Tumorbedingte motorische Neuropathie: Ursachen, Symptome und Therapieansätze

Die tumorbedingte motorische Neuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, die durch Tumoren oder deren Behandlung verursacht wird. Diese Nervenschädigung kann zu einer Vielzahl von motorischen, sensorischen und autonomen Störungen führen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Einführung in die Neuropathie

Die Hauptaufgabe der Nerven ist die Leitung unterschiedlicher Befehle vom Gehirn zur Muskulatur, zu den Organen und zur Haut. Dort werden die Daten, die das Gehirn sendet, als unterschiedliche Körperfunktionen umgesetzt. Gleichzeitig leiten die Nerven alle Wahrnehmungen des Körpers ins Gehirn, das diese verarbeitet und als Sinneseindrücke wie Schmerz, Geschmack oder Tastwahrnehmungen erfahrbar macht. Wenn Nervengewebe zerstört oder beschädigt wird, können die Befehle nicht mehr vollständig weitergeleitet werden und es kommt zu unterschiedlichen Funktionsstörungen und Missempfindungen. Sind gleichzeitig mehrere Nerven von Abbauprozessen betroffen, sprechen Mediziner von einer Polyneuropathie, die sich in unterschiedlichen Symptomen bemerkbar machen kann.

Ursachen der tumorbedingten motorischen Neuropathie

Im Falle einer Polyneuropathie sind die Ursachen vielfältig und können im Zuge der umfassenden Diagnose oft nicht bestimmt werden. Was die Behandlung der Polyneuropathie so kompliziert macht, ist die Tatsache, dass hunderte Auslöser für die Entstehung dieser Erkrankung in Frage kommen. Zu den häufigsten Gründen für die Zerstörung von Nervengewebe, die zu dieser Erkrankung führt, zählen schädliche Abbauprodukte, die im Zuge des Stoffwechsels entstehen. Diese schädigen das Gewebe und beeinträchtigen die Funktion der Nervenzellen. Ebenso sind bei Polyneuropathie Ursachen wie Tumorerkrankungen möglich.

Krebstherapien wie eine Chemotherapie oder Bestrahlung, aber auch Tumore, die auf die Nerven drücken oder in sie einwachsen, können diese schädigen. Ärztinnen und Ärzte sprechen von einer Neuropathie („neuron“ = Nerv und „pathie“ bedeutet „krank“). Weil meist viele Nerven gleichzeitig betroffen sind, heißt das Krankheitsbild auch Polyneuropathie (poly = viele).

Bei der krebsarzneimittelbedingten Polyneuropathie als einer Unterform der Polyneuropathie werden die Symptome durch die Krebsarzneimittel hervorgerufen. In Abhängigkeit von der Art des Krebsarzneimittels und des betrachteten Schweregrads der Erkrankung betrifft die Polyneuropathie 30-100% der behandelten Patienten. Eine krebsarzneimittelbedingte Polyneuropathie klingt häufig 3-6 Monate nach Ende der Therapie ab. Sie kann aber auch länger anhalten und bleibt gegebenenfalls sogar dauerhaft bestehen.

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Einige von Ihnen sind neurotoxisch. In diesem Fall spricht man von einer Chemotherapie-induzierten Polyneuropathie (CIPN), die ca. Die eigentliche Ursache, also die nervenschädigende Wirkung der Therapie lässt sich nicht behandeln. Aktuell ist kein Medikament verfügbar, um die Nerven während der Therapie zu schützen. Die Sorge, eine Polyneuropathie als Nebenwirkung der Chemotherapie zu entwickeln, ist bei vielen Betroffenen groß. Quelle: Hamburger Krebsgesellschaft e.V.

Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie (CIPN)

Gut untersucht ist die Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie (CIPN). Vor allem bei Zytostatika wie Platinverbindungen, Taxanen, Vincaalkaloiden, Eribulin oder Bortezomib ist die CIPN vermehrt zu beobachten. Auch eine Behandlung mit dem Wirkstoff Thalidomid sowie eine Immuntherapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren können die Ursache von geschädigten Nerven sein.

Das Ausmaß der peripheren Neuropathie hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von der gewählten Substanz, der Dosis einer einzelnen Substanz, der Gesamtdosis der Chemotherapeutika, der Therapiedauer und ob mehrere Substanzen miteinander kombiniert werden. Daneben gibt es noch weitere Faktoren, welche das Risiko für Nervenschäden erhöhen können. Dazu gehören unter anderem das Alter, Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, ein erhöhter Alkoholkonsum (Alkohol ist ein Nervengift) oder ein Vitaminmangel.

Weitere Ursachen

Manchmal fehlen dem Körper bestimmte Vitamine, die für die Tätigkeit der Nerven unabdingbar sind. So kann ein Mangel an B-Vitaminen wie Vitamin B12 oder Vitamin B1 mit einer Neuropathie verbunden sein. Dieser Mangel kann zum Beispiel durch eine ungenügende oder einseitige Ernährung, bestimmte Erkrankungen oder Therapien wie eine Magen-Operation bedingt sein. Daneben kann auch die Krebserkrankung selbst der Grund sein, wenn eine Neuropathie entsteht.

In 32% der Fälle liegen sonstige Ursachen wie beispielsweise Krebsarzneimittel, genetische Ursachen, entzündliche oder Autoimmunerkrankungen (z.B. Guillain-Barré-Syndrom) vor, während bei 22% der Erkrankten die Ursache der Polyneuropathie nicht geklärt ist. Bei Erkrankungen, wie dem Multiplem Myelom oder Morbus Waldenström, kann auch die Erkrankung selber zu Polyneuropathie führen.

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Symptome der tumorbedingten motorischen Neuropathie

Das Beschwerdebild der Erkrankung ist abhängig von der jeweiligen betroffenen Körperregion und kann motorische Störungen ebenso beinhalten wie Missempfindungen und Schmerzzustände. Diese Beschwerden sind auf die fehlgeleiteten Signale oder unterbrochene Leitfähigkeit zurückzuführen und können in unterschiedlichen Schweregraden auftreten. In den meisten Fällen von Polyneuropathie sind die sensiblen Nerven mit den längsten Fasern betroffen. Die Erkrankung macht sich daher oft zunächst in unangenehmen Gefühlswahrnehmungen wie Schwellungen, Stechen, Kribbeln, Kälte oder Hitze in den Armen, Beinen oder Zehen bemerkbar. Je nach Verlauf und geschädigtem Nervengewebe kann es zu unterschiedlichen Ausfallerscheinungen kommen, die von Koordinationsschwierigkeiten beim Gehen und Laufen bis hin zu Taubheitsgefühlen reichen.

Die Symptome der Polyneuropathie (PNP) zeigen sich hauptsächlich in Händen und Füßen. Sie äußern sich auf unterschiedliche Weise und können in der Ausprägung von Person zu Person schwanken. Viele Betroffene beklagen zunächst Schmerzen und Gefühlsstörungen in den Fußsohlen oder Fingerspitzen, die sich strumpf- und handschuhartig ausdehnen können. Auch kann es zu Taubheitsgefühlen -oder genau gegenteilig- zu Kribbeln in den Gliedmaßen kommen.

Bemerkbar macht sich die Neuropathie oft durch Missempfindungen wie Kribbeln, ein pelziges Gefühl oder Taubheitsgefühle, die in der Regel an den Händen und Füßen auftreten. Auch Schmerzen, die sich wie ein Brennen oder Stechen anfühlen, können vorkommen.

Motorische Symptome

Sind motorische Nerven geschädigt, kann es abhängig vom Ausmaß der Erkrankung zu unterschiedlichen Fehlfunktionen der Muskulatur kommen. Muskelschwächen und -zuckungen sind ebenso häufige Symptome einer motorischen Polyneuropathie wie Krämpfe und Lähmungen. Die Lähmungen können über Monate anhalten und verursachen für die Patienten erhebliche Einschränkungen im alltäglichen Leben.

Die Polyneuropathie kann zu Schwäche, Kraftlosigkeit und Muskelschwund, sowie Bewegungseinschränkungen führen. Gang- und Gleichgewichtsstörungen: Aufgrund der beeinträchtigten Sensorik und Motorik kann es zu Problemen mit Gleichgewicht, Koordination und unsicherem Gang kommen.

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Sensorische Symptome

Schmerzen: Die betroffenen Körperregionen können ein brennendes Schmerzgefühl auslösen. Sensibilitätsverlust: Es kann zu einem Verlust der Berührungsempfindung kommen.

Diese Symptome in den Händen und Füßen gelten als Warnsignale, wenn die Neuropathie die sensiblen Nervenfasern betrifft: Schmerzen, z.B. Brennen oder Stechen - manche beschreiben sie als kleine Nadelstiche oder Stromstöße; die Schmerzen können einsetzen und wieder vergehen oder dauerhaft vorhanden sein Missempfindungen wie Kribbeln („Ameisenlaufen“) Taubheitsgefühle - die Füße und Hände fühlen sich pelzig, taub oder eingeschlafen an; manche berichten, wie „auf Watte“ zu gehen Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen und Reizen wie Wärme, Kälte oder Druck (auch im Gesicht). Bei zunehmender Nervenschädigung nehmen manche überhaupt keine Schmerzen, Vibrationen, Wärme oder Kälte mehr wahr.

Autonome Symptome

Besonders schwerwiegende Folgen hat eine Polyneuropathie, wenn die vegetativen Nerven betroffen sind, denn dies bedeutet eine Fehlsteuerung innerer Organe. Meist leiden Patienten mit vegetativer Polyneuropathie unter Inkontinenz, Impotenz, Trockenheit der Scheide oder Verdauungsbeschwerden. Sind Herz oder Lunge betroffen, kann es in seltenen Fällen auch zu Atemstillstand kommen, was eine künstliche Beatmung der Patienten notwendig macht.

Auswirkungen im Alltag

Eine Neuropathie kann mit verschiedenen Funktionsstörungen verbunden sein, die auch die Alltagstätigkeiten beeinflussen können. Einige Beispiele: Koordinationsprobleme: Manche haben Schwierigkeit mit ihrer Feinmotorik. Es fällt ihnen zum Beispiel schwer, ihre Bluse oder ihr Hemd zuzuknöpfen, einen Reißverschluss an der Hose oder am Rock zu schließen oder ihre Schuhe zuzubinden. Es kann auch schwerfallen, Gegenstände zu greifen und festzuhalten; Ungeschicklichkeit: Viele haben Probleme im Umgang mit kleineren Gegenständen und Geräten, etwa beim Tippen auf dem Smartphone, Tablet, Notebook oder PC sowie beim Schreiben mit einem Stift. Die Handschrift kann verändert aussehen. Probleme kann es auch bei der Haus- und Gartenarbeit geben, zum Beispiel beim Hantieren mit Geschirr (es fällt aus der Hand) und Gartengeräten. Auch das Essen mit Messer und Gabel oder Trinken aus einem Glas kann zur Herausforderung werden. Gleichgewichtsstörungen (z.B. Stolpern, Schwanken): Einige fühlen sich wackelig auf ihren Beinen und unsicher beim Gehen, weil ihnen aufgrund der Neuropathie das Gefühl für den Boden und den Untergrund fehlt. Dies kann zu Stürzen führen. Außerdem ist Schwindel möglich, zum Beispiel beim schnellen Aufstehen. Schmerzen: Manchmal schmerzen die Füße auch bei Belastungen wie dem Auftreten, was ebenfalls unangenehm ist. Kleinere Verletzungen an den Händen und Füßen bleiben oft unbemerkt. Solche nicht versorgten Wunden können Eintrittspforten für Krankheitserreger wie Bakterien, Pilze oder Viren. Somit steigt die Gefahr für Wundinfektionen. Manche Betroffene können aufgrund der Einschränkungen ihren bisherigen Beruf nicht mehr ausüben - manchmal nur vorübergehend, manchmal auch dauerhaft.

Diagnose der tumorbedingten motorischen Neuropathie

Um eine Polyneuropathie zu diagnostizieren, sind unterschiedliche Methoden notwendig. Zunächst besprechen Sie mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Arzt Ihre Beschwerden. Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss über Mängel, die zu einer Schädigung der Nerven führen können, denn insbesondere die Vitamine B1, B6 und B12 spielen eine wichtige Rolle bei der Versorgung Ihrer Nervenzellen. Auch Vitamin C, E und Vitamin D sollten überprüft werden, sowie ein möglicher Mangel an Spurenelementen und Mineralstoffen. Bei Vitaminen und Nährstoffsupplementierung gilt nicht die Regel: „Viel hilft viel“. Eine körperliche Untersuchung dient zur Ermittlung der Schwere und Ausprägung Ihrer Polyneuropathie. Zudem können Messungen der Nervenleitgeschwindigkeit anhand einer Elektroneurografie (ENG) und die Elektromyografie (EMG) zur Messung der elektrischen Aktivität im Muskel erfolgen.

Klinische Untersuchung

In einer neurologischen Untersuchung werden Muskelkraft, Sensibilität und Muskeleigenreflexe geprüft. Am häufigsten beginnen die Symptome und Ausfälle an den unteren Extremitäten, meist an den Füßen oder Fußspitzen. In einer klinischen Untersuchung stellt man häufig abgeschwächte oder ausgefallene Muskelreflexe (insbesondere Achillessehnenreflex) und schlaffe Lähmungen fest. An den Extremitäten können sich Sensibilitätsstörungen socken-, strumpf- oder handschuhförmig ausbreiten. Zu den weiteren Symptomen gehört einerseits eine gesteigerte Schmerzempfindlichkeit, z. B. auf Berührung, Wärme oder Kälte. Je nach Schädigung der Nerven kann aber auch das Berührungs- und Schmerzempfinden abgeschwächt sein.

Elektrophysiologische Untersuchungen

Bei der neurophysiologischen Untersuchung mit Elektroneurographie (ENG) werden mit Stromimpulsen periphere Nerven stimuliert und Antworten von Muskeln oder sensiblen Fasern abgeleitet. Damit lässt sich die Art der Nervenschädigung feststellen. Die Elektromyographie (EMG) untersucht Muskeln mit Nadeln und stellt so das Ausmaß der Schädigung fest.

Bei Patienten mit ausgeprägten Neuropathien wird gemessen, wie schnell und wie gut Nerven Reize weiterleiten. Bei Bedarf können Neurologen als ergänzende Untersuchung außerdem die Nervenleitgeschwindigkeit in Armen und Beinen messen. Fachleute bezeichnen diese Untersuchung als Elektroneurografie (ENG). Der behandelnde Arzt erhält dadurch Informationen zum Ausmaß der Schädigung sowie Informationen, welche Strukturen genau geschädigt sind. Bei der Untersuchung legt der Arzt dazu Elektroden an das betroffene Areal an. Nach einer Chemotherapie sind dies bei den meisten Patienten Hände und/oder Füße. Er reizt dann den Nerv, der wichtige Muskeln zum Beispiel in den Fingern steuert. Wenn der leichte Stromstoß erfolgt, ist das möglicherweise kurz unangenehm. Das angeschlossene Messgerät prüft die Zeit, die der Muskel zur Reaktion auf die Stimulation benötigt. Neurologen erkennen daran, ob die Reizweiterleitung an sich beeinträchtigt ist, und konkreter ob Nerven oder ihre Hüllen geschädigt sind.

Noch genauer gelingt die Ursachensuche mit dieser Untersuchung: Insbesondere bei Patienten mit Muskelschwächen kann eine Elektromyografie (EMG) zum Einsatz kommen. Damit messen Neurologen die elektrische Aktivität eines Muskels und stellen fest, ob der Muskel selbst erkrankt ist, oder ob der Nerv geschädigt ist, der diesen Muskel mit Informationen versorgt. Die Elektromyografie kann mit oberflächlichen Elektroden auf der Haut, häufiger aber als Nadel-Elektromyografie durchgeführt werden. Der Arzt sticht zur Messung eine dünne nadelförmige Messelektrode in den betroffenen Muskel. Dies ist schmerzhaft, geht aber schnell. Über die Elektrode wird die Muskelaktivität abgeleitet. Bei der Untersuchung wird dies über einen Verstärker als Rauschen und Knattern hörbar. Die Ergebnisse lassen sich zudem im Computer auswerten. Diese Untersuchung ist nicht bei jedem Betroffenen möglich: Nehmen Patienten blutgerinnungshemmende Medikamente ein, oder ist ihre Blutgerinnung durch andere Ursachen beeinträchtigt, kommt eine Nadel-Elektromyographie normalerweise nicht infrage.

Weitere diagnostische Maßnahmen

Testung des Vibrationsempfindens Ob man Vibrationen spürt, testet der Arzt mit einer Stimmgabel. Die Messung der sogenannten Tiefensensibilität und des Vibrationsempfindens gehen schnell und tun nicht weh. Der Arzt verwendet dafür eine Stimmgabel, die er zum Schwingen bringt und auf die Haut setzt. Meist testet er die Empfindungen an der Hand, am Daumengrundgelenk, am Innenknöchel des Fußes und am Großzehengrundgelenk. Als Patient hält man während der Untersuchung die Augen geschlossen und berichtet dem Arzt, ob man die Schwingungen der Stimmgabel wahrnimmt. Ein vermindertes Vibrationsempfinden ist während und kurz nach einer Krebsbehandlung oft ein erster Hinweis auf eine Neuropathie, noch bevor man die Empfindungsstörungen im Alltag wahrnimmt. Prüfung von Reflexen Wichtige Untersuchungen Frühe Anzeichen einer Chemotherapie-bedingten Nervenschädigung sind der Ausfall des Achillessehnenreflexes und ein vermindertes Vibrationsempfinden. Der Arzt kann verschiedene Muskeleigenreflexe prüfen, wie etwa den Achillessehnenreflex. Dafür klopft er mittels eines Reflexhammers leicht auf die angespannte Achillessehne. Dies ist möglicherweise etwas unangenehm. Ist der Reflex vorhanden, streckt man unwillkürlich den Fuß. Ist der Achillessehnenreflex abgeschwächt oder ganz erloschen, fehlt diese Bewegung. Dies kann auf eine Schädigung peripherer Nerven hinweisen. Messen der oberflächlichen Reizwahrnehmung Ob man an der Körperoberfläche Reize normal wahrnehmen kann, testet der Arzt, indem er das Schmerz-, Temperatur-, Berührungs- und Druckempfinden untersucht. Das Kalt-Warm-Empfinden überprüft er mit kalten Metallgegenständen und normalweise "wärmerem" Plastik. Kann man mit geschlossenen Augen nicht unterscheiden, was der Arzt einem gerade auf die Haut auflegt oder in die Hand drückt, deutet dies ebenfalls auf eine Neuropathie mit eingeschränktem Berührungsempfinden hin. Ob man Schmerzen noch wahrnimmt oder im Gegenteil eine schmerzhafte Überempfindlichkeit entwickelt hat, testet der Arzt an Händen und Füßen mit einem Wattebausch oder einer Nadel. Wenn das noch kitzelt oder piekt, ist das zunächst ein gutes Zeichen. Wenn man selbst leichteste Berührungen aber als unangenehm erlebt, oder wenn man gar nichts spürt, kann dies ebenfalls ein Neuropathie-Zeichen sein. Motorik und funktionale Beeinträchtigungen testen Der Arzt schaut sich an, ob eine Muskelschwäche beim Fuß- und Zehenheber oder Fingerspreizer erkennbar ist. Möglicherweise muss man auch einen Gehtest machen. Der Arzt kann dabei sehen, ob man Schwierigkeiten mit dem Gehen, der Koordination oder dem Gleichgewicht hat. Hörtest - Schwerhörigkeit feststellen Was tun, wenn man klingende Ohrgeräusche hat oder schlechter hört? Dann sollte ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt einen Hörtest durchführen. Mittels der sogenannten Tonschwellen-Audiometrie kann er die Hörschwelle eines Patienten bei jedem Ohr genau bestimmen. Hörverluste im Hochtonbereich, wie sie etwa bei Cisplatin-Gabe vorkommen, lassen sich dadurch frühzeitig erkennen.

Therapie der tumorbedingten motorischen Neuropathie

Entscheidend ist stets die Behandlung der Grunderkrankung, z. B. bei Diabetes mellitus eine Verbesserung der Blutzuckereinstellung, das strikte Vermeiden von Alkohol oder die Behandlung einer Tumorerkrankung.

Die Behandlung der Neuropathie hängt von der Ursache der Nervenschädigung, aber auch von der Art und Ausprägung Ihrer Symptome ab. Wenn zum Beispiel ein Tumor auf die Nerven drückt und so zu den Funktionseinbußen führt, kann eine Operation oder Verkleinerung des Tumors helfen. Ärztinnen und Ärzte versuchen dadurch, den Druck auf die Nerven zu vermindern. Bei einer Neuropathie, die durch die Chemotherapie verursacht wird, gibt es verschiedene ärztliche Strategien, zum Beispiel: Die nächste Chemotherapie kurz aufschieben, bis sich die Neuropathie-Symptome gebessert haben. Kleinere Mengen an Zytostatika in kürzeren Abständen (z.B.

Medikamentöse Therapie

Bei gelegentlich auftretenden Schmerzen können in Absprache mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Arzt Analgetika (z.B. Bitte beachten Sie: Die medikamentöse Behandlung kann Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen auslösen.

Zur Behandlung neuropathischer Schmerzen können verschiedene Medikamente eingesetzt werden. Dazu zählen beispielsweise die Wirkstoffe Duloxetin, Venlafaxin und Amitryptilin. Hochwertige Studien zeigen: Diese Mittel können teilweise Schmerzen durch Nervenschäden lindern. Duloxetin ist laut einer aktuellen Leitlinie am wirksamsten. Mögliche Nebenwirkungen des Wirkstoffs sind beispielsweise Mundtrockenheit oder Magen-Darm-Beschwerden, wie Durchfall oder Erbrechen. Duloxetin ist in Deutschland gegen Schmerzen bei Nervenschädigungen durch die Zuckerkrankheit und Depressionen zugelassen. Ärzte können den Wirkstoff auch bei Krebs verordnen, die Kostenübernahme sollte aber mit der Krankenversicherung im Vorfeld abgeklärt werden. Venlafaxin kann man laut der Leitlinie ebenfalls erhalten. In Studien wurden bei diesem Medikament stärkere Nebenwirkungen beschrieben. Dazu zählen beispielsweise Übelkeit, Erbrechen und Schwäche. Venlafaxin ist in Deutschland gegen Depression zugelassen. Ärzte können den Wirkstoff auch Krebspatienten mit Nervenschmerzen verordnen, die Kostenübernahme sollte aber mit der Krankenversicherung im Vorfeld abgeklärt werden. Amitriptylin kann laut Leitlinie in Betracht gezogen werden, um Nervenschäden durch Krebsmedikamente zu behandeln. Nebenwirkungen können unter anderem Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Augenprobleme oder Verstopfung sein. Bei Nervenschäden durch eine Chemotherapie kann man auch Mittel erhalten, die eigentlich gegen Krampfanfälle entwickelt wurden. Sie heißen Antikonvulsiva. Dazu zählen beispielsweise Gabapentin und Pregabalin. Ihr Nutzen bei Chemotherapie-bedingten neuropathischen Schmerzen konnte in Studien nicht eindeutig belegt werden. Da es wenige Behandlungsmöglichkeiten gibt, sprechen die Experten der Leitlinie eine schwache Empfehlung für diese Mittel aus. Bei Nervenschmerzen, die eine andere Ursache als eine Chemotherapie haben, haben sich die Medikamente als wirksam erwiesen. Die Mittel können Nebenwirkungen haben, wie Benommenheit, Müdigkeit, Gelenk- und Muskelschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden. Lamotrigin sollte bei Nervenschäden durch eine Chemotherapie nicht eingenommen werden. Schwache und starke Opioide sind bei der Behandlung neuropathischer Schmerzen wirksam und können bei Chemotherapie-bedingten Nervenschmerzen eingesetzt werden. In Studien zur Überprüfung der Wirksamkeit waren jedoch kaum Teilnehmer, die Nervenschmerzen aufgrund einer Chemotherapie hatten. Nachteile einer Therapie mit Opioiden sind die starken Nebenwirkungen.

Ergänzend stehen Substanzen in Pflastern oder Salben zur Verfügung, die örtlich wirken, zum Teil direkt an den betroffenen Schmerzfasern. Ihr schmerzlindernder Effekt ist jedoch begrenzt. In einer Leitlinie empfehlen Fachleute Betroffenen, bei denen andere Mittel nicht geholfen haben, Pflaster mit Capsaicin 8 Prozent und Lidocain 5 Prozent. Die Pflaster darf man jedoch nur bei trockener und unverletzter Haut anwenden. Bei der Anwendung von Pflastern mit Capsaicin sollte man Unterstützung von medizinischem Fachpersonal bekommen. Eine erste kleine Studie deutet außerdem auf den Nutzen einer Menthol-Creme hin.

Nicht-medikamentöse Therapieansätze

Ein Wundermittel gegen Polyneuropathie gibt es leider nicht. Einige Studien belegen die Wirksamkeit von sogenannter Kryotherapie während der Chemotherapie. Das bedeutet, während der Therapie tragen die Betroffenen Kältehandschuhe und -strümpfe. Eine weitere Möglichkeit ist die mechanische Kompression mit Operationshandschuhen, die den gleichen Zweck verfolgt. Üben Sie genau das, was möglicherweise durch die Neuropathie schlechter wird: Gleichgewicht und Koordination, aber auch Sensorik und Motorik. Haben Sie schon einmal von SENSI Bädern gehört? SENSI-Bäder dienen der Stimulierung Ihrer Nerven durch das Setzen verschiedener Reize. Sie können beispielweise in Schüsseln mit Linsen, Tannenzapfen, Watte, etc. Bewegung hilft vielen Betroffenen besser mit den Nervenschmerzen zurechtzukommen. Besonders nützlich sind Übungen und Bewegungsformen, die Gleichgewicht und Koordination schulen, also beispielsweise Qi Gong, Tai Chi oder Yoga. Aber auch Laufen oder Nordic Walking wirkt sich positiv auf Ihr Gangbild aus. Verabreden Sie sich! Eine Verabredung mit einer Freundin oder Bekannten kann wahre Wunder wirken, weil Sie Verbindlichkeit schafft. Nicht lange nachdenken! Sie sind nur mäßig motiviert, wissen aber, dass Sie sich nach dem Sport viel besser fühlen und grübeln, ob Sie wirklich gehen sollten? Zählen Sie einen Countdown herunter, das stoppt die Gedanken.

Bei Beschwerden wie Kribbeln, Taubheitsgefühlen, Muskelschwäche oder Koordinationsstörungen können zum Beispiel ein Bewegungstraining, die Physiotherapie und Ergotherapie unterstützend sein. Eine Bewegungstherapie umfasst zum Beispiel: Balanceübungen, z.B. auf einem Kippbrett - für mehr Gang- und Standsicherheit Sensomotorisches Training, um das Gefühl und Empfinden zu verbessern Koordinationstraining, um die Geschicklichkeit m Alltag zu trainieren Vibrationstraining - ein Muskeltraining, das auf einer vibrierenden Platte durchgeführt wird. Es soll die Muskeln trainieren und kräftigen und so zu einem indirekten Muskelaufbau beitragen. Training der Feinmotorik, um Alltagsaktivitäten besser ausführen zu können Im Rahmen einer Physiotherapie erlernen Sie unter fachlicher Anleitung Übungen, um wieder sicherer zu gehen und zu stehen, das Gleichgewicht besser zu halten und das Risiko für Stürze zu senken. Sie sollten diese Übungen kontinuierlich zuhause weiter durchführen. Die Elektrotherapie ist ein Teil der Physiotherapie. Dabei werden zum Beispiel die Nerven und Muskeln an Händen und Armen elektrisch stimuliert. Bei einer Ergotherapie trainieren Sie Ihre Alltagsfähigkeiten. Fachpersonen arbeiten oft mit Hilfsmitteln wie Fußrollen, Bürsten oder Igelbällen. Außerdem üben Sie das Laufen auf verschiedenen Untergründen, zum Beispiel auf Erbsen oder Körnern, um Ihre Beweglichkeit und Standfestigkeit zu fördern. Teil der Ergotherapie ist meist auch ein Schreibtraining, um die Handschrift zu verbessern.

Weitere Maßnahmen

Kälte vermeiden: Patient*innen, die mit Probleme mit Kältereizen haben, sollten sich nicht zu lange in kalten Räumen oder bei kaltem Wetter draußen aufhalten, ohne sich entsprechend zu schützen. Für einen guten Stand sorgen: Um sich sicher fortzubewegen, sollten Vorkehrungen wie festes Schuhwerk oder eine Gehhilfe getroffen werden. Verletzungen und Infektionen vorbeugen: Verletzungen, wie Schnittwunden oder Verbrennungen an Händen und Füßen werden später oder gar nicht wahrgenommen, wenn das Empfinden an diesen Stellen stark eingeschränkt ist. Ohrgeräusche minimieren: Wer bei lauten Geräuschen an Tinnitus leidet, sollte laute Umgebungen meiden.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf einer Neuropathie ist individuell verschieden und lässt sich meist nicht vorhersagen. Die Symptome können sich teilweise oder ganz zurückbilden, aber auch dauerhaft bestehen bleiben. Unterschiedlich kann es auch sein, wie intensiv die Symptome sind oder bleiben.

Die Beschwerden der Chemotherapie-induzierten Polyneuropathie (CIPN) können sich daher innerhalb von einigen Monaten bessern oder gar vollständig zurückbilden. Die Schädigung Ihrer Nerven kann zunehmen, solange das auslösende Medikament unverändert weiter verabreicht sind.

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