Tumore des Rückenmarks stellen eine besondere Herausforderung dar, da sie die neurologische Funktion beeinträchtigen und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken können. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Rückenmarktumoren, einschließlich ihrer Entstehung, Symptome, Diagnose, Behandlung und Lebenserwartung.
Entstehung von Rückenmarktumoren
Die Ursachen für die Entstehung von Rückenmarktumoren sind vielfältig und oft nicht vollständig geklärt. In einigen Fällen können genetische Faktoren oder eine familiäre Belastung eine Rolle spielen. Auch äußere Einflüsse und der Lebensstil können zur Tumorentstehung beitragen.
- Genetische Disposition: Bei manchen Patienten treten Tumore ohne erkennbare Ursache auf, jedoch auf dem Boden einer familiären Belastung und genetischen Disposition.
- Lebensstil und äußere Einflüsse: Auch der Lebensstil und äußere Einflüsse können zu Tumoren führen.
- Vorherige Strahlentherapie: Eine frühere Strahlentherapie des Nervensystems, die gelegentlich zur Behandlung anderer lebensbedrohlicher Erkrankungen wie akuter Leukämie notwendig ist, ist mit einem leicht erhöhten Risiko für Tumoren des Gehirns und der Hirnhäute verbunden.
Arten von Rückenmarktumoren
Es gibt verschiedene Arten von Rückenmarktumoren, die sich in ihrer Gutartigkeit oder Bösartigkeit unterscheiden. Gutartige Tumore wachsen langsam und breiten sich nicht auf andere Körperteile aus, während bösartige Tumore aggressiv wachsen und Metastasen bilden können.
- Gutartige Tumore: Typische gutartige Tumore sind z. B. Osteoid-Osteome. Das sind kleine, aber schmerzhafte Knochentumoren, die schon bei Jugendlichen auftreten können. Auch Nerven können gutartige Tumore aufweisen. Das Schwannom (Neurinom) z. B. ist ein Nervenscheidentumor und kann in jedem Alter und an jeder Stelle des Körpers auftreten. Ein befallener Nerv an der Wirbelsäule kann zu Schmerzen und Funktionsausfällen führen. Meningeome, die von den Hirn- und Rückenmarkshäuten ausgehen, sind meist gutartig. Auch Tumore der Hirnnerven sind meist gutartig.
- Bösartige Tumore: Absiedlungen (Metastasen) an der Wirbelsäule beobachtet man häufig bei Tumoren der Brustdrüsen (Mammakarzinom), der Vorsteherdrüse (Prostatakarzinom) und der Lunge (Bronchialkarzinom). Grundsätzlich kann aber auch jeder andere Tumor in die Wirbelsäule streuen. Das Plasmozytom (multiples Myelom) ist ein Tumor, der von entarteten Plasmazellen des Knochenmarks ausgeht und mit ca. 15 % der häufigste Tumor an der Wirbelsäule ist. Rhabdoide Tumoren sind sehr aggressiv wachsende embryonale Tumoren, die unter anderem im Zentralnervensystem entstehen können und dann AT/RT genannt werden.
Symptome von Rückenmarktumoren
Tumore oder Metastasen an der Wirbelsäule werden häufig lange Zeit nicht bemerkt, weil sie zunächst symptomlos bleiben. Die Symptome können je nach Lage und Größe des Tumors variieren. Typische Symptome sind:
- Schmerzen: Treten Schmerzen auf, werden diese nicht selten auf Verschleißerkrankungen zurückgeführt. Typisch für Tumorschmerzen sind deren Auftreten auch in Ruhe einschließlich nachts. Das Plasmozytom führt regelhaft zu Knochenschmerzen. Der Knochen wir abgebaut und geschwächt.
- Neurologische Ausfälle: Drückt ein Tumor oder eine Knochenmetastase auf das Rückenmark oder Nerven, so äußert sich das neben Schmerzen meist durch mehr oder minder starke Ausfallerscheinungen in Armen, Beinen oder durch Störungen der Blasen-Mastdarmentleerung.
- Allgemeinsymptome: Weitere Allgemeinsymptome wie Nachtschweiß, Fieber und ungewollter Gewichtsverlust können auftreten.
- Bewegungseinschränkungen: An den betroffenen Stellen spüren die Patienten teils unregelmäßig auftretende Schmerzen. Diese machen sich meist dann bemerkbar, wenn der Betroffene sich bewegt. Oftmals klingen sie aber auch nachts, also in Ruhe, nicht ganz ab. Es kann auch sein, dass der betroffene Körperbereich schlechter beweglich ist als normalerweise.
- Lähmungen: Entsteht ein Ewing-Sarkom in der Wirbelsäule oder nahe peripherer Nerven können weitere Symptome auftreten, zum Beispiel Ausfallerscheinungen wie Lähmungen.
Diagnose von Rückenmarktumoren
Die Diagnose von Rückenmarktumoren umfasst in der Regel eine Kombination aus verschiedenen Untersuchungen:
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- Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten und führt eine allgemeine körperliche Untersuchung durch.
- Bildgebende Verfahren:
- Röntgen: Erst bei einem Tumorbefall von 30 bis 50 % des Wirbelkörpers wird die Osteolyse im Nativröntgenbild sichtbar.
- Kernspintomographie (MRT): Die Kernspintomographie mit Kontrastmittel bietet die größte Präzision in der Abgrenzung gegenüber entzündlich und osteoporotisch bedingten Veränderungen. Die MRT-Untersuchung sollte die gesamte Wirbelsäule umfassen (8), da in 1 % der Fälle multiple Myelonkompressionen gefunden werden (9).
- Computertomographie (CT): Für eine rasch erforderliche Abklärung kann auch eine Computertomographie (Notfall-CT) erforderlich sein.
- Skelettszintigraphie und PET-CT: Die Skelettszintigraphie und PET-CT-Untersuchung kann im Rahmen des Tumorstagings zur Aufdeckung weiterer ossärer Metastasen sowie im Verlauf für die Beurteilung der metabolischen Tumoraktivität genutzt werden.
- Biopsie: Die bioptische Materialgewinnung und histologische Diagnosesicherung muss bei jeder Läsion unklarer Dignität angestrebt werden.
Behandlung von Rückenmarktumoren
Die Behandlung von Rückenmarktumoren hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B. der Art des Tumors, seiner Größe und Lage, dem Vorhandensein von Metastasen und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Zu den gängigen Behandlungsmethoden gehören:
- Operation: Die Tumoroperation ist - sofern möglich - die erste Maßnahme, um den Krebs größtmöglich zu entfernen und danach zu untersuchen. Bei einer solitären Wirbelsäulenmetastase, einem guten Allgemeinzustand und einer längeren Lebenserwartung ist die ventrale Tumorresektion (En-bloc-Spondylektomie/totale Vertebrektomie) und primärstabile Instrumentation indiziert.
- Strahlentherapie: Bei der Bestrahlung "beschießen" Radiologen den Tumor lokal mit hochenergetischen Strahlen. Anders als gesunde Zellen können Tumorzellen die entstandenen Schäden nicht reparieren: Die Krebszellen sterben ab. Die Strahlen sind mit Röntgenstrahlen vergleichbar. Radiologen verabreichen die Strahlen nicht auf einmal, sondern teilen sie in kleine "Portionen" auf.
- Chemotherapie: Bei einer Chemotherapie werden Medikamente eingesetzt, die die Zellteilung verhindern. Da gerade Krebszellen sich besonders rasch teilen, ist die Chemotherapie hier besonders wirksam. Die Arzneien wirken aber auch auf gesunde Zellen. Es gibt unterschiedliche Chemotherapeutika, die Ärzte bei Hirntumoren anwenden.
- Zielgerichtete Therapie: Unter zielgerichteter Therapie versteht man die Vergabe von speziellen Medikamenten, die auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet sind. Wirkstoffe der zielgerichteten Therapie unterbinden verschiedene Prozesse, die für das Wachstum des Tumors wichtig sind: Neben der Zellteilung blockieren sie also zum Beispiel auch die Signalübertragung zwischen Krebszellen. Sie stören die Blutversorgung des Tumors.
- Orthesenbehandlung: Die Indikation für eine externe Stabilisierung (Orthese) wird im klinischen Alltag oftmals großzügig gestellt, in der Hoffnung, eine pathologische Fraktur verhindern zu können oder bei einer bereits eingetretenen Fraktur eine Irritation nervaler Strukturen zu vermeiden.
Lebenserwartung bei Rückenmarktumoren
Die Lebenserwartung bei Rückenmarktumoren ist stark von der Art des Tumors, seinem Stadium und dem Ansprechen auf die Behandlung abhängig. Gutartige Tumore haben in der Regel eine gute Prognose, während bösartige Tumore mit Metastasen eine schlechtere Prognose haben.
- Glioblastom: Nur etwa 14 Prozent der Patienten mit Glioblastom überleben die ersten zwei Jahre nach der Diagnose. Nach fünf Jahren sind nur noch etwa fünf Prozent am Leben. Die Lebenserwartung dieser Patienten ist also deutlich verkürzt.
- Wirbelsäulenmetastasen: Die 2-Jahres-Überlebensraten bei Wirbelsäulenmetastasen liegen zwischen 44 % (Mamma- und Prostatakarzinom) und 9 % (Bronchialkarzinom). Im Durchschnitt leben nach zwei Jahren nur noch etwa 10 bis 20 % der Patienten mit Wirbelsäulenmetastasen.
- Ewing-Sarkome: Die beste Chance, langfristig ein Ewing-Sarkom zu überstehen, haben Patienten, bei denen der Tumor noch keine Metastasen gebildet hat. Bei richtiger Behandlung leben dann drei bzw. fünf Jahre nach der Diagnose noch über 80 Prozent der Patienten (3- bzw. 5-Jahres-Überlebensrate). Leider bilden Ewing-Sarkome schnell und häufig Metastasen. Dann sinken die Heilungschancen, besonders wenn es sich um Knochen- und/oder Knochenmarkmetastasen handelt. Von den betroffenen Patienten leben nach fünf Jahren trotz Behandlung nur noch etwa 20 Prozent, sagt die Statistik. Das Gleiche gilt für Patienten, bei denen der Krebs nach beendeter Behandlung zurückkehrt (Rezidiv).
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