Übererregbarkeit bei Parkinson: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Parkinson ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen, die durch eine Vielzahl von Symptomen gekennzeichnet ist, darunter Muskelsteifheit (Rigor) und Übererregbarkeit von Nervenzellen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für Übererregbarkeit bei Parkinson, die verschiedenen Symptome, die damit einhergehen können, und die verfügbaren Behandlungsansätze.

Einführung

Parkinson-Syndrom ist eine langsam fortschreitende Erkrankung, die gehäuft im höheren Lebensalter auftritt. Durch einen langsamen Verlust von Zellen der Substantia nigra (schwarze Substanz) im Hirnstamm wird ein Mangel des Botenstoffes Dopamin im Gehirn verursacht. Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich, Müdigkeit und Depression können erste Symptome sein. Es kommt im weiteren Verlauf zu Bewegungsverlangsamung, Muskelsteifigkeit, einseitigem Zittern, Gangunsicherheit und Stürzen. Die Erkrankung ist ursächlich nicht behandelbar, die Behandlung der Symptome ist aber recht gut durch Medikamente möglich, die die Dopaminwirkung verstärken oder durch Verabreichung von L-Dopa.

Ursachen der Übererregbarkeit bei Parkinson

Neuronale Veränderungen und Signalübertragung

Bei Hirnerkrankungen wie Parkinson ist die Kommunikation zwischen Nervenzellen gestört. Bonner Forscher des DZNE berichten, dass sich diese Verbindungsprobleme auf Veränderungen in der Gestalt der Nervenzellen zurückführen lassen. Die Wissenschaftler vermaßen kranke Nervenzellen mit großer Präzision und simulierten daraufhin ihre elektrischen Eigenschaften am Computer. Die Nervenzellen sind übererregbar und verbreiten elektrische Impulse in geradezu hektischer Abfolge. Die Signalübertragung zwischen den Neuronen ist gestört. Die Aktivität hat gewisse Ähnlichkeiten mit einem epileptischen Anfall. Mit der Form verändern sich auch die elektrischen Eigenschaften der Zelle unmittelbar. Funktionsstörungen und Form der Neuronen sind eng miteinander verknüpft. Änderungen der Zellmorphologie sind typisch für alle neurodegenerative Erkrankungen. Störungen in der zellulären Kommunikation beruhen auch bei anderen Hirnerkrankungen auf Strukturveränderungen.

Dopaminmangel und Neurotransmitterungleichgewicht

Die klinische Symptomatik des Morbus Parkinson entsteht durch einen Dopaminmangel im Striatum, wodurch ein Neurotransmitterungleichgewicht in den Basalganglien ausgelöst wird. Die Parkinsonsymptomatik tritt erst auf, wenn etwa die Hälfte der 500.000 dopaminergen Neuronen in der Substantia nigra zugrunde gegangen ist.

Rolle von Mikronährstoffdefiziten

Die Funktionsfähigkeit des Gehirns ist in hohem Maße abhängig von einer ausreichenden Versorgung mit Mikronährstoffen. Mikronährstoffe sind wichtig für den Energiestoffwechsel der Nervenzellen, für den antioxidativen Schutz, für die Begrenzung der Entzündungsaktivität, für die Regulierung der Nervenerregbarkeit, für die Bildung von Myelin, der Synapsen und Dendriten und vieles mehr.

Lesen Sie auch: Die Übererregbarkeitshypothese im Detail

Symptome der Übererregbarkeit bei Parkinson

Rigor (Muskelsteifheit)

Als Rigor bezeichnet man durchgehend unwillkürlich angespannte Muskeln. Er ist eines der Hauptsymptome bei Parkinson und entsteht aufgrund der damit einhergehenden Nervenschäden im Gehirn. Muskelsteifigkeit kann jedoch auch im Zusammenhang mit verschiedenen Erkrankungen, Verletzungen oder Nebenwirkungen von Arzneimitteln auftreten. Der Rigor unterscheidet sich von einer Spastik (auch Spastizität), bei der die Anspannung der Muskeln zunimmt, je schneller sie passiv bewegt werden. Beim Rigor ist die Spannung der Muskeln unabhängig davon, wie schnell oder in welche Richtung die Gliedmaßen von außen bewegt werden. Bei einer Sonderform des Rigor, dem Zahnrad-Phänomen, lässt dieser Bewegungswiderstand abrupt nach und der Muskel lässt sich ein Stück bewegen, bevor die Spannung wieder steigt; die Bewegung wirkt also zahnradartig.

Vegetative Dystonie

Gerät dieses Wechselspiel von Sympathikus und Parasympathikus aus dem Gleichgewicht, stört das den Ablauf lebenswichtiger Prozesse und Fachleute sprechen von einer vegetativen Dystonie oder von somatoformen Störungen. Die Vielfalt an unspezifischen Symptomen macht es oft schwierig, ein überreiztes Nervensystem unmittelbar zu erkennen. Daher ergibt sich das Krankheitsbild einer vegetativen Dystonie in der Regel über das Ausschlussverfahren anderer Erkrankungen. Für eine vegetative Dystonie gibt es oft keine konkrete Ursache. Es können sowohl körperliche, als auch psychische Faktoren eine Rolle spielen. Nicht selten ist es eine Kombination aus beiden. Da Körper und Psyche über das vegetative Nervensystem eng miteinander verbunden sind, können sich auch psychologische und soziale Faktoren wie Stress, Sorgen oder Überforderung auf das vegetative Nervensystem auswirken. Oftmals lösen die Beschwerden weitere Ängste bei den Betroffenen aus, da sie befürchten, es könne eine schwerwiegende Erkrankung zugrunde liegen.

Stiff-Person-Syndrom

Die englische Bezeichnung „stiff person“ - also „steife Person“ - drückt ein wesentliches Merkmal der Krankheit aus: eine zunehmende Körpersteifigkeit. Verursacht wird sie durch massive Steigerung des Muskeltonus, insbesondere der rumpfnahen Muskulatur. Oft kommt es zu Gangblockaden und Stürzen. Zusätzlich sind die Stimmbänder betroffen. Das Stiff-Person-Syndrom ist mit weiteren Symptomen verbunden. Dazu gehören schmerzhaft einschießende Muskelkrämpfe. Erhöhte Schreckhaftigkeit, Sensibilitätsstörungen und Skelettdeformierungen sind ebenfalls typisch für das Krankheitsbild. Manche Patienten leiden zusätzlich unter vegetativen Symptomen wie starkem Schwitzen oder beschleunigtem Puls. Auch Angstattacken bei motorischer und emotionaler Belastung sind charakteristisch.

Epilepsie

Epilepsie bedeutet für viele betroffene Personen einen tiefen Einschnitt in ihr Leben. Zu epileptischen Anfällen kommt es durch eine Übererregbarkeit im Gehirn.

Muskelkrämpfe

Muskelkrämpfe haben keine einheitliche Ursache. Den gewöhnlichen nächtlichen Wadenkrämpfen liegt meist keine spezifische Erkrankung zu Grunde. Meist handelt es sich hierbei um neurogene Muskelkrämpfe, bedingt durch eine nervale Übererregbarkeit motorischer Nerven. Es wird angenommen, dass eine Übererregbarkeit der Alpha-Motoneurone durch Beteiligung afferenter Nervenfasern von Dehnungsrezeptoren in Sehnen und Muskeln eine Rolle spielt, dieses würde auch erklären, dass Dehnen des betroffenen Muskels zu einer raschen Besserung führt. Desweiteren wird angenommen, dass in den terminalen Aufzweigungen der motorischen Nerven eine Überaktivität von Ionenkanälen zu einer Übererregbarkeit von Nerven führt. Untersuchungen von Forschern haben gezeigt, dass die Muskeln durch elektrische Reizungen schon bei sehr viel niedrigerer Reizintensität auf Impulse reagieren. Muskelkrämpfe treten vor allem in der Wadenmuskulatur und Fußmuskel auf, können aber auch andere Muskelgruppen an den Beinen, Armen und Händen oder am Rumpf lokalisiert sein.

Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen

Diagnostische Verfahren

Sollte die Muskelsteifigkeit länger anhalten, immer wieder ohne nachvollziehbare Ursache auftreten oder sollten weitere Symptome hinzukommen, ist es ratsam, eine ärztliche Praxis aufzusuchen. Zunächst fragt der Arzt nach der Krankheitsgeschichte (Anamnese). Danach wird im Normalfall eine körperliche Untersuchung durchgeführt. Dabei werden die Beweglichkeit der Muskeln und ihr Widerstand gegen passive Bewegungen getestet. Im Fall von Parkinson kommt es zum Beispiel im Liegen teils zum Kopfkissen-Phänomen. Dabei hält die betroffene Person ihren Kopf unbeabsichtigt einige Zentimeter über der Unterlage, auch wenn ein zuvor stützendes Kissen entfernt wird. Zusätzliche Blutuntersuchungen können dabei helfen, Muskelschäden und Störungen des Immunsystems wie Polymyalgia rheumatica auszuschließen. Bildgebende Diagnostik wie ein MRT unterstützt dabei, eingeklemmte Nerven zu finden, die ebenfalls zu starken Verspannungen führen und so einem Rigor ähneln können. Seltener werden die elektrischen Signale der Muskeln direkt mittels Elektromyografie (EMG) gemessen.

Behandlungsansätze

Medikamentöse Therapie

Da Rigor in den meisten Fällen nur ein Symptom einer anderen Erkrankung ist, wird er selten direkt behandelt. Bei Entzündungen oder Muskelverletzungen kommen nichtsteroidale entzündungshemmende Medikamente (NSAID) zum Einsatz. Ist ein Arzneimittel die Ursache, besteht die Möglichkeit, die Dosis anzupassen oder auf eine alternative Medikation umzustellen. Bei Parkinson ist der Ansatzpunkt die zugrundeliegende fehlerhafte Ansteuerung der Muskeln durch das Gehirn. Dann kommen NMDA-Rezeptor-Antagonisten zum Einsatz.

Therapie des Stiff-Person-Syndroms

Mit gezielter Physiotherapie und antispastischen Substanzen wie Diazepam oder Clonazepam, außerdem Muskelrelaxantien wie Baclofen oder Tizanidin und vereinzelt Botulinumtoxin wird das Stiff-Person-Syndrom symptomatisch behandelt. Reicht diese Therapie nicht aus, werden zur Langzeitbehandlung Immuntherapeutika eingesetzt, vor allem Corticosteroide wie Methylprednisolon und Immunglobuline. In Einzelfällen kommen Rituximab oder Plasmapheresen (außerhalb des Körpers stattfindende Blutreinigungsverfahren) zum Einsatz.

Mikronährstoffe und ihre Bedeutung

Die B-Vitamine sind von grundlegender Bedeutung für die Funktionsfähigkeit des zentralen Nervensystems und zur Prävention neurodegenerativer Erkrankungen. Eine niedrige Vitamin-B1-Aufnahme, 2 bis 8 Jahre vor der Diagnosestellung eines Morbus Parkinsons, sei mit Störungen des Geruchssinns assoziiert, die wiederum mit einem erhöhten Risiko für Morbus Parkinson einhergehen. Bei männlichen Parkinson-Patienten würden erhöhte Blutspiegel von Vitamin B1 das Auftreten einer milden kognitiven Störung vermindern. Vitamin B2 kann den oxidativen Stress, die mitochondriale Dysfunktion, die Entzündungsaktivität im Gehirn sowie das neurotoxische Potenzial von Glutamat vermindern. Eine Supplementierung von Vitamin B3 das Voranschreiten der Parkinsonerkrankung verlangsamen konnte. Bei Parkinson-Patienten, die mit L-Dopa behandelt werden, sollte auch auf die Vitamin-B6-Versorgung geachtet werden. Ein Vitamin-B6-Mangel bei Parkinson-Patienten mit einem erhöhten Sturzrisiko verbunden sein kann. Empfehlenswert ist die routinemäßige Bestimmung der Vitamin-B6-Spiegel bei Parkinson-Patienten. Höhere Vitamin-B12-Spiegel zu Beginn der Parkinsonerkrankung mit einem niedrigeren Risiko für eine Demenzentwicklung fünf Jahre nach der Parkinson-Diagnose verbunden waren. Vitamin C kann auch die Toxizität von L-Dopa vermindern und die Bioverfügbarkeit im Gehirn verbessern. Eine hohe Zufuhr von Vitamin E im Vergleich zu einer geringen Aufnahme das Risiko für Morbus Parkinson reduzieren konnte. Der Vitamin-D-Status war auch wichtig für den Erhalt der kognitiven Funktionen. Niedrige Vitamin-D-Konzentrationen begünstigten das Voranschreiten der Erkrankung. Eine hohe Aufnahme von Vitamin C und E über die Nahrung konnte vor allem bei übergewichtigen Personen das Parkinson-Risiko reduzieren. Eine Supplementierung von N-Acetylcystein (NAC) als Infusion und als orale Therapie über einen Zeitraum von drei Monaten bei Parkinson-Patienten zu einer Verbesserung des dopaminergen Systems führte - mit positiven klinischen Effekten.

Weitere Behandlungsansätze

  • Physiotherapie: Lange Phasen der Inaktivität vermeiden.
  • Entspannungsmethoden: Entspannungsmethoden wie Yoga, Meditation oder andere Achtsamkeitsübungen können dabei helfen, das Stresslevel zu senken und das Nervensystem wieder zu beruhigen.
  • Ernährung: Ausgewogen ernähren: Vitaminmangel, insbesondere ein Mangel an Vitamin B12, kann die Funktion des Nervensystems beeinträchtigen. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten kann die Gesundheit des autonomen Nervensystems unterstützen.
  • Schlafhygiene: Ausreichend schlafen: Ein gesunder Schlaf ist unerlässlich für die Stressbewältigung und Regeneration des Nervensystems. Dazu sollte die Schlafumgebung eine Temperatur von etwa 18 Grad haben und sich gut abdunkeln lassen. Fernseher oder mobile Geräte wie Smartphones sollten abends ausgeschaltet werden, um Ablenkung und laute Geräusche zu vermeiden. Deftiges Essen, Alkohol und Stress am Abend können die Schlafqualität erheblich beeinträchtigen. Besser sind daher leicht verdauliche Speisen und warme Getränke wie Tee am Abend.
  • Pflanzliche und homöopathische Mittel: Pflanzliche oder homöopathische Mittel können hierbei eine unterstützende Therapieoption sein, da sie eine gute Verträglichkeit bei geringem Gewöhnungspotenzial aufweisen, dies trifft jedoch nicht auf alle pflanzlichen Arzneimittel zu. Gelber Jasmin und Schlangenwurzel können bei Schwindel, nervlich bedingtem Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Beschwerden Linderung verschaffen.

Neueste Forschungsergebnisse

Pharmaka, die speziell darauf ausgerichtet sind, die Gestalt der Neuronen zu erhalten, könnten den Krankheitsverlauf eventuell günstig beeinflussen. Für die Therapie wäre die Zellmorphologie ein neuer Ansatzpunkt.

Lesen Sie auch: Die Stadien der Parkinson-Krankheit erklärt

tags: #ubererregbarkeit #bei #parkinson