Trigeminusneuralgie: Hausmittel und Behandlungen zur Linderung von Gesichtsschmerzen

Die Trigeminusneuralgie ist eine der stärksten Formen von Nervenschmerzen, die im Gesicht auftreten können. Sie wird durch eine Reizung des Trigeminusnervs verursacht, der für die Empfindungen im Gesicht und die Steuerung der Kaumuskulatur zuständig ist. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Trigeminusneuralgie, von den Ursachen und Symptomen bis hin zu den verfügbaren Behandlungen, einschließlich Hausmittel, Medikamente und operativen Eingriffen.

Was ist Trigeminusneuralgie?

Der Begriff "Trigeminusneuralgie" setzt sich aus "Trigeminus" ("Drilling") und "Neuralgie" ("Nervenschmerz") zusammen. Er beschreibt eine der stärksten Formen von Nervenschmerzen, die im Gesicht auftreten. Der Trigeminusnerv, der fünfte Hirnnerv, ist die Schmerzquelle.

Der Trigeminusnerv als Schmerzquelle

Der Trigeminusnerv bildet jeweils rechts und links einen Nervenknoten innerhalb des Schädels. Er ist für drei Bereiche zuständig: den Augenbereich, den Oberkiefer und den Unterkiefer. Jeder dieser Bereiche wird von einem sogenannten "Trigeminusast" versorgt, der bestimmte Empfindungen an das Gehirn übermittelt. Der erste Ast ist für Stirn, Stirnhöhle und Augenbereich zuständig, der zweite für Oberkiefer, Wangenbereich und Zähne, und der dritte steuert die Empfindungen im Unterkieferbereich. Der Trigeminusnerv spielt auch eine wichtige Rolle bei der Kaumuskulatur. Werden diese Empfindungen durch Druck, Reize oder Schädigungen gestört, sendet der Nerv einen Schmerzimpuls an das Gehirn, was zu den charakteristischen Gesichtsschmerzen führt.

Betroffene der Trigeminusneuralgie

In Deutschland sind etwa vier von 100.000 Menschen von einer Trigeminusneuralgie betroffen. Die Erkrankung tritt überwiegend bei Menschen ab dem 40. oder 50. Lebensjahr auf, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer.

Formen der Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie wird in zwei Formen unterteilt: die klassische und die symptomatische Variante. Die klassische Form tritt deutlich häufiger auf als die symptomatische. Patienten mit einer symptomatischen Trigeminusneuralgie sind jedoch durchschnittlich jünger als Patienten mit einer klassischen Form.

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Ursachen der Gesichtsschmerzen

Generell wird davon ausgegangen, dass Irritationen des Trigeminusnervs für die Gesichtsschmerzen verantwortlich sind, beispielsweise durch veränderte Blutgefäße, die Druck auf den Nerv ausüben. Es ist nicht eindeutig festzustellen, ob ein akuter Schub der Trigeminusneuralgie auf Stress zurückzuführen ist. Weitere Faktoren wie äußere Reize können ebenfalls eine Rolle spielen.

Symptomatische Trigeminusneuralgie: Gesichtsschmerzen durch Grunderkrankung

Eine eindeutige Ursache für Gesichtsschmerzen können Grunderkrankungen sein. Multiple Sklerose kann beispielsweise eine Entzündung des Trigeminusnervs verursachen, die zu einer Schädigung im Bereich der Nervenwurzel und zu starken Gesichtsschmerzen führen kann. Diese Schmerzen treten meist beidseitig auf. Auch Schlaganfälle, Gefäßmissbildungen (z. B. Aneurysmen) oder mangelhafte Durchblutung können eine Trigeminusneuralgie verursachen. Weiterhin können Hirntumore verantwortlich sein, auch gutartige wie das Akustikusneurinom, das auf den Trigeminusnerv drückt.

Bei der symptomatischen Trigeminusneuralgie sind meist alle drei Äste des Nervs betroffen, vorwiegend der im Bereich der Augen- und Stirnhöhle. Zudem können beide Gesichtshälften schmerzen, und schmerzfreie Phasen sind selten. Zusätzliche Symptome wie Taubheitsgefühl im Gesicht oder Kribbeln auf der Haut können auftreten.

Klassische Trigeminusneuralgie: Gesichtsschmerzen ohne klare Ursache

Findet der Arzt keine Grunderkrankung, die die plötzlich auftretenden Gesichtsschmerzen erklärt, handelt es sich um eine klassische bzw. idiopathische Trigeminusneuralgie. Wahrscheinlich üben neben dem Trigeminusnerv befindliche Blutgefäße Druck auf den Nerv aus und schädigen dessen Ummantelung. Warum das so ist, ist unklar. Ein möglicher Risikofaktor für diese Form der Trigeminusneuralgie ist die Arteriosklerose, die zu einer Verdickung der Arterienwände und einem direkten Kontakt zwischen Trigeminusnerv und Blutgefäßen führen kann.

Krankheitsbild der klassischen Form

Die klassische Trigeminusneuralgie führt zu meist einseitigen Gesichtsschmerzen, die in unregelmäßigen Attacken auftreten und zwischenzeitlich von beschwerdefreien Phasen gekennzeichnet sind. Besonders häufig sind der zweite oder dritte Trigeminusast betroffen, was Schmerzen von Ober- und Unterkiefer erklären kann. Ein mögliches Begleitsymptom kann eine zuckende Gesichtsmuskulatur sein.

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Symptome der Trigeminusneuralgie

Leitsymptom der Trigeminusneuralgie sind die Gesichtsschmerzen, die schlagartig beginnen und nach wenigen Sekunden bis maximal zwei Minuten wieder vorüber sind. Patienten beschreiben sie als stechend, elektrisierend oder brennend. Überwiegend lassen sich die Schmerzen auf den Bereich des Ober- und Unterkiefers begrenzen, meist treten sie auch nur auf einer Gesichtshälfte auf. Seltener sind Augen- und Stirnbereich oder beide Gesichtshälften betroffen. Die Attacken treten je nach Intensität und Ausprägung bis zu 100 Mal am Tag auf und werden zu den heftigsten Schmerzformen überhaupt gezählt.

Begleitende Symptome

Begleitende Trigeminusneuralgie-Symptome sind bei der klassischen Form meist Muskelzuckungen, bei der symptomatischen Form kann auch ein Kribbeln oder Taubheitsgefühle im betroffenen Bereich auftreten. Generell kann sich das Gesicht röten oder Tränen beginnen spontan zu fließen. Auch treten mitunter Zahnschmerzen auf.

Auslöser der Symptome

In vielen Fällen treten die Symptome der Trigeminusneuralgie ohne Vorwarnung und ohne einen speziellen Auslöser auf. Manchmal werden sie auch durch vermeintlich harmlose Berührungen der Gesichtshaut verursacht. Ebenso können witterungsbedingte Einflüsse wie starker Wind an der Haut eine Attacke begünstigen. Sprechen, Kauen, Schlucken oder Zähneputzen sind ebenfalls mögliche Trigger für einen Schub der Trigeminusneuralgie. Starke emotionale Anspannung kann sich in physische Anspannung wandeln und dementsprechend Nervenschmerzen hervorrufen.

Verlauf der Erkrankung

Rund 29 Prozent der Betroffenen erleben nur einen einmaligen Anfall der starken, elektrisierenden Gesichtsschmerzen. Andere Betroffene klagen über mehrere Attacken in den ersten Jahren nach dem Auftreten des ersten Anfalls. Umgekehrt gibt es Menschen, deren Schmerzintervall sich langsam steigert. Manchmal liegen mehrere Jahre oder Monate zwischen den Schmerzanfällen, manchmal sind es nur Wochen, Tage oder sogar Stunden.

Diagnose der Trigeminusneuralgie

Der erste Ansprechpartner für die Diagnose einer Trigeminusneuralgie ist in der Regel der Hausarzt. Dieser erfasst die Krankengeschichte und stellt Fragen zur Art, Häufigkeit und Lokalisation der Schmerzen. Es erfolgt eine Differenzierung zwischen dem Druck auf den Trigeminusnerv und einer Migräne, ebenso wie die Überprüfung von möglichen Kieferproblemen oder Zahnschmerzen. Außerdem soll geklärt werden, ob neben der Schmerzattacke andere Symptome aufgetreten sind. Bei Verdacht auf eine andere Erkrankung können ein Augenarzt, HNO-Arzt oder Kieferorthopäde hinzugezogen werden.

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Differentialdiagnose

Es ist wichtig, die Trigeminusneuralgie von anderen Ursachen für Gesichtsschmerzen abzugrenzen, wie z. B. Cluster-Kopfschmerz oder Zahnerkrankungen. Auch eine stark verspannte Muskulatur von Hals- und Nackenbereich kann Gesichtsschmerzen verursachen, ebenso kann der Schmerz einer Migräne ähneln. Außerdem wird zwischen einer Trigeminusneuralgie und einer Trigeminusneuropathie unterschieden. Die Trigeminusneuralgie beschreibt das Beschwerdebild durch Nervenschmerzen, die Trigeminusneuropathie meint hingegen eine Beschädigung des Trigeminusnervs, die häufig zu Taubheitsgefühlen führt.

Verfahren für die korrekte Diagnose

Zur eindeutigen Bestimmung des Krankheitsbilds wird ein Neurologe beispielsweise eine Computertomografie oder eine Kernspintomografie vornehmen. Die Computertomografie kann Aufschluss über den Zustand der Schädelknochen geben, während die Kernspin- oder Magnetresonanztherapie ursächliche Erkrankungen wie einen Schlaganfall oder Multiple Sklerose sucht und aufdeckt. Eventuell wird Nervenwasser aus dem Wirbelkanal entnommen, um den Verdacht einer Multiplen Sklerose zu bestätigen oder auszuschließen. Eine Angiografie kann durchgeführt werden, um die Blutgefäße zu untersuchen und einen möglichen Druck auf den Trigeminusnerv zu beleuchten.

Behandlung der Trigeminusneuralgie

Die Therapie der Trigeminusneuralgie zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern oder zumindest in einen kontrollierbaren Status zu bringen. Eine vollständige Heilung ist derzeit nicht möglich. Liegt eine Grunderkrankung vor, gilt es zunächst, diese zu behandeln. In den anderen Fällen wird meist eine medikamentöse Therapie angestrebt. Auch können in Einzelfällen Hausmittel helfen.

Trigeminus-Behandlung durch Hausmittel

Hausmittel können die medikamentöse Therapie ergänzen. Bei starken Gesichtsschmerzen kann eine leichte Massage mit Pfefferminzöl helfen, das kühlend, beruhigend und erfrischend wirkt und krampflösende Eigenschaften hat. Wechselbäder oder -duschen können ebenfalls das Wohlbefinden fördern. Um sich langsam an den Wechsel zwischen heiß und kalt zu gewöhnen, können zunächst "Wechselwickel" aus Eisbeutel und Wärmekissen angewendet werden.

Weitere Hausmittel:

  • Nackenretter: Müheloses Drücken und Dehnen gegen Kopfschmerzen.
  • Druckpunktmassage:
    1. Punkt 1: Mit den Fingern den hinteren Schädel mittig abfahren, bis ein Knubbel spürbar ist. Ein kleines Stück links und etwas unterhalb dieses Knubbels den Drücker ansetzen. Nicht zu tief drücken, sondern auf dem Knochen bleiben. Im Bereich des Wohlfühlschmerzes bleiben. Bei Nachlassen des Schmerzes Druck erhöhen oder den Drück-Winkel minimal verändern.
    2. Punkt 2: Zeige- oder Mittelfinger der linken Hand an die rechte Schläfe führen und mit der rechten Hand den Drücker bereithalten. Die Rundspitze in die Kuhle setzen und langsam eine Drucksäule aufbauen. Auch hier für zwei bis zweieinhalb Minuten im Bereich des Wohlfühlschmerzes drücken. An der rechten Schläfe den Drück-Winkel und die -Intensität einige Male leicht verändern und die Empfindlichkeit überall herunterschalten, dann die linke Seite wie beschrieben behandeln.
  • Dehnübungen: Einfache, aber wirksame Dehnübungen können helfen, unangenehme Schmerzen zu lindern. Bei den Dehnübungen immer an der persönlichen Schmerzskala von eins bis zehn orientieren. Optimale Ergebnisse werden erzielt, wenn stets auf einer Stufe von acht oder neun gearbeitet wird.

Medikamentöse Therapie

Gewöhnliche Schmerzmittel wie Diclofenac helfen bei Trigeminusneuralgie nicht, da die Schmerzattacken plötzlich und unerwartet auftreten. Daher zielt die medikamentöse Therapie auf die Vermeidung von starken Schmerzattacken. Mögliche Wirkstoffe sind Oxcarbazepin und Carbamazepin, die auch in der Epilepsie-Behandlung eingesetzt werden. Eine Alternative ist das muskelentspannende Baclofen. Für die akute Therapie eignet sich Phenytoin.

Hausmittel bei psychischen Folgen

Gesichtsschmerzen können Betroffene stark beeinträchtigen und zu erhöhtem Stress und möglicherweise einer Depression führen. Um diesen Faktoren entgegenzuwirken, eignen sich unterstützend Baldrian oder Johanniskraut. Psycho- oder Gruppentherapie kann ebenfalls helfen, Stress abzubauen und den Umgang mit den Schmerzattacken zu erleichtern.

Operative Verfahren

Eine Operation kann bei Trigeminusneuralgie die Schmerzen lindern oder sogar langfristig beseitigen. Es gibt verschiedene Operationsmöglichkeiten:

  • Mikrovaskuläre Dekompression nach Jannetta: Hierbei wird über eine Öffnung im Hinterkopf ein Goretex- oder Teflonschwämmchen zwischen Nerv und Gefäß gesetzt, um zu verhindern, dass der Trigeminusnerv erneut unter Druck gerät.
  • Perkutane Thermokoagulation nach Sweet: Hierbei wird eine Sonde durch die Haut zum Ganglion Gasseri geschoben, wo die Schmerzfasern des Nervs durch lokale Hitzeanwendung (Radiofrequenzthermokoagulation), mechanisch mittels Druckballon oder chemisch mittels Glyzerin zerstört bzw. verödet werden.
  • Radiochirurgisches Verfahren: Hierbei wird der Trigeminusnerv nahe am Hirnstamm einmalig mit einer hohen Strahlendosis bestrahlt (Gamma-Knife oder Cyber-Knife).

Alternative Behandlungsmethoden

Einige Menschen sind davon überzeugt, dass alternative Methoden wie Homöopathie bei der Therapie einer Trigeminusneuralgie helfen können. Ebenso gibt es verschiedene pflanzliche Schmerzmittel oder Hausmittel wie eine Infrarotlicht-Lampe zur Behandlung von Neuralgien. Die Wirksamkeit dieser Methoden ist wissenschaftlich umstritten. Experten raten zudem von Vitaminpräparaten ab, da es keine medizinischen Studien gibt, die deren Nutzen belegen.

Fazit

Die Trigeminusneuralgie ist eine schmerzhafte Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Es gibt jedoch verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die helfen können, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Neben Medikamenten und operativen Eingriffen können auch Hausmittel und alternative Therapien eine unterstützende Rolle spielen. Es ist wichtig, sich von einem Arzt oder Spezialisten beraten zu lassen, um die beste Behandlungsstrategie zu finden.

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