Trigeminusneuralgie und Arbeitsunfähigkeit: Ein umfassender Überblick

Die Trigeminusneuralgie ist eine äußerst schmerzhafte Erkrankung, die durch blitzartige, stechende Gesichtsschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Schmerzen können so stark sein, dass sie das tägliche Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und sogar zur Arbeitsunfähigkeit führen können. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Trigeminusneuralgie, ihre Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit und die Möglichkeiten der Behandlung und Unterstützung.

Was ist eine Trigeminusneuralgie?

Eine Trigeminusneuralgie ist durch heftige, attackenartige, meist einseitige Gesichtsschmerzen gekennzeichnet, die vom fünften Hirnnerv, dem Trigeminusnerv, ausgehen. Der Trigeminusnerv ist der größte Hirnnerv und teilt sich in drei Äste auf, die den Großteil des Gesichts versorgen: Stirn und Augen, Ober- und Unterkiefer sowie Lippe und Wange. Der Nerv leitet Sinneseindrücke wie Berührungen, Temperatur und Schmerz an das Gehirn weiter und steuert die Kiefer- und Zungenmuskulatur.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen der Trigeminusneuralgie können vielfältig sein:

  • Klassische Trigeminusneuralgie: In 80 bis 90 Prozent der Fälle drückt ein benachbartes Blutgefäß auf den Nerv, was die schützende Nervenhülle reizt und den Nerv leichter erregbar macht (neurovaskuläre Kompression). Eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose) kann das Risiko erhöhen.
  • Sekundäre Trigeminusneuralgie: Sie wird durch andere Erkrankungen verursacht, die den Nerv reizen, wie Multiple Sklerose, Tumoren, Bindegewebserkrankungen oder angeborene Fehlbildungen von Blutgefäßen.
  • Idiopathische Trigeminusneuralgie: In einigen Fällen lässt sich keine Ursache für die Schmerzen finden.

Emotionale und psychische Faktoren wie Stress können ebenfalls eine Rolle spielen. Auslöser für Schmerzanfälle können bereits leichte Gesichtsberührungen, Kauen, Sprechen oder Zähneputzen sein (Trigger).

Symptome

Die Trigeminusneuralgie äußert sich durch folgende Symptome:

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  • Plötzlich einsetzende, heftige, stechende oder blitzartige Schmerzen im Gesicht, die oft als Stromschlag beschrieben werden.
  • Die Schmerzen treten einseitig auf und sind auf das Versorgungsgebiet des Trigeminusnervs beschränkt.
  • Schmerzfreie Phasen zwischen den Attacken.
  • Die Abstände zwischen den Attacken können sich mit der Zeit verkürzen.
  • Manchmal dumpfer Dauerschmerz.
  • Begleitende Kopfschmerzen sind möglich.
  • Reflektorische Muskelspasmen im Gesicht während der Attacke.

Diagnose

Die Diagnose der Trigeminusneuralgie erfolgt in der Regel durch:

  • Ausführliches Gespräch (Anamnese): Der Arzt erfragt die Art, Dauer, Häufigkeit und Auslöser der Schmerzen.
  • Körperliche Untersuchung: Prüfung des Empfindungsvermögens im Gesicht.
  • Neurologische Untersuchung:
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Um andere Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Tumoren oder Gefäßmissbildungen auszuschließen.
  • Weitere Untersuchungen: In einigen Fällen können eine Nervenwasseruntersuchung (Liquorpunktion), Computertomografie (CT) oder Angiografie erforderlich sein.

Therapie

Die Behandlung der Trigeminusneuralgie zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es gibt verschiedene Therapieansätze:

  • Medikamentöse Therapie: Mittel der Wahl sind Antiepileptika wie Carbamazepin oder Oxcarbazepin, die die Anzahl der Schmerzepisoden verringern. Die Dosis wird langsam gesteigert, bis sie gut wirkt und möglichst wenige Nebenwirkungen verursacht.
  • Operative Eingriffe:
    • Mikrovaskuläre Dekompression: Unterbrechung des Kontakts zwischen Nerv und Gefäß, um den Druck auf den Nerv zu lösen.
    • Neuroablation: Zerstörung von Nervenfasern mit Hilfe von Wärme, Druck oder einer Alkohollösung.
    • Bestrahlung mit dem GammaKnife: Behandlung des Trigeminusnervs mit radioaktiven Strahlen.
  • Ergänzende Therapien: Multimodale Schmerztherapie, Physiotherapie, Psychotherapie, Akupunktur und Stressbewältigungstechniken können unterstützend wirken.

Trigeminusneuralgie und Arbeitsunfähigkeit

Die Trigeminusneuralgie kann erhebliche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben. Die plötzlichen, heftigen Schmerzattacken können die Konzentration beeinträchtigen und es unmöglich machen, bestimmte Tätigkeiten auszuführen.

Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit

  • Konzentrationsstörungen: Die Schmerzen können so stark sein, dass sich Betroffene nicht mehr auf ihre Arbeit konzentrieren können.
  • Einschränkung der körperlichen Aktivität: Bestimmte Bewegungen oder Tätigkeiten können Schmerzattacken auslösen.
  • Psychische Belastung: Die Angst vor der nächsten Attacke und die ständigen Schmerzen können zu Stress, Angstzuständen und Depressionen führen.
  • Fehlzeiten: Häufige Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte können zu Fehlzeiten führen.
  • Sozialer Rückzug: Betroffene ziehen sich möglicherweise zurück, um Schmerzattacken in der Öffentlichkeit zu vermeiden.

Berufsunfähigkeit

Wenn die Schmerzen sehr stark sind und die Behandlungsmöglichkeiten keinen Erfolg bringen, kann es zu einer bedingungsgemäßen Berufsunfähigkeit wegen Trigeminusneuralgie kommen. Regelmäßig wird vorausgesetzt, dass der aktuell ausgeübte Beruf infolge der Erkrankung zu mehr als 50 Prozent nicht mehr ausgeübt werden kann. Ob das bei Trigeminusneuralgie der Fall ist, bedarf immer eine Betrachtung im Einzelfall. Es kommt unter anderem auf den Beruf und dessen Anforderungen an.

  • Tätigkeiten mit hoher Aufmerksamkeit: Bei Tätigkeiten, die eine stetige Aufmerksamkeit erfordern, wie Autofahren, als Pilot oder an einer Maschine, kommt es eher zu einer bedingungsgemäßen Berufsunfähigkeit wegen Trigeminusneuralgie.
  • Tätigkeiten mit flexibler Arbeitszeit: Eine Tätigkeit, bei der Betroffene ihre Arbeit problemlos für kurze Zeit unterbrechen können, führt hingegen eher nicht zu einer bedingungsgemäßen Berufsunfähigkeit wegen Trigeminusneuralgie.

Eine pauschale Aussage darüber, ob man mit Trigeminusneuralgie bedingungsgemäß berufsunfähig ist, kann jedoch nicht getroffen werden. Es ist individuell zu prüfen, wie stark die Beschwerden im Einzelfall bereits ausgeprägt sind und wie die konkret ausgeübte Tätigkeit mit diesen Beschwerden kollidiert. Weiterhin sind die noch nicht ausgeschöpften Therapiemöglichkeiten mit einzubeziehen.

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Rechtliche Aspekte und Unterstützung

  • Berufsunfähigkeitsversicherung: Es ist wichtig, die Bedingungen der Berufsunfähigkeitsversicherung genau zu prüfen und alle relevanten Informationen anzugeben. Eine detaillierte Beschreibung der beruflichen Tätigkeit und der Einschränkungen durch die Trigeminusneuralgie ist erforderlich.
  • Sozialleistungen: Betroffene können möglicherweise Anspruch auf Sozialleistungen wie Krankengeld, Erwerbsminderungsrente oder Leistungen zur Rehabilitation haben.
  • Unterstützung durch Rechtsanwälte: Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte unterstützen von Trigeminusneuralgie Betroffene in sämtlichen Stadien des Berufsunfähigkeitsverfahrens.

Leben mit Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie ist eine chronische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Es gibt jedoch Möglichkeiten, die Lebensqualität zu verbessern und den Alltag besser zu bewältigen:

  • Schmerztagebuch: Führen Sie ein Schmerztagebuch, um Auslöser und Muster der Schmerzen zu erkennen und die Wirksamkeit der Behandlung zu dokumentieren.
  • Stressbewältigung: Erlernen Sie Entspannungstechniken und Stressbewältigungsstrategien, um Schmerzattacken vorzubeugen.
  • Gesunde Lebensweise: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann hilfreich sein, um mit der Erkrankung umzugehen und Unterstützung zu finden.
  • Psychologische Unterstützung: Eine Psychotherapie kann helfen, mit den psychischen Belastungen der Erkrankung umzugehen.
  • Anpassung des Arbeitsplatzes: Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber über mögliche Anpassungen des Arbeitsplatzes, um die Arbeitsfähigkeit zu erhalten.
  • Vermeidung von Triggern: Versuchen Sie, bekannte Auslöser für Schmerzattacken zu vermeiden.
  • Unterstützung suchen: Nehmen Sie Hilfe von Familie, Freunden und professionellen Helfern in Anspruch.

Fallbeispiele

Einige Fallbeispiele verdeutlichen die Auswirkungen der Trigeminusneuralgie auf die Arbeitsfähigkeit und den Leidensweg der Betroffenen:

  • Eine Patientin berichtete, dass sie jahrelang unter starken Schmerzen litt, die sich zuerst im linken Oberkiefer und an der Schläfe bemerkbar machten und sich dann auf den Wangenknochen bis ins Auge ausbreiteten. Sie wurde von verschiedenen Ärzten behandelt, ohne dass eine Ursache gefunden wurde. Erst ein MRT im Krankenhaus Kulmbach ergab die Diagnose Trigeminusneuralgie. Nach einer Operation bei Prof. Dr. Feigl in Bamberg ist sie nun schmerzfrei und kann wieder Lebensqualität genießen.
  • Ein anderer Patient litt unter Schmerzen im Unterkiefer, die beim Sprechen, Essen und Kauen auftraten. Medikamente und Physiotherapie brachten keine Besserung. Erst die Diagnose Gefäßnervenkontakt und eine Operation nach Janetta durch Prof. Dr. Feigl führten zur Schmerzfreiheit.
  • Ein Patient, der unter einer massiven Trigeminusneuralgie litt, konnte durch eine Operation bei Herrn Professor Dr. Dr. Feigl und Team am Trigeminusnerv seine Lebensqualität grundlegend verbessern. Vor der Operation hatte er über Jahre Gesichtsschmerzen und im Sommer letzten Jahres stellte sich eine massive Trigeminusneuralgie ein. Hohe Dosis von Carbamazepin und Pregabalin haben die Beschwerden leicht verbessert, jedoch nur unter starken Nebenwirkungen.

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