Die Neurochirurgie ist ein hochspezialisiertes Feld der Medizin, das sich mit der operativen Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems befasst. Dazu gehören das Gehirn, das Rückenmark, die peripheren Nerven und die sie umgebenden Strukturen. In Baden-Württemberg gibt es eine Reihe von renommierten Kliniken, die ein breites Spektrum neurochirurgischer Leistungen anbieten. Dieser Artikel gibt einen Überblick über einige der führenden neurochirurgischen Einrichtungen in der Region und beleuchtet ihre Schwerpunkte und Spezialisierungen.
Neurochirurgische Versorgung auf höchstem Niveau
Baden-Württemberg verfügt über eine ausgezeichnete Infrastruktur für die neurochirurgische Versorgung. Viele Kliniken sind mit modernster Technik ausgestattet und arbeiten interdisziplinär mit anderen Fachbereichen zusammen, um eine umfassende Betreuung der Patienten zu gewährleisten.
Universitätsklinikum Heidelberg: Ein führendes Zentrum
Die Neurochirurgie Heidelberg ist eines der führenden neurochirurgischen Zentren Europas. Fest verankert im Neurozentrum der Kopfklinik und den benachbarten Fachkliniken der Universitätsmedizin, bietet sie ihren Patienten eine neurochirurgische Therapie auf höchstem medizinischem Niveau. Pro Jahr werden etwa 12.000 Patienten behandelt und mehr als 3.500 Operationen durchgeführt.
Modernste Technologie und Spezialisierungen:
- Mikrochirurgische Operationstechnik mit leistungsfähigen OP-Mikroskopen
- Computergestützte Neuronavigation
- Intraoperatives MRT und Doppler-Ultraschall
- Elektrophysiologisches Neuromonitoring
- Transkranielle Magnetstimulation (TMS) und spezielle MRT-Untersuchungen mit Faserbahndarstellung für Patienten mit intrakraniellen Tumoren
Dank der speziell ausgerüsteten neurochirurgischen Intensivstation und der unmittelbaren Nähe zu allen benachbarten universitären Fachkliniken können auch schwer bis kritisch erkrankte Patienten zu jeder Zeit optimal versorgt werden.
Klinikum Ludwigsburg: Umfassendes Leistungsspektrum
Die Klinik für Neurochirurgie am Klinikum Ludwigsburg ist im Verbund der Regionalen Kliniken Holding das einzige neurochirurgische Versorgungszentrum mit einem weit über den Landkreis hinausreichenden Einzugsbereich. Durch die hochmoderne technische Ausstattung ist die Behandlung aller gängigen neurochirurgischen Krankheitsbilder sichergestellt.
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Team und Ausstattung:
- Chefarzt, 7 Oberärzte, 4 Fachärzte und insgesamt 14 Assistenzärzte
- 3 Stationen (mit eigener 14-Betten Überwachungseinheit)
- NeuroSuite mit doppeltem Hybrid-OP mit integriertem intraoperativen MRT (seit 2017)
In den Spezialambulanzen werden jährlich ca. 4.000 Patienten betreut.
Klinikum Stuttgart: Maximalversorgung und interdisziplinäre Zusammenarbeit
Die Neurochirurgische Klinik des Klinikums Stuttgart ist eine der leistungsfähigsten in Deutschland. Als Klinik der Maximalversorgung bietet sie rund um die Uhr das gesamte Spektrum der Neurochirurgie.
Schwerpunkte und Besonderheiten:
- Neun Oberärzte und zwölf Assistenzärzte in Weiterbildung gewährleisten eine optimale Patientenbetreuung
- Apparative Ausstattung auf dem neuesten Stand der neurochirurgischen Technik (Neuronavigation, funktionelles prächirurgisches Mapping, Neuromonitoring, fluoreszenzgestützte Verfahren, Wachoperation)
- Interdisziplinäre Betreuung von neuroonkologischen Erkrankungen im Verbund mit dem Stuttgart Cancer Center (SCC) - Tumorzentrum Eva Mayr-Stihl
- Zertifiziertes Zentrum für Neuroonkologische Tumoren durch die Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
- Stuttgart Spine Center (SSC) in Zusammenarbeit mit der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie und der Orthopädischen Klinik des Olgahospitals
Universitätsklinikum Ulm: Spezialisierung und Kooperation
Die Abteilung Neurochirurgie des Universitätsklinikums Ulm ist eine Spezialeinrichtung für die operative Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems. Sie arbeitet eng mit mehreren Abteilungen des Universitätsklinikums zusammen, insbesondere mit der Kinderklinik.
Besondere Schwerpunkte:
- Kinderneurochirurgie: Kinder mit bestimmten Erkrankungen werden primär in diesem Haus operiert. Ältere Kinder können zusammen mit einem Elternteil für neurochirurgische Operationen auf der Station aufgenommen werden.
- Hochauflösender 3T Magnetresonanztomogramm im Operationssaal (seit Juni 2013) für intraoperative Kernspintomographie
- Mikrochirurgische Techniken mit Operationsmikroskop und feinen Instrumenten
- Endoskopische Operationen in ausgewählten Fällen
- Behandlung von gut- oder bösartigen Hirntumoren mit Neuronavigation und intraoperativer 3T Magnetresonanztomografie
- Enge Zusammenarbeit mit den Fachbereichen Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und Augenheilkunde (als Teil der Kopfklinik)
- Versorgung von Tumoren der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und operative Behandlung von Störungen des Nervenwasserkreislaufes (Syringomyelie, Hydrozephalus)
Bundeswehrkrankenhaus Ulm: Wirbelsäulenchirurgie der Maximalversorgung
Die Klinik für Neurochirurgie des Bundeswehrkrankenhauses Ulm ist gemeinsam mit der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie zertifiziertes Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie der Maximalversorgung der DWG.
Schwerpunkte des Wirbelsäulenzentrums:
- Verletzungen
- Tumorerkrankungen
- Entzündliche und metabolische Erkrankungen
- Degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule
Es werden Eingriffe höchsten Schwierigkeitsgrades mit dem Einsatz komplexer Techniken an sieben Tagen in der Woche an 24 Stunden am Tag durchgeführt. Bei Patienten mit einer Querschnittslähmung besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Querschnittsabteilung des Rehabilitationskrankenhauses Ulm. Bei Patienten mit Schädel-Hirn-Verletzungen wird eng mit anderen Kopf-Fächern in der Kopfklinik zusammengearbeitet.
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Behandlungsspektrum im Überblick
Die neurochirurgischen Kliniken in Baden-Württemberg bieten ein breites Spektrum an Behandlungen für verschiedene Erkrankungen des Nervensystems. Dazu gehören unter anderem:
- Hirntumoren: Operative Entfernung von gut- und bösartigen Tumoren des Gehirns, oft unter Einsatz von Neuronavigation und intraoperativem MRT.
- Hirngefäßerkrankungen: Behandlung von Aneurysmen, Angiomen und anderen Gefäßmissbildungen, um Blutungen im Schädelinneren zu verhindern.
- Wirbelsäulenerkrankungen: Behandlung von Bandscheibenvorfällen, Spinalkanalstenosen, Wirbelkörperfrakturen und anderen degenerativen oder traumatischen Erkrankungen der Wirbelsäule.
- Hydrozephalus: Behandlung des "Wasserkopfes" durch Shunt-Implantation oder endoskopische Verfahren.
- Syringomyelie: Operative Behandlung von Höhlenbildungen im Rückenmark.
- Schädel-Hirn-Trauma: Akutversorgung und operative Behandlung von Verletzungen des Gehirns und des Schädels.
- Periphere Nervenchirurgie: Behandlung von Nervenkompressionen, Nervenverletzungen und Tumoren der peripheren Nerven.
- Kinderneurochirurgie: Spezialisierte Behandlung von neurochirurgischen Erkrankungen im Kindesalter, wie z.B. Tumoren, Hydrozephalus und Fehlbildungen.
- Schmerztherapie: Invasive Schmerztherapie bei chronischen Schmerzen, z.B. durch Implantation von Rückenmarkstimulatoren oder Medikamentenpumpen.
- Hypophysentumore: Transsphenoidale sowie endoskopisch assistierte Operation bei Hypophysenprozessen (Operation der Hirnanhangdrüse über die Nase in Schlüssellochtechnik).
- Orbitatumore: Tumoren in der Augenhöhle.
Die Rolle der Kinderneurochirurgie
Da Kinder keine „kleinen Erwachsenen“ sind, sondern auch in ihren Erkrankungen besonders sind, bedürfen sie einer sehr spezifischen Therapie. Deshalb wird heutzutage die neurochirurgische Behandlung von Kindern von auf Kindern spezialisierten Neurochirurgen vorgenommen. Einige Kliniken in Baden-Württemberg haben sich auf die Kinderneurochirurgie spezialisiert und bieten eine umfassende Betreuung für junge Patienten mit neurochirurgischen Erkrankungen. Kinder mit neurochirurgischen Erkrankungen werden stationär in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Zentrum für Kinder und Frauen betreut.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Ein wichtiger Aspekt der modernen Neurochirurgie ist die enge Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen. Neurochirurgische Kliniken arbeiten oft interdisziplinär mit Neurologen, Neuroradiologen, Onkologen, Strahlentherapeuten, HNO-Ärzten, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen, Augenärzten und Schmerztherapeuten zusammen, um eine optimale Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Es besteht eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Neurologischen Klinik, dem Institut für Neuroradiologie und dem Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie bei der Behandlung von Schlaganfallpatienten. Kinder und Jugendliche werden gemeinsam mit der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin behandelt. Tumore der Schädelbasis werden ggfs. gemeinsam mit der HNO-Klinik operiert. Verletzungen der Schädelbasis werden in Kooperation mit der HNO-Klinik und der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie versorgt. Die Betreuung von Tumorpatienten erfolgt zusammen mit der Medizinischen Klinik III (Onkologie) und der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie. Chronischen Schmerzpatienten werden gemeinsam mit dem Zentrum für Schmerztherapie versorgt.
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