Sprachverlust, auch bekannt als Aphasie, ist eine erworbene Störung des Sprachsystems, die die Fähigkeit einer Person beeinträchtigt, Sprache zu verstehen und auszudrücken. Es handelt sich nicht um eine Denkstörung oder geistige Behinderung, sondern um eine Beeinträchtigung der sprachlichen Fähigkeiten, während die geistigen Fähigkeiten wie Denken, Wissen und Erinnern weitgehend unbeeinträchtigt bleiben.
Was ist Aphasie?
Die Aphasie ist eine von verschiedenen Störungen, die das menschliche Sprachsystem betreffen. Bei einer Aphasie handelt es sich um eine erworbene Störung des Sprachsystems, bei der die Fähigkeit zu sprechen in der Regel nicht vollständig verloren gegangen ist. Da sich Aphasiker sprachlich nicht mehr so gut mitteilen können, werden sie manchmal als verwirrt angesehen und teils nur noch eingeschränkt in Gespräche einbezogen. Ein solcher Umgang bringt viele Menschen mit Aphasie verständlicherweise in eine hilflose und unmündige Situation. Das verlangt manchmal außergewöhnliche Mittel und Wege. Doch in den meisten Fällen sind es genau diese Mittel, die den Alltag erheblich erleichtern. Seien Sie also kreativ.
Ursachen von Aphasie
Die Ursache einer Aphasie ist immer eine Schädigung des Gehirns. In den meisten Fällen liegt die Schädigung im Bereich der linken Großhirnhälfte. Ein Schlaganfall (Apoplex) ist mit Abstand die häufigste Ursache für eine Aphasie. Das bedeutet, die Aphasie wird im Verlauf der Schlaganfall-Behandlung und Rehabilitation chronisch.
Eine plötzlich auftretende Aphasie kann aufgrund einer Schädigung des Gehirns auftreten. In den meisten Fällen liegt die Schädigung im Bereich der linken Großhirnhälfte. Bei der Aphasie handelt es sich um eine im Laufe des Lebens erworbene Störung des Sprachsystems. Das heißt, die Sprache wurde erlernt und die Aphasie entsteht aufgrund einer Erkrankung, die das Gehirn betrifft. Die Dysphasie hingegen ist eine medizinische Bezeichnung für angeborene Hör- und Sprachstörungen.
Die Ursache für Aphasie liegt normalerweise in Erkrankungen, die keine fortschreitenden Schäden verursachen, wie ein Schlaganfall, eine Kopfverletzung oder eine Gehirnentzündung (Enzephalitis). In solchen Fällen verschlimmert sich die Aphasie mit der Zeit nicht. Wenn die Ursache jedoch in einer fortschreitenden Krankheit (wie ein wachsender Hirntumor) liegt, kann sich die Aphasie fortschreitend verschlimmern. Einige Arten der Demenz können auch zu einer Aphasie führen, die sich zunehmend verschlechtert.
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Weitere mögliche Ursachen sind:
- Hirnblutungen
- Schädel-Hirn-Traumata
- Hirntumore
- Entzündliche Prozesse
Es ist wichtig zu beachten, dass eine Aphasie nicht für sich allein auftritt, sondern immer die Folge einer Hirnschädigung ist.
Aphasie und Demenz
Eine Aphasie kann auch bei einer Alzheimer-Demenz oder bei einer oft früh einsetzenden Form der Demenz, der sogenannten Frontotemporalen Demenz, auftreten. Das ist jedoch sehr viel seltener der Fall im Vergleich zur Aphasie bei einem Schlaganfall. Aphasien sind ausserdem Leitsymptome von zwei Unterformen der Frontotemporalen Demenz, jener Form der Demenz, die durch einen Nervenzellenuntergang in den Stirnlappen (Frontallappen) und den Schläfenlappen (Temporallappen) des Gehirns verursacht wird. Diese Untergruppen werden auch als «Sprachdemenzen» bezeichnet, weil sie sich primär in Störungen der gesprochenen und geschriebenen Sprache und im Sprachverständnis äussern.
Die vaskuläre Demenz ist mit etwa 15 Prozent aller Demenzerkrankungen die zweithäufigste Form nach Alzheimer-Demenz. Vaskuläre Demenz entsteht aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn. Ursachen hierfür können Ablagerungen in Blutgefäßen, Blutgerinnsel oder Hirnblutungen auch in kleinerem Umfang sein. Diese können dazu führen, dass Bereiche des Gehirns mit zu wenig Sauerstoff versorgt werden. Hierdurch können Hirnzellen in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns geschädigt werden oder absterben.
Bei vaskulärer Demenz können zu Beginn vor allem Probleme mit Aufmerksamkeit, verlangsamtem Denken sowie Persönlichkeitsveränderungen auftreten. Dazu können Gangstörungen oder Kontrollverluste der Blase sowie Probleme mit der Sprache kommen. Auch Gedächtnisstörungen können auftreten, stehen aber zu Beginn nicht immer im Vordergrund. Eine Demenz hat Auswirkungen auf Sprachverständnis, Sprechen, Lesen und Schreiben.
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Formen der Aphasie
Aphasien werden unterteilt in flüssige Aphasie und nicht-flüssige Aphasie. Aphasie kann sich auf unterschiedliche Weise äußern und in verschiedenen Variationen auftreten. Bei der Einordnung spielen daher die individuellen Beeinträchtigungen eine besondere Rolle.
Es gibt zwei Haupttypen von Aphasie:
- Wernicke-Aphasie (rezeptive Aphasie): Wenn das Wernicke-Zentrum beschädigt ist, fällt es den Menschen schwer, gesprochene und geschriebene Sprache zu verstehen. Die Betroffenen können zwar flüssig und in einem natürlichen Rhythmus sprechen, aber die Sätze bestehen aus verworrenen Wortketten (was manchmal als Wortsalat bezeichnet wird). Sie wissen vielleicht nicht, dass sie Unsinn sprechen. Die meisten Betroffenen sind zudem nicht in der Lage, Wörter zu lesen. Sie schreiben wie sie sprechen - flüssig aber unverständlich. Typisch ist eine flüssige Sprache, in der häufig einzelne Buchstaben verändert werden (Phoneme), z. B. „P“ statt „B“ in „Bein“. Die Betroffenen kennen die Bedeutung und den Zusammenhang der Wörter nicht und sind sich nicht bewusst, dass ihre Sprache für andere unverständlich ist. Das Hör- und Schreibverständnis ist beeinträchtigt und es kommt zu Lesefehlern. Das Schreiben ist flüssig, aber fehlerhaft, und inhaltliche Wörter werden weggelassen (fließende Agraphie).
- Broca-Aphasie (expressive Aphasie): Wenn eine Schädigung des Broca-Zentrums vorliegt, verstehen die Betroffenen den Sinn der Worte weitgehend und wissen auch, was sie sagen wollen. Jedoch haben sie Schwierigkeiten, sich auszudrücken. Sie können nur langsam und unter großer Anstrengung Worte hervorbringen, die oft durch Füllwörter unterbrochen werden. Was sie sagen, macht jedoch für sie Sinn. Der normale Sprechrhythmus sowie die Betonung fehlen ebenfalls. Das Wiederholen von Sätzen fällt den Betroffenen schwer. Die meisten Betroffenen sind nicht in der Lage, Wörter zu schreiben. Typisch ist ein gutes Verständnis von Begriffen und Begriffsbildung, wobei es Schwierigkeiten bereitet, Worte zu äußern. Die Sprachproduktion und die Schreibfähigkeit sind beeinträchtigt (nichtflüssige Agraphie, Dysgraphie), was für Betroffene oft sehr frustrierend ist. Dennoch ist der mündliche und schriftliche Austausch für sie von Bedeutung.
Weitere Formen der Aphasie sind:
- Amnestische Aphasie: Das vorrangige Symptom ist die Wortfindungsstörung. Die Satzinhalte wiederholen sich oft und es werden Floskeln oder Umschreibungen verwendet, um die Wortfindungsstörung zu überspielen. Für viele Formen der Sprachstörung ist es typisch, dass Objekte umschrieben werden, weil sie nicht mehr direkt benannt werden können (Anomie). Manche Menschen mit Anomie können sich überhaupt nicht mehr an den Begriff erinnern. Während andere ein Wort im Kopf haben, es aber nicht sagen können. Menschen mit Anomie sprechen meist flüssig, benutzen aber Sätze, die nichts aussagen oder drücken sich umständlich aus. Die meisten Menschen mit einer Aphasie leiden auch an einer Anomie. Diese Form von Aphasie wird amnestische Aphasie genannt.
- Globale Aphasie (vollständige Aphasie): Der Verlust nahezu aller Fähigkeit, Sprache zu verstehen, zu sprechen oder zu schreiben. Die vollständige Aphasie tritt auf, wenn der linke Temporal- und Frontallappen geschädigt ist (einschließlich Broca- und Wernicke-Bereiche). Der Betroffene ist möglicherweise in der Lage, Kraftausdrücke zu äußern, weil die rechte Seite des Gehirns, die stärker an Emotionen beteiligt ist, intakt ist. Menschen mit einer globalen Aphasie sprechen oftmals nur einzelne Worte oder wiederholen die immergleichen Redefloskeln.
- Leistungsaphasie: Menschen mit Leistungsaphasie können nicht wiederholen, was sie hören. Sie verwenden häufig die falschen Worte oder verwenden Wortkombinationen, die keinen Sinn ergeben. Sie sprechen flüssig, können jedoch die Namen von Gegenständen nicht nennen (Wortfindungsstörung).
Es ist wichtig zu beachten, dass die verschiedenen Arten der Aphasie sich stark überschneiden. Daher beschreiben Ärzte zusätzlich zur Bestimmung der Art der Aphasie die spezifischen Probleme des Betroffenen.
Diagnose von Aphasie
Die Aphasie-Diagnostik beginnt in der Akutphase im Krankenhaus und wird von Logopäden, also Sprachtherapeuten, durchgeführt. Viele Patienten haben sind zu Beginn dieser Phase noch schwach und ihr Gesundheitszustand ist instabil. Erst nach etwa sechs Wochen kann eine detaillierte Beurteilung der sprachlichen Fähigkeiten des Betroffenen stattfinden. Dafür stehen unterschiedliche Tests zur Verfügung. Sollten Sie als angehörige Person wiederholt Sprachstörungen bei Ihrem Familienmitglied bemerken, kann es sich lohnen, diese zu dokumentieren und für ein späteres Arztgespräch bereitzuhalten. Gibt es Muster, wie zum Beispiel Wortfindungsstörungen oder Verwechslungen?
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Die Diagnose stellen unsere erfahrenen Experten der Neurologie und Logopädie nach einem ausführlichen Gespräch mit Ihnen und gegebenenfalls Ihren Angehörigen über Ihre Beschwerden und Ihre Krankengeschichte (Anamnese) sowie nach umfangreichen neurologischen Untersuchungen. Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Sprachentwicklungs- und Sprachfunktionsstörungen, die als Folge von Schwerhörigkeit, Fehlsichtigkeit oder Artikulationsstörungen in Form eingeschränkter motorischer Fähigkeiten beim Schreiben (Dysarthrie) auftreten können.
Ärzte beurteilen, wie flüssig die Betroffenen sprechen, ob sie Schwierigkeiten haben, mit dem Sprechen zu beginnen, Worte zu finden, Dinge zu benennen oder Ausdrücke zu wiederholen. Es wird auch überprüft, wie gut das Gesagte verstanden wird, z. B. ob ein Befehl verstanden und ausgeführt werden kann. Die Betroffenen werden gebeten, zu schreiben und laut vorzulesen.
Zur Diagnose von Aphasie werden folgende Methoden eingesetzt:
- Ärztliche Untersuchung: Aphasie kann von Ärzten normalerweise festgestellt werden, indem sie sich mit den Betroffenen unterhalten und ihnen einige Fragen stellen. Jedoch muss sichergestellt werden, dass das offensichtliche Problem mit der Sprache nicht durch Gehör- oder Sehstörungen oder durch Muskel- oder Nervenprobleme, die das Sprechen oder Schreiben beeinträchtigen, wie Dysarthrie, verursacht werden.
- Standardisierte Tests der Hirnfunktion (neuropsychologische Tests): Bestimmte standardisierte Tests der Hirnfunktion (neuropsychologische Tests) können von einem Neuropsychologen oder Sprachtherapeuten durchgeführt werden. Die neuropsychologischen Tests liefern Informationen darüber, wie unterschiedliche Bereiche des Gehirns funktionieren. Diese Tests können den Ärzten dabei helfen, eine Aphasie mit nur vagen Symptomen festzustellen. Durch diese Tests kann die Behandlung geplant und bestimmt werden, wie wahrscheinlich eine Heilung ist.
- Bildgebende Verfahren: Eine bildgebende Untersuchung des Gehirns hilft uns, der Ursache für Ihre Sprachstörung auf den Grund zu gehen und das Ausmaß der Schädigung zu bestimmen. Eine Computertomografie und eine Magnetresonanztomografie mit oder ohne Darstellung der Arterien mithilfe von Kontrastmitteln (Angiografie) geben Aufschluss über die Art der Schädigung. Es kann sich um einen Infarkt, innere Blutungen (Hämorrhagie), eine sich entwickelnde Demenz oder um Tumore (Raumforderungen) handeln, deren Ausdehnung wir sichtbar machen können. Es werden bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt, um herauszufinden, durch welche Art von Hirnschaden die Aphasie verursacht wird. Je nach vermuteter Ursache können weitere Tests durchgeführt werden.
Aphasie-Schnell-Test (AST): Der Aphasie-Schnell-Test (AST) wurde für leichte bis mittelgradige akute Aphasien entwickelt. Der Test kann einfach durchgeführt werden und dauert etwa fünf bis 15 Minuten. Mit diesem Test kann zum einen ermittelt werden, ob eine Aphasie vorliegt oder nicht. Der Test dauert zwischen 60 und 90 Minuten.
Sprachanalyse: Mithilfe spezieller Tests (wie dem Aachener Aphasie-Test, AAT) können wir Ihre Sprache analysieren und die Sprachstörung beurteilen.
Die Sprachanalyse umfasst die Beurteilung folgender Aspekte:
- Spontansprache: wird u. a. gemessen an der Flüssigkeit der gesprochenen Wörter und ihrer Anzahl, an Ausdrucksmerkmalen (Prosodie), Wortfindungspausen, spontanen Fehlern, Zögern.
- Benennung: wird gemessen an der Fähigkeit, Objekte direkt und ohne Umschreibungen zu benennen.
- Wiederholung: wird gemessen an der Fähigkeit, komplexe Sätze nachzusprechen.
- Verstehen: wird gemessen an der Fähigkeit, einfachen oder mehrstufigen Anweisungen zu folgen, auf einfache und komplexe Ja- oder Nein-Fragen zu antworten und auf vom Arzt genannte Objekte zu zeigen. Rezeptiver Bereich: Die Symptome treten beim Verstehen auf.
- Lesen und Schreiben: wird gemessen anhand des Leseverständnisses, der Rechtschreibung, des Schreibens nach Diktat, des spontanen Schreibens und des Vorlesens.
Behandlung von Aphasie
Die Behandlung einer Aphasie ist nicht invasiv, das heißt, Betroffene müssen nicht befürchten, am Gehirn operiert zu werden. Das übergeordnete Ziel der Aphasie-Therapie ist es, die sprachlichen Fähigkeiten des Patienten wiederherzustellen, zu verbessern oder zu erhalten. Betroffene lernen, die Sprachstörung durch andere Ausdrucksmöglichkeiten wie Gestik oder durch die Zuhilfenahme von Hilfsmitteln zu kompensieren. Entscheidend ist es, dass die Patienten dazu befähigt werden, wieder kommunizieren zu können.
Die Behandlung der Aphasie liegt im Aufgabenbereich der Logopädie, also des Sprachtherapeuten. Patienten führen speziellen Aphasie-Übungen unter der Anleitung der Logopäden durch. Das genaue Therapieziel orientiert sich am Einzelfall, je nach Aphasie-Form, Schweregrad sowie allgemeiner gesundheitlicher Verfassung des Betroffenen.
Die Behandlung bestimmter Ursachen einer Aphasie kann sehr effektiv sein. Wenn beispielsweise ein Tumor eine Schwellung im Gehirn verursacht, können Kortikosteroide die Schwellung reduzieren und die Sprachfunktion verbessern. Eine Aphasie aufgrund einiger anderer Ursachen (z. B. ein Schlaganfall) kann langsamer oder nur teilweise zurückgehen, wenn die Ursache behandelt wird.
Es gibt verschiedene Ansätze, eine vaskuläre Demenz ohne Medikamente zu behandeln. Behandlungsmöglichkeiten wie Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie können helfen, die kognitiven Fähigkeiten und somit die Lebensqualität der Patientin oder des Patienten zu verbessern. Auch Musiktherapie, Erinnerungsarbeit und Krankengymnastik können Betroffenen helfen. Vaskuläre Demenz kann mit Gesprächen (kognitive Stimulation) oder Erinnerungsarbeit (autobiographische Arbeit) behandelt werden. Körperliche Betätigung oder Kunsttherapie können geeignete Behandlungsmethoden darstellen.
Logopädische Therapie
Grundsätzlich gilt, dass die logopädische Therapie so früh wie möglich begonnen werden sollte, am besten noch während des Krankenhausaufenthaltes. Wenn der Betroffene wieder zuhause ist, muss die logopädische Therapie von einem Arzt verordnet werden. Grundsätzlich kann die ambulante Logotherapie einzeln oder in Gruppen stattfinden. Sprachtherapeuten können Menschen mit einer Aphasie helfen, die nach einem Hirnschaden aufgrund einer Erkrankung aufgetreten ist, wodurch keine fortschreitende Schädigung verursacht wird. Die Therapie wird in der Regel begonnen, wenn der Patient dazu in der Lage ist. Je früher die Therapie beginnt, umso effektiver ist sie, doch sie hilft auch, wenn sie später begonnen wird.
Kommunikationshilfen
Es gibt Hilfsmittel, die es Aphasikern trotz eingeschränkter Sprachfähigkeit ermöglichen, an Gesprächen teilzunehmen. Darüber hinaus gibt es inzwischen eine große Vielfalt an elektronischen Kommunikationshilfen. Bevor sich Aphasiker Hilfsmittel anschaffen, sollten sie einen Antrag auf Kostenübernahme für elektronische oder nicht-elektronische Hilfsmittel beim zuständigen Kostenträger stellen. Dem Antrag muss ein Kostenvoranschlag beigefügt werden. Kommunikationshilfen gibt es inzwischen auch als digitale Anwendungen (Apps) für Smartphones und Tablets. Nicht jede Krankenkasse übernimmt die Kosten für Aphasie-Apps. Zur therapeutischen Begleitung von Krankheiten etablieren sich Digitale Gesundheitsanwendungen jedoch immer mehr.
Tritt keine Besserung der grundlegenden sprachlichen Fähigkeiten ein, können die Betroffenen in der Lage sein, ein Buch oder ein Kommunikationsgerät, wie eine Tafel mit Bildern oder Symbolen von häufig verwendeten Begriffen oder tägliche Aktivitäten, oder ein computergestütztes Gerät mit einer Tastatur und Nachrichtenbildschirm, zu verwenden.
Umgang mit Aphasie
Familienmitglieder und andere Menschen, die einen Betroffenen mit Aphasie betreuen, können frustriert werden. Man muss sich in Erinnerung rufen, dass Aphasie eine physische Erkrankung ist und der Betroffene wenig Kontrolle darüber hat.
Umgang mit Aphasie in Pflegekursen erlernen: Pflegekurse werden von den Pflegekassen finanziert und sind gemäß § 45 SGB XI für die Teilenehmenden kostenfrei. Kommunikation spielt in vielen Modulen von Pflegekursen eine wichtige Rolle. Mit entsprechenden Fragen können Sie herausfinden, worüber der Betroffene sprechen möchte. Ein Beispiel: „Geht es um das Thema Urlaub? Meinst Du den Sommerurlaub im letzten Jahr? Wichtig ist, dass Sie ehrlich sind und es dem Betroffenen mitteilen, wenn Sie ihn nicht verstanden haben.
Tipps für die Kommunikation mit Aphasikern:
- Fragen sollten nicht zu sehr ins Detail gehen, das verunsichert.
- Verneinungen verwirren. Sie positiv umformulieren, macht Kommunikation leichter. Beispiel: »Heute regnet es. Wir bleiben deshalb zu Hause» ist verständlicher als »Heute regnet es.
- Wenn Pronomen (er, sie, es) nicht mehr verstanden werden, hilft es, das Subjekt zu wiederholen. Zum Beispiel: «Der Arzt sagt, wir sollen noch warten.
- Am besten verstanden wird eine ruhige und langsame Sprechweise.
- Wer sein Gegenüber aktivieren will, bleibt am besten im grammatikalischen Aktiv und vermeidet wo möglich das Passiv. «Du kannst jetzt baden, Erich. Die Badewanne ist jetzt voll, das Wasser ist schön warm. Schau, hier ist dein Handtuch.
- Hilfreich sind Wörter mit Signalcharakter, denn sie fördern die Konzentration auf das Hier und Jetzt. Menschen mit Demenz verlieren nach und nach ihre Sprache.
Weitere Unterstützungsangebote
Aphasiker können sich auf der Internetseite der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) informieren. Dort gibt es ein Verzeichnis der stationären Einrichtungen für medizinische Rehabilitation. In der Suchmaske kann das Krankheitsbild „Sprachstörung“ oder „Sprachbehinderungen“ ausgewählt werden. Es gibt Selbsthilfegruppen, deren Angebote sich speziell an Aphasiker richten. Für viele Betroffene ist es hilfreich, sich in diesem Rahmen über Themen auszutauschen, die sie mit nicht betroffenen Menschen schwierig nur besprechen können. Selbsthilfegruppen unterscheiden sich zum einen in professionell geführte Gruppen, die auch therapeutische Angebote haben. Zum anderen gibt es von Betroffenen selbst organisierte Gruppen. Eine zentrale Interessenvertretung ist der Bundesverband für die Rehabilitation der Aphasiker e.V.
Gedächtnisambulanzen oder Gedächtnissprechstunden sind Abteilungen in Krankenhäusern, die auf kognitive Störungen spezialisiert sind. Dort klären ärztliche Teams die Ursache für Gedächtnis- oder Sprachprobleme ab.
Berufliche Wiedereingliederung
Der berufliche Wiedereinstieg mit einer Aphasie kann Betroffene vor große Herausforderungen stellen. Nicht alle Berufe sind mit einer Aphasie gleichermaßen vereinbar. Das Heidelberger Aphasie-Modell ist ein Angebot des Berufsförderungswerks in Kooperation mit dem Bundesverband Aphasie e. V. und den SRH Fachschulen. In dieser Zeit werden die Menschen zudem darüber beraten, welche beruflichen Tätigkeiten in Frage für sie kommen könnten. Danach absolvieren sie eine drei- bis sechsmonatige Berufsvorbereitung. Im gewählten Berufszweig folgt eine Qualifizierung in Form einer Umschulung oder Ausbildung.
Prognose bei Aphasie
Wie gut sich ein Patient erholt, wird von folgenden Faktoren beeinflusst:
- Ursache, Größe und Ort der Schädigung
- Das Ausmaß, zu dem die Sprache beeinträchtigt ist
- Das Ansprechen auf die Behandlung
- In geringerem Maße das Alter, die Bildung und die allgemeine Gesundheit des Patienten
Kinder unter 8 Jahren erlangen oft die Fähigkeit zu sprechen wieder, auch wenn ihr Gehirn schwer geschädigt wurde. Vor allem nach einem erstmaligen Schlaganfall kommt es bei etwa einem Drittel der Patienten zu einer weitestgehenden Normalisierung der Sprachfunktionen innerhalb der ersten vier Wochen.
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