Die Trigeminusneuralgie ist eine neurologische Erkrankung, die durch extrem starke, blitzartig einschießende Gesichtsschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Schmerzen werden durch eine Schädigung oder Reizung des Nervus trigeminus, des fünften Hirnnervs, verursacht. Der Nervus trigeminus ist für die Gefühlswahrnehmung im Gesicht, der Schleimhäute in Mund und Nase sowie der Hornhaut verantwortlich. Die Erkrankung kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.
Symptome der Trigeminusneuralgie
Die typischen Symptome der Trigeminusneuralgie sind:
- Plötzliche, heftige, stechende oder messerstichartige Schmerzen im Gesicht. Betroffene Patienten beschreiben die Schmerzen als einschießend „wie Messerstiche“.
- Die Schmerzen dauern meist nur wenige Sekunden bis zu zwei Minuten, können aber bis zu mehreren Minuten andauern. Besonders zermürbend für die Patienten ist, dass sich die Schmerzattacken bis zu hundert Mal täglich wiederholen können.
- Die Schmerzen treten meist einseitig im Bereich des Wangenknochens, des Oberkiefers oder des Unterkiefers auf. Die Stirn ist seltener betroffen.
- Die Schmerzen können durch bestimmte Trigger ausgelöst werden, wie z. B. Berühren des Gesichts, Sprechen, Kauen, Trinken, Schlucken, Zähneputzen, kalte Luft oder Husten.
Begleitend zu den Schmerzen können reflektorische Spasmen der Gesichtsmuskulatur, Hautrötung und Augentränen (Epiphora) auftreten. Bei länger bestehenden Trigeminusneuralgien kommt es in Folge der massiven Schmerzen häufig zu depressiven Verstimmungen, die bis zum Suizid führen können.
Ursachen der Trigeminusneuralgie
In den meisten Fällen (ca. 90 %) wird die Trigeminusneuralgie durch eine Kompression des Nervus trigeminus an seinem Austritt aus dem Hirnstamm verursacht. Diese Kompression wird meist durch eine Gefäßschlinge (meist eine Arterie) verursacht, die auf den Nerv drückt. Experten vermuten, dass benachbarte Blutgefäße auf den Nerv drücken könnten und auf diese Weise die sog. Myelinscheide (Umhüllung des Nervs) schädigen.
In selteneren Fällen kann die Trigeminusneuralgie auch durch andere Ursachen verursacht werden, wie z. B.:
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- Multiple Sklerose (MS): Eine Entmarkungskrankheit, bei der die Schutzhülle der Nervenfasern im Nervensystem zerstört wird.
- Tumoren: Insbesondere Akustikusneurinome (seltene, gutartige Tumore des Hör- und Gleichgewichtsnervs).
- Gefäßmissbildungen
- Zoster-Erkrankung (Gürtelrose)
- Erkrankungen des Kiefers
- Zahnprobleme
- Nasennebenhöhlenprobleme wie eine Kieferhöhlenentzündungen (Sinusitis maxillares)
- Z.n. operativen Eingriffen an den Zähnen oder Nasennebenhöhlen, Mittelgesichtsfrakturen, oder ein Migräne-Kopfschmerz in Frage.
Bei der klassischen (auch: ideopathischen) Trigeminusneuralgie gibt es keine erkennbare Ursache für die Erkrankung. Auffällig ist, dass bei der ideopathischen Trigeminusneuralgie meist nur der zweite oder dritte Hauptast des Nervus trigeminus betroffen ist. Aus diesem Grund leiden die Patienten in diesem Fall eher unter einseitigen Schmerzen im Bereich des Ober- oder Unterkiefers. Liegt eine symptomatische Trigeminusneuralgie vor, sind in der Regel alle drei Äste des Nervs und damit auch beide Gesichtshälften betroffen. Denkbar sind auch andere Entstehungsmechanismen. Dazu gehört eine Überaktivität oder Überempfindlichkeit des fünften Hirnnervs, die sich auch erst über die Jahre entwickeln kann.
Diagnose der Trigeminusneuralgie
Die Diagnose der Trigeminusneuralgie basiert in erster Linie auf der Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) und der Beschreibung der Schmerzen durch den Patienten. Wichtig ist, die Art und die Dauer der Schmerzen zu schildern. Wann und wie oft treten Sie auf? Gibt es zusätzliche Symptome wie Taubheitsgefühle?
Ergänzend zur Anamnese werden folgende Untersuchungen durchgeführt:
- Neurologische Untersuchung: Hierbei werden das Gesicht berührt und abgetastet sowie Reflextests an den sogenannten Triggerpunkten („Nervenaustrittspunkte“) durchgeführt. Beides hilft dem Arzt, die betroffenen Gesichtsbereiche beziehungsweise den betroffenen Nervenast des Nervus trigeminus genauer zu bestimmen.
- Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes: Die MRT ist ein bildgebendes Verfahren, bei dem Magnetfelder in elektronische Signale umgewandelt werden. Tomografie leitet sich von den griechischen Worten „tomi“ (deutsch: Schnitt) und „graphikos“ (deutsch: ein gezeichnetes Bild) ab und bedeutet Schnitt-Bild. Die Schnittbilder haben eine hohe Auflösung und können so eine sehr detaillierte Auskunft geben. Manchmal wird eine MRT-Untersuchung mit einer Kontrastmittelgabe durchgeführt, um Gefäße besser sichtbar zu machen. Die Kernspintomografie wird durchgeführt, um bestimmte Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder einen Tumor als Ursache der Trigeminusneuralgie auszuschließen. Hierfür gilt sie als Verfahren der ersten Wahl. Bei typischer Trigeminusneuralgie ist die Kernspintomographie mit axialer und coronarer CISS-Sequenz (constructive interference in steady-state) die Untersuchung der Wahl. Diese Sequenz zeigt am besten, ob eine Nervenkompression durch eine Hirnschlagader vorliegt. Gleichzeitig werden durch die Kernspintomographie andere Ursachen (z. B. Tumoren) ausgeschlossen.
- Weitere Untersuchungen: Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen durchgeführt werden, wie z. B. eine Untersuchung beim Zahnarzt, Augenarzt oder HNO-Arzt, um andere Ursachen für die Gesichtsschmerzen auszuschließen.
Welche Ärzte können eine Trigeminusneuralgie diagnostizieren? In der Regel wird die Trigeminusneuralgie von Ärzten der Neurologie oder Neurochirurgie diagnostiziert. Bei Trigeminusneuralgie durch Nasennebenhöhlen- oder Zahnerkrankung sollte die Vorstellung beim HNO-Arzt bzw.
Behandlung der Trigeminusneuralgie
Die Behandlung der Trigeminusneuralgie richtet sich nach der Ursache der Erkrankung und der Schwere der Symptome.
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Medikamentöse Therapie
Zunächst wird eine medikamentöse Behandlung versucht, wobei Neurontin (Gabapentin) als Mittel der Wahl gilt. Die Gabe von Medikamenten kommt in erster Linie bei der idiopathischen Variante zum Tragen. Sinnvoll sind Präparate mit den Wirkstoffen Carbamazepin oder Oxcarbazepin. Sie werden auch zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt. Gute Erfahrungen wurden mit muskelentspannenden Wirkstoffen wie Baclofen gemacht. In der Regel erfolgt die Therapie mit nur einem Wirkstoff.
Diese Medikamente können überempfindliche Nervenzellen beruhigen und so die Schmerzen lindern. Meist sind das Mittel, die auch Menschen mit Epilepsie oder Depression helfen. Manchmal erhalten Erkrankte verschiedene Wirkstoffe nacheinander. So findet sich eine wirksame und verträgliche Therapie am besten.
Operative Therapie
Wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam ist oder zu starke Nebenwirkungen verursacht, kann eine operative Behandlung in Erwägung gezogen werden.
Es gibt verschiedene operative Verfahren zur Behandlung der Trigeminusneuralgie:
- Mikrovaskuläre Dekompression nach Jannetta: Bei diesem Eingriff wird der Nervus trigeminus durch eine kleine Öffnung des Schädels hinter dem Ohr freigelegt. Das komprimierende Gefäß wird von der Nervenwurzel gelöst und mit einer kleinen Teflon-Plombe weggehalten, so dass der Nerv völlig freiliegt. Dieses OP-Verfahren das Herr Prof. Feigl anwendet nennt sich Mikrovaskuläre Dekompression nach Janetta. D.h. der Eingriff erfolgt minimalinvasiv und bedarf keiner großen Öffnung am Kopf. Diese Operation bietet eine ca. 85 %ige Chance auf dauernde Schmerzfreiheit.
- Perkutane Thermokoagulation nach Sweet: Bei diesem Verfahren werden die Schmerzfasern des Nervs durch Hitze zerstört.
- Radiochirurgische Verfahren: Hierbei wird der Nervus trigeminus mit hochdosierter Strahlung behandelt.
- Injektion von Glycerin in das Ganglion Gasseri: Hierbei wird Glycerin in das Ganglion Gasseri (einem Nervenknoten an der Schädelbasis) injiziert, um die Schmerzleitung zu unterbrechen. Hierbei besteht eine 80 %ige Chance auf sofortige Schmerzfreiheit. Allerdings ist das Wiederauftreten von Beschwerden deutlich höher als nach der mikrovaskulären Dekompression (ca. 40 % Rezidive in 5 Jahren).
Alternative Behandlungsmethoden
Zusätzlich zu den oben genannten Behandlungsmethoden können auch alternative Behandlungsmethoden zur Linderung der Schmerzen eingesetzt werden, wie z. B.:
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- Akupunktur: Für die Akupunktur werden feine Nadeln im Gesicht, aber auch in Punkte an Nacken, Händen und Füssen aufgrund des Leitbahnverlaufes gestochen.
- Physiotherapie: Oft ist auch eine begleitende Physiotherapie über versierte Physiotherapeuten notwendig.
- TCM (Traditionelle Chinesische Medizin): Bei diesen Patienten kann mit Akupunktur und Kräutern aus der TCM eine gute Linderung der Beschwerden erreicht werden.
- CMD-Therapie (Craniomandibuläre Dysfunktion): Liegt nach erfolgter Diagnostik der Verdacht vor, es könnte sich bei den Beschwerden um eine „CMD“ handeln, kann sich der/die Betroffene zur Anpassung einer individuellen Bissschiene bei einem entsprechend versierten Zahnarzt vorstellen.
Psychotherapie
Bei schweren Schmerzen hilft eine zusätzliche Behandlung. Hilfreich ist eine Psychotherapie. Sie ist oft Teil einer multimodalen Schmerztherapie. Denn dauerhafte Schmerzen belasten auch psychisch stark.
Welcher Arzt ist der richtige Ansprechpartner?
Bei Verdacht auf eine Trigeminusneuralgie sollte man sich an einen Neurologen oder Neurochirurgen wenden. Diese Fachärzte sind auf die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems spezialisiert. In einigen Fällen kann auch ein HNO-Arzt oder Zahnarzt bei der Diagnosefindung helfen, insbesondere wenn die Schmerzen im Bereich der Nasennebenhöhlen oder der Zähne auftreten.
Persönliche Erfahrungen und Erfolgsgeschichten
Viele Patienten berichten von einem langen Leidensweg, bevor die Diagnose Trigeminusneuralgie gestellt wird. Oft werden die Schmerzen zunächst als Zahnschmerzen oder Kieferhöhlenentzündung fehlinterpretiert, was zu unnötigen Behandlungen führen kann.
Einige Patienten haben positive Erfahrungen mit operativen Eingriffen gemacht, insbesondere mit der mikrovaskulären Dekompression nach Jannetta. Sie berichten von einer deutlichen Reduktion der Schmerzen oder sogar von Schmerzfreiheit nach der Operation.
Es ist wichtig, sich von einem erfahrenen Arzt beraten zu lassen und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten sorgfältig abzuwägen. Mit der richtigen Therapie können die Schmerzen der Trigeminusneuralgie gelindert und die Lebensqualität der Betroffenen verbessert werden.
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