Unreife des zentralen Nervensystems: Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Anforderungen des modernen Lebens stellen hohe Ansprüche an den Menschen, sowohl physisch als auch psychisch. Unter diesen Bedingungen ist es nicht immer einfach, die eigene Gesundheit zu erhalten. Andrew Taylor Still, der Gründer der Osteopathie (1828-1917), hatte den Leitsatz, die Gesundheit im Patienten zu suchen und nicht die Krankheit. Dieses Ziel verfolgen seine Nachfolger bis heute. Gemeinsam mit dem Patienten werden die oft komplexen Zusammenhänge seiner Beschwerden ermittelt und der Körper dabei unterstützt, sich selbst zu heilen. Die manuelle Behandlung der betroffenen Strukturen spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Aufklärung und Beratung des Patienten. Die Therapieplanung erfolgt stets offen und unter Berücksichtigung aller sozioökonomischen Faktoren. Eine gesunde Vertrauensbasis zwischen Patient und Therapeut ist unerlässlich für den Therapieerfolg.

Einführung

Eine Unreife des zentralen Nervensystems (ZNS) kann sich auf verschiedene Weise manifestieren und unterschiedliche Symptome hervorrufen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten im Zusammenhang mit einer solchen Unreife.

Ursachen und Erklärungsmodelle

Eine Unreife des zentralen Nervensystems wird als eine mögliche Ursache für Schlafwandeln angesehen. Diese Annahme würde auch erklären, warum die Störung im Jugendalter, also mit zunehmender Reifung des Gehirns, meist von alleine wieder aufhört. Es wird angenommen, dass genetische Faktoren bei der Störung von Bedeutung sind, da Schlafwandeln in manchen Familien gehäuft auftritt.

Schlafapnoe im Kindesalter

Als Sonderfall gilt die zentrale Schlafapnoe im frühen Kindesalter. Sie ist in der Regel auf eine Unreife der für die Atmung zuständigen Hirnareale zurückzuführen. Deshalb kann sie bei Frühgeborenen auftreten.

Symptome

Die Symptome einer Unreife des zentralen Nervensystems können vielfältig sein und hängen von der spezifischen Ausprägung der Unreife ab.

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Schlafwandeln

Schlafwandeln ist eine Form von nächtlichen Schlafstörungen, die vor allem bei Kindern vor der Pubertät auftritt. In der Fachsprache spricht man von Somnambulismus. Damit gemeint ist ein Zustand, in dem die Betroffenen scheinbar wach, aber nicht bei vollem Bewusstsein sind. Schlafwandeln tritt in Episoden auf. Betroffene Personen können während der Episoden verschiedene Stufen von Aktivität zeigen, z. B. Unruhe oder Umherlaufen. Typisch sind auch unverständliche Lautäußerungen.

Mögliche Symptome beim Schlafwandeln:

  • ziellose Unruhe im Bett
  • Umherlaufen, meist mehrere Minuten bis eine halbe Stunde lang
  • murmelnde und verschwommene Lautäußerungen
  • starrer Gesichtsausdruck
  • nur geringe Reaktion auf Berührungen
  • direkt nach dem Aufwachen möglicherweise kurzzeitige Verwirrung oder Desorientierung

In der Regel erinnern sich die betroffenen Personen nicht mehr an die nächtlichen Episoden. Kinder berichten gelegentlich von kurzen, traumähnlichen Bildern.

Schlafapnoe

Bei Schlafapnoe kommt es zu Atemaussetzern im Schlaf. Man unterscheidet zwischen einer zentralen, obstruktiven und gemischten Variante. Bei Früh- und Neugeborenen spielen fast immer körperliche Ursachen, wie unzureichend ausgebildete Atemwege oder eine noch unreife Atemsteuerung im Gehirn, eine Rolle. „Die mangelnde Luftzufuhr senkt den Sauerstoffgehalt im Blut kurzfristig massiv ab, der Körper reagiert mit einem starken Atemreiz und das Baby schnappt nach Luft“, weiß Dr. Degirmenci, Oberarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Helios Klinikum Duisburg. Die Säuglingsapnoe manifestiert sich in den ersten beiden Lebensjahren und verläuft häufig asymptomatisch, also ohne Symptome oder Beschwerden. In den meisten Fällen wächst sich das Phänomen im Verlauf weniger Monate aus. „Eltern sollten ihre Kleinen ab und zu beim Schlafen beobachten und auf die Atemfrequenz achten“, rät der Pädiater.

Symptome der zentralen Schlafapnoe:

  • plötzliches Erwachen, manchmal mit Herzrasen und Atemnot
  • nächtlicher Harndrang
  • morgendliche Kopfschmerzen
  • Tagesmüdigkeit

Aber auch Formen ohne Beschwerden sind möglich - dann fällt die nächtliche Atemstörung eher den Angehörigen auf.

Nachtschreck (Pavor Nocturnus)

Nachtschreck (Nachtterror) ist eine Form von Schlafstörung bei Kindern. Dabei kann das Kind wenige Stunden nach dem Einschlafen schreien, um sich schlagen, die Augen weit aufreißen, aber niemanden erkennen und sich weder wecken noch trösten lassen. Der wissenschaftliche Begriff für den Nachtschreck (Nachtterror) ist "Pavor nocturnus", was nächtliche Angst oder Nachtangst bedeutet. Von der Schlafstörung betroffen sind in der Regel Kleinkinder und Kinder im Vorschulalter.

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Symptome des Nachtschrecks:

  • Plötzliches Aufschrecken aus dem Tiefschlaf
  • Schreien
  • Um-sich-Schlagen
  • Weit aufgerissene Augen
  • Nicht-Erkennen von Bezugspersonen
  • Unfähigkeit, getröstet zu werden
  • Verwirrtheit

Diagnose

Die Diagnose einer Unreife des zentralen Nervensystems basiert in der Regel auf einer sorgfältigen Anamnese, der Beobachtung der Symptome und gegebenenfalls zusätzlichen Untersuchungen.

Schlafwandeln

Schlafwandelnde Personen zeigen meist keine körperlichen Auffälligkeiten. Im Gespräch kann Ihre Ärztin/Ihr Arzt Sie bzw. Ihr Kind zu diesen Themen befragen:

  • Schlaf- und Einschlafgewohnheiten
  • Verhalten während des Schlafs (Unruhe, Schnarchen, Bettnässen etc.)
  • Häufigkeit und Ursachen von Aufwachphasen
  • abendliche Aktivitäten und Essgewohnheiten
  • Häufigkeit und Dauer der Episoden
  • Verhalten tagsüber, z. B. Leistungsfähigkeit, Konzentration, Hyperaktivität, Müdigkeit

Ein Schlaftagebuch, Schlafprotokolle oder Schlaffragebögen können hilfreich sein, um weitere Informationen über die Schlafgewohnheiten und -probleme zu gewinnen. Weitere Untersuchungen sind in aller Regel nicht nötig.

Bei Spezialist*innen: Selten ist eine Überweisung zu Spezialist*innen notwendig. Sie kann aber z. B. angezeigt sein bei Verdacht auf eine organisch bedingte Schlafstörung, auf Epilepsie oder bei Hinweisen auf eine psychische Erkrankung. Mögliche Untersuchungen sind:

  • Polysomnografie: zur Abklärung von organisch bedingten Schlafstörungen, Atemstörungen sowie Epilepsie
  • Routine-EEG: bei Verdacht auf epileptische Krampftätigkeit
  • Aktigrafie: Mittels Aktometer (Armbanduhr-ähnlicher Beschleunigungsmesser) kann man auf Schlaf-Wach-Muster schließen bzw. bestimmte Schlafparameter schätzen.

Schlafapnoe

Bei der Diagnose ist die richtige Zuordnung der zentralen Schlafapnoe - also die Ermittlung der Ursache - von großer Bedeutung, da hiervon auch die Behandlung abhängt. Dieses Verfahren ist am besten geeignet, um eine zentrale Schlafapnoe nachzuweisen.

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Medizintechnische Untersuchungsverfahren:

Wenn sich anhand der Symptome und Untersuchungen der Verdacht auf eine krankhafte Atemstörung erhärtet, ist die Polysomnographie der Goldstandard, um eine zentrale Schlafapnoe nachzuweisen. Dabei handelt es sich um ein besonderes Untersuchungsverfahren mit einem Gerät, das die wichtigen Körperfunktionen während des Schlafs kontrolliert und Werte aufzeichnet. Es gibt tragbare Modelle für die Anwendung zu Hause und auch komplexere Untersuchungstechniken, die stationär in einem Schlaflabor durchgeführt werden. Bei zentraler Schlafapnoe ist zudem die Messung der arteriellen Blutgase sowie des Bikarbonatwerts wichtig. Um eine Störung im Gehirn selbst auszuschließen, kann außerdem eine Bildgebung des zentralen Nervensystems und Hirnstamms notwendig sein, zum Beispiel durch eine Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT).

Nachtschreck

Zuerst wird der Arzt abklären, ob es sich tatsächlich um Nachtschreck oder aber um eine andere Schlafstörung handelt. Danach kann er, falls nötig, eine Behandlung einleiten.

Nachtschreck: Untersuchungen

Zunächst holt der Arzt wichtige Informationen zur Krankengeschichte ein (Anamnese). Dazu führt er ein Gespräch mit dem Betroffenen (falls dieser alt genug ist) beziehungsweise den Eltern oder anderen Erwachsene, welche die Schlafstörung beobachtet haben. Zu klärende Fragestellungen sind unter anderem:

  • Wie steht es mit abendlichen Aktivitäten und Essgewohnheiten?
  • Wie sieht die Vorbereitung auf das Zubettgehen aus (z.B. Gute-Nacht-Geschichte, Zähneputzen etc.)?
  • Wann ist die übliche Bettgehzeit? Gibt es Probleme beim Ein- oder Durchschlafen?
  • Wie läuft eine Nachtschreck-Episode genau ab (Symptomatik, Häufigkeit, Dauer)?
  • Wann trat der Nachtschreck zum ersten Mal auf? Gibt es mögliche Auslöser (z.B. traumatische Erlebnisse, körperliche Erkrankung etc.)?
  • Wie sieht das sonstige Schlafverhalten aus (z.B. unruhiger Schlaf, Schnarchen, Bettnässen)?
  • Wie viel schläft der Betreffende pro Nacht im Schnitt?
  • Wann ist die übliche Aufwachzeit? Wird der Betroffene geweckt oder wacht er von alleine auf?
  • Wie ist die Befindlichkeit nach dem Erwachen? Erinnert sich der Betroffene an den gestörten Nachtschlaf?
  • Wie ist das Verhalten tagsüber (z.B. ungewöhnliche Müdigkeit, Schläfrigkeit)?
  • Wie sehr belastet die Schlafstörung den Betroffenen oder die Familie?
  • Wie hoch ist der Medienkonsum des Betroffenen (z.B. tägliche Fernsehzeit, Nutzungsdauer des Handys etc.)?
  • Ist der Betroffene öfters ängstlich oder emotional sehr empfindlich?
  • Nimmt oder nahm der Betroffene irgendwelche Medikamente oder Drogen ein?
  • Sind Episoden von Nachtschreck oder Schlafwandeln bei Eltern oder anderen Verwandten bekannt (aus der Kindheit)?

Zur Klärung solcher Fragen kann der Arzt auch spezielle Schlaffragebögen wie den Fragebogen vom Münchner Parasomnie-Screening verwenden.

Behandlung

Die Behandlung einer Unreife des zentralen Nervensystems zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Schlafwandeln

In der Regel sind die Symptome harmlos und verschwinden nach mit der Zeit von allein. Eine Behandlung mit Medikamenten ist daher meist nicht erforderlich. Die Therapie beinhaltet im Wesentlichen diese Punkte:

  • Beratung und Aufklärung der Betroffenen und ihrer Angehörigen
  • Ausschluss weiterer körperlicher oder psychischer Erkrankungen
  • Bei sehr häufigen und intensiven Anfällen Überweisung an eine schlafmedizinische Praxis

Um Verletzungen zu vermeiden, sollten Türen und Fenster gesichert werden. Zudem können Sie während oder nach der Episode dem betroffenen Kind beistehen:

  • Wirken Sie tröstend und/oder beruhigend auf das Kind ein und führen Sie es zum Bett zurück.
  • Vermeiden Sie es, Schlafwandelnde aufzuwecken: Dies kann die Episode verlängern sowie Widerstand und Gewalt auslösen.
  • Achten Sie auf ausreichenden Schlaf.
  • Sorgen Sie für regelmäßige Schlafenszeiten.
  • Vermeiden Sie besonders in der frühen Schlafphase Störungen durch Geräusche, Berührungen oder visuelle Reize.

Schlafapnoe

Liegt eine Grunderkrankung wie beispielsweise eine Herzinsuffizienz oder Nierensuffizienz vor, werden sich die Symptome der Schlafapnoe durch die Behandlung der Grunderkrankung bessern. Besteht ein Zusammenhang mit Medikamenten, muss die Dosierung so angepasst werden, dass sich Apnoen bessern oder ausbleiben.

Sollte die Behandlung der Grunderkrankung nicht zum gewünschten Erfolg führen, gibt es weitere mögliche Maßnahmen:

  • Adaptive Servoventilation (ASV): Ein Beatmungsgerät analysiert über eine Atemmaske die Atmung der schlafenden Person, berechnet den erforderlichen Atemdruck und passt diesen kontinuierlich an. Über einen Filter wird das dafür notwendige Maß an Raumluft zugeführt - je nachdem, ob die Atmung regelmäßig ist oder es zu Aussetzern kommt.
  • CPAP (Continuous Positive Airway Pressure, kontinuierlicher Atemwegsüberdruck): Bei dieser Therapie wird während des Schlafs mit einem leichten Überdruck Luft über eine Maske in die Atemwege gepumpt. CPAP ist eine häufige Therapie bei obstruktiver Schlafapnoe, kann aber auch bei einigen Formen der zentralen Schlafapnoe helfen.
  • Transjuguläre Phrenicusstimulation (Zwerchfellschrittmacher): Hierbei wird der Zwerchfellnerv (Nervus phrenicus) elektrisch stimuliert, um das Zwerchfell zu aktivieren.

Nachtschreck

Der Nachtschreck hängt mit der Entwicklung des Nervensystems zusammen und verschwindet normalerweise mit der Zeit von selbst.

Was tun bei Nachtschreck? Nachtschreck vorbeugen

  • Sorgen Sie für einen regelmäßigen Schlafrhythmus.
  • Vermeiden Sie Stress und Überanstrengung.
  • Schaffen Sie eine entspannende Schlafumgebung.
  • Achten Sie auf eine gute Schlafhygiene.

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