Neurochirurgische Klinik Würzburg: Informationen zu Leistungen, Forschung und Ausbildung

Die Neurochirurgische Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Würzburg blickt auf eine lange Tradition zurück. 1934 als erste selbstständige neurochirurgische Abteilung Deutschlands gegründet, befindet sich die Klinik im Gebäude der Kopfklinik und verfügt heute über 90 Betten. In fünf Operationssälen werden jährlich etwa 2000 Patientinnen und Patienten operiert. In der Poliklinik werden zahlreiche Spezialsprechstunden angeboten. Für die Behandlung von Säuglingen, Kleinkindern und Kindern steht eine eigene Sektion für Pädiatrische Neurochirurgie zur Verfügung.

Schwerpunkte und Spezialisierungen

Die Klinik deckt das gesamte Gebiet der Neurochirurgie ab und bietet hochspezialisierte und hochmoderne Therapien. Dabei stehen die Patientinnen und Patienten mit ihren Bedürfnissen stets im Mittelpunkt.

Neuroonkologie

Patienten mit hirneigenen Tumoren werden im Neuroonkologischen Tumorzentrum der Neurochirurgischen Klinik, zertifiziert nach den Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), interdisziplinär entsprechend den Richtlinien des zertifizierten Comprehensive Cancer Center Mainfranken (CCCMF) behandelt. Gewebeproben gutartiger intrakranieller Tumoren wie von Schwannomen und Meningeomen sowie bösartiger Neoplasien wie dem Glioblastom werden im tumorbiologischen Forschungslabor auf spezifische molekularbiologische Eigenschaften untersucht. Dabei stehen Fragestellungen zur Zellzyklusregulation, Tumorzellinvasion, Tumorimmunologie und die Entwicklung neuer Therapietechniken im Fokus der Forschung, die anhand verschiedener und neuartiger In-vitro- und In-vivo-Modelle in lokalen, nationalen und internationalen Verbundprojekten untersucht werden mit dem langfristigen Ziel einer individualisierten adjuvanten Therapie.

Im Neuroonkologischen Tumorzentrum werden klinische Studien, unter anderem multizentrische und multinationale Therapiestudien, durchgeführt. Eine wichtige Voraussetzung für die klinische und translationale Forschung sind Spezialsprechstunden für die verschiedenen neuroonkologischen Erkrankungen, welche innerhalb der Neurochirurgischen Klinik für Schädelbasistumoren, selläre Tumoren, hirneigene Tumoren und Neurofibromatose etabliert sind und so Langzeituntersuchungen zu funktionellen Ergebnissen und Lebensqualität ermöglichen. Ansprechpartner sind hier Prof. Dr. med. Ralf-Ingo Ernestus, Prof. Dr. rer. nat. Carsten Hagemann, Prof. Dr. med. Mario Löhr, Dr. med. Almuth Friederike Keßler, Dr. med. Thomas Linsenmann, Dr. med. Maria Breun, PD Dr. med. Stefan Rückriegel und Univ.-Prof. Dr. med. Cordula Matthies.

Neurovaskuläre Erkrankungen

Der Fokus liegt in der Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze, der Aufklärung der Pathomechanismen des frühen Hirnschadens und des zerebralen Vasospasmus nach aneurysmatischer Subarachnoidalblutung sowie im Monitoring und in der Aufrechterhaltung der zerebralen Oxygenierung und des Hirnmetabolismus bei akuter Hirnschädigung. Neben invasivem Monitoring werden transkranielle Dopplersonographie und Perfusionsbildgebung zur Kontrolle der vaskulären Dynamik klinisch und in Tiermodellen eingesetzt. Diese Untersuchungen werden ergänzt durch elektrophysiologische Techniken mit dem Ziel der Entwicklung neuer therapeutischer Maßnahmen.

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In tierexperimentellen Untersuchungen werden neuroprotektive Maßnahmen in einem hoch standardisierten Rattenmodell präklinisch auf ihre Wirksamkeit evaluiert. Die Akutphase der Erkrankung steht dabei im Vordergrund. Aufbauend auf vorangehenden Ergebnissen der Arbeitsgruppe werden erstmals metabolische Veränderungen in der Frühphase dieser Erkrankung erforscht.

Die neurovaskuläre Arbeitsgruppe hat im Rahmen einer klinischen Studie die Wirksamkeit einer temporären hyperkapnischen Beatmung bei Patienten mit Subarachnoidalblutung untersucht. Eine Phase-1-Studie ist abgeschlossen und hat eine reproduzierbare Verbesserung der Hirndurchblutung gezeigt. Eine Dosisoptimierungsstudie wird derzeit durchgeführt. Zur Evaluation der Effektivität dieser Behandlungsmethode ist eine randomisierte Zweiarmstudie in Planung. Ansprechpartner sind hier Dr. med. Ekkehard Kunze und Dr. med. Christian Stetter.

Translationale Neurotraumaforschung

Der Fokus der Forschung liegt in Aufklärung, Diagnostik, Therapie und Prävention von langfristigen Folgen nach einem Schädel-Hirn-Trauma. Die Folgen eines leichteren Schädel-Hirn-Traumas werden in Rahmen des 2018 gegründeten interdiziplinären Experten-Netzwerks „Concussion Center Würzburg“ untersucht. Im experimentellen Bereich interessieren uns die Mechanismen der Neuroprotektion und -regeneration nach Hirnverletzung sowie die Übertragung dieses Wissens auf neue therapeutische Ansätze für Hirnerkrankungen beim Menschen. Ein wichtiges Ziel ist die Aufklärung der posttraumatischen inflammatorischen Prozesse. In Kooperation mit Neurophysiologie und Biozentrum werden mittels hochauflösenden licht- und elektronenmikroskopischen Untersuchungen die Regeneration und die Veränderungen der Plastizität von Synapsen und deren Bedeutung für die sekundäre Verschlechterung nach Hirnverletzung untersucht. Ansprechpartner sind hier Prof. Dr. med. Ralf-Ingo Ernestus, Dr. med. Ekkehard Kunze und Dr. med. Patrick Fricke.

Pädiatrische Neurochirurgie

Untersuchungsziele sind die zugrundeliegenden Krankheitsursachen, eine Verfeinerung der phänotypischen Klassifikation, eine umfassende molekulargenetische Diagnostik sowie die Optimierung interdisziplinärer Operationstechniken. Longitudinale Studien erfassen Morphometrie und Entwicklungsverläufe bei Kraniosynostosen und Lagerungsdeformitäten. Ansprechpartner sind hier Prof. Dr. med. Tilmann Schweitzer und Dr. med. Robert Nickl.

Funktionelle Neurochirurgie und Schmerztherapie

Für die Neurostimulationsbehandlung bei retrocochleärer Ertaubung oder angeborener Aplasie der Hörnerven bildet die Neurochirurgie in Kooperation mit der Klinik für Hals- Nasen-Ohrenheilkunde ein ausgewiesenes Zentrum für „Neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden“ (NUB) in der Anwendung auditorischer Hirnstammimplantate. Für Patienten mit Bewegungsstörungen wird die Neurostimulationstherapie in Kooperation mit Neurologie, Psychiatrie und Neuroradiologie angewendet. Ansprechpartner sind hier Univ.-Prof. Dr. med. Cordula Matthies, Dr. med. Maria Breun und Dr. med. Patrick Fricke.

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Bei chronischen Schmerzen, die sich durch andere Maßnahmen nicht ausreichend bessern lassen, können neurochirurgische Therapien sinnvoll sein. In Diagnostik und Behandlung arbeiten wir eng mit anderen Disziplinen zusammen. Als konservative Maßnahme bieten wir in unserer Klinik in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin eine stationäre multimodale Schmerztherapie an.

Von chronischen Schmerzen spricht man, wenn Schmerzen länger als drei Monate bestehen. Dabei verliert der Schmerz dann meist seine ursprüngliche Warnfunktion. Häufig kommen im Laufe der Zeit weitere Beeinträchtigungen hinzu, die sich auf alle Lebensbereiche auswirken können.

Die Neurochirurgie bietet zur Behandlung von Schmerzen verschiedene Verfahren der invasiven Schmerztherapie an. Dazu gehören unter anderem:

  • Operationen
  • Infiltrationen (Spritzen von Medikamenten am akuten Schmerz- oder Entzündungsort)
  • Thermokoagulation (Nervenverödung mit Hilfe einer Hitzesonde)
  • Medikamentenpumpen (Implantate, die direkt am Wirkort kontinuierlich Medikamente abgeben)
  • Stimulationssonden (Implantate zur elektrischen Nervenreizung mit dem Ziel, das Schmerzempfinden zu verändern)

Liegen den Schmerzen keine operativ behebbaren Ursachen zu Grunde, bestehen verschiedene konservative, nicht-operative, Behandlungsmöglichkeiten. Eine davon ist die multimodale Schmerztherapie. Hierbei kommen nicht nur Medikamente zum Einsatz, sondern es werden weitere Maßnahmen angewendet, die den individuellen Bedürfnissen der Patientin oder des Patienten entsprechen. Dies sind beispielsweise physiotherapeutische Maßnahmen, psychologische Schmerzbewältigungsstrategien, Entspannungsverfahren, komplementärmedizinische Ansätze sowie interventionelle Maßnahmen.

Behandelt werden Schmerzerkrankungen, wie etwa Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Gesichtsschmerzen und Nervenschmerzen, wie etwa das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS). Nach Erstellung eines individuellen Therapieplans erfolgt die Betreuung interdisziplinär durch Expertinnen und Experten aus den Bereichen Schmerztherapie, Neurochirurgie, Physiotherapie und Psychotherapie.

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Die multimodale Schmerztherapie gilt als effektivstes Mittel bei chronischen oder chronisch wiederkehrenden Schmerzen. Multimodal bedeutet, dass Behandlungsansätze aus verschiedenen Fachbereichen zum Einsatz kommen. Die stationäre multimodale Schmerztherapie dauert drei Wochen.

Wirbelsäulenchirurgie

Im Bereich Neurochirurgie versorgen wir am KWM Juliusspital Patienten mit Erkrankungen der Wirbelsäule operativ. Dazu zählen beispielsweise Bandscheibenvorfälle der Lenden- und Halswirbelsäule, Wirbelkanalverengungen (Spinalkanalstenosen) oder Instabilitäten der Wirbelsäule. Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in der Behandlung degenerativer, d.h. verschleißbedingter Erkrankungen der Wirbelsäule. Desweiteren bieten wir als einzige Einrichtung in der Region die interventionelle Therapie der Trigeminusneuralgie mittels der sog. Ballondilatation an. Wir kooperieren mit der Neurochirurgie-Praxis Würzburg.

Forschung

Die Neurochirurgische Klinik betreibt exzellente Forschung mit dem Ziel, neue Erkenntnisse und vielversprechende Ansätze möglichst schnell in die Praxis umzusetzen. Die Sektion Experimentelle Neurochirurgie führt Studien zu den Forschungsschwerpunkten der Klinik durch.

Lehre

Als Einrichtung des Universitätsklinikums ist der Klinik die Ausbildung der Studierenden ein großes Anliegen - sowohl in Form von Lehrveranstaltungen als auch im Rahmen von Famulaturen, dem praktischen Jahr oder einer Doktorarbeit.

Lehrveranstaltungen

Die Teilnahme an der Neurochirurgie-Vorlesung ist keine Pflichtveranstaltung. Die Klinik bietet in kleinen Gruppen Bedside-Teaching an. Bei Interesse kann man sich an Oberarzt Dr. med. E. Kunze wenden.

Famulatur, Praktisches Jahr, Doktorarbeiten

Es besteht die Möglichkeit, eine Famulatur oder das praktische Jahr in der Neurochirurgischen Klinik zu absolvieren oder eine Doktorarbeit anzufertigen. Interessenten können sich an das Sekretariat von Prof. Dr. med. R.-I. Ernestus wenden.

Qualitätssicherung

Regelmäßige Qualitätssicherungskonferenzen sowie unabhängige interne und externe Begutachtungen garantieren einen anhaltend hohen Standard in der Patientenversorgung, bei Routineeingriffen ebenso wie bei schwierigsten Operationen.

Technische Ausstattung

Modernste neurochirurgische Operationstechnik und aktuelle technische Einrichtungen wie Neuronavigation, Neuroendoskopie, intraoperative Fluoreszenzmikroskopie, intraoperativer Ultraschall und intraoperatives Monitoring ermöglichen hochspezialisierte und hochmoderne Therapien.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Es besteht eine intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Fächern wie etwa dem Institut für Neuroradiologie in der kombinierten interventionellen und operativen Versorgung von Gefäßmissbildungen. Auch mit den Kliniken für Neurologie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Strahlentherapie und der Augenklinik besteht eine enge Verzahnung. Die Sektion für Kinderneurochirurgie arbeitet eng mit der Kinderklinik zusammen.

Ausbildungsmöglichkeiten am Universitätsklinikum Würzburg

Das Universitätsklinikum Würzburg bietet vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich der Pflege und Therapie an:

  • Staatliche Berufsfachschule für Pflege (Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann mit der Vertiefung "Pflege am Kind" oder "Pflege am Erwachsenen")
  • Staatliche Berufsfachschule für Physiotherapie mit 72 Ausbildungsplätzen
  • Staatliche Berufsfachschule für Massage mit 52 Ausbildungsplätzen
  • Staatliche Berufsfachschule für Technische Assistenten in der Medizin (zur Universität gehörend) zur MTRA-Ausbildung
  • Staatliche Berufsfachschule für Technische Assistenten in der Medizin (zur Universität gehörend) zur MTLA-Ausbildung
  • Staatliche Berufsfachschule für Diätassistenten mit 3-jähriger Ausbildung. In Kooperation mit der Hochschule Fulda ist außerdem ein Duales Studium B. Sc. möglich.

Die Akademie des Klinikums bietet eine dreijährige Ausbildung in Vollzeit an, die alle relevanten Inhalte in Theorie und Praxis vermittelt. Es besteht ein Ausbildungsverbund mit einigen Kliniken der Region. Staatliche Berufsfachschule für Hebammen. Die 3-jährige Hebammenausbildung wird ab Oktober 2022 nicht mehr angeboten. In Kooperation mit der Univ.

Patientenbewertungen

Patienten berichten von ihren Erfahrungen in der Neurochirurgischen Klinik Würzburg. Die Bewertungen werden automatisiert und manuell geprüft, um sicherzustellen, dass sie von Patient:innen stammen, die tatsächlich Kontakt mit der Einrichtung hatten. Einige Patienten loben die fachliche Kompetenz und die menschliche Betreuung durch das gesamte Team, von den Ärzten in Führungspositionen bis zum Pflege- und nicht-medizinischen Personal. Besonders hervorgehoben wird die liebevolle und aufmerksame Betreuung nach Operationen. Es wird auch die gute Organisation und die kostenlosen Parkplätze für Besucher positiv erwähnt. Ein Patient berichtet von einer erfolgreichen Entfernung eines großen Akustikusneurinoms und lobt die Bemühungen der Ärzte, den Patienten die bestmögliche Lebensqualität nach der OP zu ermöglichen.

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