die Dauer der Schmerzen. Wann und wie oft treten Sie auf? Gibt es zusätzliche Symptome wie Taubheitsgefühle?
Eine neurologische Untersuchung und eine MRT (Magnetresonanz-Tomographie) schließen andere Krankheiten als Ursache aus. Befunde vom Zahnarzt, Augenarzt und vom HNO-Arzt ergänzen das.
Behandlung
Je früher die Behandlung beginnt, desto größer sind die Chancen, dass sich das Krankheitsbild nicht weiter verschlimmert. Im Vorfeld einer Behandlung ist es wichtig, andere Erkrankungen durch verschiedene neurologische Untersuchungen auszuschließen, und eine sichere Diagnose zu stellen. Von einer Trigeminusneuralgie müssen beispielsweise so genannte Cluster-Kopfschmerzen sowie Zahn- und Kieferbeschwerden oder auch Multiplen Sklerose abgegrenzt werden. Zur Behandlung gibt es dann eine Vielzahl an Möglichkeiten.
Medikamentöse Therapie
Eine Trigeminusneuralgie wird in erster Linie mit Medikamenten, sogenannten Antikonvulsiva, behandelt. Diese, zur Behandlung der Epilepsie eingesetzten Arzneimittel vermindern die Nervenaktivität und „beruhigen“ so den Schmerz. Auch einige weitere Arzneimittel können erfolgreich eingesetzt werden.
Bei den meisten Betroffenen findet sich kein solcher Auslöser. Sie erhalten Medikamente, die überempfindliche Nervenzellen beruhigen und so die Schmerzen lindern. Meist sind das Mittel, die auch Menschen mit Epilepsie oder Depression helfen. Manchmal erhalten Erkrankte verschiedene Wirkstoffe nacheinander. So findet sich eine wirksame und verträgliche Therapie am besten.
Operative Verfahren
Seltene Ursachen für die Nervenschmerzen wie Gefäßschlingen oder andere Krankheiten behandelt der Arzt oder die Ärztin zuerst. Operationsverfahren bei Trigeminusneuralgie:
- Operation nach Jannetta: Im Bereich des Gefäß-Nerven-Austritts aus dem Hirnstamm wird ein Teflonpolster zwischen Gefäß und Nerv eingelegt, um den Nerven zu schützen. Dieser Eingriff hat eine sehr gute Ansprechrate. Der Effekt tritt unmittelbar nach der Operation ein.
- Thermokoagulation (Erhitzung) oder Ballonkompression im Bereich des Nervenknotens (Ganglion trigeminale): Auch diese Verfahren sind gut wirksam. Häufig kommen die Beschwerden nach einigen Jahren aber wieder. Der Effekt tritt unmittelbar nach der Operation ein.
- Gammaknifebehandlung (Bestrahlung) des Nerven: Durch diese Behandlung wird häufig erst nach einigen Monaten ein Effekt erzielt, es wird jedoch keine Operation notwendig.
Alle Eingriffe haben gewisse Risiken (z.B. Entstehung einer Taubheit im Gesicht), und die Erfolgsaussichten hängen sehr von der Erfahrung des Operateurs ab.
Weitere Therapieansätze
Bei schweren Schmerzen hilft eine zusätzliche Behandlung. Hilfreich ist eine Psychotherapie. Sie ist oft Teil einer multimodalen Schmerztherapie. Denn dauerhafte Schmerzen belasten auch psychisch stark.
Tipps für Betroffene
Da Patient:innen versuchen, mögliche Ursachen zu vermeiden, hat die Neuralgie nicht nur durch den starken Gesichtsschmerz selbst einen Einfluss auf die Lebensqualität.
- Kälte vermeiden: Im Winter ist es ratsam, die Gesichtshaut zu schützen und eine geeignete Hautschutzcreme aufzutragen. Es empfiehlt sich, Zugluft und einen extremen Kälteeinfluss im Gesicht zu vermeiden.
- Stress reduzieren: Auch Stress kann ein Auslöser für Schmerzattacken sein. Entspannungsverfahren wie progressive Muskelrelaxation nach Jacobson können helfen, Stress abzubauen.
- Regelmäßige Kontrollen: Wer mehrfach unter solchen akut einsetzenden heftigen Gesichtsschmerzen leidet, sollte umgehend einen Nervenarzt oder Neurologen aufsuchen.
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