Vaskulitis des Gehirns: Symptome, Diagnose, Therapie und Lebenserwartung

Vaskulitis, eine Entzündung der Blutgefäße, kann verschiedene Organe betreffen, einschließlich des Gehirns. Die rechtzeitige Diagnose und Behandlung der Vaskulitis kann die Krankheit meist gut unter Kontrolle bringen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Vaskulitis des Gehirns, einschließlich Symptome, Diagnose, Therapie und Lebenserwartung.

Was ist Vaskulitis?

Vaskulitis ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe von Erkrankungen, bei denen sich die Wände der Blutgefäße entzünden. Diese Entzündung kann die Blutversorgung von Organen und Geweben beeinträchtigen und zu einer Vielzahl von Symptomen führen. Vaskulitiden sind Autoimmunerkrankungen und werden zu den rheumatischen Erkrankungen gezählt.

Überblick über Vaskulitis

Es gibt verschiedene Arten von Vaskulitis, die sich nach der Größe der betroffenen Blutgefäße unterscheiden:

  • Großgefäßvaskulitis: Betrifft große Blutgefäße wie die Aorta und ihre Hauptäste. Beispiele sind die Riesenzellarteriitis und die Takayasu-Arteriitis.
  • Mittelgefäßvaskulitis: Betrifft mittelgroße Blutgefäße. Beispiele sind das Kawasaki-Syndrom und die Polyarteriitis nodosa.
  • Kleingefäßvaskulitis: Betrifft kleine Blutgefäße wie Kapillaren, Arteriolen und Venolen. Beispiele sind die Granulomatose mit Polyangiitis (Morbus Wegener), die mikroskopische Polyangiitis, die eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (Churg-Strauss-Syndrom) und die IgA-Vaskulitis (Purpura Schönlein-Henoch).
  • Vaskulitis mit Befall von Blutgefäßen unterschiedlicher Größe: Betrifft Blutgefäße unterschiedlicher Größe. Beispiele sind das Behçet-Syndrom und das Cogan-Syndrom.

Vaskulitis des Gehirns (Zerebrale Vaskulitis)

Die zerebrale Vaskulitis ist eine seltene Entzündung der Blutgefäße des Gehirns und des Rückenmarks. Sie kann primär sein, d.h. nur die Gefäße des zentralen Nervensystems (ZNS) betreffen (primäre Angiitis des ZNS, PACNS), oder sekundär, d.h. im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen wie rheumatischen Erkrankungen (z.B. systemischer Lupus erythematodes, Riesenzellarteriitis, Behçet-Krankheit, ANCA-assoziierte Vaskulitiden) oder Infektionen auftreten.

Symptome der zerebralen Vaskulitis

Die Symptome der zerebralen Vaskulitis können je nach betroffener Gehirnregion variieren. Häufige Symptome sind:

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  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Schmerzhafte Nackensteife
  • Schlaganfälle (typischerweise in mehreren Regionen)
  • Epileptische Anfälle
  • Einschränkung der kognitiven Funktionen
  • Psychiatrische Auffälligkeiten

Im Anfangsstadium einer Vaskulitis treten unspezifische Symptome wie Unwohlsein, Erschöpfung, Fieber, Appetitlosigkeit, Nachtschweiß und Gewichtsabnahme auf. Später können die Schäden an den Blutgefäßen zu Durchblutungsstörungen und Entzündungen in Organen und Geweben führen, was zu vielfältigen Beschwerden führen kann.

Ursachen der zerebralen Vaskulitis

Die genauen Ursachen der zerebralen Vaskulitis sind oft unklar. In vielen Fällen handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Blutgefäße angreift. Eine genetische Veranlagung und äußere Auslöser wie Infektionen können eine Rolle spielen.

Einige Vaskulitiden können im Zusammenhang mit anderen systemischen Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Lupus erythematodes und Sarkoidose auftreten. Auch virale oder bakterielle Infektionen, Reizstoffe aus der Umwelt, Hepatitis B oder C, Syphilis, Streptokokken-Infektionen oder Krebserkrankungen können eine Vaskulitis auslösen. Medikamente wie Gerinnungshemmer, Antibiotika und Antikörpermedikamente können in seltenen Fällen ebenfalls eine Vaskulitis verursachen.

Diagnose der zerebralen Vaskulitis

Die Diagnose einer zerebralen Vaskulitis kann eine Herausforderung darstellen, da die Symptome oft unspezifisch sind und andere Erkrankungen imitieren können. Eine umfassende Abklärung ist erforderlich, um andere Ursachen wie tumoröse oder infektiöse Erkrankungen auszuschließen. Zu den diagnostischen Maßnahmen gehören:

  • Laboruntersuchungen des Blutes: Blutwerte, die auf eine Entzündung hinweisen, sind typischerweise erhöht (Blutsenkungsgeschwindigkeit, C-reaktives Protein, Leukozytenzahl). Spezielle Befunde wie ANCA (anti-neutrophile cytoplasmatische Antikörper) können auf bestimmte Vaskulitis-Formen hinweisen.
  • Urinuntersuchung: Bei Beteiligung der Nieren können Blut und Eiweiß im Urin nachweisbar sein.
  • Untersuchung des Nervenwassers (Liquorpunktion): Eine Analyse des Nervenwassers kann Entzündungszeichen und andere Auffälligkeiten aufdecken.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT) mit Kontrastmittel können Veränderungen im Gehirn und den Blutgefäßen darstellen. Eine Angiographie kann Gefäßveränderungen wie Verengungen und Aneurysmen aufzeigen.
  • Biopsie: Die mikroskopische Untersuchung einer Gewebeprobe (Biopsie) aus einem betroffenen Organ (z.B. Gehirn, Haut, Niere) kann die Diagnose bestätigen.

Behandlung der zerebralen Vaskulitis

Das Hauptziel der Behandlung ist es, die Entzündung der Blutgefäße zu stoppen und die Durchblutung des Gehirns zu verbessern. Dazu werden in der Regel Kortikoide mit anderen das Immunsystem unterdrückenden Präparaten kombiniert. Die eingesetzten Substanzen werden in Tablettenform, als Spritzen oder als Infusion verabreicht.

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  • Kortikosteroide: Hochdosierte Kortikosteroide (z.B. Prednisolon) werden eingesetzt, um die Entzündung schnell zu kontrollieren.
  • Immunsuppressiva: Immunsuppressiva wie Cyclophosphamid, Methotrexat, Azathioprin, Tocilizumab oder Rituximab werden eingesetzt, um das Immunsystem zu modulieren und die Krankheitsaktivität langfristig zu reduzieren.
  • Plasmaaustausch (Plasmapherese): Bei schweren Verläufen mit Beteiligung von Niere oder Lunge kann ein Plasmaaustausch in Betracht gezogen werden, um entzündungsfördernde Antikörper und toxische Substanzen aus dem Blut zu entfernen.

Die Entzündungsaktivität und mögliche Nebenwirkungen der Medikamente machen regelmäßige Kontrolluntersuchungen erforderlich.

Prognose der zerebralen Vaskulitis

Ohne Behandlung stellt die zerebrale Vaskulitis ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Mit einer frühzeitigen und konsequenten Behandlung kann die Erkrankung jedoch oft unter Kontrolle gebracht werden. Die Prognose hängt von der Art und dem Schweregrad der Vaskulitis, dem Zeitpunkt der Diagnose und dem Ansprechen auf die Therapie ab. In einigen Fällen ist eine Heilung möglich, aber häufiger ist eine Remission, d.h. ein Zustand der Symptomfreiheit, das Ziel. Rückfälle sind möglich.

Bei optimaler Vaskulitis-Behandlung leben nach fünf Jahren noch über 80 Prozent der Erkrankten. Todesfälle im ersten Jahr nach der Diagnose werden meist durch Infektionen (als Nebenwirkung der Therapie) oder Organversagen infolge schwerer Entzündungsprozesse verursacht. In späteren Jahren sind Herzinfarkte und Nierenversagen häufige Todesursachen.

Lebenserwartung bei Vaskulitis

Die Lebenserwartung von Menschen mit Vaskulitis hängt stark von der Art und dem Schweregrad der Erkrankung sowie von der rechtzeitigen Diagnose und dem Beginn einer geeigneten Behandlung ab. Unbehandelt verlaufen viele Vaskulitiden innerhalb weniger Jahre tödlich. Mit einer abgestimmten Therapie unterscheidet sich die Lebenserwartung von Vaskulitis-Patienten heute jedoch nur noch wenig von der der Allgemeinbevölkerung.

Faktoren, die die Lebenserwartung beeinflussen können:

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  • Art der Vaskulitis: Einige Vaskulitis-Formen haben eine bessere Prognose als andere.
  • Schweregrad der Erkrankung: Eine ausgedehnte (systemische) Erkrankung birgt ein erhöhtes Risiko für Organschäden und eine reduzierte Lebenserwartung.
  • Rechtzeitige Diagnose und Behandlung: Eine frühzeitige Diagnose und der Beginn einer geeigneten Behandlung sind entscheidend für die Verbesserung der Prognose.
  • Beteiligung von Organen: Deutliche Schäden an Niere oder Lunge können die Lebenserwartung reduzieren.
  • Komplikationen: Komplikationen wie Infektionen, Herzinfarkte und Nierenversagen können die Lebenserwartung beeinträchtigen.
  • Alter: Ältere Patienten haben tendenziell eine schlechtere Prognose.
  • Begleiterkrankungen: Das Vorhandensein von Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus oder chronische Nierenerkrankungen kann den Verlauf der Vaskulitis negativ beeinflussen.

Leben mit Vaskulitis

Vaskulitis kann erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen haben. Neben den körperlichen Beschwerden können auch psychische Belastungen wie Angst, Depression und sozialer Rückzug auftreten. Eine offene Kommunikation mit dem Arzt, die Teilnahme an Selbsthilfegruppen und der Austausch mit anderen Betroffenen können helfen, mit der Erkrankung besser umzugehen.

Weitere Aspekte, die das Leben mit Vaskulitis erleichtern können:

  • Ernährung: Eine gesunde Ernährung, die reich an entzündungshemmenden Nährstoffen ist, kann zur Linderung der Symptome beitragen.
  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann helfen, die Fitness zu erhalten und das Wohlbefinden zu steigern.
  • Stressmanagement: Entspannungstechniken können helfen, Stress abzubauen und die Symptome zu lindern.
  • Arbeitsfähigkeit und Rehabilitation: Viele Betroffene können mit der richtigen Unterstützung und Anpassungen im Arbeitsumfeld weiterhin berufstätig bleiben.
  • Familienplanung: Frauen und Männer mit Vaskulitis sollten eine geplante Schwangerschaft bzw. Zeugung mit ihrem Arzt besprechen, um Risiken zu minimieren.

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