Schilddrüsenhormone spielen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Gehirns, insbesondere bei der Entstehung und Reifung inhibitorischer GABAerger Interneurone. Diese Nervenzellen hemmen die Aktivität anderer Neuronen und verhindern so eine Übererregung des Gehirns. Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann die Entwicklung dieser GABAergen Neurone stören.
Die Rolle der Schilddrüsenhormone und ihrer Transporter
Essentielle Hormone für die Hirnentwicklung
Schilddrüsenhormone sind für die Entwicklung des Gehirns unerlässlich. Diese Hormone fördern die Bildung von Nervenzellen im Lern- und Gedächtniszentrum des Gehirns.
GABAerge Interneurone und Schilddrüsenhormone
Insbesondere GABAerge Interneurone sind auf Schilddrüsenhormone angewiesen. Eine Unterfunktion der Schilddrüse beeinträchtigt die Entwicklung dieser Neurone. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Steffen Mayerl und Prof. Heike Heuer hat die Bedeutung von Schilddrüsenhormon-Transportern für GABAerge Neurone untersucht.
Die Bedeutung von Schilddrüsenhormon-Transportern
Die Forscher verfolgten die Entstehung und Reifung GABAerger Neurone während verschiedener Entwicklungsstadien und konnten nachweisen, dass Schilddrüsenhormon-Transporter sowohl in neuronalen Vorläuferzellen, in reifen Neuronen als auch in nicht-neuronalen Zellen vorhanden sein müssen, damit sich GABAerge Interneurone ungestört entwickeln können. Das Verständnis dieser Komplexität wird helfen, bessere Behandlungsstrategien zu entwickeln.
Jod und Schilddrüsenhormone
Mit Jod als Baustein produziert die Schilddrüse zwei Hormone: T3 (Trijodthyronin) und T4 (Tetrajodthyronin oder Thyroxin). Deutschland gilt als Jodmangelgebiet, daher ist eine ausreichende Jodversorgung wichtig. Die WHO empfiehlt eine tägliche Jodaufnahme von 150-300 Mikrogramm.
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Auswirkungen von Schilddrüsenfunktionsstörungen auf die Hirnfunktion
Kognitive Beeinträchtigungen
Ein Mangel an Schilddrüsenhormonen kann zu Müdigkeit, Leistungs- und Konzentrationsschwäche sowie Störungen von Bewusstsein und Orientierungssinn führen. Die kognitive Leistungsfähigkeit des Menschen hängt stark davon ab, dass im Hippocampus, dem Lern- und Gedächtniszentrum, neue Nervenzellen gebildet werden.
Allan-Herndon-Dudley-Syndrom
Defekte im MCT8-Protein, einem Schilddrüsenhormon-Transporter, liegen dem Allan-Herndon-Dudley-Syndrom zugrunde. Betroffene Kinder haben irreversible Hirnschäden und sind mental retardiert, da die Schilddrüsenhormone nicht bis zum Gehirn vordringen und dort ihre Wirkung nicht entfalten können.
Depressionen und Schilddrüsenprobleme
Depressionen und Schilddrüsenprobleme können miteinander verbunden sein, da die Schilddrüsenfunktion einen erheblichen Einfluss auf die Stimmung und das psychische Wohlbefinden hat. Hormonelle Ungleichgewichte, die durch Schilddrüsenfunktionsstörungen verursacht werden, können die Stimmung beeinflussen und depressive Symptome verursachen oder verschlimmern.
Hypothyreose
Bei einer Hypothyreose produziert die Schilddrüse nicht genügend Schilddrüsenhormone, was zu Müdigkeit, Gewichtszunahme, Depression, trockener Haut, Kälteempfindlichkeit und Gedächtnisproblemen führen kann.
Hyperthyreose
Bei einer Hyperthyreose produziert die Schilddrüse zu viele Schilddrüsenhormone, was zu Gewichtsverlust, Nervosität, Zittern, Herzrasen, vermehrtem Schwitzen, Schlaflosigkeit und Reizbarkeit führen kann. Auch Stimmungsschwankungen können auftreten, einschließlich Angstzuständen und emotionaler Instabilität.
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Wechselwirkung mit Neurotransmittern
Schilddrüsenhormone können die Aktivität von Neurotransmittern im Gehirn beeinflussen, wie z.B. Serotonin, Dopamin und Noradrenalin, die eine wichtige Rolle bei der Regulation der Stimmung spielen. Veränderungen in der Schilddrüsenfunktion können daher die Produktion und den Abbau von Neurotransmittern beeinflussen und dadurch die Stimmung beeinträchtigen.
Behandlung von Schilddrüsenfunktionsstörungen
Bedeutung der Behandlung
Daher ist die Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion unerlässlich. Offen ist noch der Umgang mit einem sogenannten subklinischen Mangel im Alter. Die Patient*innen zeigen (noch) keine Symptome, ihre Werte liegen aber knapp unterhalb der Norm.
Therapiealternativen
In schweren Fällen bieten sich weitere Therapiealternativen an, wie Operation, Radiojodtherapie, Kortisonpräparate oder Bestrahlung. Die Behandlung von "Härtefällen" gehört in die Hand eines Endokrinologen.
Schilddrüsenhormone und Herz-Kreislauf-System
Schilddrüsenhormone beschleunigen den Herzschlag und begünstigen Herzrhythmusstörungen. Sind die niedrigen Werte also vorteilhaft, weil sie die negativen Effekte auf das Herz-Kreislauf-System verhindern - leider mit dem Effekt, dass das Gedächtnis nachlässt?
Weitere Faktoren, die die neuronale Funktion beeinflussen
Dopaminmangel
Ein Dopaminmangel kann unterschiedlichste Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit haben. Allgemeine Symptome, die bei Dopaminmangel auftreten können, sind Müdigkeit, Nervosität, Schlafstörungen und Interessenmangel. Die Behandlung eines Dopaminmangels richtet sich nach der Ursache und den individuellen Symptomen.
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Parkinson-Erkrankung
Bei der Parkinson-Krankheit sterben fortschreitend Dopamin-produzierende Nervenzellen im Gehirn ab. Der resultierende Dopaminmangel ruft typische Parkinson-Symptome hervor wie unwillkürliches Zittern, Muskelsteife, verlangsamte Bewegungen und Gangstörungen.
Medikamente und Parkinson-Syndrome
Bestimmte Medikamente, insbesondere Neuroleptika, können Parkinson-Symptome auslösen. Diese Medikamente blockieren die Dopamin-Rezeptoren im Gehirn und können so einen Dopaminmangel imitieren.
Rolle des Darms bei Parkinson
Die Aszensionshypothese besagt, dass Parkinson zumindest teilweise im Verdauungstrakt beginnt und sich über Nervenbahnen ins Gehirn ausbreitet. Eine gestörte Darmflora und Entzündungen im Darm könnten eine Rolle bei der Entstehung von Parkinson spielen.
Die Rolle von Alpha-Synuclein
Bisher dachten Wissenschaftler, dass ein Protein namens Alpha-Synuclein eine Rolle bei der Auslösung von Parkinson spielt. Dieses Protein kann sich zusammenklumpen und sich in den Nervenzellen ansammeln, was zu sogenannten Lewy-Körperchen führt.
Genetische Faktoren bei Parkinson
Es gibt allerdings genetische Faktoren, die zum Krankheitsausbruch beitragen können. Eines der identifizierten „Parkinson-Gene“ (PARK1) ist für die Herstellung von Alpha-Synuclein verantwortlich. Das Protein reguliert u. a. die Dopamin-Ausschüttung.
Neuronale Signalübertragung und psychische Erkrankungen
Störungen der Informationsverarbeitungsprozesse des ZNS, wie sie in typischer Weise bei psychischen Erkrankungen auftreten, müssen in enger Beziehung zu Alterationen der synaptischen Einheiten als morphologische und funktionelle Elemente der interneuronalen Kommunikation stehen. Die moderne biologische Psychiatrie hat von der Untersuchung synaptischer Prozesse ihren Ausgang genommen und über die Entwicklung modifizierender Substanzen - Psychopharmaka - erheblichen Einfluss auf die klinisch-psychiatrische Praxis genommen.
Neurotransmitter und ihre Funktion
Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die eine Schlüsselrolle bei der Übertragung von Signalen im Gehirn und im Nervensystem spielen. Sie ermöglichen die Kommunikation zwischen Neuronen und beeinflussen eine Vielzahl von Funktionen, darunter Stimmung, Emotionen, Gedächtnis, Schlaf und Appetit.
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