Vegetarische Ernährung und Parkinson: Eine aktuelle Betrachtung

Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei der Prävention und Behandlung der Parkinson-Krankheit. Studien deuten darauf hin, dass eine angepasste Ernährung das Risiko einer Parkinson-Erkrankung senken, den Verlauf verlangsamen und die Wirksamkeit von Medikamenten verbessern kann. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Parkinson, basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen und Expertenmeinungen.

Die Rolle der Ernährung bei der Parkinson-Krankheit

Bestimmte Ernährungsweisen sind mit einer geringeren Inzidenz, einem späteren Krankheitsbeginn und einem günstigeren Verlauf von Parkinson verbunden. Vergleichbare Ansätze werden bereits bei Alzheimer verfolgt, beispielsweise durch die MIND-Diät (Mediterranean-DASH Intervention for Neurodegenerative Delay). Die MIND-Diät kombiniert Elemente der mediterranen Ernährung und der DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension) und legt besonderen Wert auf grünes Blattgemüse und Beeren, während bestimmte Milchprodukte, insbesondere Käse, kritisch betrachtet werden.

Warum Käse problematisch sein kann

Die in Käse enthaltenen Fette scheinen epidemiologisch ungünstig zu sein. Fisch, Hülsenfrüchte, Nüsse, Blattgemüse und Beeren hingegen werden aufgrund ihrer Antioxidantien und Flavonoide als neuroprotektiv angesehen. Diese Empfehlungen decken sich mit den aktuellen Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die zudem Wert auf Nachhaltigkeit, regionale und saisonale Produkte legt. Australische Studien haben gezeigt, dass die MIND-Diät mit einer bis zu 50 Prozent geringeren Alzheimer-Inzidenz einhergehen kann. Es gibt auch Hinweise darauf, dass eine passende Ernährung neurodegenerative Erkrankungen verlangsamen kann, obwohl die Datenlage hier noch schwach ist.

Die Bedeutung des Darms bei Parkinson

Der Darm spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf der Parkinson-Krankheit. Chronische Verstopfung gilt als Risikofaktor für die Entwicklung von Parkinson im späteren Leben. Eine darmgesunde Ernährung ist für bereits Erkrankte von großer Bedeutung, da sie häufig unter Verstopfung leiden, was die Lebensqualität beeinträchtigt und die Aufnahme von Medikamenten beeinflusst. Wenn der Darm träge ist, kann das Medikament Levodopa nicht richtig resorbiert werden.

Ernährungsempfehlungen für Parkinson-Patienten

Eine empfehlenswerte Ernährung für Parkinson-Patienten umfasst viel Obst und Gemüse sowie Hülsenfrüchte als Proteinquelle. Beeren und Nüsse sind ebenfalls sinnvoll. Anstelle von tierischen Fetten sollten pflanzliche Öle wie Olivenöl bevorzugt werden. Rohkost und andere Ballaststoffe sind wichtig, erfordern aber eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, damit die Ballaststoffe quellen und die Darmbewegung fördern können. Parkinson-Patienten trinken oft zu wenig.

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Bei der Planung der Mahlzeiten sollte beachtet werden, dass das Medikament Levodopa idealerweise mindestens eine halbe Stunde vor oder frühestens anderthalb Stunden nach einer Mahlzeit mit ausreichend Flüssigkeit (vorzugsweise Wasser) eingenommen werden sollte. Bei fortgeschrittener Erkrankung mit Levodopa-Einnahmen alle drei Stunden sind diese Empfehlungen jedoch oft nicht praktikabel, sodass Kompromisse erforderlich sind.

Individuelle Ernährungsanpassung

Die ideale Ernährung ist individuell und hängt vom Erkrankungsstadium und dem Ansprechen auf Levodopa ab. Im Stadium von Wirkungsschwankungen kann eine Mahlzeit eine Off-Phase auslösen, in der sich die Patienten kaum bewegen können. Levodopa benötigt freie Bahn im proximalen Dünndarm, was durch schwer verdauliche Speisen wie Schweinsbraten behindert werden kann.

Obwohl bestimmte Lebensmittel problematisch sein können, ist es wichtig, die Lebensqualität der Patienten nicht unnötig einzuschränken. Viele Patienten können die Wirkungsschwankungen gut handhaben und gelegentlich auch "ungesunde" Mahlzeiten genießen, ohne langfristige negative Auswirkungen zu erleiden. Es ist wichtig, dass die Patienten verstehen, wie sie den besten Nutzen aus Levodopa ziehen können und ihre Ernährung entsprechend anpassen.

Problematische Lebensmittel: Fleisch, Wurst und Zucker

Fleisch und Wurst sind aufgrund ihrer schlechten Verdaulichkeit und des hohen Eiweißgehalts problematisch. Auch Joghurt und Fisch können die Aufnahme von Levodopa erschweren, sind aber leichter verdaulich. Patienten mit Wirkungsschwankungen sollten mehrere kleinere Mahlzeiten zu sich nehmen oder eine Protein-Redistributionsdiät in Erwägung ziehen, bei der die Proteine vorzugsweise abends eingenommen werden, um tagsüber aktiver zu sein.

Zucker, verarbeitete und frittierte Lebensmittel sowie rotes Fleisch werden in vielen Diäten als schädlich betrachtet, auch bei Parkinson. Einige Patienten haben jedoch Heißhunger auf Süßigkeiten, was auf den Dopamin-freisetzenden Effekt von Zucker oder auf Impulskontrollstörungen durch Dopaminagonisten zurückzuführen sein kann. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Parkinson-Patienten eine höhere Inzidenz von Diabetes haben und umgekehrt. Einige Patienten berichten, dass Levodopa-Tabletten in Kombination mit Cola schneller wirken, was auf den niedrigen pH-Wert und die Kohlensäure zurückgeführt wird, die die Levodopa-Resorption erleichtern sollen. Studien hierzu gibt es aber keine.

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Medikamentenpumpen als Alternative

Eine neue Art von Medikamentenpumpe zur subkutanen Infusion von Foslevodopa/Foscarbidopa ist seit kurzem auf dem Markt. Diese Pumpe soll die Aufnahme der Dopaminersatzstoffe vom oberen Gastrointestinaltrakt unabhängig machen und die Wirkungsschwankungen von Levodopa glätten, ähnlich wie die bereits seit Jahren eingesetzten Pumpen für Apomorphin und Levodopa/Carbidopa intestinal.

Umgang mit Schluckstörungen

Bei Schluckstörungen sollte zunächst geprüft werden, ob die Patienten auf Levodopa ansprechen. Schluckstörungen im frühen Verlauf können auf ein atypisches Parkinson-Syndrom hindeuten, das schlecht auf Levodopa anspricht. Eine Schluckendoskopie sollte durchgeführt werden, und es gibt Schlucktrainings durch Logopäden und Schluckwecker. Studien haben gezeigt, dass EMST (expiratory muscle strength training) die Schlucksicherheit und Kaugummi-Kauen die Schluckfrequenz steigern kann. Die Konsistenz der Nahrung kann angepasst werden, und es gibt leckere, ballaststoffreiche Speisen wie Hummus, die leicht zu schlucken sind.

Weitere Lebensstilfaktoren

Neben der Ernährung spielen auch andere Lebensstilfaktoren eine wichtige Rolle. Aerobes Training und Krafttraining können den Verlauf der Parkinson-Krankheit günstig beeinflussen. Die Schwierigkeit besteht darin, die Patienten zu motivieren, da Parkinsonkranke oft zur Inaktivität neigen. Aktivierung und Strukturierung sind daher entscheidend.

Aktuelle Forschung

In den klinischen Forschungsregistern finden sich derzeit über 150 laufende kontrollierte Studien, die sich nicht nur mit der Linderung von Symptomen, sondern auch mit der Modifikation des Krankheitsverlaufs beschäftigen. Einige Studien suchen bereits Probanden mit bestimmten genetischen Varianten oder Mutationen, die mit vermehrten Alpha-Synuclein-Ablagerungen in Nervenzellen assoziiert sind.

Der Einfluss von hochverarbeiteten Lebensmitteln

Die alltägliche westliche Ernährungsweise, die durch einen hohen Anteil an Brot, Getreide, Streichfett, Fleisch, Wurstwaren, Eiern, alkoholischen Getränken und Süßwaren gekennzeichnet ist, stellt einen Risikofaktor für verschiedene chronische Erkrankungen dar. Es wird diskutiert, ob diese Ernährungsweise auch die Entwicklung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson beschleunigen kann.

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Studien deuten darauf hin, dass ein hoher Konsum von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln (UPF) mit einem erhöhten Risiko für Demenz und möglicherweise auch für Parkinson verbunden ist. UPF enthalten oft viele gesättigte Fette, Transfette, raffinierte Kohlenhydrate, Salz und wenig Ballaststoffe, was die mikrobielle Vielfalt im Darm verändern kann. Diese Veränderungen können über die Darm-Hirn-Achse krankmachende Veränderungen im Gehirn nach sich ziehen. Auch einzelne Stoffe wie künstliche Aromen oder andere Zusatzstoffe könnten direkt neurotoxisch wirken und die Entstehung einer Demenz begünstigen.

Eine prospektive Kohorten-Analyse aus neun europäischen Ländern zeigte, dass die Parkinson-spezifische Mortalität bei hohem UPF-Konsum um 23 % höher lag. Im Umkehrschluss ergab die Studie auch, dass sich das Risiko durch eine Ernährungsumstellung beeinflussen lässt. Der Ersatz von 10 Gramm ultraverarbeiteter Lebensmittel pro Tag durch die gleiche Menge unverarbeiteter Lebensmittel ging mit einem geringeren Risiko für die Gesamtsterblichkeit und die ursachenspezifische Sterblichkeit einher.

Alternativen und Empfehlungen

Vegetarisch und Nordisch (Beeren, Fisch, Roggen) geprägte Ernährungsweisen stehen in der Diskussion für einen möglichen neuro-protektiven Effekt. Es wird empfohlen, den Konsum von UPF auf ein Minimum zu begrenzen und stattdessen auf eine frische, Salat-, Gemüse- und Ballaststoff-betonte Ernährungsweise zu setzen.

Vegetarische Ernährung und Mortalität bei Parkinson

Eine Studie, die die Sterblichkeit durch spezifische Krankheiten und die Gesamtmortalität unter Vegetariern und Nichtvegetariern untersuchte, ergab, dass Vegetarier insgesamt ein geringeres Risiko für die Gesamtmortalität im Vergleich zu Nichtvegetariern hatten. Insbesondere bei jüngeren Männern zeigte sich dieser Trend deutlich. Vegetarische Ernährungsweisen waren mit einer signifikant geringeren Sterblichkeitsrate aufgrund von Nierenversagen, Infektionskrankheiten, Diabetes und bestimmten Herzerkrankungen verbunden. Bei älteren Vegetariern wurden jedoch höhere Risiken für Schlaganfall, Parkinson und Demenz beobachtet, was möglicherweise auf einen niedrigen Omega-3-Fettsäurespiegel zurückzuführen ist.

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