Vegetatives Nervensystem und Blutdruckregulation

Die Blutdruckregulation ist ein komplexer Prozess, der es dem Körper ermöglicht, den Blutdruck kontinuierlich an veränderte innere und äußere Bedingungen anzupassen. Ein fein abgestimmtes Zusammenspiel nervöser und hormoneller Mechanismen sorgt dafür, dass die Organe jederzeit ausreichend durchblutet werden, ohne durch zu hohen oder zu niedrigen Druck Schaden zu nehmen. Kleinste Veränderungen im Kreislaufsystem können weitreichende Reaktionen auslösen.

Einführung in die Blutdruckregulation

Die Blutdruckregulation beschreibt die Fähigkeit des Körpers, den Blutdruck an unterschiedliche Belastungen und Alltagssituationen anzupassen. Damit lebenswichtige Organe stets ausreichend durchblutet werden, muss der Blutdruck in relativ engen Grenzen gehalten werden. Sowohl ein zu hoher als auch ein zu niedriger Blutdruck kann die Gefäßwände schädigen oder die Organfunktion beeinträchtigen. An der Regulation des Blutdrucks sind verschiedene Prozesse beteiligt, die sich in kurzfristige und langfristige Mechanismen unterteilen lassen.

Kurzfristige Blutdruckregulation

Kurzfristig wird der Blutdruck über das Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus gesteuert. Diese vegetativen Nervenanteile reagieren abhängig vom aktuellen Druck- und Füllungszustand im Gefäßsystem. Die kurzfristige Regulation des Blutdrucks erfolgt innerhalb von Sekunden und ermöglicht eine schnelle Anpassung an akute Veränderungen, etwa beim Aufstehen oder bei plötzlicher körperlicher Belastung.

Rolle des vegetativen Nervensystems

Die Aktivität des vegetativen Nervensystems ist entscheidend für die kurzfristige Blutdruckregulation. Sympathikus und Parasympathikus wirken dabei antagonistisch: Bei einem Anstieg des Blutdrucks wird die sympathische Aktivität gehemmt und die parasympathische Aktivität gesteigert.

Pressorezeptoren und Volumenrezeptoren

Pressorezeptoren, auch als Barorezeptoren bezeichnet, detektieren den Blutdruck im großen Körperkreislauf und regulieren diesen über ihre Wirkung auf das vegetative Nervensystem. Volumenrezeptoren arbeiten eng mit den Pressorezeptoren zusammen. Sie tragen zusätzlich zur langfristigen Regulation bei, indem sie das Blutvolumen beeinflussen (z. B. über den Henry-Gauer-Reflex und den Vorhofdehnungsreflex). Sie befinden sich in der A.

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Chemorezeptoren

Chemorezeptoren erfassen die Konzentration von Atemgasen sowie den pH-Wert im Blut und können über das vegetative Nervensystem die Blutdruckregulation beeinflussen.

Langfristige Blutdruckregulation

Die langfristige Regulation des Blutdrucks erfolgt über mehrere Stunden und ist besonders wichtig, um den Blutdruck über längere Zeiträume stabil zu halten.

Gauer-Henry-Reflex

Der Gauer-Henry-Reflex, auch als Diuresereflex bezeichnet, passt die Ausschüttung des antidiuretischen Hormons (ADH) im Hypothalamus an den Blutdruck an.

  • Bei Blutdruckerhöhung: Die Vorhofdehnungsrezeptoren registrieren eine Dehnung der Vorhofwand.
  • Bei Blutdruckabfall: Die Hemmung entfällt, ADH wird vermehrt ausgeschüttet → Die Wasserausscheidung in der Niere sinkt, das intravasale Volumen steigt.

Vorhofdehnungsreflex

Der Vorhofdehnungsreflex ist ein weiterer wichtiger Mechanismus der langfristigen Blutdruckregulation. ANP wird in den Herzvorhöfen gebildet und wirkt als Gegenspieler zu ADH und RAAS. Es besitzt blutdrucksenkende Eigenschaften:

  • Es wirkt vasodilatatorisch.
  • Es hemmt die Freisetzung von Renin.
  • Es reduziert die Natriumrückresorption in der Niere.
  • Es fördert die Wasserausscheidung.
  • Es verstärkt die Durchblutung und Filtration in den Nieren.

Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS)

Zu den Faktoren, die das RAAS beeinflussen, gehört eine Abnahme des mittleren arteriellen Blutdrucks (MAP), die vom juxtaglomerulären Apparat wahrgenommen wird, der dann Renin sezerniert. Renin katalysiert die Synthese von Angiotensin I, das durch ACE in Angiotensin II konvertiert wird.

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Einflussfaktoren auf den Blutdruck

Der Blutdruck unterliegt natürlichen Schwankungen im Tagesverlauf. Nach dem Aufwachen steigt er deutlich an und nimmt im Verlauf des Vormittags weiter zu. Nach dem Mittagessen sinkt der Blutdruck jedoch kurzzeitig, bevor er bis zum Abend wieder kontinuierlich ansteigt. Neben der Tageszeit gibt es zahlreiche weitere Faktoren, die den Blutdruck beeinflussen. Dazu gehören unter anderem das Geschlecht und das Alter einer Person, ihre Lebensgewohnheiten sowie äußere Einflüsse wie die Umgebungstemperatur. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Osmolarität des Blutes, also die Konzentration gelöster Teilchen im Blutplasma.

  • Tageszeit: Der Blutdruck steigt typischerweise morgens an und fällt nachts ab.
  • Alter und Geschlecht: Diese Faktoren können den Blutdruck beeinflussen.
  • Körperliche Aktivität: Körperliche Anstrengung führt zu einem Anstieg des Blutdrucks.
  • Emotionen: Stress und Aufregung können den Blutdruck erhöhen.
  • Umgebungstemperatur: Hohe Temperaturen können zu einem Blutdruckabfall führen.
  • Osmolarität des Blutes: Die Konzentration gelöster Teilchen im Blutplasma beeinflusst den Blutdruck.

Herzratenvariabilität (HRV) und VNS-Analyse

Die Herzratenvariabilität (HRV) ist ein Maß für die Variation der Zeitabstände zwischen Herzschlägen. Sie spiegelt die Aktivität des vegetativen Nervensystems wider. Eine hohe HRV deutet auf eine gute Anpassungsfähigkeit des Körpers an Stressoren hin, während eine niedrige HRV mit verschiedenen Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht werden kann.

VNS-Analyse

Die VNS-Analyse misst über die Herzfrequenzvariabilität (HRV) das vegetative Nervensystem. Sie zeigt einfach, schnell und weltweit wissenschaftlich anerkannt wie unser vegetatives Nervensystem (VNS) reguliert und funktioniert. Das VNS mit seinen beiden Hauptnerven Sympathikus (Stressnerv) und Parasympathikus (Entspannungsnerv) , auch Vagus genannt, ist eine übergeordnete Steuerzentrale im Körper, welche untergeordnete Prozesse und alle Vitalfunktionen wie Blutdruck, Atmung, Herzfrequenz, Immun-, Hormon- und Verdauungssystem, Energiebereitstellung usw. steuert und reguliert.

Eine gut funktionierende Regulation des Vegetativen Nevenssystems (VNS) ist der Schlüssel zu Gesundheit und Wohlbefinden. Erkennbar ist der Zustand der neurovegetativen Regulation an der Veränderung der Herzfrequenz, der sogenannten Herzratenvariabilität. Vor allem unsere "innere Bremse" der Parasympathikus (Entpannungsnerv) kann die Vorgänge im Körperinneren optimal regeln. Ein leistungsfähiger Parasymptathikus führt zu einer engen Kopplung von Atmung und Herzfrequenz, was in der Medizin als respiratorische Sinusarrhythmie bezeichnet wird. So wie eine gute respiratorische Sinusarrhythmie auf einen gesunden Parasympathikus schliessen lässt, ist ein Fehlen der Koppelung von Atmung und Herzschlag ein deutlicher Hinweis auf eine nicht ausreichende parasympathische Aktivität.

Unser Parasympathikus ist empfindlich gegen schädigende Einflüsse. Chronischer Stress, Bewegungsmangel, ein ungesunder Lebensstil und verschiedene Krankheiten führen zur "Parasympathischen Dysfunktion" . Hält diese Fehlfunktion des Parasympathikus längere Zeit an leidet die Gesundheit. Es gibt mittlerweile begründete Hinweise, dass eine Schwäche des Parasympathikus in kausaler Verbindung steht mit dem Auftreten von vielen chronischen Erkrankungen.

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Durchführung einer VNS-Analyse

Bei der VNS-Analyse werden die Zeitabstände zwischen den Herzschlägen in Millisekunden mittels Brustgurt gemessen. Ähnlich wie beim Blutdruckmessen sollte die zu messende Person vor der Durchführung mindestens 10 Minuten ruhen. Die Messung erfolgt im Sitzen unter völliger Ruhe (nicht sprechen, bewegen) und ist abgeschlossen, sobald etwa 520 Herzschläge aufgezeichnet wurden.

Indikationen für eine VNS-Analyse

Die VNS-Analyse wird für eine Vielzahl an Erkrankungen, Störungsbildern, Symptomen sowie zur Prävention empfohlen, darunter:

  • Stress
  • Erschöpfung
  • Schlafstörungen
  • Diabetes
  • Chronische Schmerzen
  • Bluthochdruck
  • Herzerkrankungen
  • Burn-out
  • Depression

Organe und Hormone der Blutdruckregulation

An der Blutdruckregulation sind mehrere Organe beteiligt, besonders das Herz, die Nieren und das Gehirn. Das Herz wirkt als Pumpe, deren Leistung angepasst werden kann. Die Nieren regulieren über die Steuerung von Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt den Blutdruck langfristig. Das Gehirn, insbesondere die Medulla oblongata, koordiniert nervöse Reflexe und verarbeitet Signale von Rezeptoren.

Wichtige Hormone in der Blutdruckregulation sind das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS), das antidiuretische Hormon (ADH) und das atriale natriuretische Peptid (ANP). RAAS und ADH erhöhen den Blutdruck durch Wasserrückhalt und Vasokonstriktion. ANP wirkt als Gegenspieler, senkt den Blutdruck durch Vasodilatation und vermehrte Ausscheidung von Natrium und Wasser. Die hormonelle Balance ist entscheidend für die langfristige Regulation.

Störungen der Blutdruckregulation

Eine Dysregulation des vegetativen Nervensystems kann zu verschiedenen Störungen führen, darunter:

  • Hypotonie: Niedriger Blutdruck, der zu Schwindel und Ohnmacht führen kann.
  • Hypertonie: Hoher Blutdruck, der das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.
  • Orthostatische Hypotonie: Blutdruckabfall beim Aufstehen, der zu Schwindel und Stürzen führen kann.
  • Vagovasale Synkope: Ohnmachtsanfall aufgrund einer überschießenden Aktivität des Parasympathikus.

Maßnahmen zur Beeinflussung des Blutdrucks

Der Körper reguliert den Blutdruck automatisch über nervöse Reflexe und hormonelle Regelkreise. Dabei passen sich Herzfrequenz, Schlagvolumen, Gefäßweite und das zirkulierende Blutvolumen dynamisch an. Medizinisch lässt sich der Blutdruck zudem durch Medikamente (z. B. ACE-Hemmer, Diuretika) oder Lebensstiländerungen wie Bewegung, salzarme Ernährung und Stressabbau beeinflussen.

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