Fortschritte in der Alzheimer-Forschung bei Novartis

Einleitung

Die Alzheimer-Krankheit stellt eine der größten Herausforderungen im Gesundheitswesen dar. Sie ist die häufigste Ursache für Demenz und betrifft weltweit Millionen von Menschen. Die Forschung nach wirksamen Therapien und Präventionsstrategien ist daher von entscheidender Bedeutung. Novartis, ein führendes Pharmaunternehmen, engagiert sich seit langem in der Alzheimer-Forschung und hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte erzielt. Dieser Artikel beleuchtet einige dieser Fortschritte und gibt einen Einblick in die vielversprechende Forschungsarbeit von Novartis.

Neue Erkenntnisse über Immunzellen und Neurodegeneration

Forschende des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) sowie des Universitätsklinikums Bonn (UKB) und der Universität Bonn haben neue Belege dafür geliefert, dass die Eindämmung entzündlicher Prozesse im Gehirn ein aussichtsreicher Ansatz zur Behandlung der Alzheimer-Erkrankung ist. Ihre Ergebnisse, die auf Studien an Zellkulturen, Mäusen und menschlichen Gewebeproben beruhen, könnten zur Entwicklung wirksamerer Therapien beitragen. Die Alzheimer-Erkrankung beinhaltet ein komplexes Zusammenwirken verschiedener Mechanismen. Einer davon ist die Neuroinflammation. Konkret haben die Forscher einen molekularen Komplex namens NLRP3-Inflammasom pharmakologisch manipuliert. Dieser kommt in den Mikroglia vor, das sind die Immunzellen des Gehirns.

Das „NLRP3-Inflammasom“ wirkt wie ein Kontrollschalter: Bei der Alzheimer-Erkrankung löst seine Aktivierung Entzündungsprozesse aus (sogenannte Neuroinflammation) die Nervenzellen schädigen. Aus diesem Grund suchen Forschende nach Möglichkeiten, diesen molekularen Komplex mithilfe von „Inhibitoren“, speziellen Pharmastoffen, zu inaktivieren. Die aktuellen Ergebnisse stützen diesen Ansatz. Die Inhibition von NLRP3 verringert nicht nur die Neuroinflammation, sondern unterstützt auch die Mikroglia dabei, die schädlichen Ablagerungen von Amyloid-Beta zu beseitigen. Diesen Vorgang nennt man Phagozytose. Die Forscher haben bisher unbekannte Signalwege entdeckt, die von NLRP3 beeinflusst werden. Insbesondere wurde herausgefunden, dass NLRP3 steuert, wie Mikroglia Nährstoffe verwerten und wie diese Nährstoffe auf Gene wirken, die eine entscheidende Rolle für die Funktion der Mikroglia spielen. Das ist sehr bedeutsam für deren Fähigkeit zur Phagozytose. Diese Erkenntnisse könnten bei der Entwicklung von Therapien gegen Demenz hilfreich sein. Die Forschungsergebnisse zeigen jedenfalls, dass NLRP3 ein vielversprechendes Ziel für die Behandlung der Alzheimer-Erkrankung ist.

Strategische Allianzen und Zukäufe zur Stärkung der Pipeline

Novartis verfolgt eine Strategie der strategischen Allianzen und gezielten Zukäufe, um seine Pipeline im Bereich der Neurologie systematisch auszubauen. Ein Beispiel hierfür ist die exklusive Kaufoption auf die Hirn-Wirkstoffabgabeplattform von Sironax, die es Novartis ermöglicht, Wirkstoffe effizienter ins Gehirn zu transportieren. Diese Plattformtechnologie hat eine breite therapeutische Anwendung und ermöglicht es Novartis, First-in-Class-Ansätze im zentralen Nervensystem zu priorisieren und technologische Eintrittsbarrieren frühzeitig zu meistern.

Mit rund 15 Pipelineprojekten im Bereich der neurologischen Erkrankungen ist Novartis in diesem Segment insbesondere bei Multipler Sklerose, Myasthenia gravis sowie einzelnen Erkrankungen mit bekannter genetischer Ursache vertreten. Bei Alzheimer gibt es bisher ein frühes Projekt in der Phase I mit einem ASO (Antisense Oligonukleotid) gegen das Alzheimerprotein Tau.

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Wettbewerb im Alzheimer-Bereich

Im Wettbewerb mit Roche, einem anderen großen Pharmaunternehmen aus Basel, will Novartis nicht zurückstehen. Roche hat kürzlich mit klinischen Daten bei Alzheimer für Furore gesorgt: Erstmals konnte ein Antikörper offensichtlich hocheffektiv über die Blut-Hirn-Schranke transportiert werden, der dort gegen das beta-Amyloid und dessen Ablagerungen wesentliich größere Wirksamkeit zeigte als bisherige Versuche. Novartis hat den Wettbewerb noch nicht aufgegeben und scheint, mit dem Erwerb der Sironax-Plattform im Bereich der neurologischen Erkrankungen sogar noch mehr vorzuhaben.

Es gibt Gerüchte, dass Novartis eine neuerliche Firmenübernahme plane und Avidity Biosciences in den Fokus genommen habe. Diese Firma hat ebenfalls eine Plattformtechnologie entwickelt, mit der Antikörper und Oligonukleotide (beispielsweise mRNA) konjugiert und als doppelter Wirkstoff entwickelt werden können (sogenannte AOCs, Antikörper-Oligonukleotid-Konjugate). Die Pipeline von Avidity hat einen Schwerpunkt bei Muskelerkranungen wie Duchenne Muskeldystrophie (DMD) und anderen Krankheitsformen.

Zusammenarbeit mit Amgen zur Entwicklung von Alzheimer-Medikamenten

Novartis arbeitet auch mit Amgen zusammen, um ein BACE-Inhibitor-Programm zur Bekämpfung von Alzheimer zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Das bereits von Novartis entwickelte oral einzunehmende CNP520 wird dabei die Grundlage bilden. Aktuell befindet sich das Mittel in Phase I/IIa. Das sich in der Testphase befindende CNP520 hat laut Hersteller das Potenzial, den Symptomen von Alzheimer vorzubeugen, ihre Entwicklung zu hemmen oder zu verlangsamen. Es soll zukünftig in einer Präventionsstudie mit Patienten angewendet werden, die ein erblich bedingtes Risiko für die neurodegenerative Erkrankung haben.

Rückschläge in der Alzheimer-Forschung

Trotz der vielversprechenden Ansätze gab es in der Alzheimer-Forschung auch Rückschläge. Mehrere Arzneimittel-Studien zu Alzheimererkrankungen sind in den letzten Monaten abgebrochen worden, da die Risiken größer als die Erfolgsaussichten waren. Ein Beispiel hierfür ist der Abbruch des Studienprogramms mit dem potenziellen Alzheimer-Medikament Umibecestat, da die Analyse der Daten zeigte, dass das Risiko der Behandlung größer ist als der Nutzen für die Probanden und sich die kognitiven Fähigkeiten teils messbar verschlechtert haben.

Die Forscher sind ratlos, warum aussichtsreiche Substanzen gegen Alzheimer am Ende doch nicht die erhoffte Wirkung zeigen. Die Pharmafirmen müssen nun umdenken und die Forschung an alternativen Therapieansätzen intensivieren. Ein anderes fehlgefaltetes Protein, das sogenannte Tau-Protein, könnte ein neuer Angriffspunkt sein. Genau wie das Amyloid-ß tritt es bei Alzheimer-Patienten häufiger auf als bei gesunden Menschen. Es gibt jetzt Untersuchungen, ob die Beseitigung von Tau-Proteinen helfen kann bei der Alzheimer-Erkrankung. Die andere ist, dass man andere pharmakologische Möglichkeiten auslotet, die Funktion der Nervensysteme, der neuralen Netzwerke zu verbessern.

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Identifizierung der "Nervenzelle 0" als möglicher Ansatzpunkt

Ein großer Forschungserfolg in der Zellbiologie gelang der Arbeitsgruppe um Professorin Janine Kirstein von der Universität Bremen. In Fadenwürmern wurden die entscheidenden Nervenzellen gefunden, in denen die Krankheit beginnt. Bei der Forschung an Fadenwürmern ist es Janine Kirstein und ihrer Arbeitsgruppe nun gelungen, diesen Prozess sichtbar zu machen und vor allem den „Startpunkt“ der Krankheit - die „Nervenzelle 0“ - zu identifizieren. Im Verlauf der Forschungen entdeckte die Gruppe, in welchen Zellen die Verklumpung zuerst auftritt.

Die Ergebnisse aus der Forschung der Bremer Arbeitsgruppe lassen es nun zu, auch beim Menschen gezielt auf die Nervenzellen zu fokussieren, in der neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer beginnen. „Man könnte zum Beispiel einen Marker entwickeln, der einen Rückschluss darüber zulässt, ob die Degeneration bereits begonnen hat“, so die Professorin. „Dementsprechend schneller könnte man dann handeln, um weitergehende Folgen zu vermeiden.“

Internationale Umfrage zur Wahrnehmung von Alzheimer

Novartis, Amgen und das Banner Alzheimer's Institute (BAI) haben in Kooperation mit Alzheimer's Disease International (ADI) die Ergebnisse einer Umfrage zur Wahrnehmung von Alzheimer bekanntgegeben. Die Befragung ergab, dass knapp zwei Drittel der Erwachsenen befürchten, dass sie Alzheimer entwickeln könnten. Gleichzeitig glauben 60 % der weltweiten Teilnehmer, dass im Laufe ihres Lebens ein Heilmittel gefunden wird. Die Umfrage zeigt, dass die Lösung der Krankheitsbekämpfung in der medizinischen Forschung liegt und dass viele Menschen bereit wären, sich zu beteiligen. Allerdings wissen viele nicht, wie sie sich in die medizinische Forschung einbringen können.

Engagement für die Alzheimer's Prevention Initiative

Novartis, Amgen und BAI sind Sponsoren des Generations-Programms der API, das in der Entwicklung befindliche Medikamente evaluiert, um das Auftreten von Alzheimer zu verhindern oder zu verzögern. Das Programm nimmt Freiwillige im Alter von 60 bis 75 Jahren auf, die ein erhöhtes Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken, gleichzeitig aber noch keine Anzeichen für diese Krankheit haben oder zeigen.

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