Einführung
Vaskuläre Demenz ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste Form der Demenz. Sie entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn, die zum Absterben von Hirnzellen führen können. Es wird geschätzt, dass etwa 0,3 Prozent der Bevölkerung an vaskulärer Demenz erkrankt sind. Ein wichtiger Faktor, der das Risiko für diese Erkrankung beeinflussen kann, ist der Alkoholkonsum. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen vaskulärer Demenz und Alkohol, die Ursachen und Risiken sowie präventive Maßnahmen.
Was ist vaskuläre Demenz?
Vaskuläre Demenz entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn. Ursachen hierfür können Ablagerungen in Blutgefäßen, Blutgerinnsel oder Hirnblutungen, auch in kleinerem Umfang, sein. Diese Störungen führen dazu, dass bestimmte Bereiche des Gehirns nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden, was Schäden an den Hirnzellen verursacht oder diese absterben lässt. Das Risiko für vaskuläre Demenz steigt, wenn das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigt ist.
Symptome der vaskulären Demenz
Zu Beginn können vor allem Probleme mit Aufmerksamkeit, verlangsamtes Denken sowie Persönlichkeitsveränderungen auftreten. Auch Gangstörungen, Kontrollverluste der Blase oder Probleme mit der Sprache können vorkommen. Gedächtnisstörungen können ebenfalls auftreten, stehen aber nicht immer im Vordergrund.
Diagnose der vaskulären Demenz
Um festzustellen, ob eine Demenz vorliegt, werden zunächst die Symptome und deren Verlauf erfasst. Dies kann bereits Hinweise darauf geben, ob es sich um eine vaskuläre Demenz handelt. Zur Diagnose werden das Herz-Kreislauf-System sowie neurologische Funktionen, wie der Gleichgewichtssinn, untersucht. Blutuntersuchungen können Hinweise auf Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen liefern. Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) können Veränderungen im Gehirn sichtbar machen, die durch Durchblutungsstörungen ausgelöst wurden.
Behandlung der vaskulären Demenz
Durchblutungsstörungen im Gehirn können mit Medikamenten behandelt werden, ebenso einige Risikofaktoren wie Bluthochdruck.
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Alkohol als Risikofaktor für Demenz
Alkohol ist ein Nervengift. Größere Mengen können nicht nur die Leber schädigen, sondern auch das Gehirn. Insbesondere für Demenzen vor dem 65. Lebensjahr ist Alkoholmissbrauch ein Hauptrisikofaktor. Eine für Frankreich repräsentative Studie der Sorbonne Universität Paris von 2018 legt nahe, dass regelmäßiger, starker Alkoholkonsum ein Risikofaktor für eine früh beginnende Demenz vor dem 65. Lebensjahr ist.
Alkoholbedingte Hirnschäden
Alkohol kann auf vielfältige Weise das Gehirn schädigen. Dies betrifft nicht nur suchtkranke Menschen, sondern jeden, der zu viel trinkt. Ethanol und sein Abbauprodukt Acetaldehyd wirken neurotoxisch und zerstören direkt die Nervenzellen. Dies kann zu bleibenden strukturellen und funktionellen Schäden des Gehirns führen.
Thiamin-Mangel und das Wernicke-Korsakoff-Syndrom
Ein starker Alkoholkonsum kann einen Thiamin-Mangel auslösen, der das Wernicke-Korsakoff-Syndrom verursacht. Diese Krankheit geht mit schweren Gedächtnisstörungen einher, die von den Patienten typischerweise durch erfundene Geschichten aufgefüllt werden.
Schädigung der Blutgefäße
Ein hoher Alkoholkonsum schädigt die Blutgefäße, unter anderem weil Alkohol den Blutdruck in die Höhe treibt. Damit steigt das Risiko für eine vaskuläre Demenz, die durch Durchblutungsstörungen im Gehirn entsteht.
Weitere gesundheitliche Probleme
Alkoholkonsum kann auch andere gesundheitliche Probleme begünstigen, die Hirnschäden verursachen können, wie Epilepsie, Kopfverletzungen und die hepatische Enzephalopathie.
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Alkoholmissbrauch und -sucht in Deutschland
In Deutschland liegt der Pro-Kopf-Konsum reinen Alkohols bei etwa zehn Litern im Jahr. Mehr als 1,8 Millionen Menschen sind hierzulande alkoholabhängig, weitere 1,6 Millionen betreiben einen schädlichen Gebrauch. Ein riskanter Alkoholkonsum liegt bereits vor, wenn Frauen mehr als 20 g Alkohol am Tag und Männer mehr als 40 g konsumieren.
Alkohol und Demenz: Was bedeutet das für Betroffene?
Demente Menschen sollten normalerweise keinen Alkohol trinken, da dies zu einer Verschlechterung ihrer kognitiven Fähigkeiten führen kann. Sie haben oft Schwierigkeiten, die Konsequenzen ihres Handelns zu verstehen, was dazu führen kann, dass sie übermäßig viel Alkohol trinken. Betreuer und Familienmitglieder von dementen Menschen sollten sich bewusst sein, dass Alkohol die Symptome der Demenz verschlimmern kann. Es ist daher empfehlenswert, dass demente Menschen keinen Alkohol trinken und dass ihre Betreuer dafür sorgen, dass alkoholische Getränke nicht zugänglich sind.
Auswirkungen von Alkoholkonsum bei Demenz
Wenn demente Menschen Alkohol trinken, kann dies zu erhöhter Reizbarkeit, Unruhe, Aggressivität und Verwirrung führen. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle dementen Menschen, die Alkohol trinken, aggressiv werden, aber das Risiko dafür kann höher sein als bei nicht-dementen Menschen. Wenn ein dementer Mensch bereits aggressiv ist, sollte man versuchen, die Auslöser für das Verhalten zu identifizieren und Strategien zur Beruhigung zu entwickeln. Hierbei kann auch professionelle Hilfe von einem Arzt oder Therapeuten erforderlich sein.
Umgang mit Alkohol in Pflegeeinrichtungen
Pflegeheime müssen Entscheidungen treffen, wie sie mit dem Thema Alkohol in der Einrichtung umgehen. Da die meisten Bewohner Medikamente nehmen, die zusammen mit Alkohol reagieren können, und der Alkoholkonsum den Blutzucker erhöhen kann, sollten Führungskräfte entscheiden, dass in der Einrichtung offiziell nur alkoholfreies Bier angeboten wird.
Präventive Maßnahmen und Lebensstiländerungen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Demenzrisiko zu verringern. Dazu gehören:
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- Reduzierung des Alkoholkonsums: Ein maßvoller oder kein Alkoholkonsum kann das Risiko für alkoholbedingte Hirnschäden und vaskuläre Demenz reduzieren.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und gesunden Fetten kann das Herz-Kreislauf-System unterstützen und das Risiko für Durchblutungsstörungen verringern.
- Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität fördert die Durchblutung des Gehirns und stärkt die Nervenzellen.
- Vermeidung von Risikofaktoren: Rauchen, Diabetes mellitus und starkes Übergewicht sind Faktoren, die eine Alzheimererkrankung oder vaskuläre Demenz begünstigen.
- Geistige Anregung: Geistige Anregung in jungen Jahren schützt das Gehirn - besonders durch den Aufbau sogenannter kognitiver Reserven.
- Soziale Kontakte: Soziale Isolation kann das Risiko erhöhen, an Demenz zu erkranken. Gespräche, Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten halten das Gehirn wach und leistungsfähig.
- Behandlung von Begleiterkrankungen: Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und Diabetes sollten behandelt werden, um das Risiko für vaskuläre Schäden zu reduzieren.
- Vorsicht bei Kopfverletzungen: Schwere oder wiederholte Kopfverletzungen erhöhen das Risiko für Demenzerkrankungen.
- Vermeidung von sozialer Isolation: Soziale Isolation kann das Risiko erhöhen, an Demenz zu erkranken. Gespräche, Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten halten das Gehirn wach und leistungsfähig.
Persönliche Einblicke und Erfahrungen
Kirstin Puchner, eine pflegende Angehörige, teilt ihre Erfahrungen mit der vaskulären Demenz ihres Mannes. Sie betont die Bedeutung einer festen Tagesstruktur, viel Bewegung und einer Ernährungsumstellung, um die Erkrankung im Zaum zu halten. Auch der Umgang mit Medikamenten und die Aufrechterhaltung eines liebevollen Vertrauensverhältnisses spielen eine wichtige Rolle.