Umschaltung der Nerven: Definition, Mechanismen und Bedeutung für die Gesundheit

Der menschliche Körper ist ein komplexes System, das auf elektrischen Signalen basiert, um Informationen zu verarbeiten und zu kommunizieren. Nervenzellen, auch Neuronen genannt, sind die Hauptakteure in diesem Prozess. Sie erzeugen und übertragen elektrische Signale, sogenannte Aktionspotenziale, die für die Informationsübertragung im Nervensystem und die Muskelkontraktion unerlässlich sind.

Die Rolle der Neuronen und Aktionspotenziale

Neuronen empfangen Signale über ihre Dendriten und leiten sie über das Axon weiter. Ein Aktionspotenzial entsteht, wenn eine Nervenzelle durch einen Reiz ausreichend erregt wird, was zu einer vorübergehenden Depolarisation der Zellmembran führt. Dieser schnelle Wechsel des Membranpotenzials ermöglicht es den Neuronen, Informationen über längere Strecken zu transportieren und neuronale Schaltkreise zu bilden, die für die Verarbeitung, Speicherung und den Abruf von Informationen unerlässlich sind.

Funktionelle Elektrostimulation (FES)

Die funktionelle Elektrostimulation (FES) nutzt Aktionspotenziale, um gezielt Muskeln oder Nerven zu stimulieren. Externe elektrische Impulse imitieren die natürlichen elektrischen Signale, um Muskelbewegungen auszulösen, wenn die körpereigene Steuerung nicht ausreichend funktioniert. Mehrkanalstimulatoren wie KT Motion fördern den Ausgleich fehlender Funktionen bei peripheren und zentralen Lähmungen, indem sie bis zu vier Muskelgruppen stimulieren und komplexe, alltagsrelevante Bewegungen ermöglichen.

Vegetative Gesamtumschaltung: Definition und Phasen

Der Begriff "vegetative Gesamtumschaltung" beschreibt die Umschaltung des gesamten vegetativen Nervensystems auf bestimmte Reize. Der Arzt Hoff prägte diesen Ausdruck, um die Wirkung einer unspezifischen Reiztherapie zu erklären. Die vegetative Gesamtumschaltung besteht aus zwei Phasen:

  1. Sympathikotone Kampf-Phase (Adaptionssyndrom): Als Reaktion auf einen Reiz wird der Sympathikus aktiviert, was zu einer Erhöhung der Herzfrequenz, des Blutdrucks und der Atemfrequenz führt. Der Körper bereitet sich auf "Kampf oder Flucht" vor.
  2. Parasympathikotone Erholungsphase: Nach der Aktivierungsphase schaltet der Organismus um und der Parasympathikus wird aktiviert. Herzfrequenz, Atmung und Blutdruck sinken, Stresshormone werden abgebaut und idealerweise Glückshormone ausgeschüttet. Die Verdauung wird angeregt, Reparaturvorgänge können stattfinden und das Immunsystem wird harmonisiert.

Durch einen Reiz kann eine akute Krankheit in das chronische Stadium zurückgeführt und ausgeheilt werden.

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Der Flucht-Kampf-Mechanismus

Der Flucht-Kampf-Mechanismus ist ein Beispiel für die Aktivierung des Sympathikus und die Reduzierung des Parasympathikus als Reaktion auf wahrgenommene Gefahren. Der Organismus wird hochgeschaltet, der Kreislauf und das Atmungssystem werden aktiviert, Hormone und Stresshormone werden ausgeschüttet, was zu erhöhter Aktivität führt.

Die parasympathikotone Erholungsphase

Die parasympathikotone Erholungsphase, auch als Entspannungsreaktion bezeichnet, ist das Gegenteil der Kampf-Phase. Der Sympathikus wird heruntergefahren, Herz-Kreislauf und Atmung werden reduziert, Stresshormone werden abgebaut und Glückshormone ausgeschüttet. Der Parasympathikus wird aktiviert, was die Verdauung verbessert, Reparaturvorgänge ermöglicht und das Immunsystem harmonisiert.

Die Bedeutung der Balance und die Folgen von Stress

Der Körper kann zwischen Aktivierung und Entspannung umschalten. Wenn der Mensch jedoch zu häufig in Aktivierung umschaltet, kann dies zu einem Stress-Syndrom und verschiedenen Erkrankungen führen. Gerade bei häufiger Anspannung ist eine bewusste vegetative Gesamtumschaltung in Richtung Entspannung wichtig.

Methoden zur Förderung der Entspannung

Tiefenentspannung, Meditation, Yoga, Hypnose und Autosuggestion können helfen, die vegetative Gesamtumschaltung in Richtung Entspannung zu fördern. Yoga kann bei Kopfschmerzen, Magen-Darm-Erkrankungen, Neurodermitis, Autoimmun-Erkrankungen, Schlafstörungen, Bluthochdruck und Arteriosklerose helfen.

Das Vegetative Nervensystem (VNS)

Das vegetative Nervensystem (VNS), auch autonomes Nervensystem genannt, steuert die inneren Organe und ihre Funktionen. Es besteht aus zwei Hauptkomponenten:

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  • Sympathikus: Aktiviert den Körper bei Bedarf und ist für die "Fight or Flight"-Reaktion verantwortlich.
  • Parasympathikus: Übt eine beruhigende Wirkung aus und fördert Entspannung und Regeneration.

Formal zählen auch das Enterische Nervensystem und das Nebennierenmark dazu.

Sympathikus vs. Parasympathikus

Sympathikus und Parasympathikus agieren als Gegenspieler und ergänzen sich in ihrer Wirkung an den Zielorganen. Übergeordnete Steuerungszentren beeinflussen die Aktivität des VNS. Die Bahnen der beiden vegetativen Systeme bestehen aus zwei hintereinandergeschalteten Neuronen.

Neurotransmission im VNS

Bei der Übertragung von Reizen zwischen Neuronen spielen Transmitter eine wichtige Rolle. Während die Übertragung im parasympathischen System durch Acetylcholin abläuft, verwendet der Sympathikus Noradrenalin.

Anatomie des Sympathikus

Die ursprünglichen Zellkerne des Sympathikus befinden sich in den Seitenhörnern des Rückenmarks auf Höhe der Segmente C8 bis L3. Die sympathischen Fasern verlassen das ZNS zusammen mit den Spinalnerven über die Vorderwurzel des Rückenmarks. Die sympathischen Ganglienzellen liegen seitlich der Wirbelsäule (paravertebral) und werden auch als Grenzstrangganglien bezeichnet.

Das Nebennierenmark

Das Nebennierenmark gilt als sympathische Umschaltstation. Nervenfasern des ersten Neurons erreichen neuroendokrine Zellen des Nebennierenmarks und werden auf diese umgeschaltet. Es handelt sich um eine Schnittstelle zwischen Nerven- und Hormonsystem.

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Anatomie des Parasympathikus

Das parasympathische System ist in zwei Subsysteme aufgeteilt:

  • Kraniales System: Die Zellkörper des ersten Neurons sitzen im Hirnstamm und ziehen zu parasympathischen Ganglien im Kopfbereich. Eine Ausnahme bildet der Nervus vagus (HN X).
  • Sakrales System: Die Fasern entspringen aus dem Seitenhorn des Rückenmarks im Kreuzbein (Os sacrum) auf Höhe der Segmente S2 bis S4.

Der Cannon-Böhm-Punkt

Der Cannon-Böhm-Punkt ist eine wichtige Landmarke bei der parasympathischen Versorgung. An dieser Stelle löst der sakrale Parasympathikus den Nervus vagus bezüglich der Organinnervation ab. Topographisch liegt der Cannon-Böhm-Punkt im Dickdarm, ungefähr im Bereich kurz vor der linken Kolonflexur.

Funktionen von Sympathikus und Parasympathikus

Sympathikus und Parasympathikus sind für die Regulation vieler körperlicher Funktionen verantwortlich. Der Sympathikus aktiviert den Körper in Stresssituationen, während der Parasympathikus eine beruhigende Wirkung hat und Entspannung sowie Regeneration fördert.

Störungen des Vegetativen Nervensystems

Ein Ungleichgewicht innerhalb des VNS kann zu einer Vielzahl an Gesundheitsproblemen führen. Häufige Ursachen sind das Älterwerden, Erkrankungen des Peripheren Nervensystems, Parkinson, Diabetes oder Stoffwechselstörungen.

Behandlung von Störungen des VNS

Aufgrund der spezifischen Wirkungen von Sympathikus und Parasympathikus an den einzelnen Organsystemen lassen sich viele Fehlregulationen gezielt mit Medikamenten behandeln. Beispiele sind die Behandlung von Asthma durch Förderung der sympathischen Wirkung auf die Bronchien oder die Behandlung von Bluthochdruck durch Hemmung der sympathischen Funktion am Herzen.

Unser Nervensystem im Alltag

Unser Nervensystem besteht aus Abermilliarden Nervenzellen und steuert bewusste und unbewusste Prozesse.

Sensorisches, motorisches und vegetatives Nervensystem

Das sensorische Nervensystem nimmt Informationen über Augen, Ohren, Nase, Zunge und Haut auf und sendet sie an das Gehirn. Das motorische Nervensystem steuert die willkürlichen Bewegungen des Körpers. Das vegetative Nervensystem kontrolliert unbewusste Prozesse wie Verdauung, Herztätigkeit, Atmung, Kreislauf, Schweißbildung und Körpertemperatur.

Signalübertragung: Nervenbahnen, Nervenzellen und Synapsen

Nervenbahnen durchziehen den gesamten Körper und leiten Reize zum Gehirn und Befehle zurück zu den Körperstellen. Eine Nervenbahn besteht aus gebündelten Nervenzellen (Neuronen), die mit ihren Dendriten Signale empfangen und über das Axon zu den Synapsen senden. Synapsen sind die Kontaktstellen zur nächsten Zelle.

Das Nervensystem im Überblick

Das Nervensystem ist ein komplexes System, das für die Steuerung und Koordination der Körperfunktionen unerlässlich ist. Es besteht aus dem zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) und dem peripheren Nervensystem (Nerven und Ganglien). Das Nervensystem ermöglicht es uns, Informationen aus unserer Umwelt wahrzunehmen, darauf zu reagieren und unsere Körperfunktionen zu regulieren.

Aufbau des Nervensystems

Das Nervensystem lässt sich morphologisch in das Zentralnervensystem (Gehirn und Rückenmark) und das periphere Nervensystem (Hirnnerven, Rückenmarksnerven und periphere Ganglien) einteilen. Funktionell unterscheidet man das animale oder somatische N., zur Regelung der Beziehung des Organismus zur Außenwelt und der willkürlichen und unwillkürlichen Motorik, und das vegetative oder autonome N., zur Regelung der Vitalfunktionen.

Das Zentralnervensystem (ZNS)

Grundelemente des Zentralnervensystems (ZNS) sind ein entlang der Längsachse des Tieres dorsal im Körper gelegenes Nervenrohr (Neuralrohr), das Rückenmark, und ein Gehirn am Vorderende (Kopf).

Das Rückenmark

Das Rückenmark durchzieht als mächtiger Strang den Wirbelkanal. Es ist nervöses Zentralorgan für zahlreiche Reflexe und Automatismen und zugleich Leitungsweg vieler Nervenfasern, die die übergeordneten Zentren des Gehirns mit der Peripherie verbinden.

Das vegetative oder autonome Nervensystem

Das vegetative oder autonome N. innerviert die inneren Organe, Herz und Blutgefäße sowie die Drüsen. Es arbeitet vom Willen weitgehend unabhängig und ist für die Steuerung des inneren Milieus zuständig.

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