Zeckenmittel und Epilepsie bei Hunden: Ein umfassender Leitfaden

Mit dem Frühling und den damit verbundenen Outdoor-Aktivitäten beginnt leider auch die Zeckensaison. Diese blutsaugenden Parasiten sind eine unerfreuliche Begleiterscheinung der Hundehaltung, da sie nicht nur lästig sind, sondern auch Krankheiten übertragen können. Borreliose, Anaplasmose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sind nur einige Beispiele für Erkrankungen, die durch Zeckenbisse auf Hunde übertragen werden können. Angesichts dieser Risiken ist es wichtig, sorgfältig abzuwägen, ob eine Zeckenprophylaxe notwendig ist oder nicht. Insbesondere in Gebieten mit hoher Zeckenbelastung, wie beispielsweise Schweden, ist eine Prophylaxe dringend zu empfehlen.

Jede Zeckensaison stellt Hundehalter vor die schwierige Entscheidung, die richtige Zeckenprophylaxe zu wählen. Es gibt eine Vielzahl von Produkten mit unterschiedlichen Wirkstoffen und Anwendungsformen, die jeweils Vor- und Nachteile haben. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Zeckenmittel und ihre Auswirkungen auf Hunde mit Epilepsie, um Hundehaltern bei der Entscheidungsfindung zu helfen.

Chemische Zeckenmittel

Chemische Zeckenmittel sind in verschiedenen Formen erhältlich, darunter Tabletten, Spot-on-Präparate und Zeckenhalsbänder. Diese Produkte enthalten Wirkstoffe, die Zecken entweder abwehren (repellierend wirken) oder abtöten, nachdem sie den Hund gebissen haben.

Tabletten

Das bekannteste Produkt für Hunde zum Einnehmen ist Bravecto von der Firma MSD Tiergesundheit. Es handelt sich um eine Kautablette mit dem Wirkstoff Fluralaner, der auch gegen Flöhe wirkt. Alternativprodukte zu Bravecto sind Nexgard von Boehringer Ingelheim und Simparica von Zoetis. Nach der Einnahme verteilt sich der Wirkstoff im Körper des Hundes und die Zecke bzw. der Floh verstirbt, nachdem sie bzw. er den Hund gebissen hat. Der Parasit muss also mit der Nahrungsaufnahme begonnen haben, um abgetötet zu werden! Bravecto wirkt - bis auf wenige Ausnahmen - unmittelbar und sofort nach der Gabe. Die Wirkungsdauer ist mit drei Monaten angegeben. Da sich der Wirkstoff im Körper des Hundes verteilt, kann dieser unmittelbar nach der Gabe von Kindern angefasst und gestreichelt werden. Auch das Schwimmen in Naturgewässern ist nach der Gabe der Tablette kein Problem.

Vorteile:

  • Einfache Anwendung
  • Lange Wirkdauer
  • Keine Einschränkungen bei Kontakt mit Kindern oder beim Schwimmen

Nachteile:

  • Wirkstoff kann bei Unverträglichkeit nicht entfernt werden
  • Mögliche Nebenwirkungen, insbesondere bei Hunden mit Vorerkrankungen wie Epilepsie
  • Keine repellierende Wirkung, Zecken müssen zuerst beißen, um abgetötet zu werden

Besondere Vorsicht bei Epilepsie:

Bravecto hat kurz nach seiner Einführung Aufsehen erregt, da es in Verbindung mit dem Auftreten von epileptiformen Anfällen gebracht wurde. Der Wirkstoff Fluralaner bindet an bestimmte Rezeptoren im Nervensystem von Insekten und Spinnentieren. Es kann nicht vollständig ausgeschlossen werden, dass auch eine Bindung an Rezeptoren von sensiblen Wirbeltieren, somit unseren Hunden, erfolgen kann. Bewiesene Fälle, in denen Bravecto® sicher die auslösende Ursache für ein Anfallsgeschehen war, gibt es jedoch nicht. Aufgrund der Häufung von Meldungen zu neurologischen Ausfallerscheinungen nach Gabe von Bravecto® wurde im August 2017 jedoch ein Sicherheitsbericht durch den Ausschuss für Tierarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur erstellt. Bei Hunden, bei denen bereits eine Epilepsie diagnostiziert wurde, würden Tierärzte von der Nutzung der oralen Präparate abraten. Kurz wirkende Präparate wie Simparica seien OK.

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Spot-on-Präparate

Sogenannte Spot-ons werden auf den Nacken und Rücken des Hundes geträufelt, sodass der Wirkstoff über die Haut in den Hund eindringt. Auch hier gibt es eine Vielzahl von Produkten mit unterschiedlichen Wirkstoffen. Besonders hingewiesen sei hier auf das Produkt Advantix, welches viel gekauft wird. Dieses wird von Katzen nicht vertragen und sollte zur Sicherheit bei einem Hund, der sich den Haushalt mit Katzen teilt, nicht angewendet werden. Hier kann auf Alternativprodukte zurückgegriffen werden. Die Spot-on-Produkte erhältst du bei deinem Tierarzt, in der Apotheke oder auch im Tierhandel. Die Präparate halten in der Regel drei Monate, es sind also mehrere Gaben pro Zeckensaison möglich. Beim Kauf eines Spot-on-Produktes muss das Gewicht des Hundes berücksichtigt werden. Der Spot-on ist einfach aufzutragen, kann durch das Bereitstellen in Einwegpipetten nicht überdosiert werden und verteilt sich durch die Talgschicht des Hundes auf dem gesamten Hundekörper. Er wirkt sehr schnell und hat in der Regel auch eine abwehrende Wirkung.

Vorteile:

  • Einfache Anwendung
  • Geringes Risiko einer Überdosierung
  • Schnelle Wirkung
  • In der Regel auch abwehrende Wirkung

Nachteile:

  • Wirkstoff kann bei Unverträglichkeit nicht entfernt werden
  • Streicheln und Schwimmen sind nach dem Auftragen für 48 Stunden zu vermeiden
  • Mögliche Nebenwirkungen

Besondere Vorsicht:

Einige Spot-on-Präparate enthalten Permethrin oder Deltamethrin, die für Katzen giftig sein können. Wenn Hunde und Katzen im gleichen Haushalt leben, sollten Präparate mit diesen Wirkstoffen vermieden werden.

Zeckenhalsbänder

Ein Zeckenhalsband wird dem Hund umgelegt und gibt dann nach und nach den Wirkstoff ab. Es zeichnet sich durch eine sehr lange Wirksamkeit von ca. 5 bis 6 Monaten aus. Hier gibt es das Produkt Seresto von der Firma Elanco/Bayer, das auch in einem Haushalt mit Katzen verwendet werden kann. Das Produkt Scalibor von MSD Tiergesundheit ist für Katzen nicht verträglich und sollte nur in einem Haushalt ohne Katzen verwendet werden. Grundsätzlich kann der Hund an einem Halsband hängen bleiben. Das gilt allerdings auch für ein Geschirr. Natürlich können chemisch wirkende Halsbänder Nebenwirkungen haben, die unbedingt bedacht werden müssen. Die Halsbänder müssen vor dem Schwimmen in einem Naturgewässer entfernt werden und einige Hersteller raten davon ab, dass Kinder in Kontakt mit dem Halsband kommen und dass der Hund mit im Bett schläft.

Vorteile:

  • Lange Wirkdauer
  • Bei Unverträglichkeiten oder Nebenwirkungen leicht zu entfernen
  • Parasit muss nicht mit der Nahrungsaufnahme beginnen, sondern verstirbt bereits vorher

Nachteile:

  • Hund kann am Halsband hängen bleiben
  • Mögliche Nebenwirkungen
  • Nicht alle Halsbänder sind für Haushalte mit Katzen geeignet
  • Einschränkungen beim Schwimmen und Kontakt mit Kindern

Alternative Zeckenmittel

Neben den chemischen Zeckenmitteln gibt es auch eine Reihe von alternativen Produkten, die auf natürlichen Inhaltsstoffen basieren. Diese Mittel sind oft schonender und haben weniger Nebenwirkungen, aber ihre Wirksamkeit ist nicht immer wissenschaftlich belegt.

Natürliche Öle

Schwarzkümmelöl und Kokosöl werden oft als natürliche Zeckenmittel angepriesen. Der Abiturient Alexander Betz aus Regensburg fand durch seine Teilnahme bei „Jugend forscht“ heraus, dass Zecken sensibel auf den Geruch von Schwarzkümmelöl reagieren. Hieraus wurde abgeleitet, dass eine innere oder äußere Anwendung mit einer Dosierung von 8 Tropfen die Zeckenlast am Hund reduziere. Beim Kauf ist unbedingt darauf zu achten, dass es sich um das Schwarzkümmelöl der Nigrella sativa handelt. Schwantes et al. (2008) konnten eine repellente Wirkung von Kokosöl auf eine Zeckenart beobachten.

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Vorteile:

  • Weniger Nebenwirkungen
  • Schonender für den Hund

Nachteile:

  • Wirksamkeit nicht immer wissenschaftlich belegt
  • Muss häufiger angewendet werden
  • Wirkung kann von Hund zu Hund variieren

Ätherische Öle

Dr. med. vet. Nadig stellt in ihrem Buch „Heilpflanzen für Hunde“ diverse alternative Mittel von Knoblauch, Neem über eine Mischung aus ätherischen Ölen vor. Insbesondere die von ihr empfohlene Duftmischung aus ätherischen Ölen, die in einem Trägeröl aufgelöst werden, erscheint mir für Hunde jedoch zu geruchsintensiv. Hier sollte die Duftmischung dem Hund zunächst auf einem Tuch kredenzt und seine Reaktion getestet werden.

Vorteile:

  • Natürliche Inhaltsstoffe
  • Individuelle Anpassung möglich

Nachteile:

  • Geruchsintensiv
  • Kann allergische Reaktionen auslösen
  • Wirksamkeit nicht immer wissenschaftlich belegt

EM- und Bernsteinhalsbänder

Keinerlei wissenschaftliche Belege gibt es für EM- und Bernsteinhalsbänder, die hier jedoch der Vollständigkeit halber aufgeführt werden. Beiden wird eine repellente Wirkung Zecken gegenüber nachgesagt.

Vorteile:

  • Keine chemischen Inhaltsstoffe

Nachteile:

  • Wirksamkeit nicht belegt

Zusätzliche Maßnahmen zur Zeckenprophylaxe

Unabhängig von der gewählten Zeckenprophylaxe gibt es zusätzliche Maßnahmen, die helfen können, das Risiko von Zeckenbissen zu reduzieren:

  • Regelmäßiges Absuchen des Hundes: Die schonendste und nebenwirkungsärmste Prophylaxe gegen Zeckenbisse ist das regelmäßige Absuchen des Hundes. Hierbei ist zu bedenken, dass der Hund nach jedem Gassigang absucht werden sollte. Zecken, die bereits gebissen haben, lassen sich in der Regel gut mit einer Zeckenzange entfernen. Ich persönlich habe zwei Zeckenzangen aus Edelstahl von der Firma Heiko Wild. Die eine Zange nutze ich für kleine Zecken, die andere wiederum für große Zecken.
  • Vermeidung von Risikogebieten: In Gebieten mit hoher Zeckenbelastung sollten Hunde an der Leine geführt und der Kontakt mit hohem Gras und Unterholz vermieden werden.
  • Gartenpflege: Regelmäßiges Mähen des Rasens und Entfernen von Gestrüpp im Garten können dazu beitragen, die Zeckenpopulation zu reduzieren.

Zeckenmittel und Epilepsie: Was ist zu beachten?

Bei Hunden mit Epilepsie ist die Wahl des richtigen Zeckenmittels besonders wichtig. Einige chemische Zeckenmittel können neurologische Nebenwirkungen verursachen, die Anfälle auslösen oder verstärken können. Es ist daher ratsam, vor der Anwendung eines Zeckenmittels einen Tierarzt zu konsultieren und die Vor- und Nachteile verschiedener Optionen sorgfältig abzuwägen.

Empfehlungen für Hunde mit Epilepsie:

  • Vermeidung von Tabletten mit Isoxazolinen: Aufgrund der Berichte über neurologische Nebenwirkungen sollten Tabletten mit Isoxazolinen (z.B. Bravecto, Nexgard, Simparica) bei Hunden mit Epilepsie vermieden werden.
  • Spot-on-Präparate oder Zeckenhalsbänder: Spot-on-Präparate oder Zeckenhalsbänder können eineAlternative sein, da sie den Wirkstoff nicht systemisch verteilen. Es ist jedoch wichtig, die Inhaltsstoffe sorgfältig zu prüfen und Produkte zu wählen, die keine für Katzen giftigen Substanzen enthalten.
  • Natürliche Zeckenmittel: Natürliche Zeckenmittel können eine schonende Alternative sein, aber ihre Wirksamkeit ist nicht immer ausreichend. Sie sollten daher nur in Absprache mit einem Tierarzt und in Kombination mit anderen Maßnahmen zur Zeckenprophylaxe eingesetzt werden.
  • Regelmäßiges Absuchen des Hundes: Unabhängig von der gewählten Zeckenprophylaxe ist das regelmäßige Absuchen des Hundes nach Zecken unerlässlich, um das Risiko von Zeckenbissen und Krankheitsübertragungen zu minimieren.

Fallbeispiel

Ein Hundehalter berichtete, dass sein Hund, der seit 2,5 Jahren an Epilepsie leidet und mit Luminal gut eingestellt ist, seit der Diagnose auf chemische Zeckenprophylaxe verzichtet hat. Stattdessen suchte er die Hunde nach jedem Spaziergang intensiv nach Zecken ab. Aufgrund der zunehmenden Zeckenplage suchte er jedoch nach einer effektiveren Lösung. Auf Anraten eines Tierarztes wurde das Spot-on Advantix ausprobiert, das gut vertragen wurde und gut half.

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Ein anderer Hundehalter berichtete, dass seine Hündin nach der Gabe von Simparica mit starken Nebenwirkungen reagiert hat. Die Neurologen in der TiHo Hannover empfahlen, Lucy wegen der Epilepsie keine Langzeit-Tabletten wie Bravecto zu geben, sondern kurz wirkende Präparate wie Simparica oder Spot-ons zu verwenden.

Nachdem der Käpt´n im vergangenen Jahr mit großer Schlappheit auf das Anlegen des Seresto-Halsbandes reagiert hat, bin ich in diesem Jahr auf Scalibor umgestiegen. Dieses hat er deutlich besser vertragen und die Schlappheit nach dem Anlegen des Halsbandes blieb komplett aus.

Fazit

Die Wahl des richtigen Zeckenmittels für Hunde mit Epilepsie erfordert eine sorgfältige Abwägung der Vor- und Nachteile verschiedener Optionen. Es ist wichtig, die individuelle Gesundheit des Hundes, die Umgebung, in der er lebt, und die persönlichen Vorlieben zu berücksichtigen. Eine Beratung durch einen Tierarzt ist unerlässlich, um das am besten geeignete Zeckenmittel zu finden und mögliche Risiken zu minimieren.

Unabhängig von der gewählten Zeckenprophylaxe sollten Hundehalter ihren Hund regelmäßig nach Zecken absuchen und zusätzliche Maßnahmen zur Zeckenabwehr ergreifen, um das Risiko von Zeckenbissen und Krankheitsübertragungen zu reduzieren.

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