Umstellungsosteotomie des Knies: Ein umfassender Überblick

Jede Beinachse ist individuell geformt und muss nicht immer komplett gerade sein, doch Fehlstellungen können zu Problemen führen. Die Umstellungsosteotomie ist ein Verfahren zur Korrektur von Beinachsenfehlstellungen, um Kniebeschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Einführung

Fehlstellungen der Knie, wie O-Beine (Genu varum) und X-Beine (Genu valgum), sind weit verbreitet und können erhebliche Schmerzen und Mobilitätseinschränkungen verursachen. Eine Umstellungsosteotomie kann eine schonendere Alternative zu einem künstlichen Kniegelenk sein, indem sie die Beinachse korrigiert, Verschleiß reduziert und die Kniegesundheit langfristig erhält.

Ursachen und Folgen von Beinachsenfehlstellungen

O-Beine und X-Beine sind die häufigsten Fehlstellungen der Beine, bei denen die Beinachse vom normalen Verlauf abweicht. Die Mikulicz-Linie, eine gedachte Linie vom Hüftkopf zum Sprunggelenk, verläuft bei gesunder Beinstellung gerade durch das Kniegelenk. Bei X- oder O-Beinen ist diese Linie verschoben. Zu den Ursachen gehören:

  • Fußfehlstellungen
  • Fehlbelastungen
  • Vitamin-D-Mangel in der frühen Kindheit (Rachitis)
  • Unfall- oder Verletzungsfolgen

Männer sind häufiger von O-Beinen betroffen, während Frauen häufiger unter X-Bein-Fehlstellungen leiden. Beide Fehlstellungen können zu einer ungleichmäßigen Belastung der Kniegelenke führen, was folgende Folgeschäden mit sich bringen kann:

  • Abnutzung des Gelenkknorpels am Knie (Gonarthrose)
  • Meniskusschäden
  • Arthrose am Sprunggelenk
  • Haltungsschäden mit Problemen für Hüfte, Rücken und Füße

Diagnose von Beinachsenfehlstellungen

Eine gründliche Diagnose ist entscheidend, um die Ursache der Beschwerden zweifelsfrei zu erkennen. Eine Blickdiagnose und Ganganalyse geben ersten Aufschluss über die Beinfehlstellung. Röntgenaufnahmen vom gesamten Bein liefern ein genaues geometrisches Bild, auf dessen Grundlage der Arzt berechnen kann, wie die natürliche Beinachse verlaufen müsste. Die Abweichung von dieser Ideallinie zeigt den Grad der Fehlstellung. Neben der klinischen Untersuchung ist eine MRT-Untersuchung des Kniegelenkes obligat.

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Konservative Behandlungsmöglichkeiten

Bei Kniebeschwerden durch eine Fehlstellung der Beinachse können auch nichtoperative (konservative) Maßnahmen eingesetzt werden, um Schmerzen und Mobilitätseinschränkungen zu lindern. Diese Maßnahmen sind jedoch nur sinnvoll, wenn Schädigungen wie Arthrose oder Meniskusprobleme noch nicht zu weit fortgeschritten sind. Mögliche konservative Behandlungen sind:

  • Einlagen für die Schuhe
  • Physiotherapie
  • Gewichtsverlust zur Reduzierung der Kniebelastung
  • Schonung, etwa Vermeiden von schwerem Heben
  • Injektion von Hyaluronsäure in die Kniegelenke

Umstellungsosteotomie: Wann ist sie sinnvoll?

Eine Umstellungsosteotomie wird in Betracht gezogen, wenn konservative Maßnahmen keine ausreichende Besserung bringen oder wenn der Gelenkknorpel oder der Meniskus bereits stärker angegriffen ist. Ziel der Operation ist es, einem künstlichen Gelenkersatz vorzubeugen, insbesondere bei jüngeren und aktiven Patienten. Bei bereits weit fortgeschrittener Arthrose kann ein künstlicher Kniegelenksersatz (Knie-TEP oder Schlittenprothese) die bessere Option sein.

Ziel und Durchführung der Umstellungsosteotomie

Ziel der Umstellungsosteotomie ist die Begradigung der Beinachse, um eine gleichmäßige Belastung des Kniegelenks zu erreichen und weiteren Schädigungen vorzubeugen. Die Korrektur erfolgt entweder femoral (Oberschenkel) oder tibial (Unterschenkel), je nach Art der Fehlstellung.

Der Knochen wird so durchtrennt, dass er in korrekter Stellung wieder zusammenwächst. Man unterscheidet zwischen zuklappenden und aufklappenden Osteotomien:

  • Zuklappende Osteotomie (Closing-Wedge): Ein Keil wird aus dem Knochen herausgesägt, der Knochen wird an der Entnahmestelle "zugeklappt" und fixiert. Diese Technik wird zumeist auf der Außenseite des Knies durchgeführt.

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  • Aufklappende Osteotomie (Open-Wedge): Der Knochen wird teilweise durchtrennt und in die richtige Position gespreizt. Gegebenenfalls wird ein Knochenspan oder Knochenersatzmaterial eingebracht. Die aufklappende Osteotomie wird dabei zumeist auf der Innenseite des Knies durchgeführt.

Zur Stabilisierung des durchtrennten Knochens werden meist winkelstabile Platten aus Titan verwendet, die mit Schrauben am Knochen befestigt werden.

Die Operation erfolgt unter Vollnarkose. Zu Vorbereitung der Beinachsenkorrektur setzt der operierende Facharzt kleine Hautschnitte an Unter- oder Oberschenkel. Anschließend nimmt er einen Sägeschnitt vor, mit dem er den Knochen vollständig oder größtenteils durchtrennt. Während der gesamten Operation werden Röntgenbilder begleitend angefertigt, um eine optimale Kontrolle zu gewährleisten.

Spezifische Formen der Umstellungsosteotomie

  • Hohe Tibiale Umstellungsosteotomie (HTO): Bei einer hohen tibialen Umstellungsosteotomie, kurz HTO, korrigieren wir die Beinachse, in dem wir das Schienbeins knapp unterhalb des Kniegelenks bis zu einem kleinen Rand durchtrennen. In diesem Schnitt wird das Schienbein um einen vorher am Computer berechneten Winkel aufgeklappt. Im Anschluss bringen wir eine sehr stabile Platte aus Reintitan auf, welche die korrigierte Beinachse hält. Diesen Eingriff nennt man eine „valgisierende Open-Wedge-Osteotomie“.
  • Femoralen Umstellungsosteotomie: Anders als bei der o-Beinfehlstellung erfolgt bei der x-Beinfehlstellung eine partielle Durchtrennung des Oberschenkelknochens knapp oberhalb der Innenseite des Kniegelenkes und ebenfalls Stabilisierung mittels einer verschraubten Platte.

Nachbehandlung und Rehabilitation

Gewöhnlich bleiben Sie nach einer operativen Beinachsenkorrektur 3 bis 5 Tage im Krankenhaus. Am Tag nach der OP beginnen Sie mit physiotherapeutischer Unterstützung mit ersten Gehübungen. Für einige Wochen nutzen Sie Gehhilfen, die eine Teilbelastung der Kniegelenke ermöglichen. Nach etwa zwei Wochen werden die Fäden gezogen.

Nach Ihrer Rückkehr in das häusliche Umfeld kann die Reha normalerweise ambulant erfolgen. Mit Hilfe der Übungen, die der Physiotherapeut Ihnen zeigt, bauen Sie die Muskulatur wieder auf und verbessern nach und nach Ihre Beweglichkeit.

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Die Länge der Arbeitspause richtet sich nach der Art der beruflichen Belastung. Leichtere Bürotätigkeiten können Sie ungefähr nach 4 bis 6 Wochen wieder aufnehmen. Schwimmen oder Rad fahren können Sie durchschnittlich ab 4 Wochen nach dem Eingriff wieder. Gewöhnlich ist nach 6 Wochen eine Vollbelastung der Kniegelenke möglich. Nach 3 bis 4 Monaten ist die Osteotomie meist vollständig verheilt.

Nachbehandlung einer Umstellungsosteotomie:

Zunächst ist je nach Eingriff eine Entlastung von 2-3 Wochen an Unterarmgehstützen notwendig. In dieser Zeit erfolgen physiotherapeutische Übungsbehandlungen. Nach Wundheilung kann meist mit einer moderaten Aufbelastung des operierten Beines begonnen werden. Ziel ist es eine volle Belastbarkeit nach ca.

Risiken und Komplikationen

Wie jede Operation birgt auch die Umstellungsosteotomie bestimmte Risiken. Der Operateur bespricht diese Risiken und mögliche Nebenwirkungen ausführlich mit Ihnen. Zu den möglichen Komplikationen gehören:

  • Wundheilungsstörungen
  • Infektionen
  • Übermäßige Narbenbildung
  • Schlechte Knochenheilung (Pseudoarthrose)
  • Über- oder Unterkorrektur
  • Unerwünschte Blutungen, die bis zur Notwendigkeit einer Transfusion reichen können
  • Die Fixation im Knochen kann instabil sein, sodass zusätzliche Platten und Schrauben oder eine Erweiterung des Zugangs zum Knochen nötig werden
  • Knocheninfektion aufgrund von Fremdmaterial am Knochen
  • Verzögerte und nicht vollständige Ausheilung der Osteotomie, sodass eine erneute Operation notwendig wird
  • Mobilitätseinschränkungen - die Osteotomie stellt ein komplexes operatives Verfahren dar, bei dem kleinste Abweichungen von der Lokalisation der Knochendurchtrennung eine deutliche Verschlechterung der Mobilität zur Folge haben kann.
  • Narkose - die Umstellungsosteotomie wird unter Vollnarkose durchgeführt, was unter anderem zur Folge hat, dass beispielsweise Übelkeit und Erbrechen, Zahnschädigungen und möglicherweise auch Herzrhythmusstörungen auftreten können. Des Weiteren kann in seltenen Fällen auch eine Kreislaufinstabilität möglich sein, die eine gefürchtete Komplikation der Vollnarkose darstellt, jedoch inzwischen verhältnismäßig selten als Komplikation auftritt.

Liegen nach einer Umstellungsosteotomie Risikofaktoren für eine Nicht-Heilung des Knochens vor (sogenannte Pseudoarthrose), sollte der Osteotomiespalt mit autologem Knochen gefüllt werden.

Prognose

Die generelle Prognose nach valgisierender HTO kann als sehr gut bezeichnet werden und die Langzeitüberlebensraten sind überzeugend:

  • Die 10-Jahres-Überlebensrate liegt zwischen von 45 und 97,6 Prozent
  • Die 15-Jahres-Überlebensrate liegt zwischen 39 bis 56 Prozent

Für aktive Patienten ist die gelenkerhaltende Achskorrektur die optimale Operation, damit das Gelenk nicht durch ein Kunstgelenk ersetz werden muss.

Rückkehr in Alltag, Beruf und Sport

Wie schnell der Patient wieder in den Arbeitsalltag zurückkehren kann, hängt stark vom Grad der körperlichen Belastung der jeweiligen Arbeit ab. Als Leitlinie kann dienen:

  • Schreibtischarbeiten sind meist nach sechs bis acht Wochen wieder möglich
  • Körperlich anstrengende Tätigkeiten sind meist erst nach drei Monaten möglich
  • Sport ist nach einer valgisierenden HTO wieder möglich
  • Nach durchschnittlich 36 Monaten üben mehr als 90 Prozent der Patienten regelmäßig sportliche Betätigungen aus, dies ohne eine Reduktion der Häufigkeit oder Dauer

Nervenblockade

Es gibt keine Informationen über Nervenblockade nach Umstellungsosteotomie des Knies.

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