Hirntumoren: Sind sie vererbbar? Eine umfassende Betrachtung

Hirntumoren sind komplexe Erkrankungen, deren Ursachen vielfältig und oft noch nicht vollständig verstanden sind. Während die meisten Hirntumoren sporadisch auftreten, also ohne erkennbare erbliche Ursache, gibt es Hinweise darauf, dass genetische Faktoren in einigen Fällen eine Rolle spielen können. Dieser Artikel beleuchtet die Vererbbarkeit von Hirntumoren und gibt einen Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse und Risikofaktoren.

Was sind Hirntumoren?

Der Begriff Hirntumor oder Gehirntumor bezeichnet jede gut- und bösartige Geschwulst innerhalb des Schädels. Im Vergleich zu Darm-, Lungen-, Brustkrebs oder anderen Krebserkrankungen sind Gehirntumoren selten. Im Jahr 2016 erkrankten laut Krebsregisterdaten des Robert Koch-Instituts ungefähr 3.460 Frauen und 3.970 Männer in Deutschland an einem Hirntumor. Bei beiden Geschlechtern wurden die meisten Erkrankungen zwischen dem 70. und 84. Lebensjahr verzeichnet. Experten gehen davon aus, dass die Zahl weiter steigt und rechnen zukünftig mit etwa 8.000 Neuerkrankungen pro Jahr.

Im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen ist ein Hirntumor bei Kindern die zweithäufigste Tumorart. Laut Kinderkrebsregister ist eines von 1.400 Kindern unter 18 Jahren betroffen, was etwa ein Viertel der Tumorerkrankungen bei Kindern bedeutet. Es kommen sowohl bösartige als auch gutartige Formen vor, wobei gutartige Tumoren weniger gut erfasst sind. Insgesamt erkranken Jungen zu 20 Prozent häufiger als Mädchen.

Hirntumor ist jedoch nicht gleich Hirntumor. Zunächst unterscheidet man primäre von sekundären Hirntumoren. Unter den primären Hirntumoren gibt es sowohl gutartige (benigne) als auch bösartige (maligne) Formen („Gehirnkrebs“), während sekundäre Hirntumoren immer bösartig sind.

Primäre und sekundäre Hirntumoren

Primäre Hirntumoren entstehen direkt aus Zellen der Gehirnsubstanz oder der Hirnhaut. Solche Tumoren bezeichnen Mediziner auch als hirneigene Tumoren. Oft zählen zu den primären Hirntumoren auch jene, die von einem Hirnnerv ausgehen. Die Hirnnerven entspringen direkt am Gehirn und liegen daher zum Teil im Schädel. Dennoch gehören sie nicht zum zentralen Nervensystem (ZNS: Gehirn und Rückenmark), sondern zum peripheren Nervensystem (PNS). Geht ein Tumor im Kopf von einem Hirnnerv aus, ist er daher genaugenommen eine Neubildung des peripheren Nervensystems.

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Zu der Art Hirntumoren, die periphere Nerven betreffen, zählt beispielsweise das Akustikusneurinom. Bei diesem bildet sich der Tumor am Hör- und Gleichgewichtsnerv (= achter Hirnnerv), wodurch das Hören und der Gleichgewichtssinn beeinträchtigt sind.

Die primären Hirntumoren sind nach verschiedenen Kriterien weiter unterteilt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) untergliedert die einzelnen Geschwülste danach, von welchem Gewebe sie abstammen und inwieweit der Gehirntumor bösartig oder gutartig ist. Diese Unterscheidung beeinflusst sowohl die Behandlung als auch die Prognose eines Hirntumors.

Interessanterweise stammt nur ein kleiner Teil der Hirntumoren von den Nervenzellen (Neuronen) ab. Mehr als jeder zweite primäre Hirntumor entwickelt sich aus dem Stützgewebe des Gehirns und gehört damit der Gruppe der Gliome an.

Die wichtigsten primären Hirntumoren:

  • Gliome: Sie stammen von den Stützzellen des ZNS ab. Dazu zählen zum Beispiel Astrozytom, Oligodendrogliom und Glioblastom.
  • Ependymom: Dieser Hirntumor bildet sich aus Zellen, die die inneren Hirnkammern auskleiden.
  • Medulloblastom: Das Medulloblastom bildet sich im Kleinhirn. Es ist der wichtigste Hirntumor bei Kindern.
  • Neurinom: Dieser Tumor geht von Hirnnerven aus. Er wird auch als Schwannom bezeichnet.
  • Meningeom: Dieser Gehirntumor entwickelt sich aus der Hirnhaut.
  • ZNS-Lymphom: Das ZNS-Lymphom bildet sich aus einer Zellgruppe der weißen Blutzellen.
  • Keimzelltumoren: Zu den Keimzelltumoren zählen das Germinom und das Chorionkarzinom.
  • Gehirntumor der Sellaregion: Diese Geschwülste sind an einer bestimmten Stelle im Gehirn zu finden, der Sella turcica. Hier befindet sich normalerweise die Hypophyse. Zu ihnen zählen das Hypophysenadenom und das Kraniopharyngeom.

In jeder Altersgruppe kommen einzelne Hirntumoren häufiger vor als andere. Unter den primären Hirntumoren sind bei Erwachsenen Gliome, Meningeome und Hypophysentumoren am häufigsten. Tritt ein Hirntumor bei Kindern auf, handelt es sich dabei meistens um ein Medulloblastom oder ein Gliom.

Ein Neuroblastom ist ein sogenannter embryonaler Hirntumor, der vor allem bei Kleinkindern und Säuglingen vorkommt. Das Neuroblastom entwickelt sich aus bestimmten Nervenzellen des autonomen (vegetativen) Nervensystems, die an zahlreichen Stellen im Körper zu finden sind, beispielsweise neben der Wirbelsäule und in der Nebenniere.

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Sekundäre Hirntumoren entstehen, wenn Zellen aus anderen Organtumoren (beispielsweise Lungenkrebs, Hautkrebs, Brustkrebs) ins Gehirn gelangen und hier eine Tochtergeschwulst bilden. Es handelt sich hierbei also um Hirnmetastasen. Einige Fachleute sehen diese gar nicht als „echten“ Hirntumor an.

Bei den Hirnmetastasen unterscheidet man Absiedlungen im Hirngewebe (Parenchym-Metastasen) und solche in der Hirnhaut (Meningeosis carcinomatosa).

Genetische Faktoren und Vererbung bei Hirntumoren

Bisher ist weitestgehend unbekannt, warum sich ein primärer Hirntumor bildet. Bei den meisten Betroffenen lässt sich kein Auslöser finden. Sind keine Ursachen bekannt, sprechen Fachleute auch von einem sporadischen Hirntumor. Im Gegensatz dazu gibt es Hirntumoren, die genetisch bedingt und vererbbar sind. Sie entstehen bei bestimmten Erbkrankheiten wie Neurofibromatose, tuberöse Sklerose, von-Hippel-Lindau-Syndrom oder Li-Fraumeni-Syndrom. Diese Erkrankungen sind allerdings äußerst selten. Nur ein geringer Anteil an Hirntumoren lässt sich auf eines dieser Krankheitsbilder zurückführen.

Seltene Erbkrankheiten und Hirntumoren

Einige seltene genetische Syndrome erhöhen das Risiko für die Entwicklung von Hirntumoren erheblich. Zu diesen gehören:

  • Neurofibromatose Typ 1 und Typ 2 (NF1, NF2): Diese genetischen Erkrankungen sind durch das Wachstum von Tumoren entlang von Nerven gekennzeichnet. NF1 erhöht das Risiko für Gliome und NF2 für Akustikusneurinome und Meningeome.
  • Tuberöse Sklerose (TSC): TSC verursacht das Wachstum von gutartigen Tumoren in verschiedenen Organen, einschließlich des Gehirns. Betroffene haben ein erhöhtes Risiko für subependymale Riesenzellastrozytome (SEGA).
  • Von-Hippel-Lindau-Syndrom (VHL): VHL ist mit einem erhöhten Risiko für Hämangioblastome des Gehirns und des Rückenmarks sowie für andere Tumoren assoziiert.
  • Li-Fraumeni-Syndrom (LFS): LFS ist eine seltene, vererbte Krebsprädisposition, die durch Mutationen im TP53-Gen verursacht wird. Betroffene haben ein erhöhtes Risiko für verschiedene Krebsarten, einschließlich Hirntumoren wie Gliome und Medulloblastome.

Familiäre Häufung von Gliomen

Die Deutsche Hirntumorhilfe führt ein Register bezüglich familiärer Gliompatienten. Weltweit beschäftigen sich Wissenschaftler mit der Erforschung der Entstehungsmechanismen, um die Ursachen und Risiken für Hirntumoren zu erkennen. Im Rahmen der vom National Cancer Institute geförderten Gliogene-Studie versuchten Wissenschaftler ebenfalls, genetische Risikofaktoren hinsichtlich der Entstehung bösartiger Hirntumoren wie dem Glioblastom zu ermitteln. 15 teilnehmende Forschungszentren rekrutieren aktuell Patienten für die bislang größte genetische Untersuchung zu Ursachen und Risiken von Gliomen. Das Ziel ist es, mindestens 400 Familien mit zwei oder mehreren Betroffenen eines primären, bösartigen Hirntumors im Rahmen der Studie zu untersuchen, um genetische Verbindungen zwischen den Familienmitgliedern ausfindig zu machen.

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Neue Erkenntnisse zum Medulloblastom

Medulloblastome gehören zu den häufigsten bösartigen Hirntumoren bei Kindern. Vom Kleinhirn aus breiten sie sich in das umliegende Gewebe aus und können über die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit auch in andere Bereiche des zentralen Nervensystems streuen. Wegen des schnellen Wachstums bleibt Ärzten nicht viel Zeit, nach einer passenden Therapie zu suchen. Im Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ) sind die Ärzte darauf spezialisiert, die molekularen Eigenschaften kindlicher Krebserkrankungen zu charakterisieren, um neben Standardtherapien, weitere Behandlungsmöglichkeiten empfehlen zu können und neuartige, am Wirkmechanismus orientierte Therapien zu entwickeln. Gemeinsam mit Kollegen des EMBL und des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) sowie des St. Jude Children´s Research Hospital in Memphis, USA, unternahmen die KiTZ-Wissenschaftler die bislang umfänglichste genetische Untersuchung beim Medulloblastom. Dabei stießen sie auf eine besonders auffällige erbliche Veränderung bei Kindern und Jugendlichen mit einem Hirntumor der Untergruppe Sonic Hedgehog-Medulloblastom. Durch einen angeborenen genetischen Defekt konnten diese Patienten in 15 Prozent der Fälle im Tumor das Protein Elongator Complex Protein 1 (ELP1) nicht mehr herstellen. Der Elongator Proteinkomplex ist daran beteiligt, dass Eiweiße nach Anleitung des genetischen Codes korrekt zusammengebaut und gefaltet werden.

Ohne ELP1, das zeigen die vorliegenden Ergebnisse, gerät ein großer Teil des Proteinhaushaltes durcheinander: „Besonders der Zusammenbau und die Faltung größerer Proteine funktioniert nicht mehr richtig und die Anhäufung dieser funktionslosen oder funktionsveränderten Proteine setzt die Zelle permanent unter Stress. Etwa Hunderte von Eiweißen sind auf diese Weise fehlreguliert, darunter auch Proteine, die für die Nervenzell-Entwicklung wichtig sind“, erklärt KiTZ-Direktor Stefan Pfister, Abteilungsleiter im DKFZ und Experte für zielgerichtete Therapien im DKTK. Indem die Forscher auch das Erbgut einiger Eltern und Großeltern untersuchten, stellten sie zudem fest, dass der krebsauslösende ELP1-Gendefekt erblich ist. „Damit ist dies der bislang häufigste angeborene Gendefekt, der mit dem Medulloblastom in Zusammenhang gebracht werden konnte“, sagt Jan Korbel, Koautor der Studie vom EMBL. Erstautor Sebastian Waszak ergänzt: „Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass etwa 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen, die an einem Medulloblastom dieses Subtyps leiden, eine angeborene genetische Veranlagung dafür haben. Das ist deutlich höher, als wir bislang vermutet hatten.“

Erblich bedingte Ursachen für Krebs im Vorfeld zu erkennen, kann helfen, die richtige Therapieentscheidung zu treffen und das Rückfallrisiko bei Kindern zu senken. „Beispielsweise können bei einer erblichen Veranlagung zu DNA-Brüchen, bestimmte Chemotherapien oder Strahlentherapie zu Sekundärtumoren führen. In solchen Fällen sollte man die erste Erkrankung nicht zu aggressiv behandeln“, sagt Stefan Pfister.

Genetische Anfälligkeit für Meningeome

Bereits in den 1960er Jahren hatten Forscher bei Meningeom-Patienten genetische Auffälligkeiten im Visier. Ein internationales Forscherteam suchte nun nach häufigen Varianten im Erbgut von Patienten, die mit der Entstehung des Tumors zusammenhängen. Die Forscher untersuchten mehr als 270.000 Stellen im Erbgut. Das internationale Team fand eine Region im Erbgutstrang des Chromosoms 10, die bei Meningeom-Patienten besonders häufig verändert war. Dort befindet sich das AF10/MLLT10-Gen. „Wer über diese Erbgutveränderung verfügt, hat ein zirka 1,5-fach erhöhtes Risiko, an einem Meningeom zu erkranken“, berichtet Prof. Simon. Der Zusammenhang sei statistisch eindeutig belegt, aber der Unterschied zu gesunden Personen erscheine zu gering, um mit einem Erbguttest die genetisch bedingte Anfälligkeit für ein Meningeom zu untersuchen. „Bei weitem nicht jeder, der über diese Erbgutvariante verfügt, erkrankt irgendwann an einem Meningeom“, sagt Prof. Dr. med. Markus M. Nöthen, Direktor des Instituts für Humangenetik der Universität Bonn.

Risikofaktoren für Hirntumoren

Risikogruppen lassen sich - im Gegensatz zu den meisten anderen Krebserkrankungen - nicht benennen, denn auslösende Faktoren sind nicht bekannt. Risiken und Lebensgewohnheiten, wie z.B. Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum, spielen offensichtlich keine Rolle. Auch Umwelteinflüsse, Stress oder außergewöhnliche seelische Belastungen scheinen die Entwicklung eines Hirntumors nicht zu begünstigen. Der immer wieder vermutete Zusammenhang zwischen einer Schädel-Hirn-Verletzung und der Entstehung eines Hirntumors konnte bisher nicht überzeugend belegt werden.

Ansonsten ist der einzige bisher bekannte Risikofaktor für einen Hirntumor die Bestrahlung des Nervensystems. Ärzte setzen sie beispielsweise bei lebensbedrohlichen Erkrankungen wie einer akuten Leukämie ein. Insgesamt entwickeln nur sehr wenige Menschen nach einer Hirnbestrahlung einen Hirntumor. Gewöhnliche Röntgen-Untersuchungen verursachen in der Regel keinen Hirntumor.

ZNS-Lymphome entwickeln sich häufiger bei Patienten mit einem stark geschwächten Immunsystem, etwa aufgrund von HIV oder wenn durch spezielle Medikamente (Immunsuppressiva) das Immunsystem unterdrückt ist. Eine solche Behandlung dient meist dazu, Abstoßungsreaktionen nach einer Organtransplantation zu verhindern.

Symptome von Hirntumoren

Ein Hirntumor bleibt dem Betroffenen manchmal längere Zeit verborgen, da er zunächst oft keinerlei Beschwerden verursacht. Krampfanfälle können auftreten. Sollten Sie unter solchen Beschwerden leiden, ist es dringend geboten, einen Neurologen aufzusuchen, der die erforderlichen diagnostischen Schritte einleitet. Kopfschmerzen, die auf einen Hirntumor zurückzuführen sind, werden im Verlauf von wenigen Tagen bis Wochen immer heftiger und lassen sich mit herkömmlichen Schmerzmitteln nur zeitweise oder gar nicht bekämpfen. Der Charakter und die Intensität des Schmerzes werden als neu empfunden. In manchen Fällen treten keine Kopfschmerzen auf.

Die häufigsten Erstsymptome bei Hirntumoren sind Kopfschmerzen. Etwa die Hälfte aller Betroffenen mit einem Tumor im Kopf klagt bei Diagnosestellung darüber. Da jeder Mensch gelegentlich Kopfschmerzen hat, ist es hilfreich, einige Besonderheiten der Kopfschmerzen zu kennen, die bei Hirntumoren auftreten. Sie sind Folge des erhöhten Drucks im Schädelinneren, da das Gehirn dem wachsenden Tumor im knöchernen Schädel nur wenig ausweichen kann.Typischerweise treten diese Kopfschmerzen während der Nacht oder in den frühen Morgenstunden auf und bessern sich zunächst im Lauf des Tages.Das liegt daran, dass während der Nacht mehr Blut im Gehirn ist und dessen Volumen schon dadurch vergrößert ist. Im Laufe des Tages, wenn wieder weniger Blut im Gehirn ist, nimmt entsprechend das Gehirnvolumen wieder ab. Die Kopfschmerzen können - ebenfalls in den frühen Morgenstunden - von Übelkeit und Erbrechen begleitet sein. Kopfschmerzen als Folge eines Gehirntumors werden im Verlauf von wenigen Tagen bis Wochen immer stärker. Sie lassen sich durch normale Schmerzmittel nur kurz oder gar nicht beeinflussen und nehmen zu, wenn der Betroffene liegt. In einigen Fällen sind neurologische Herdzeichen erste Anzeichen der Tumorerkrankung, ohne dass die Betroffenen unter Kopfschmerzen leiden.

Etwa 20 Prozent der von einem Gehirntumor Betroffenen erleiden ohne Vorwarnung, das heißt aus völligem Wohlbefinden heraus, epileptische Anfälle. Dabei kann es sich um fokale Anfälle oder um generalisierte Anfälle handeln: Fokale Anfälle gehen von einer bestimmten Hirnregion aus - gewöhnlich, weil der wachsende Hirntumor diese reizt. Bei generalisierten Anfällen sind mehrere Hirnregionen und schließlich das gesamte Großhirn beteiligt. Die Anfälle äußern sich beispielsweise durch unwillkürliche Zuckungen von Armen, Beinen oder einer ganzen Körperhälfte. Sie enden gewöhnlich nach wenigen Minuten, können sich im ungünstigen Fall aber auf den gesamten Körper ausbreiten und schließlich zur Bewusstlosigkeit (Grand Mal-Anfall) führen. Die Gefahr, dass der Betroffene sich hierbei verletzt, ist sehr groß.

Bei einem kleinen Teil der Betroffenen kann ein Gehirntumor uncharakteristische Beschwerden auslösen. So können Tumoren im Stirnlappen des Gehirns zu Persönlichkeitsveränderungen, Verhaltensstörungen und Änderungen im Antrieb führen. Schon vorhandene Persönlichkeitsmerkmale können sich verstärken oder abnehmen.

Diagnose von Hirntumoren

Bei Verdacht auf einen Hirntumor stehen dem behandelnden Arzt mehrere diagnostische Methoden zur Verfügung. Die präzise Schilderung der Beschwerden und die Erhebung der Krankengeschichte geben wichtige Informationen, die zur richtigen Diagnose führen können. Zur weiteren Diagnostik steht die Computertomographie (CT) zur Verfügung. Bei diesem Verfahren wird das Gehirn mit Hilfe von Röntgenstrahlen durchleuchtet und in Schnittbildern dargestellt. Damit ist es möglich, Tumoren, Verkalkungen und Blutungen zu erkennen. Untersuchungsverfahren der Wahl zum Nachweis und zur Darstellung eines Hirntumors ist allerdings die Kernspintomographie (MRT). Diese hat im letzten Jahrzehnt die Computertomographie in der Diagnostik von Hirntumoren verdrängt, da sie Unregelmäßigkeiten im Gehirn noch detaillierter sichtbar macht als die Computertomographie. Sie wird selbst dann durchgeführt wenn die Computertomographie trotz entsprechenden Verdachts keinen auffälligen Befund erbracht hat. Neben den genannten diagnostischen Methoden gibt es noch weitere wie z.B. das Elektroencephalogramm (EEG) und die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor). Mit dem EEG ist eine grobe Lokalisation eines Hirntumors möglich und kann die Anfallsgefährdung ermittelt werden. Die Liquor-Untersuchung dient in manchen Fällen zum Ausschluss einer entzündlichen Erkrankung des Nervensystems. Um einen Hirntumor zu diagnostizieren, reicht eine Röntgenaufnahme nicht aus. Zur Abklärung von Raumforderungen im Schädelinnenraum eignen sich die Computertomographie (CT) und in erster Linie die Magnetresonanztomographie (MRT).

Wenn bei Ihnen Hirntumor-Symptome vorliegen, ist zunächst eine fachärztliche Untersuchung nötig. Schon Ihre Krankengeschichte kann oft wichtige Informationen geben, die den Neurologen zur Diagnose Gehirntumor führen können. Die körperliche Untersuchung gibt bei mehr als der Hälfte der Betroffenen Hinweise darauf, dass eine Erkrankung des Gehirns vorliegt.

Die Computertomographie ist eine spezielle Röntgenuntersuchung, die den Körper im Querschnitt zeigt und darüber informiert, wo der Tumor sich befindet und wie groß er ist. Die Positronenemissionstomographie ist ein bildgebendes Verfahren, das die Stoffwechselaktivität der Zellen sichtbar macht.Mit der PET lassen sich beispielsweise Gewebe mit besonders aktivem Stoffwechsel von solchen mit weniger aktiven Zellen unterscheiden. Da Krebszellen schnell wachsen, benötigen sie meist viel Energie. Sie nehmen zum Beispiel Traubenzucker oder Sauerstoff oft viel rascher auf als gesundes Gewebe. Ein Stoff mit chemisch veränderten Molekülen, die der Körper bei vielen Stoffwechselprozessen umsetzt oder als Energiequelle braucht (Tracer, engl. to trace = ausfindig machen), wird mit einer leicht radioaktiven Substanz beladen. Die Spur dieser kleinsten Teilchen wird durch die besondere Technik der PET sichtbar. Auf diese Weise lassen sich auch Tochtergeschwülste besser erkennen. Manche Tumoren zeigen jedoch keine erhöhte Stoffwechselaktivität. Dann hilft eine PET-Untersuchung nicht weiter. Allerdings kann auch entzündetes Gewebe eine erhöhte Stoffwechselaktivität haben und somit vermehrt Tracer anreichern. Eine PET allein reicht daher nicht aus, um Krebs festzustellen.

In manchen Fällen ist bei Verdacht auf einen Gehirntumor eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) erforderlich. Bei einigen Hirntumoren (etwa dem Medulloblastom) können sich Tumorzellen ablösen und über den Liquorraum im Rückenmarkkanal verteilen. Bei der Liquorpunktion oder Lumbalpunktion wird im Bereich der Lendenwirbelsäule der Rückenmarkkanal mit einer feinen Nadel zwischen zwei Lendenwirbelkörpern punktiert. Der Neuropathologe untersucht dann das entnommene Nervenwasser unter dem Mikroskop auf Tumorzellen. Bei einigen Gehirntumoren ist diese Untersuchung notwendig, um zu bestimmen, wie weit sich die Erkrankung ausgedehnt hat (Staging). Selten breiten sich auch Tumoren anderer Organe, zum Beispiel der Lunge oder der Brust, über das Nervenwasser bis hin zu den Gehirnhäuten aus (meningeale Karzi…).

Behandlung von Hirntumoren

Jeder Hirntumor bedarf einer individuellen Behandlung. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, einen Hirntumor zu operieren, zu bestrahlen oder einer Chemotherapie zuzuführen. Diese drei Optionen sind dem jeweiligen Tumor angepasst und unterscheiden sich in der Art und Weise, wie sie durchgeführt oder miteinander kombiniert werden. Welche Hirntumor-Behandlung im Einzelfall geeignet ist, richtet sich nach dem Gewebetyp, der Zellveränderung und molekularbiologischen Besonderheiten. Natürlich ist auch zu berücksichtigen, wie fortgeschritten das Krankheitsbild ist und welche Wünsche der Betroffene äußert.

Was tun bei familiärer Vorbelastung?

Da bis auf Patienten mit sehr seltenen Erberkrankungen (Neurofibromatose, von Hippel-Lindau, Li-Fraumeni-Syndrom) keine Risikogruppen benannt werden können, gibt es keine Empfehlungen zur Vorbeugung eines Hirntumors. Früherkennungsprogramme gibt es ebenfalls nicht. In Familien mit einer der seltenen Erberkrankungen werden regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchgeführt.

Gibt es unter Ihren direkten Familienangehörigen zwei oder mehrere Gliompatienten? Wenden Sie sich an uns. Unterstützen Sie die Studie und helfen Sie dabei, Therapiemöglichkeiten zu verbessern.

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