Die Rehabilitation nach Erkrankungen oder Verletzungen des Gehirns und Rückenmarks ist ein komplexer Prozess, der darauf abzielt, verlorengegangene Funktionen wiederherzustellen und die Selbstständigkeit des Betroffenen im Alltag zu fördern. Verschiedene Therapieansätze und Übungen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Dieser Artikel beleuchtet das Bobath-Konzept, neuroathletische Trainingsmethoden und neuromotorisches Training als wichtige Bausteine der Rehabilitation.
Die Bedeutung des Nervensystems für Bewegung und Rehabilitation
Unsere Nerven bilden eine zusammenhängende Einheit, die den Informationsaustausch zwischen sensorischen Rezeptoren, dem Gehirn und den ausführenden Organen gewährleistet. Die Datenübertragung zwischen dem zentralen Nervensystem und den bewegungsausführenden Organen ist entscheidend für das Gelingen von Bewegungen. Wenn sensorische Informationen, die an den Rezeptoren generiert werden, durch die Übermittlung der Nerven an unser Gehirn in ihrer Qualität abnehmen, liegt ein Übertragungsproblem vor.
Ein Vergleich aus dem Alltag macht den Ablauf verständlich: Knickt man einen Gartenschlauch oder klemmt ihn ein, unterbricht das den Wasserdurchfluss; die Blumen bleiben im Trockenen stehen. Gleiches passiert, wenn die Nervenfasern unser Gehirn nicht einwandfrei mit Informationen versorgen können: Das Gehirn muss Prognosen über die nahe Zukunft erstellen, die auf lückenhaften Informationen beruhen. Doch nicht nur die direkte Informationsübertragung, sondern auch die Bewegungsfreiheit der Nerven kann eingeschränkt sein. Denn sobald wir uns bewegen, verändern periphere Nerven ihre eigene Lageposition. Die mechanischen Bedingungen des peripheren und des zentralen Nervengewebes haben Auswirkungen auf unsere Leistungsfähigkeit!
Das Bobath-Konzept: Förderung der Umstrukturierung des Gehirns
Das Bobath-Konzept ist ein therapeutischer und rehabilitativer Ansatz, der sich an Menschen richtet, bei denen das Gehirn oder das Rückenmark geschädigt ist. Es wurde bereits im Jahr 1943 von der Physiotherapeutin Berta Bobath und ihrem Mann, dem Neurologen Dr. Karl Bobath, entwickelt. Ihr Konzept soll dazu beitragen, motorische Einschränkungen, Gleichgewichtsstörungen oder eine Spastik zu lindern. Dabei ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Betroffenen und Therapeut:innen besonders wichtig.
Das Bobath-Konzept entspricht keiner festgelegten Technik oder Methode. Stattdessen erarbeiten Therapeut:innen einen individuellen Plan, der Rücksicht auf die Fähigkeiten und Umstände der Patient:innen nimmt.
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Die Annahme der Plastizität des Gehirns
Die Bobath-Therapie basiert auf der Annahme, dass das Gehirn über die gesamte Lebensspanne eines Menschen hinweg lernfähig bleibt. Diese Lernfähigkeit, auch als "Plastizität des Gehirns" bezeichnet, ermöglicht es gesunden Regionen im Gehirn, die Aufgaben geschädigter Areale zu übernehmen. Wird zum Beispiel aufgrund eines Schlaganfalls ein bestimmtes Hirnareal geschädigt, müssen dessen Funktionen nicht zwangsläufig verloren gehen. Stattdessen können gesunde Regionen im Gehirn durch ein gezieltes Training die Aufgaben übernehmen. Dafür ist die Ausbildung neuer Verbindungen, die Expert:innen auch Synapsen nennen, nötig. Genau diese Umstrukturierung kann die Bobath-Therapie unterstützen - so die These.
Ziele des Bobath-Konzepts
Die übergeordneten Ziele des Bobath-Konzeptes sind die Förderung der Selbstständigkeit und die Vermeidung von unerwünschten Veränderungen wie eine Versteifung der Gelenke. Vor allem für pflegebedürftige Menschen ist das Thema Selbstständigkeit allgegenwärtig. Das Bobath-Konzept nimmt auf die individuellen Bedürfnisse und die Handlungsfähigkeit von Betroffenen große Rücksicht. Schließlich ist nicht jede Ausgangslage nach einem neurologischen Ereignis wie einem Schlaganfall oder bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie Multiple Sklerose gleich.
Damit Patient:innen eine möglichst eigenverantwortliche Lebensqualität zurückerlangen und um Folgeschäden wie Schmerzen oder eine Spastizität zu lindern, ist ein geschultes Team nötig. In einer interdisziplinären Zusammenarbeit setzen sich Ärzt:innen, Physiotherapeut:innen, Ergotherapeut:innen, Neurophysiolog:innen, Logopäd:innen und Pflegekräfte für Betroffene ein. Sie entwickeln eine individuelle Behandlungsstrategie, um gezielt auf Patient:innen einzugehen.
Für wen ist das Bobath-Konzept geeignet?
Ein gezieltes Bobath-Konzept für die Pflege eignet sich für Menschen mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Außerdem können Patient:innen von dem Ansatz profitieren, deren Gehirn oder Rückenmark geschädigt ist. Besonders häufig kommt das Bobath-Konzept in der Pflege bei Menschen nach einem Schlaganfall zum Einsatz. Sie leiden infolge des neurologischen Ereignisses oft unter einer halbseitigen Lähmung, die durch die Mangeldurchblutung im Gehirn verursacht wird. Das Bobath-Konzept bei Schlaganfall kann dann dabei helfen, die Selbstständigkeit bei Patient:innen zu fördern.
Weiterhin profitieren Menschen mit/nach:
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- Schlaganfall
- Multiple Sklerose
- Morbus Parkinson
- Enzephalitis
- Entwicklungsstörungen, die sich auf die Bewegung auswirken
- Schädel-Hirn-Verletzung
- Rückenmarksverletzungen
Bobath-Übungen für Erwachsene
Es gibt keinen strengen Übungskatalog zur Anwendung des Bobath-Konzepts. Vielmehr passt die Physiotherapie nach Bobath geeignete Übungen an die Schwere der Erkrankung und die vorliegende Bewegungsfähigkeit an. Zu den klassischen Bobath Übungen gehört „der Klavierspieler“. Dabei sitzen die Patient:innen auf einem Stuhl oder einem Bett. Betroffene spielen nun auf einem imaginären Klavier, das über eine sehr breite Tastatur verfügt. Um die äußeren imaginären Tasten zu erreichen, lehnen sie ihren Rumpf zur Seite und heben einen Teil ihres Gesäßes an. Dadurch, dass der Körper weniger Fixpunkte auf der Sitzfläche hat, schulen Betroffene ihre sogenannte posturale Kontrolle, also die Fähigkeit, trotz der Schwerkraft die Körperhaltung aufrecht zu halten. Bobath-Therapeut:innen unterstützen Patient:innen nur soweit, wie sie Hilfe benötigen. Mit viel Eigeninitiative soll es gelingen, die Kontrolle über die Bewegungen und die Haltung zu optimieren.
Pflegerische Maßnahmen für Angehörige
Das Bobath-Konzept kommt nicht nur in der Therapie in Form von Physiotherapie zum Einsatz. Auch im pflegerischen Alltag gibt es viele Übungen für Zuhause. Vor allem bei der Lagerung nach Bobath und der Mobilisation nach Bobath können Sie als Familienmitglied mitwirken. Spezielle Kurse und Fortbildungen vermitteln Ihnen das nötige Fachwissen, um diese Techniken individuell auf Ihr pflegebedürftiges Familienmitglied anzupassen und umzusetzen.
Für den häuslichen Pflegealltag eignet sich übrigens das Selbsthilfetraining, kurz ATL-Training, besonders gut. Dieser Bereich der Bobath-Therapie dient dazu, den Betroffenen stets in alltägliche Aufgaben einzubeziehen, ihn also mitarbeiten zu lassen. Dadurch, dass Aktivitäten ständig wiederholt werden, bekommt Ihr Familienmitglied die Möglichkeit, sich an ehemals bekannte Bewegungsabläufe zu „erinnern“ und sie so zu aktivieren. Führen Sie beispielsweise eine Bobath-Waschung durch, informieren Sie Ihren Angehörigen oder Ihre Angehörige über alle Arbeitsschritte und beteiligen ihn oder sie an den Bewegungen. Polnische Pflegekräfte können ebenfalls einen Beitrag zum Bobath-Konzept leisten, indem sie Bewegungsabläufe erklären und immer gleich ausführen. Da sich eine polnische Betreuungsperson ausschließlich um Ihr Familienmitglied kümmert, kann sie besonders einfühlsam auf die Bedürfnisse eingehen.
Lagerung und Mobilisation nach Bobath
Ist die pflegebedürftige Person halbseitig gelähmt, empfiehlt sich die sogenannte Lagerung nach Bobath. Das Bobath-Konzept sieht verschiedene Lagerungen vor. Bei der Lagerung auf der betroffenen Seite stimuliert der Auflagedruck die beeinträchtigten Körperpartien. Die nicht betroffene Seite kann aktiv benutzt werden. Bei der Lagerung auf der nicht betroffenen Seite kann sich der Muskeltonus entspannen. Die betroffenen Personen fühlen sich meist wohler, weil sie ihre Lage aktiv mitgestalten können. Das stabile Sitzen im Bett hilft Menschen mit geringer Rumpfstabilität, wieder ein Gefühl für den eigenen Körper zu bekommen und den Kreislauf zu trainieren. Das Sitzen im Stuhl am Tisch stabilisiert Muskeltonus und Kreislauf. Außerdem ist es ein wichtiger Schritt zurück in ein soziales Leben. Bei jeder Lagerung sollte die Unterlage relativ hart sein, weil dann der Auflagedruck stärker stimuliert. Für Ihre Angehörigen ist es außerdem wichtig, dass sie möglichst stabil liegen oder sitzen.
Mobilisation nach Bobath wird auch Transfer nach Bobath genannt. Danach sollen Sie Ihre Angehörigen aktiv in sämtliche Positionswechsel mit einbeziehen. Es beginnt mit einfachen unterstützenden Bewegungsabläufen, zum Beispiel dem Aufsetzen im Bett. Eine gute Möglichkeit, die Körperwahrnehmung von Patienten mit starken körperlichen Einschränkungen zu fördern, ist das Waschen nach Bobath. Beim Waschen nach Bobath arbeiten Sie stets von der gesunden zur kranken Seite hin.
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Ziel eines jeden Bobath-Trainings ist, dass die Patienten trotz ihrer Erkrankung so viel Selbstständigkeit wie möglich zurückerlangen. Geeignet für die Gestaltung des ADL-Trainings sind neben der Körperpflege, das An- und Ausziehen, die Nahrungsaufnahme, aber je nach Mobilität auch der eigenständige Toilettengang.
Vojta und Bobath in der Pflege
In der Altenpflege kann die Krankengymnastik nach Vojta eine gute Ergänzung zum Bobath-Konzept sein. Hierbei aktivieren Physiotherapeuten die natürlichen menschlichen Bewegungsmuster über verschiedene Druckpunkte. Dadurch lassen sich Symptome wie beispielsweise Spastizität lindern und Bewegungsniveaus verbessern. Der Unterschied zu Bobath: Vojta soll angeborene Bewegungsmuster aktivieren, Bobath schafft neue Verknüpfungen im Gehirn.
Damit das Bobath-Konzept funktioniert, müssen alle an der Pflege beteiligten Personen an einem Strang ziehen. Zusammen müssen Sie Ihren pflegebedürftigen Angehörigen während des gesamten Tagesablaufs an die Übungen heranführen. Beraten Sie sich am besten mit einem Physiotherapeuten, der auf Bobath spezialisiert ist.
Neuroathletik: Training für das Nervensystem zur Leistungssteigerung
Neuroathletik ist eine Trainingsmethode, die das zentrale Nervensystem in den Mittelpunkt stellt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Sportübungen, die etwa auf Muskelaufbau oder Herz-Kreislauf-Training abzielen, liegt der Fokus bei Neuroathletik auf den bewegungssteuernden Bereichen des Nervensystems. Der Begriff Neuroathletik wird häufig synonym zu neurozentriertem Training verwendet. Während neurozentriertes Training eher zur Rehabilitation, zur Linderung von Schmerzen, aber auch zur Prävention von Sportverletzungen eingesetzt wird, findet Neuroathletik-Training eher im Bereich des Spitzensports und zur Leistungssteigerung Anwendung. „Trotz der unterschiedlichen Bezeichnungen sind Vorgehen und Übungen bei Neuroathletik und neurozentriertem Training weitestgehend gleich“, erklärt Andreas Könings, Gründer der Deutschen Neuro-Akademie und Experte für neurozentriertes Training. „Beide Varianten kümmern sich nicht um den Körper, also die Hardware, sondern um die neuronalen Aspekte, die Software.“
Wie hängen Gehirn und sportliche Leistung zusammen?
Das Gehirn spielt eine zentrale Rolle bei jeder Art von Bewegung, denn es verarbeitet Informationen aus den verschiedenen Sinnessystemen und leitet daraus Bewegungsabläufe ab. „Das Gehirn ist die Zentrale des Nervensystems und das Nervensystem entscheidet letztendlich, wie schnell ich laufe, wie hoch ich springe, wie viel Kraft ich habe oder ob ich Schmerzen habe“, sagt Könings.
Man unterscheidet zwischen dem zentralen Nervensystem, zu dem Gehirn und Rückenmark gehören, und dem peripheren Nervensystem, zu dem die Nerven zählen. Sensorische Nerven transportieren Informationen, die wir über Sehen, Hören, Schmecken, Tasten oder Fühlen aufnehmen, an das zentrale Nervensystem. Über die Nerven werden sensorische Reize an das Gehirn geleitet. Dort können die Signale als gefährlich oder ungefährlich interpretiert werden. Wertet das Gehirn eine Gefahr, sendet es Stopp-Signale an die Muskeln und eine mögliche optimale Leistung wird gebremst.
Solche Gefahrensignale für das Gehirn können beispielsweise Schmerzen durch einen verstauchten Knöchel sein, aber auch unzureichende Informationen wie ein durch eine Schirmmütze eingeschränktes Sichtfeld. Könings erklärt diesen Sachverhalt so: Während Ersteres ein echtes Problem für den Körper darstellt und das Gehirn das Signal geben muss, den Fuß nicht mehr zu belasten, ist die Schirmmütze ein Fehlalarm. Aber einer, der die jeweilige Person vielleicht langsamer joggen lässt, da das Gehirn meldet: Tempo runter, sonst stürzt du.
Je besser das Gehirn also in der Lage ist, von den Sinnesorganen vermittelte sensorische Informationen wie Gleichgewicht, visuelle Eindrücke oder die Wahrnehmung der Körperposition einzuordnen und darauf zu reagieren, desto weniger lasse es sich von solchen Fehlalarmen täuschen und umso präziser und effizienter könne die jeweilige Person Bewegungen ausführen.
Wie funktioniert Neuroathletik-Training?
Neuroathletik zielt auf die Verbesserung des Zusammenspiels von zentralem und peripherem Nervensystem. Dabei liegt der Fokus auf den reizverarbeitenden Systemen, die eine zentrale Rolle für Bewegungsabläufe spielen: das visuelle, das vestibuläre und das propriozeptive System. Diese drei Systeme sind wichtig für visuelle Eindrücke, Gleichgewicht und die Eigenwahrnehmung der Bewegung des Körpers. Sie interagieren kontinuierlich miteinander und mit dem zentralen Nervensystem, das die von ihnen stammenden Informationen verarbeitet und gegebenenfalls ausgleicht. In der Neuroathletik sollen durch bestimmte Übungen eventuelle Fehler im Zusammenspiel der verschiedenen Systeme abgemildert und der Informationsfluss zwischen peripherem und zentralem Nervensystem optimiert werden.
Neuroathletik-Übungen
- Visuelle Eindrücke (visuelles System): Ein großer Teil der Bewegungssteuerung läuft über die Augen: Wie groß ist das Hindernis, wo im Raum befinden sich die Spielenden der eigenen und gegnerischen Mannschaft, wie weit ist die 100-Meter-Ziellinie entfernt? Sind Sicht oder Sehvermögen eingeschränkt, kann sich das auf verschiedene Bewegungsfaktoren auswirken, zum Beispiel das Gleichgewicht oder die Körperhaltung. Die Bewegung wird ineffizienter. Visuelle Neuroathletik-Übungen sollen die Wahrnehmung und die Kommunikation zwischen Augen und Gehirn verbessern und so die Reaktionszeit verkürzen. Dabei kommt beispielsweise die durch den Spitzensport bekannte Rasterbrille zum Einsatz oder ein Stab, dem die Augen beim Kreisen folgen, ohne dass der Kopf bewegt wird.
- Gleichgewicht trainieren (vestibuläres System): Das vestibuläre System sitzt im Innenohr und liefert wichtige Informationen für unseren Gleichgewichtssinn. Dort erfasst es die Bewegung und Beschleunigung des Kopfes und gibt die Informationen an das Gehirn weiter. Das vestibuläre System ermöglicht es dem Menschen, sich im Raum zu orientieren, ist aber auch an der Haltung und der Ausrichtung der Augen beteiligt. Die Bedeutung des Zusammenspiels von visuellen und vestibulären Eindrücken zeigt sich mitunter dadurch, dass es schwer ist, mit geschlossenen Augen auf einem Bein zu stehen. Bekommt das Gehirn die Information „Hier ist etwas nicht stabil“, reagiert es, indem es die Bewegungen verlangsamt und die Agilität einschränkt. Über Neuroathletik-Übungen für besseres Gleichgewicht und mehr Stabilität sollen Verletzungen reduziert und die Körperbeherrschung verbessert werden. Typische Übungen sind immer mit einer Bewegung verbunden, zum Beispiel einem Drehen des Kopfes.
- Eigenwahrnehmung verbessern (propriozeptives System): Das propriozeptive System umfasst unsere sogenannte Tiefensensibilität oder Eigenwahrnehmung. Dabei liefern propriozeptive Sensoren in Muskeln, Sehnen und Gelenken Informationen darüber, in welcher Stellung sich Arme, Beine und andere Körperregionen befinden, was wichtig für die Statik ist. Außerdem erfasst das propriozeptive System über Drucksensoren auf der Haut, in welcher Haltung wir uns befinden und auf welchem Untergrund und wie schnell wir uns bewegen. All dies sind wichtige Voraussetzungen für sportliche (Höchst-)Leistungen. Propriozeptive Übungen umfassen unter anderem Beweglichkeitsübungen der Gelenke sowie Gleichgewichtsübungen, etwa mit einem Balance-Board, Widerstandsbändern oder Vibrationsrollen. So sollen Gleichgewicht, Koordination und die allgemein körperliche Leistungsfähigkeit verbessert werden.
Für wen ist Neuroathletik-Training geeignet?
Neuroathletik-Training soll grundsätzlich für alle geeignet sein, die ihre Bewegungsqualität und sportliche Leistung verbessern möchten. Tatsächlich Anwendung finden die entsprechenden Übungen bisher aber hauptsächlich im Spitzensport beziehungsweise sie traten dort am publikumswirksamsten in Erscheinung. Nach und nach dringen sie auch in verschiedene andere Bereiche vor. So sollen Neuroathletik-Übungen auch im Breiten- oder Rehasport oder als präventive Maßnahme hilfreich sein. Welchen Effekt die Übungen tatsächlich haben, muss wissenschaftlich noch geklärt werden.
Neuromotorisches Training: Stärkung der Verbindung zwischen Gehirn und Muskeln
Neuromotorisches Training stärkt deine Verbindung zwischen Gehirn und Muskeln durch Übungen, die Koordination, Balance und Reaktionszeit verbessern. Indem Du regelmäßig an deinem Gleichgewicht und deiner Körperkontrolle arbeitest, kannst Du Verletzungen vorbeugen und deine sportliche Leistung steigern.
Was ist Neuromotorisches Training?
Unter Neuromotorischem Training versteht man spezielle Übungen und Techniken, die darauf abzielen, die neuronale und motorische Kontrolle deines Körpers zu verbessern. Es wird häufig verwendet, um die Koordination, das Gleichgewicht und die Reaktionsfähigkeit zu steigern.
Neuromotorisches Training ist eine Trainingsmethode, die sowohl das Nervensystem als auch die Muskeln anspricht, um Bewegungsabläufe effizienter und präziser zu gestalten. Durch ein strukturiertes Training für Muskeln und Nervensystem wird ein effektives neuromotorisches Training ermöglicht, das in einem individuellen Übungsplan für Training integriert werden kann. Ein gut durchdachter Trainingsplan für Bewegungsabläufe fördert die Koordination und verbessert die motorischen Fähigkeiten.
Anwendungsbereiche des Neuromotorischen Trainings
Neuromotorisches Training wird in verschiedenen Bereichen angewendet:
- Physiotherapie: Nach Verletzungen oder Operationen hilft es, die Bewegungsfähigkeit wiederherzustellen.
- Sportmedizin: Athleten nutzen es, um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern und Verletzungen vorzubeugen.
- Neurologische Rehabilitation: Bei Krankheiten wie Schlaganfall oder Multipler Sklerose unterstützt es die Patienten, ihre motorischen Fähigkeiten zu verbessern.
Wie funktioniert Neuromotorisches Training?
Das Neuromotorische Training funktioniert, indem spezifische Übungen durchgeführt werden, die gezielt die neuronalen Verbindungen im Gehirn und Rückenmark stimulieren. Diese Verbindungen sind für die Steuerung und Koordination der Bewegung verantwortlich.
Bei regelmäßiger Durchführung von neuromotorischem Training werden synaptische Verbindungen gestärkt und neu gebildet. Dieses Phänomen nennt man Neuroplastizität. Neuroplastizität ist die Fähigkeit des Gehirns, sich selbst zu reorganisieren und anzupassen, indem es neue neuronale Verbindungen bildet.
Wichtige Übungen im Neuromotorischen Training
Es gibt verschiedene Übungen im neuromotorischen Training, die dir helfen können:
- Gleichgewichtsübungen: Wie auf einem Bein stehen oder auf instabilen Oberflächen trainieren.
- Koordinationsübungen: Wie das Fangen und Werfen eines Balls oder das Bewegen von Armen und Beinen in komplexen Bewegungsabläufen.
- Reaktionsübungen: Wie das schnelle Wechseln von Bewegungsrichtungen als Reaktion auf äußere Reize.
Techniken im Neuromotorischen Training
- Gleichgewichtstraining:
- Einbeinige Übungen: Auf einem Bein stehen oder auf einem weichen Untergrund balancieren.
- Bewegliche Unterlagen: Übungen auf instabilen Oberflächen wie Balancekissen oder Wackelbrettern.
- Wechselnde Positionen: Schnelles Wechseln zwischen verschiedenen Körperhaltungen, um die Gewichtsverlagerung zu trainieren.
- Koordinationstraining:
- Ballspiele: Fangen und Werfen eines Balls, um die Hand-Augen-Koordination zu verbessern.
- Bewegungsmuster: Komplexe Bewegungsabläufe wie das abwechselnde Bewegen von Armen und Beinen.
- Seil- und Hindernisparcours: Durchqueren von Hindernissen oder Balancieren auf einem Seil, um die gesamte Körperkoordination zu fördern.
- Reaktionstraining:
- Wechselnde Richtungen: Schnelles Wechseln der Bewegungsrichtung als Antwort auf visuelle oder akustische Signale.
- Reaktionsbälle: Bälle, die in unvorhersehbare Richtungen springen und gefangen werden müssen.
- Partnerübungen: Übungen mit einem Partner, bei denen du auf unerwartete Bewegungen reagieren musst.
Durchführung von Neuromotorischem Training
Die Durchführung von Neuromotorischem Training erfordert eine gewisse Planung und Struktur, um maximale Effekte zu erzielen.
- Vorbereitung:
- Gesundheitscheck: Lasse dich von einem Arzt oder Therapeuten durchchecken, um sicherzustellen, dass du für das Training geeignet bist.
- Zielsetzung: Definiere klare Ziele, die du mit dem Training erreichen möchtest, wie z. B. Verbesserung der Balance oder Koordination.
- Ausrüstung: Stelle sicher, dass du die notwendige Ausrüstung wie Balancekissen, Reaktionsbälle oder andere Trainingsgeräte zur Verfügung hast.
- Übungsplan:
- Aufwärmen: Beginne jede Einheit mit einem Aufwärmprogramm, um deine Muskeln vorzubereiten und Verletzungen vorzubeugen.
- Hauptteil: Führe Übungen in folgenden Bereichen durch:
- Gleichgewicht: Auf einem Bein stehen, Balancekissen
- Koordination: Ballspiele, komplexe Bewegungsabläufe
- Reaktion: Wechselnde Richtungen, Reaktionsbälle
- Cool-Down: Beende deine Trainingseinheit mit Dehnübungen und leichtem Auslaufen, um deinen Körper langsam abzukühlen.
- Häufigkeit und Dauer:
- Anfänger: Beginne mit zwei bis drei Einheiten pro Woche á 30-45 Minuten.
- Fortgeschrittene: Steigere die Häufigkeit auf vier bis fünf Einheiten pro Woche und die Dauer auf 60 Minuten.
- Überwachung und Anpassung:
- Fortschrittsmessung: Nutze Methoden wie Tagebücher oder Apps, um deine Fortschritte zu dokumentieren.
- Anpassung: Erhöhe die Intensität und Komplexität der Übungen schrittweise, um stetige Verbesserungen zu erzielen.
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