Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der weltweit etwa 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung betroffen sind, wobei Frauen drei- bis viermal häufiger daran leiden. Sie äußert sich nicht nur in heftigen Kopfschmerzattacken, sondern auch in Begleiterscheinungen wie Appetitlosigkeit, Reizempfindlichkeit und einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Ein typisches Symptom ist auch Migräne mit Übelkeit oder Schwindel. Die Häufigkeit der Anfälle variiert, wobei viele Patienten etwa zwei bis drei Migräneattacken pro Monat haben. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen tägliche Anfälle auftreten. Die Krankheit erreicht ihren Höhepunkt zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr, kann aber auch Kinder und Jugendliche betreffen.
Neben den starken, meist halbseitigen Kopfschmerzen gehören zu den typischen Anzeichen von Migräne auch Seh- und Wahrnehmungsstörungen, die als Auren bezeichnet werden. Migräniker leiden fast immer unter einer hohen Reizempfindlichkeit und dem Bedürfnis, sich zurückzuziehen. Es gibt zwar keinen typischen Migräniker, aber es gibt Anhaltspunkte, die vermuten lassen, warum bestimmte Menschen die Krankheit entwickeln. Die Auslöser für einen akuten Migräneanfall sind vielfältig und individuell verschieden. Was bei dem einen Migräniker keine Beschwerden verursacht, kann für den anderen der auslösende Faktor sein. Neben den bereits genannten Symptomen gibt es auch Anzeichen, die häufig im Vorfeld der Attacke auftreten.
Die Phasen einer Migräneattacke
Eine Migräneattacke verläuft typischerweise in mehreren Phasen, die nicht bei jedem Patienten gleich ausgeprägt sind:
Prodromalphase (Vorbotenphase): Bei etwa 30 Prozent der Migränepatienten kündigt sich eine Kopfschmerzattacke im Vorfeld mit verschiedenen Symptomen an. Diese Phase kann wenige Stunden bis zu zwei Tage vor der eigentlichen Attacke einsetzen. Es können unterschiedliche psychische und körperliche Symptome auftreten, wie depressive Verstimmung, vermehrte Gereiztheit und Unruhe, aber auch Hochstimmung und ein Gefühl besonderer Leistungsfähigkeit. Manche Betroffene entwickeln Heißhunger auf Süßigkeiten oder fettige Speisen, sind ungewöhnlich durstig oder haben keinen Appetit, leiden unter Verstopfungen, Müdigkeit oder Benommenheit.
Auraphase: Bei etwa 10 bis 15 Prozent der Migränepatienten tritt im Anschluss an die Prodromalphase eine Auraphase auf, die mit vorübergehenden neurologischen Reiz- und Ausfallerscheinungen verbunden ist. Diese äußern sich häufig in Sehstörungen, Schwäche, Taubheit oder einem Kribbeln im Gesicht oder den Extremitäten einer Seite. Einige Patienten leiden unter Sprachstörungen, Schwindel oder Gangunsicherheit. Die Auraphase setzt langsam ein und geht langsam zurück und dauert meist 15 bis 60 Minuten.
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Schmerzphase: In der Schmerzphase setzt der eigentliche Kopfschmerz ein, der mit typischen Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen, Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit einhergeht. Der mittlere bis starke, pulsierende, pochende oder stechende Kopfschmerz beginnt in der Regel auf einer Seite und breitet sich auf Stirn, Schläfe und Augenbereich aus. Später kann er sich auch auf die andere Kopfseite ausdehnen. Es kann zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl kommen und jegliche körperliche Anstrengung oder auch Stress verstärken die Beschwerden. Die Schmerzphase dauert bei erwachsenen Menschen zwischen 4 und 72 Stunden, bei Kindern ist sie meist kürzer und oft bereits nach 1 Stunde beendet. Neben Kopfschmerzen können bei der Migräne auch Schmerzen im Gesicht, am Nacken, in den Augen oder den Zähnen auftreten. Am Ende der Schmerzphase wechselt der pulsierende Schmerzcharakter oft zu einem gleichbleibenden Schmerz.
Auflösungsphase: Die Symptome klingen ab, die Kopfschmerzen werden weniger intensiv.
Erholungsphase: In der Erholungsphase sind die Patienten oft erschöpft und fühlen sich wie nach einem Kater. Die Symptome ähneln denen der Prodromalphase.
Innere Unruhe als Symptom der Prodromalphase
Ein häufiges Symptom der Prodromalphase ist innere Unruhe. Betroffene berichten von gesteigerter Aktivität, erhöhter Leistungsbereitschaft und Kreativität. Sie fühlen sich energiegeladen und neigen dazu, diese Energie in Aktivitäten umzusetzen, was jedoch kontraproduktiv sein kann. Die innere Unruhe kann sich auch in Rastlosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und dem Unvermögen, Dinge zu Ende zu bringen, äußern. Diese Symptome können das Stresslevel erhöhen und zu Gereiztheit führen.
Die Migränepatientin Tanja beschreibt ihre Erfahrungen mit der inneren Unruhe wie folgt:
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Phase 1: Innere Unruhe: "Was wollte ich eigentlich machen? Etwas zeitversetzt beginne ich, Dinge anzufangen und sie nicht zu Ende zu bringen. Der Fokus geht verloren… Diese Unsicherheit erhöht mein Stresslevel und die Abwärtsspirale dreht sich weiter, die Gereiztheit beginnt und nimmt schnell zu."
Phase 2: Pulverfass mit einer sehr kurzen Zündschnur! "In dieser Migränephase stoße ich schnell an meine Grenzen. Früher gab es in dieser Zeit oftmals Streit innerhalb der Familie, der meine Migräneattacke nur noch mehr getriggert hat. Ich bin in dieser Phase extrem gereizt und dünnhäutig."
Umgang mit innerer Unruhe in der Prodromalphase
Es gibt verschiedene Strategien, um mit der inneren Unruhe in der Prodromalphase umzugehen und eine Migräneattacke abzuwenden oder abzuschwächen:
Triggerfaktoren erkennen und eliminieren: Es ist wichtig, die individuellen Triggerfaktoren zu kennen und diese so gut wie möglich zu vermeiden. Zu den häufigsten Triggern gehören Stress, Schlafmangel, bestimmte Lebensmittel, Wetterumschwünge und Sinnesüberreizung.
Körperliche Aktivität reduzieren: Auch wenn die innere Unruhe dazu verleitet, sich körperlich zu betätigen, ist es ratsam, Sport und andere anstrengende Aktivitäten zu vermeiden. Stattdessen können Entspannungsübungen wie Yoga oder Meditation helfen, die innere Unruhe zu reduzieren.
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Ruhe und Entspannung: Es ist wichtig, sich in einem ruhigen, abgedunkelten Raum aufzuhalten und Reize zu vermeiden. Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können helfen, das Nervensystem zu beruhigen.
Achtsamkeit: Achtsamkeitstechniken können helfen, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen und besser mit ihnen umzugehen. Dies kann dazu beitragen, Stress abzubauen und die innere Unruhe zu reduzieren.
Kommunikation: Es kann hilfreich sein, mit nahestehenden Personen über die bevorstehende Migräneattacke zu sprechen und um Unterstützung zu bitten. Die Migränepatientin Tanja hat beispielsweise einen Codesatz in ihrer Familie etabliert, um ihre Gereiztheit anzukündigen, ohne Streit auszulösen.
Notfallplan: Es ist ratsam, einen Notfallplan für den Fall einer Migräneattacke zu haben. Dieser sollte Medikamente, Entspannungsübungen und eine Liste mit Kontakten für den Notfall enthalten.
Medikamentöse Behandlung
Bei leichten bis mittelgradigen Schmerzen können rezeptfreie Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen eingenommen werden. Bei schweren Attacken können Triptane angewendet werden. Sie sollten nach der Aura, zu Beginn der Kopfschmerzphase eingenommen werden. Zusätzlich zur Medikation sollten Migräne-Patienten während einer Attacke idealerweise vor Reizen geschützt werden und sich in einem ruhigen, abgedunkelten Raum aufhalten. Tripatane und auch freiverkäufliche Schmerzmittel dürfen nicht zu häufig eingenommen werden, da es sonst zu einem Dauerkopfschmerz kommen kann.
Migräne und Angstzustände
Migräne und Angstzustände können sich gegenseitig beeinflussen. Angstzustände können einen Migräneanfall auslösen, und Migräneanfälle können zu Angstzuständen führen. Es ist daher wichtig, sowohl die Migräne als auch die Angstzustände zu behandeln. Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) kann bei Angstzuständen hilfreich sein. KVT befasst sich mit Ihren Denk- und Verhaltensmustern.
Leben mit Migräne
Migräne ist eine chronische Erkrankung, die nicht heilbar ist. Sie ist aber gut behandelbar, so dass die Lebensqualität der Betroffenen weniger eingeschränkt wird. Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Schlaf, Sport, Dehnübungen, Meditation und einer positiven Einstellung kann dazu beitragen, die Dauer, Intensität und Häufigkeit von Migräneanfällen zu verringern.
Die Bedeutung der Selbstwahrnehmung
Als Migräniker ist es gut, öfter nach seinem Körper zu schauen. Dann lernt man die Symptome und Triggerfaktoren zu deuten und nicht als „ich bin eben müde abzutun“. Denn es ist keine normale Müdigkeit, die jeder schon einmal hatte.