Umstellungsosteotomie zur Behandlung von Nervenschmerzen nach Knie-OP: Ein umfassender Leitfaden

Die Umstellungsosteotomie, auch Achskorrektur genannt, ist ein gelenkerhaltender chirurgischer Eingriff, der darauf abzielt, die Beinachse zu korrigieren und die Belastung im Kniegelenk neu zu verteilen. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, die Knorpelfunktion zu verbessern und idealerweise einen Kniegelenkersatz (Endoprothese) hinauszuzögern oder sogar zu verhindern.

Einführung

Die Beinachse jedes Menschen ist individuell geformt. Angeborene Fehlstellungen wie O-Beine (Genu varum) und X-Beine (Genu valgum) können zu einer ungleichmäßigen Belastung des Kniegelenks führen. Beim O-Bein wird vor allem der innere, beim X-Bein der äußere Gelenkknorpel über Jahre hinweg durch die Fehlbelastung verschlissen. Achsveränderungen können aber auch als Folge von Unfällen entstehen.

Ursachen und Auswirkungen von Fehlstellungen

Besteht eine Beinfehlstellung, verläuft die mechanische Beinachse nicht durch die Mitte der beteiligten Knochen, sondern seitlich versetzt. Dies führt zu einer ungleichen Gewichtsbelastung und damit zu einer Abnutzung des Gelenkknorpels. Zu stark belasteter Gelenkknorpel stirbt mit der Zeit ab. Es entstehen Knorpelschäden und langfristig entwickelt sich eine schmerzhafte Arthrose im Kniegelenk.

Das Prinzip der Umstellungsosteotomie

Die Umstellungsosteotomie korrigiert die Beinfehlstellung und verteilt die von oben wirkende Last gleichmäßig auf die gesamte Knorpelfläche. Das Bein wird dazu nahe an die normale Beinachse ausgerichtet. Eine Achskorrektur des Kniegelenks ist auch dann noch sinnvoll, wenn bereits erste Schäden am Knorpel eingetreten sind.

Wann ist eine Umstellungsosteotomie sinnvoll?

Eine Umstellungsosteotomie ist sinnvoll bei:

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  • Fehlstellungen im Kniegelenk: O-Beine (Genu varum) und X-Beine (Genu valgum)
  • Knorpelschäden: Erste Schäden am Knorpel
  • Überlastungsbedingten Beschwerden: Schmerzen aufgrund von Fehlbelastung
  • Arthrose: Hinauszögern oder Vermeiden eines Kniegelenkersatzes
  • Instabilität des Kniegelenks: Chronische Verletzung des hinteren Kreuzbandes

Diagnostik vor der Operation

Im ersten Schritt erfasst der Orthopäde die vorliegende Fehlstellung der Beinachse in einer ausführlichen klinischen Untersuchung. Dabei schätzt er die Beinachse im Stehen inspektorisch ein. Röntgenaufnahmen des gesamten Beins von Hüfte bis Fuß lassen das Ausmaß der Achsabweichung exakt bestimmen. Zusätzlich fertigt der Orthopäde eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Kniegelenkes an. Daran kann er Meniskusschäden erkennen und örtlich begrenzte (fokale) Knorpelschäden von flächigen Knorpelveränderungen abgrenzen.

Operationsmethoden

Die Technik zur Korrektur bzw. Umstellung der Beinachse ist abhängig vom genauen Ort der Fehlstellung. Am häufigsten ist der kniegelenknahe Anteil des Schienbeins (proximale Tibia) betroffen. Nur etwa 10 % der Fehlstellungen entfallen auf den unteren Anteil des Oberschenkelknochens (distaler Femur).

Bei einer O-Bein-Stellung wird das Schienbein (Tibia) über einen Schnitt auf der Innenseite des kniegelenknahen Unterschenkels fast komplett durchtrennt. Nachfolgend klappt der Orthopäde das Schienbein schonend keilformig auf, bis die gewünschte Position erreicht ist. Eine spezielle winkelstabile Platte aus Titan und Schrauben sichert und fixiert diesen Schnitt im Knochen.

Bei einer X-Bein-Stellung ist die Ursache häufiger in einer Fehlstellung des distalen Femurs (körperferner Anteil des Oberschenkelknochens) zu finden. Entsprechend sollte dann auch am Ort der Fehlstellung - also am Oberschenkelknochen - korrigiert werden.

Kombination mit Knorpelregenerativen Methoden

Die Achskorrektur kann als Methode für sich allein bei überlastungsbedingten Beschwerden gute Erfolge erzielen. Zusätzlich kann sie als Verfahren bei knorpelregenerativen Methoden eingesetzt werden. Ziel einer Beinachsenkorrektur - mit und ohne knorpelregeneratives Verfahren - ist die Entlastung des schmerzenden und geschädigten Gelenkanteils.

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Sonderfall: Höhenverlust im Gelenkspalt

In manchen Fällen liegt der Grund der Fehlstellung nicht in einer veränderten knöchernen Anatomie, sondern in einer Arthrose des inneren (O-Bein) oder äußeren (X-Bein) Gelenkanteils des Knies. Der zunehmende Verschleiß des Gelenkknorpels im Knie führt in diesen Fällen zu einem einseitigen Höhenverlust des Gelenkspaltes. Eine Achskorrektur hilft in diesem Fall nicht weiter, da sich die Ursache für die Fehlstellung im Gelenk befindet. In diesen Fällen ist häufig die Implantation einer Knieprothese (Schlittenprothese) möglich. Dieses kleine Kunstgelenk behebt die Ursache der Schmerzen, in dem es den geschädigten Gelenkknorpel ersetzt. Gleichzeitig wird die Beinachse korrigiert, da das Gelenk wieder seine ursprüngliche Gelenkspaltweite und Bandspannung zurückerhält.

Nachbehandlung

Der Krankenhausaufenthalt dauert in der Regel 3 bis 5 Tage. Bei isolierten Achskorrekturen ohne begleitende Behandlungen (z. B. von Knorpelschäden) ist das operierte Bein sofort nach dem Eingriff frei beweglich. Noch in der Klinik machen die Patienten Übungen zur Thromboseprophylaxe und eine Gangschulung, um die Teilbelastung optimal nutzen zu können.

Etwa 4 Wochen nach der Umstellungsosteotomie erfolgt eine Röntgenkontrolle. Danach kann der Patient stückweise zur Vollbelastung des operierten Beins übergehen. Spätestens nach 6 Wochen sollte die Vollbelastung erreicht sein. Dann ist auch das Training an Geräten zum Muskelaufbau gut möglich.

Übungen nach der Operation

Die folgenden Übungen können bereits ab dem ersten Tag nach der Operation durchgeführt werden:

  • Isometrische Anspannungsübungen für den vorderen Oberschenkelmuskel (M. quadriceps femoris): Diese Übung verbessert den Stoffwechsel im betroffenen Bein und beugt einer verstärkten Abnahme der Muskelkraft und -masse vor.
  • Übung mit Handtuchrolle: Ausgangsstellung: Rückenlage, wobei das betroffene Bein ausgestreckt ist. Durchführung: Ziehen Sie die Zehenspitzen an und drücken Sie das Knie auf die weiche Handtuchrolle bzw. den Boden. Versuchen Sie, die Kniekehle in den Boden zu drücken.

Nach dem Erreichen der Vollbelastung liegt das Augenmerk der Behandlung nun auf dem Kraftaufbau, dem Training physiologischer Bewegungsabläufe und der Stabilität. Auf diese Weise stellen Sie den Erfolg des Eingriffs langfristig sicher. Das Knie und somit das ganze Bein und der gesamte Körper müssen sich an die neue Beinachse und die optimierte Statik gewöhnen.

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  • Einbeinstand auf weichem Untergrund: Diese Übung auf weichem Untergrund kräftigt das Kniegelenk und verbessert die Koordination.
  • Ausfallschritt: Diese Übung kräftigt die Oberschenkelmuskulatur.
  • Taping-Übung: Diese Übung verbessert die Stabilität und Koordination des Kniegelenks.
  • Übung mit dem Gymnastikball: Diese Übung kräftigt die Oberschenkelmuskulatur.
  • Kniebeugen (Squats): Kniebeugen kräftigen die Beinmuskulatur.
  • Fersen absenken: Diese Übung dehnt und kräftigt die Wadenmuskulatur.

Sport nach der Operation

Gelenkschonende Sportarten wie Radfahren, Schwimmen oder Walken können die Patienten auch nach einer Operation des Kniegelenkes ausüben. Wenig gelenkbelastenden Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren können die Patienten je nach Begleiteingriff nach 4 bis 6 Wochen wieder nachgehen. Sportliche Aktivitäten mit schnellen, ruckartigen Bewegungen und starken Belastungen des Kniegelenks sollten Betroffene eher vermeiden.

Erfahrungen von Betroffenen

Viele Patienten berichten von positiven Erfahrungen nach einer Umstellungsosteotomie. Die Knieschmerzen, die sie vorher hatten, sind oft völlig verschwunden. Nach einigen Wochen oder Monaten können sie wieder mit dem Laufen anfangen und ihren Alltag ohne Einschränkungen bewältigen.

Mögliche Komplikationen und Risiken

Wie bei jeder Operation gibt es auch bei der Umstellungsosteotomie mögliche Komplikationen und Risiken. Dazu gehören:

  • Blutungen und Infektionen
  • Verletzung von Nerven und Gefäßen
  • Thrombose und Embolie
  • Wundheilungsstörungen
  • Schmerzen
  • Bewegungseinschränkungen
  • Fehlverheilung des Knochens
  • Lockerung des Implantats
  • Kompartmentsyndrom

Nervenschmerzen nach Umstellungsosteotomie

Nervenschmerzen nach einer Umstellungsosteotomie sind eine mögliche, aber seltene Komplikation. Sie können durch verschiedene Faktoren verursacht werden, wie z. B.:

  • Direkte Verletzung des Nervs während der Operation: Dies kann durchtrennen, Quetschung oder Dehnung des Nervs geschehen.
  • Narbenbildung und Verwachsungen: Narbengewebe kann auf den Nerv drücken und Schmerzen verursachen.
  • Entzündung: Entzündungen im Operationsgebiet können die Nerven reizen.
  • Implantat-bedingte Reizung: In seltenen Fällen kann das Implantat (Platte und Schrauben) auf einen Nerv drücken.

Behandlung von Nervenschmerzen

Die Behandlung von Nervenschmerzen nach einer Umstellungsosteotomie ist komplex und erfordert einen individuellen Ansatz. Mögliche Behandlungsoptionen sind:

  • Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), Opioide, Antidepressiva und Antikonvulsiva können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit zu verbessern, Muskeln zu stärken und Narbengewebe zu lösen.
  • Nervenblockaden: Lokalanästhetika können in die Nähe des betroffenen Nervs injiziert werden, um die Schmerzen zu lindern.
  • Neuromodulation: Verfahren wie die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) oder die Rückenmarkstimulation können helfen, die Schmerzweiterleitung zu beeinflussen.
  • Operation: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu dekomprimieren oder zu reparieren.

Plattenentfernung und Nervenschmerzen

Einige Patienten berichten, dass ihre Nervenschmerzen nach der Entfernung der Platte und Schrauben besser geworden sind. Dies kann daran liegen, dass das Implantat auf den Nerv gedrückt hat oder dass die Narbenbildung um das Implantat herum die Schmerzen verursacht hat. Allerdings ist die Plattenentfernung keine Garantie für eine Schmerzlinderung und sollte nur in Absprache mit dem Arzt erfolgen.

Heilungsdauer nach Plattenentfernung

Die Heilungsdauer nach einer Plattenentfernung ist in der Regel kürzer als nach der ursprünglichen Umstellungsosteotomie. Viele Patienten können nach einigen Wochen wieder mit leichten Aktivitäten beginnen. Ob eine mehrmonatige Laufpause erforderlich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B. dem Ausmaß der Operation, dem individuellen Heilungsverlauf und dem Vorhandensein von Komplikationen.

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