Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, die mit einem Verlust von kognitiven Fähigkeiten einhergehen. Das Wort Demenz leitet sich vom lateinischen „Demens“ ab und bedeutet „weg vom Geist“ oder „ohne Geist“. Bei einer Demenz-Erkrankung ist anfangs das Kurzzeitgedächtnis gestört, später auch das Langzeitgedächtnis. Im späten Stadium sind an Demenz erkrankte Menschen rund um die Uhr auf Hilfe im Alltag und Pflege angewiesen.
Die häufigste Demenzform ist die Alzheimer-Erkrankung. Hierbei sterben Nervenzellen im Gehirn ab. Das beantwortet auch gleich die häufig gestellte Frage nach dem Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz. Die Antwort lautet: Alzheimer ist eine Form der Demenz. Theoretisch lassen sich diverse Demenz-Formen voneinander abgrenzen. In der Realität ist es oft komplizierter, eine Diagnose zu stellen, da auch Mischformen auftreten.
Aktuell leben in Deutschland zirka 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenzdiagnose. Deren Zahl wird sich bis 2035 etwa verdoppeln, so die Schätzung. Schon heute zahlen die Krankenkassen jedes Jahr mehr als 5,6 Mrd. Euro für die Versorgung der Betroffenen. Dabei hängen die individuellen Kosten vom Ausmaß der kognitiven Defizite ab. Erreichen die Patienten im Mini-Mental-Status-Test noch mehr als 15 Punkte, schlägt die Behandlung jährlich mit rund 4.000 Euro zu Buche, rechnete Prof. Dr. Thomas Duning von der Klinik für Neurologie am Klinikum Bremen Ost vor. Werden weniger Punkte erreicht, sind es rund 86.000 Euro pro Jahr. Antidementiva machen von diesem Betrag allerdings nur 6 % aus.
Primäre und sekundäre Demenz
Ärzte unterscheiden zwischen primärer und sekundärer Demenz. Letztere ist seltener, aber oft behandelbar.
Eine primäre Demenz ist eine eigenständige Erkrankung, die im Gehirn entsteht. Die häufigste primäre Demenz ist die Alzheimer-Krankheit. Eine sekundäre Demenz tritt als Folge einer anderen Erkrankung (zum Beispiel Alkoholsucht) auf. Bei allen Demenzformen kommt es zu einer Verschlechterung des Gedächtnisses und/oder anderer Hirnfunktionen. Auch Veränderungen der Persönlichkeit können vorkommen.
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Als primäre Demenz bezeichnen Experten alle Demenzarten, die ihren Ursprung im Gehirn haben. Es sind - bis jetzt unheilbare - Erkrankungen, die mit dem Absterben von Nervenzellen einhergehen. Dazu zählen zum Beispiel:
- die Alzheimer-Erkrankung, bei der nach und nach Nervenzellen und deren Verbindungen untereinander absterben, wodurch das Gehirn schrumpft.
- vaskuläre Demenzen (aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn),
- die Frontotemporale Demenz (hier sterben nach und nach Nervenzellen in Stirn- und Schläfenlappen des Großhirns ab. Das sind Bereiche, die unter anderem Emotionen und Sozialverhalten kontrollieren),
- und die Lewy-Körperchen-Demenz (bei der sich Eiweißreste in den Nervenzellen der Großhirnrinde ablagern).
Nur rund zehn Prozent der Demenzen sind sekundäre Demenzen. Das heißt, sie werden durch Medikamente (wie etwa Psychopharmaka, Antidepressiva oder Antiepileptika), starken Vitamin-Mangel (zum Beispiel an Vitamin B12) oder andere Erkrankungen verursacht. Beispiele dafür sind Schilddrüsenerkrankungen, Depressionen oder Alkoholsucht. Je nach Ursache sind die Gedächtnisstörungen hier behandelbar.
Kortikale vs. Subkortikale Demenz: Eine Frage des Standorts
Eine andere Einteilung bezieht sich auf den Hirnbereich, wo die Demenz auftritt: kortikale Demenz und subkortikale Demenz.
- Eine kortikale Demenz bedeutet Veränderungen der Hirnrinde (kortikal), wie sie bei der Alzheimer Demenz oder der Frontotemporalen Demenz vorkommen.
- Schäden unterhalb der Hirnrinde und in den tiefen Hirnschichten (also subkortikal) kommen etwa bei einer Subkortikalen Arteriosklerotischen Enzephalopathie vor. Dabei handelt es sich um eine Form der vaskulären Demenz.
Nicht selten erkranken Patienten an Mischformen. Deshalb ist die Einteilung in primäre und sekundäre Demenzen klarer.
Prof. Duning ist überzeugt davon, dass die Alzheimerkrankheit überdiagnostiziert ist, weil kognitiv eingeschränkte Menschen das Label Alzheimer oftmals ohne weitere Diagnostik angeheftet bekommen. Er empfahl bei der ersten Einschätzung eines Patienten auf die „neuropsychologische Handtasche“ zurückzugreifen. So zeigen Patienten mit kortikaler Demenz (klassisch: Alzheimer) Teilleistungsstörungen, z.B. Aphasie, Apraxie, mnestische Defizite und/oder eine gestörte Visuokonstruktion. Sie leiden an einer „Werkzeugstörung“, erläuterte Prof. Duning: Sie wollen sägen, aber ihre Säge ist nicht mehr vorhanden. Bei der subkortikalen Demenz (klassisch: vaskuläre Demenz) kommt es zu Störungen von Antrieb und Aufmerksamkeit sowie zur psychomotorischen Verlangsamung. Bildlich ausgedrückt: Wird der Patient aufgefordert, zu sägen, findet er zunächst auf seiner unaufgeräumten Werkbank das Werkzeug nicht. Die frontale Demenz kann durch eine Aphasie, gestörte Exekutivfunktionen und vor allem Verhaltensänderungen (gestörtes Sozialverhalten, Desinhibition) auffallen. Prof. Duning berichtete exemplarisch von einem älteren Mann, der in einem Café einen Eisbecher vom Nachbartisch leerlöffelte, weil er meinte, andere Gäste seien vor ihm bedient worden. Er geriet deswegen in eine Schlägerei, landete verletzt im Krankenhaus und via Unfallchirurgie in der neurologischen Ambulanz.
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Ursachen von Demenz
Die meisten Demenzen zählen zu den primären Demenzen. Das heißt, ihr Ursprung liegt darin, dass im Gehirn Nervenzellen absterben. Die Ursache hierfür ist abhängig von der Form der Demenz und bei manchen Demenzen nicht abschließend geklärt.
Mögliche Ursachen der häufigsten Demenzen:
- Das Demenz-Risiko steigt generell mit zunehmendem Alter. Betroffene sind in der Regel älter als 65 Jahre.
- Selten ist die Demenz vererbbar. So kann eine genetische Veränderung beispielsweise dazu führen, dass sich im Gehirn sogenannte Plaques (Ablagerungen) bilden, die Alzheimer begünstigen.
- Ein hoher Alkoholkonsum kann die Entstehung einer Demenz begünstigen, weil er die Blutgefäße schädigen und den Blutdruck in die Höhe treiben kann. Beides erhöht das Risiko von Gefäßverschlüssen sowie Durchblutungsstörungen und damit das für eine (vaskulären) Demenz.
- Eine vaskuläre Demenz entsteht, wenn Teile des Gehirns nicht mehr mit ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt werden können und dadurch Schaden nehmen. Als wichtigste Ursachen gelten daher Faktoren, die das Risiko von Gefäßerkrankungen, Gefäßverschlüssen und Durchblutungsstörungen erhöhen. Sie kann sich zudem nach einem Schlaganfall entwickeln. Verstopft, reißt oder platzt dabei ein Gefäß, wird das Gehirn nicht mehr ausreichend durchblutet und Nervenzellen sterben ab.
- Risikofaktoren für Demenz sind unter anderem Diabetes, Hypertonie, Adipositas, Rauchen und ein niedriges Bildungsniveau.
Symptome von Demenz
Langfristig schwinden bei Betroffenen die geistigen Fähigkeiten. Welche weiteren Symptome auftreten, hängt von der Art der Erkrankung ab. Keine Sorge: Schusseligkeiten wie der vergessene Wohnungsschlüssel, immer wieder die Brille zu verlegen oder generelle Gedächtnisprobleme im Alter müssen nicht gleich erste Anzeichen für eine Demenz sein.
Zu den Frühsymptomen zählt nicht nur, dass das Gedächtnis des Betroffenen nachlässt, sondern auch das Schwinden seiner kognitiven Fähigkeiten. Je nach Demenzform und -verlauf kann es zu verschiedenen Beschwerden kommen. Betroffene vergessen, was sie vor kurzem getan (etwa zu Mittag gegessen) oder gesagt haben. Und es fällt ihnen schwer(er) einfache Alltagsdinge zu bewältigen, die ihnen vorher keine Probleme bereitet haben. Beispiele hierfür sind das Führen eines Bankkontos oder die selbständige Bewältigung des eigenen Haushalts. Anzeichen für eine Demenz können auch Orientierungsprobleme sein. Betroffene finden sich beispielsweise in ihrer eigenen Umgebung nicht mehr gut zurecht oder verlaufen sich auf dem Weg vom Supermarkt nach Hause.
Weitere mögliche Symptome sind Sprach- und Wortfindungsprobleme. Demenzkranken Menschen fallen selbst einfache Begriffe nicht mehr ein, wodurch Unterhaltungen mit ihnen immer schwieriger werden.
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Viele haben mit Müdigkeit und Schlafproblemen zu kämpfen. Bei Menschen mit Demenz verändert sich oftmals das Schlafmuster - sie nicken tagsüber oft ein und haben abends trotz früher Müdigkeit Einschlafprobleme. Nachts sind die REM-Phasen verkürzt und sie gelangen kaum mehr in einen Tiefschlaf. Nicht selten kommt es im Verlauf daher zur Umkehr des Tag-Nacht-Rhythmus.
Sogar typische Verhaltensweisen und selbst die Persönlichkeit können sich verändern: Manche Menschen, die an Demenz leiden, werden lustlos, teilnahmslos, ängstlich oder boshaft, aggressiv und haben Wutausbrüche. Andere ziehen sich zurück und nehmen nicht mehr wie vorher am sozialen Leben teil.
Betroffene streiten Fehler und ihre nachlassenden Fähigkeiten oft ab und wollen die Erkrankung nicht wahrhaben.
Spezielle Symptome verschiedener Demenzformen
- Alzheimer-Demenz: Bei Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind, schrumpft das Gehirn. Betroffene haben zuerst Probleme mit ihrem Kurzzeitgedächtnis. Sie vergessen Essentielles („Was habe ich vorhin gegessen?“ „Was wurde im Gespräch gerade erzählt?“) und können sich nur mit Mühe konzentrieren. Dinge werden an ungewohnte Orte gestellt (z.B. die Zahnbürste in den Kühlschrank). Auffallende Wortfindungsstörungen und Orientierungsschwierigkeiten zählen ebenfalls zu den Frühsymptomen von Alzheimer. Betroffene vergessen Namen oder finden nicht mehr vom Supermarkt nach Hause zurück. Später wird auch die zeitliche Orientierung zum Problem. Viele Alzheimer-Patienten haben Schwierigkeiten, Gerüche zu erkennen. Schreitet die Alzheimer Demenz voran, lässt das Langzeitgedächtnis nach und länger entfernte Ereignisse verblassen. Betroffene erinnern sich kaum noch an Vergangenes und erkennen selbst ihnen nahestehende Menschen wie den Ehepartner, Kinder oder die besten Freunde nicht mehr. Im Spätstadium bauen Alzheimer-Patienten extrem ab. Sie sind Tag und Nacht auf Hilfe angewiesen.
- Vaskuläre Demenz: Die vaskuläre (Blutgefäße betreffende) Demenz ist eine Form der Demenz, bei der es zu Durchblutungsstörungen im Gehirn kommt - vor allem in den kleinen Gefäßen. Sie kann schubweise voranschreiten oder sehr plötzlich nach einem Schlaganfall auftreten. Ob und welche Symptome sich zeigen, hängt von der Art und dem Ort der Schädigung im Gehirn ab. Die Anzeichen zeigen sich im Vergleich zu Alzheimer meist früher. Allerdings bleibt Betroffenen das Langzeitgedächtnis länger erhalten. Manchen fällt es schon in der Frühphase der vaskulären Demenz schwer, aufmerksam zuzuhören, zusammenhängend zu sprechen, die richtigen Worte zu finden und sich zu orientieren, wodurch ihr Umfeld sie schnell als verwirrt wahrnimmt. Dazu kommen Müdigkeit und Stimmungsschwankungen. Patienten wechseln aufgrund der Hirnschädigungen manchmal rasch zwischen Lachen und Weinen - auch ohne die dazu gehörigen Emotionen zu fühlen. Es fällt ihnen oft schwer, sich zu konzentrieren, sie haben Schwierigkeiten mit einfachen Alltagsdingen, die ihnen vorher keine Probleme bereitet haben. Sie können etwa ihren Haushalt oder ihre Bankgeschäfte nicht mehr selbständig führen. Ihr Urteilsvermögen kann abnehmen. Mitunter fühlen sie sich antriebslos bis hin zur Teilnahmslosigkeit. Später können neurologische Ausfälle wie Unsicherheit beim Gehen, eine Verlangsamung und Störungen verschiedener Reflexe vorkommen. Betroffene neigen zu Stürzen. Auch Taubheitsgefühle und Lähmungen können Symptome der vaskulären Demenz sein. Betroffene verlieren die Kontrolle über Darm und Blase. Sehstörungen und Depressionen kommen gehäuft vor.
- Frontotemporale Demenz: Bei der Frontotemporalen Demenz (Morbus Pick) stehen Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen im Fokus. Davon betroffene Menschen sind typischer Weise leicht reizbar, aggressiv und benehmen sich unbeherrscht und unangenehm bis beschämend. Schreitet die Erkrankung voran, kommen Gedächtnis- und Sprachstörungen dazu.
- Lewy-Körperchen-Demenz: Bei der Lewy-Körperchen-Demenz lagern sich Eiweißreste in den Nervenzellen des Gehirns ab. Diese Demenzformen führt relativ schnell zu heftigen Symptomen wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Betroffene sehen Menschen oder Tiere, die gar nicht da sind. Seltener treten akustische Halluzinationen auf. Die Demenz-Kranken „hören“ Töne, Melodien oder Stimmen, die sonst niemand hört. Ihre Aufmerksamkeit und die Wachheit verändern sich schnell und stark im Tagesverlauf. Betroffene sind fit und aufmerksam, dann wieder apathisch, verwirrt und orientierungslos. Das Gedächtnis lässt nach (jedoch nicht so schnell wie bei der Alzheimer Demenz). Patienten schreien, sprechen oder bewegen sich im Schlaf. Dazu kommen bei vielen Betroffenen Parkinson-Symptome. Typisch sind beispielsweise eine erhöhte Muskelsteifigkeit (Rigor), Händezittern in Ruhe (Tremor), eine Verlangsamung der Bewegung (Akinese) und die Neigung zu Stürzen. Manche Erkrankte entwickeln eine Depression oder fallen in lange Tiefschlafphasen. Später treten Symptome wie Sprach- und Schluckstörungen auf.
Verlauf von Demenz
Eine Demenz verläuft bei jedem Menschen unterschiedlich, weshalb es keine allgemeingültige Prognose geben kann. Zudem unterscheidet sich der Krankheitsverlauf je nach Form der Demenz. Während sich die vaskuläre Demenz in der Regel schubweise verschlechtert, lässt sich die Alzheimer-Demenz in drei Stadien gliedern, die fließend ineinander übergehen.
Zur groben Einstufung wird unter anderem der MMST (Mini-Mental-Status-Test) eingesetzt, der auch in klinischen Studien als Kriterium für die Schweregraddefinition der Demenz verwendet wird.
Nehmen wir als Beispiel die mit zwei Dritteln der Fälle am häufigsten vorkommende Alzheimer-Demenz:
- Erstes Stadium: Der an Alzheimer-Demenz Erkrankte nimmt den schleichenden geistigen Abbau bewusst war. Er vergisst vieles, kann Neues nicht mehr gut lernen und die Reaktionsfähigkeit nimmt ab. Dinge werden an ungewohnte Orte gestellt (z.B. die Zahnbürste in den Kühlschrank). Typisch sind Stimmungsschwankungen, sozialer Rückzug und Sprachschwierigkeiten. Die Orientierungsfähigkeit lässt nach - sowohl zeitlich, als auch räumlich. Für Betroffene ist es extrem beängstigend, erste Symptome bei sich zu bemerken. Viele reagieren beschämt bis aggressiv darauf.
- Mittel-Stadium: Die genannten Symptome nehmen zu und es wird für Betroffene immer schwieriger, den Alltag allein zu bewältigen. Sie können sich nicht mehr allein anziehen oder waschen und sind jetzt auf Hilfe angewiesen. Die Sprache funktioniert als Kommunikationsmittel zunehmend schlechter, sie wird undeutlich. Immer häufiger fehlt für Angehörige der Sinn hinter den weniger werdenden Worten. Das Gefühl für Zeit und die Fähigkeit, sich zu orientieren, verschwindet nun ganz. Demenz-Erkrankte können ihre Emotionen nicht mehr kontrollieren. Die Stimmungsschwankungen nehmen zu. Sie können je nach Typ und Situation in Aggressionen und Depressionen münden.
- Letztes Stadium: Im Endstadium sind Alzheimer-Demenz-Erkrankte vollständig auf Pflege und Betreuung angewiesen. Sie erkennen selbst geliebte Menschen nicht mehr, können sich nicht mehr verständigen. Das Gehen fällt ihnen immer schwerer. Dazu kommen Schluckstörungen. Viele können ihre Blase und ihren Darm nicht mehr kontrollieren. Vereinzelt kommt es zu epileptischen Anfällen. Ist ein Patient bettlägerig, verschlechtert sich die Demenz in der Regel schnell. Zudem folgen häufig Infektionen wie eine Lungenentzündung, an der Betroffene sterben können.
Viele Alzheimer-Patienten und deren Angehörige bewegt die Frage nach der Lebenserwartung bei Demenz: Je nachdem, wann die Diagnose feststeht, liegt sie bei drei bis zehn Jahren - von den ersten Symptomen bis zum Tod des Patienten.
Diagnose von Demenz
Um eine Demenz zu diagnostizieren, ist eine umfassende medizinische Untersuchung erforderlich. Diese umfasst in der Regel:
- Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten und seine Angehörigen ausführlich nach den Symptomen, der Krankheitsgeschichte und eventuellen Risikofaktoren.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht den Patienten gründlich, um andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen.
- Neurologische Untersuchung: Der Arzt untersucht die Funktion des Nervensystems, einschließlich der Reflexe, der Muskelkraft und der Koordination.
- Neuropsychologische Tests: Diese Tests dienen dazu, die kognitiven Fähigkeiten des Patienten zu beurteilen, wie z.B. das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit, die Sprache und die Problemlösungsfähigkeit. Ein Beispiel hierfür ist der Mini-Mental-Status-Test (MMST) oder der Montreal Cognitive Assessment Test (MoCA).
- Bildgebende Verfahren: In manchen Fällen können bildgebende Verfahren wie eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns erforderlich sein, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen oder bestimmte Veränderungen im Gehirn zu erkennen. Bei der Alzheimer-Demenz kann von der vaskulären Demenz mit dem Nachweis bestimmter Proteine im Gehirnwasser (Liquor) abgegrenzt werden.
Therapie von Demenz
Obwohl es derzeit keine Heilung für Demenz gibt, gibt es Behandlungen, die helfen können, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehören:
- Medikamente: Es gibt verschiedene Medikamente, die bei bestimmten Demenzformen eingesetzt werden können, um die Symptome zu lindern oder das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Antidementiva machen von diesem Betrag allerdings nur 6 % aus.
- Psychosoziale Maßnahmen: Diese Maßnahmen umfassen z.B. Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie, Gedächtnistraining und die Teilnahme an Selbsthilfegruppen. Sie können dazu beitragen, die kognitiven Fähigkeiten zu erhalten, die Selbständigkeit zu fördern und die Lebensqualität zu verbessern.
- Unterstützung für Angehörige: Die Betreuung von Menschen mit Demenz kann sehr belastend sein. Daher ist es wichtig, dass auch die Angehörigen Unterstützung erhalten, z.B. durch Beratungsangebote, Entlastungsdienste oder die Teilnahme an Angehörigengruppen.
Vaskuläre Demenz im Detail
Die vaskuläre Demenz ist ein Überbegriff für alle Formen von Demenz, die aufgrund von Gefäßveränderungen im Gehirn entstehen. Die vaskuläre Demenz ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste Ursache für Demenz. Etwa zehn bis zwanzig Prozent aller Demenz-Patienten und Patientinnen haben eine rein vaskuläre Form, weitere zwanzig Prozent leiden unter einer Mischform aus Alzheimer-Demenz und vaskulärer Demenz. Je nach Ort der betroffenen Gefäße entstehen verschiedene vaskuläre Demenz Symptome. Die wichtigsten Formen der vaskulären Demenz sind die subkortikale vaskuläre Demenz und die Multiinfarktdemenz.
Ursachen und Risikofaktoren
Bei der Entstehung vaskulärer Demenzen spielen insbesondere Bluthochdruck und andere kardiovaskuläre Risikofaktoren eine wichtige Rolle. Die Risikofaktoren von vaskulären Erkrankungen entsprechen den Risikofaktoren für einen Schlaganfall, da die vaskuläre Demenz eine Folge kleinerer oder größerer Schlaganfälle ist. Insbesondere für die subkortikale vaskuläre Demenz ist ein über lange Jahre bestehender, schlecht eingestellter Bluthochdruck der wichtigste Risikofaktor. Aber auch für alle anderen Formen von vaskulärer Demenz ist die arterielle Hypertonie ein entscheidender vermeidbarer Risikofaktor. Weitere Ursachen von vaskulärer Demenz sind Vorhofflimmern, Diabetes Typ II und Adipositas. Männer und Menschen ab dem 60. Lebensjahr sowie Menschen mit nahen Verwandten mit Schlaganfall oder anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben ein höheres Risiko für Arteriosklerose und damit indirekt für die Entwicklung einer vaskulären Demenz. Insbesondere Arteriosklerose in der Halsschlagader ist eine wichtige Ursache für die Entwicklung einer vaskulären Demenz.
Symptome und Verlauf
Die Verlauf von vaskulärer Demenz ist abhängig vom betroffenen Gehirnareal sehr unterschiedlich. Der Krankheitsverlauf ist oft nicht kontinuierlich fortschreitend, sondern kann auch über lange Zeit gleichbleibend sein, wenn keine neuen Infarkte hinzukommen. Die vaskuläre Demenz kann auch ohne die Demenz-typischen Gedächtnisstörungen, die vor allem das Kurzzeitgedächtnis betreffen, auftreten. Trotzdem sind Gedächtnisstörungen ein wichtiges Symptom von vaskulärer Demenz. Patient:innen mit vaskulärer Demenz sind oft insgesamt verlangsamt und werden schnell müde, auch die Aufmerksamkeitsspanne lässt nach. Wenn die Sprachzentren von den Infarkten betroffen sind, kann es auch zu Störungen des Sprachverständnisses und der Sprachproduktion kommen. Ebenso entwickeln viele Patient:innen eine Persönlichkeitsveränderung, beginnen plötzlich und ohne Zusammenhang zu lachen oder zu weinen oder haben andere Formen von unerklärlichen Stimmungsschwankungen. Nicht selten entstehen im Verlauf auch depressive Episoden, die den Umgang mit der Demenz für Betroffene und Angehörige erschweren.
Diagnose und Therapie
Zunächst muss für die Diagnosestellung der vaskulären Demenz ein demenzielles Syndrom vorliegen, das mit verschiedenen Demenz-Tests festgestellt wird. Im Gegensatz zur Alzheimer-Krankheit ist der Mini Mental Status Test (MMST) jedoch bei vaskulären Demenzen oft nicht auffällig, weshalb Ärzt:innen beim Verdacht auf vaskuläre Demenz bevorzugt den Montreal Cognitive Assessment Test (MoCA) einsetzen. Wenn der oder die Betroffene zusätzlich ausgeprägte kardiovaskuläre Risikofaktoren hat, erhärtet sich der Verdacht auf eine vaskuläre Demenz. Insbesondere, wenn der oder die Betroffene schon einen oder mehrere Schlaganfälle hatte und später Demenz-Symptome entwickeln, ist die Diagnose einer vaskulären Demenz wahrscheinlich. Zur Diagnosestellung gehört außerdem eine gründliche körperliche Untersuchung und Blutdruckmessung.
Das Therapieziel bei vaskulärer Demenz ist die Vermeidung von weiteren kleinen oder großen Hirninfarkten. Die Therapie der vaskulären Demenz besteht deshalb insbesondere in einer guten medikamentösen Einstellung des Blutdrucks, der Blutfettwerte und des Blutzuckers. Außerdem bekommen viele Patient:innen blutverdünnende Medikamente, die unbedingt regelmäßig und nach Anweisung des Arztes oder der Ärztin eingenommen werden müssen. In erster Linie werden die zugrunde liegenden Erkrankungen wie ein erhöhter Bluthochdruck behandelt. Um die dementiellen Symptome selbst zu lindern, werden weniger Medikamente als eher psychosoziale Maßnahmen angewandt. Dazu gehören Maßnahmen für den Patienten oder die Patientin selbst, wie beispielsweise spielerisches Gehirntraining, das Üben von alltäglichen Fähigkeiten und die Reaktivierung von positiven Erinnerungen. Auch Angehörige werden in die Therapie mit einbezogen und lernen neben der richtigen Pflege bei Demenz auch den Umgang mit der Demenzerkrankung.
Lebenserwartung und Prävention
Die Lebenserwartung bei vaskulärer Demenz ist sehr variabel, je nachdem, welche Grunderkrankungen vorliegen und wie gut diese eingestellt sind. Dennoch zeigt das Bestehen einer vaskulären Demenz an, dass der Patient oder die Patientin sich in einem weit fortgeschrittenen Stadium von lange bestehenden kardiovaskulären Vorerkrankungen befindet.
Die Vorbeugung von vaskulärer Demenz besteht in einem gesunden Lebensstil. Auch wenn Sie oder ein:e Angehörige:r schon Grunderkrankungen haben, sind diese Maßnahmen von Bedeutung. Sie beugen nicht nur der Entstehung von Risikofaktoren für die vaskuläre Demenz vor, sondern können auch deren Fortschreiten verlangsamen. Es gibt viele Seminare und Unterstützungsprogramme für eine Lebensstiländerung. Sie sollten bei der Auswahl darauf achten, dass diese Seminare zertifiziert sind und von Fachpersonal geleitet werden. Im Zweifel fragen Sie jederzeit Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin, der bzw.
Leben mit Demenz: Ein Erfahrungsbericht
Kirstin Puchner pflegt seit 1986 Angehörige und hat ihren Beruf aufgegeben, um ihren Ehemann zu pflegen, der an vaskulärer Demenz leidet. Sie betont, wie wichtig es ist, erste Anzeichen ernst zu nehmen und sich nicht von Ärzten abwimmeln zu lassen. Der Weg zur Diagnose war langwierig, aber schließlich wurde die vaskuläre Demenz durch eine MRT festgestellt.
Kirstin und ihr Mann haben eine feste Tagesstruktur entwickelt, die ihm Sicherheit gibt. Dazu gehören Spaziergänge mit dem Hund, gemeinsame Mahlzeiten und die Einbindung in alltägliche Aufgaben. Auch die Ernährungsumstellung und Ergotherapie spielen eine wichtige Rolle.
Kirstin betont, wie wichtig es ist, den Menschen trotz der Erkrankung weiterhin Wertschätzung zu zeigen und ein Vertrauensverhältnis aufrechtzuerhalten. Sie hat gelernt, mit den Herausforderungen umzugehen und die Erkrankung als Teil ihres Lebens zu akzeptieren.
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