Trigeminusneuralgie: Lasertherapie, Risiken und alternative Behandlungen

Die Trigeminusneuralgie ist eine Erkrankung, die durch intensive, anfallsartige Gesichtsschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Schmerzen werden durch eine Reizung des Trigeminusnervs (Nervus trigeminus), dem fünften Hirnnerv, verursacht. Die Therapie der Trigeminusneuralgie umfasst verschiedene Ansätze, darunter medikamentöse Behandlungen, chirurgische Eingriffe und alternative Therapien wie die Lasertherapie.

Was ist Trigeminusneuralgie?

Die Trigeminusneuralgie ist ein Gesichtsschmerz im Versorgungsbereich des Nervus trigeminus, meist im Versorgungsgebiet des II. oder III. Trigeminusastes. Sie verursacht plötzliche, blitzartig einschießende, heftigste Schmerzattacken im Gesicht, die Sekunden, selten länger als zwei Minuten, andauern. Die Attacken treten spontan oder durch Reize getriggert auf. Häufige Auslöser sind Kauen, Sprechen, Schlucken, Zähneputzen, Berührung im Gesicht, kalter Luftzug sowie Bewegungen der Gesichtsmuskulatur. Zwischen den Attacken besteht in der Regel Beschwerdefreiheit. Die Schmerzen erreichen auf einer Schmerzskala von 1 bis 10 fast immer den höchsten Wert. Begleitend können sich Teile der Gesichtsmuskulatur zusammenziehen (Tic douloureux), Hautrötung und Augentränen auftreten.

Man unterscheidet zwischen der klassischen (idiopathischen) und der symptomatischen Trigeminusneuralgie. Ursache der klassischen Trigeminusneuralgie ist wahrscheinlich ein pathologischer Gefäß-Nerven-Kontakt zwischen dem Nervus trigeminus und der Arteria cerebelli superior. Symptomatische Trigeminusneuralgien treten als Symptom von Raumforderungen, Hirnstammischämien, Angiomen des Hirnstamms oder bei Multipler Sklerose auf.

Ursachen von Gesichtsschmerzen

Es ist nicht immer einfach, Schmerzen auf den Grund zu gehen, insbesondere wenn sie über Wochen und Monate andauern. Ursachen für Zahnschmerzen sind oft Karies, Risse im Zahnschmelz, Zahnwurzelentzündung, Parodontose oder Zahnfleischerkrankungen. Auch schlecht sitzende Zahnfüllungen, unbemerktes nächtliches Zähneknirschen oder nicht passgenau schließende Zahnreihen von Ober- und Unterkiefer kommen als Schmerzursachen infrage. Weiterhin sind auch Migräne und Depressionen als Auslöser für Gesicht- und Kopfschmerzen anzusehen. Scheiden diese Beeinträchtigungen aus oder bestehen die Schmerzen nach Beseitigung dieser Beschwerden fort, ist in die Überlegungen zur Schmerzursache eine Trigeminusneuralgie einzubeziehen.

Lasertherapie bei Trigeminusneuralgie

Die Lasertherapie ist eine Form der Lichttherapie, bei der Laserlicht zur Behandlung verschiedener Erkrankungen eingesetzt wird. Es gibt zwei Haupttypen der Lasertherapie:

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  • Low-Level-Lasertherapie (LLLT): Auch als Softlasertherapie oder Kaltlichtlaser-Therapie bezeichnet. Diese Therapie verwendet Laser mit niedriger Leistungsdichte, die keine thermische Wirkung auf der Haut entwickeln.
  • High-Intensity-Lasertherapie (HILT): Diese Therapie verwendet Laser mit hoher Leistungsdichte, die eine thermische Wirkung auf das bestrahlte Gewebe entwickeln.

Funktionsweise

Die Laserstrahlen interagieren mit den Zellen des Körpers und wirken über verschiedene Mechanismen. Ein zentrales Prinzip dabei ist die sogenannte Photobiomodulation. Hierbei wird die Lichtenergie des Lasers von den Zellen aufgenommen und in biochemische Energie umgewandelt. Dies führt zu einer Steigerung der Aktivität der Mitochondrien (den Kraftwerken der Zelle) um ca. 150 %, was den erhöhten Sauerstoffumsatz und die vermehrte Glucoseutilisation zur Folge hat. Zudem wird die Wirkung auf die Aktivierung der zelleigenen Energiepotenziale durch die kohärente Laserstrahlung zurückgeführt. Laut der zugrunde liegenden Theorie würden die Zellen erneut auf einem „geordneten Niveau schwingen”.

Eigenschaften des Laserlichts

Das Laserlicht unterscheidet sich von normalem Licht durch folgende Eigenschaften:

  • Monochromasie: Das Licht hat nur eine bestimmte Wellenlänge bzw. Farbe.
  • Kohärenz: Das Licht schwingt in derselben Phase.
  • Geringe Divergenz: Das Licht wird gebündelt und in eine definierte Richtung geschickt.

Diese Eigenschaften ermöglichen die speziellen Wirkungen der Lasertherapie.

Anwendungsbereiche

Die Lasertherapie findet in der Physiotherapie eine breite Anwendung und kann bei vielen verschiedenen Beschwerden und Krankheitsbildern eingesetzt werden:

  • Schmerzbehandlung: Der Laser wirkt schmerzlindernd, indem er die Nervenleitfähigkeit beeinflusst und entzündungshemmend wirkt. Besonders bei chronischen Schmerzen, die mit herkömmlichen Methoden schwer zu behandeln sind, wie zum Beispiel bei Fibromyalgie oder Arthritis, hat sich der Einsatz von Laser als effektive Option erwiesen.
  • Muskel- und Gelenkschmerzen: Durch die Anwendung von Laserlicht auf die betroffenen Muskeln und Gelenke können Entzündungen reduziert und Schmerzen gelindert werden.
  • Verletzungen an Sehnen und Bändern: Die Lasertherapie kann hier unterstützend wirken, indem sie die Geweberegeneration beschleunigt und Entzündungen reduziert.
  • Wundheilung: Der Laser unterstützt die Geweberegeneration und fördert die Neubildung von Hautzellen. Dies ist besonders hilfreich bei postoperativen Wunden, chronischen Wunden, wie beispielsweise dem diabetischen Fuß, oder auch bei Narbenbildung.
  • Neurologische Erkrankungen: Die Lasertherapie findet auch Anwendung bei der Behandlung von neurologischen Erkrankungen, die mit Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen einhergehen.

Ablauf einer Lasertherapie-Sitzung

Vor der ersten Behandlung mit Laser wird eine ausführliche Anamnese durchgeführt, um die Beschwerden des Patienten und mögliche Kontraindikationen abzuklären. Nach der Diagnose wird der Physiotherapeut das Lasergerät auf die jeweilige Behandlungszone ausrichten und eine bestimmte Wellenlänge und Intensität einstellen, die auf die jeweilige Erkrankung abgestimmt ist. Der Patient spürt in der Regel keine Wärme und meist auch keine anderen Empfindungen während der Behandlung. Die Anzahl und Häufigkeit der Behandlungen hängt von der Art und Schwere der Beschwerden ab.

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Risiken und Nebenwirkungen der Lasertherapie

Obwohl die Low-Level-Lasertherapie (LLLT) in der Regel als sicher und nebenwirkungsfrei gilt, können in seltenen Fällen einige Komplikationen auftreten. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Komplikationen selten sind und die meisten Menschen die Behandlung ohne Probleme durchführen können. Dennoch sollten Patienten sich der möglichen Risiken bewusst sein.

Mögliche Risiken und Nebenwirkungen der LLLT:

  • Lokale Reaktionen: Es kann zu vorübergehenden Rötungen oder leichten Schwellungen im behandelten Bereich kommen.
  • Hautreizungen: In einigen Fällen kann es zu vorübergehenden Hautreizungen, Rötungen oder Schwellungen im Bereich der Bestrahlung kommen.
  • Überstimulation: Bei übermäßiger Anwendung oder zu hoher Intensität des Laserlichts kann es zu einer Überstimulation des Gewebes kommen.
  • Augenprobleme: Wenn das Laserlicht versehentlich in die Augen gelangt, kann dies Augenprobleme verursachen, einschließlich vorübergehender Sehstörungen.
  • Photosensibilität: Personen, die empfindlich auf Licht reagieren (Photosensibilität), könnten verstärkt auf die LLLT reagieren.
  • Schmerzen: Einige Patienten könnten während oder nach der Behandlung leichte Schmerzen oder Beschwerden verspüren.
  • Unzureichende Wirkung: Die LLLT wirkt möglicherweise nicht bei allen Patienten oder allen Arten von Erkrankungen.
  • Allergische Reaktionen: In seltenen Fällen können allergische Reaktionen auf die verwendeten Materialien auftreten.
  • Diskoloration der Haut: Durch Pigment-Reaktion ist möglich.

Kontraindikationen

Die Lasertherapie sollte in folgenden Fällen nicht angewendet werden:

  • Augen: Die Anwendung von Laserlicht in der Nähe der Augen kann schädlich sein.
  • Schwangerschaft: Die Sicherheit der LLLT während der Schwangerschaft ist nicht ausreichend erforscht. LT sollte nicht direkt über dem Fötus appliziert werden, um Uteruskontraktionen zu vermeiden.
  • Medikamente: Einige Medikamente können die Empfindlichkeit gegenüber Licht erhöhen (zB Hypericum-Präp. und Antibiotika der Tetrazyklin-Gruppe).
  • Narben und Tattoos: Laserlicht kann bei Narben und tätowierter Haut unerwünschte Reaktionen hervorrufen.
  • Rheumatoide Arthritis I+II, Arthritis septica und A. Chron. Postmastectom.
  • Sogenannte verbotenen Akupunkturpunkte.
  • LT sollte nicht direkt über dem Fötus appliziert werden, um Uteruskontraktionen zu vermeiden.
  • Die Schilddrüse kann auf Licht reagieren.
  • LT hat bisher in keiner der bekannten In-Vivo-Studien das Tumorwachstum gefördert.
  • Nicht erwärmt, auch nicht Implantate oder Prothesen.
  • der Haut gegenüber Sonnenlicht erhöhen (zB Hypericum-Präp. und Antibiotika der Tetrazyklin-Gruppe).

Alternative Behandlungsmethoden bei Trigeminusneuralgie

Neben der Lasertherapie gibt es weitere Behandlungsmethoden für Trigeminusneuralgie:

Medikamentöse Therapie

Anfangs wird diese Behandlung bevorzugt. Beide Formen der Trigeminusneuralgie können mit einer konservativen Schmerztherapie behandelt werden. In der Regel werden Medikamente eingesetzt, welche die Beschwerden vermindern beziehungsweise die Schmerzsignale blockieren, die zum Gehirn gesendet werden. Typischerweise wird die medikamentöse Therapie mit Gabapentin oder Pregabalin begonnen. Andere antiepileptische Wirkstoffe, die bei der Trigeminusneuralgie eingesetzt werden können, sind beispielsweise Carbamazepin, Oxcarbazepin, Lamotrigin oder Phenytoin.

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Risiken und Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie

Gabapentin kann eine Vielzahl von Nebenwirkungen haben. Zu den häufigsten zählen Virusinfektionen, Schwindel, Müdigkeit, Bewegungsstörungen und Fieber.

Chirurgische Verfahren

Bei der klassischen Trigeminusneuralgie kommt die mikrovaskuläre Dekompression (Janetta-Operation) zum Einsatz. Dabei werden der Nervus trigeminus sowie die mit ihm in Verbindung stehende Arterie über einen Hautschnitt hinter dem Ohr zugänglich gemacht. Anschließend wird die Arterie vorsichtig vom Nerv getrennt und ein Stück Kunststoff als Puffer zwischen die beiden eingebracht.

Eine weitere Behandlungsmethode ist die stereotaktische Bestrahlung (radiochirurgische Behandlung) der Trigeminuswurzel im Hirnstamm mit ionisierenden Strahlen (GammaKnife®, CyberKnife®).

Bei der symptomatischen Trigeminusneuralgie kommen perkutane Verfahren (Ballonkompression, Glycerininjektion, Thermokoagulation) zum Einsatz, bei denen ein oder mehrere Äste des Trigeminusnervs durch Druck, Alkohol oder Hitze geschädigt werden.

Elektrostimulation

Bei der Elektrostimulation wird zunächst eine Teststimulation über eine Nadelelektrode durchgeführt. Wirkt diese, so wird über verschiedene Zugangswege eine Elektrode im Bereich des Nervenknotens (Ganglion) eingesetzt.

Neuer Ansatz: Therapie mit Botox

Die Injektion von Botulinumtoxin in den schmerzhaften Bereich ist ein neuer Therapieansatz, der vor allem bei Patient:innen nützlich sein kann, die auf andere Medikamente nicht mehr ansprechen.

Alternative Medizin

Alternative Methoden bei der Behandlung der Trigeminusneuralgie wurden bisher nicht so gründlich untersucht wie die medikamentösen oder chirurgischen Verfahren. Dennoch konnte manchen Patient:innen mit alternativen Behandlungen geholfen werden, zum Beispiel mit Akupunktur, Biofeedback, Chiropraktik, Vitaminen oder Nahrungsergänzungsstoffen. Ein altbewährtes Hausmittel um den gereizten Nerv zu beruhigen, ist der sogenannte Hexenschuss-Tee, der recht gut gegen Schmerzen verschiedener Nerven hilft. Mit Kampferöl aus der Apotheke wurden ebenfalls bereits Erfolge erzielt. Vielen Betroffenen hilft auch das Einreiben mit Johanniskrautöl.

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