Einführung
Die Farbe Grau wird oft als neutral und unauffällig wahrgenommen. Doch welche Bedeutung hat Grau im Zusammenhang mit der Neurologie und der Funktionsweise unseres Gehirns? Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Aspekte der Farbe Grau in Bezug auf das Nervensystem, neurologische Erkrankungen und die Verarbeitung von Informationen im Gehirn.
Farbe und Wahrnehmung im Gehirn
Die Behauptung "Der Mensch sieht mit den Augen" stimmt im Grunde nicht oder nur teilweise, denn zur Wahrnehmung unserer Umgebung benötigen wir neben unserem Sehorgan auch unser Gehirn. Erst im Gehirn wird die Welt, wie wir sie sehen, verarbeitet - und erst im Gehirn wird Farbe erkannt und zugeordnet. Unser Gehirn lädt Farben mit Bedeutungen auf - was beispielsweise auch Designer und Künstler in ihren Arbeiten berücksichtigen.
Die „grauen Zellen“: Nervenzellen und ihre Farbe
Jeder kennt diesen Ausdruck: „Streng mal deine grauen Zellen an!“ Aber warum bezeichnen wir unser Gehirn, oder besser gesagt: unsere Nervenzellen, als „graue Zellen“? Haben sie tatsächlich diese Farbe? Nein, nicht wirklich. Doch obwohl die einzelne Nervenzelle für sich genommen keine Farbe hat, kommt die Bezeichnung nicht von ungefähr. Es gibt einen Bereich im Gehirn mit vielzähligen Nervenzellkörpern, Mediziner bezeichnen dies als „graue Substanz“. Der Bereich bildet die äußere Schicht des Groß- und Kleinhirns, die Hirnrinde. Die graue Substanz ist aber auch in einigen Regionen tief im Inneren des Hirns vorzufinden. In all diesen Bereichen liegen die Zellkörper so dicht beieinander, dass sie mit dem bloßen Auge tatsächlich grau erscheinen. Zum scharfen Nachdenken strengt man übrigens sogar wirklich bevorzugt die Nervenzellen in der grauen Substanz an.
Graue und weiße Substanz im Nervensystem
Grau und weiß sind die dominierenden Farben des Nervensystems. In der grauen Masse sitzen die Neurone; hier werden die Impulse anderer Nervenzellen gesammelt und verarbeitet. Das Ergebnis wird anderen Nervenzellen weitergeleitet über die weiße Masse, die ihrerseits aus zwei Komponenten besteht: Zum einen den Axonen, den langen Fortsätzen der Nervenzelle. Sie bilden den Ausgangskanal in der neuronalen Kommunikation. Doch ohne die zweite Komponente, eine schützende Myelinhülle, ist diese Kommunikation quälend langsam. Nimmt die weiße Masse also Schaden, werden die komplexen Netzwerke der Nervenzellen gestört.
Neurologische Erkrankungen und die weiße Substanz
Ein Beispiel für die Bedeutung der weißen Substanz ist die Multiple Sklerose (MS). Bei MS wird die Myelinschicht der Axone angegriffen und so die Verarbeitung verlangsamt oder ganz gestört. Die Effekte - zum Beispiel Sehstörungen, taube Finger oder eine gestörte Motorik - hängen ganz vom Ort der Entmarkung ab. Das macht die MS schwer zu diagnostizieren, denn kein Patient gleicht dem anderen. Auch über die Ursachen ist noch nicht viel bekannt, doch die Forschung arbeitet mit Hochdruck. In Kooperation mit der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung und dank eines großzügigen Nachlasses von Heidemarie Hoppe besprechen wir hier eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen - 200.000 Patienten sind es allein in Deutschland.
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Das Nervensystem: Schaltzentrale des Körpers
Cogito ergo sum - ich denke, also bin ich. So lautet eine Grundannahme des Philosophen René Descartes, auf die er seine Existenz begründet. Wenngleich es ein philosophischer Ansatz ist, beherbergt er auch wissenschaftlich betrachtet wahres Potenzial. Denn Denken ist genauso wie Fühlen, Sprechen oder sich Bewegen von unserem Nervensystem gesteuert; ohne Nerven sind wir nicht lebensfähig. Nerven lassen uns Empfindungen und Gefühle wahrnehmen und schützen uns gleichzeitig. Wie komplex unser Nervensystem ist, zeigt sich in seinen vielfältigen Aufgaben und Prozessen. Es steuert bewusste und unbewusste Aktionen wie unsere Atmung und Körpertemperatur, das Herz-Kreislauf-, Hormon- oder Schlaf-Wach-System. Dabei analysiert das System blitzschnell die Reaktionen des Körpers, steuert, koordiniert, reguliert und verarbeitet physische und psychische Reize, die Motorik sowie unzählige Abläufe in den Organsystemen. Das Gehirn des Menschen ist dabei mit seinen Milliarden von Nervenzellen die Schaltzentrale für alle Informationen. Dort werden im Wach- und Schlafzustand Sinneseindrücke, Gefühle, Verhalten, Lernen, Denken, Sprechen, Gedächtnis, Reaktionen oder Reflexe ausgelöst, verarbeitet, koordiniert oder gespeichert. Dabei arbeitet das Gehirn 24 Stunden am Tag, mit einer beständig hohen Leistung. Auch wenn wir schlafen und uns regenerieren, unser Gehirn schläft nie.
Ein riesiges Nervennetzwerk durchzieht unseren Körper. Das periphere Nervensystem umfasst den Teil des Nervensystems, der außerhalb von Gehirn und Rückenmark liegt - letztere bilden gemeinsam das zentrale Nervensystem. In Anbetracht der Komplexität dieser Prozesse stellt sich schnell die Frage: Wie kann das alles vonstattengehen? Die Antwort ist einfach und komplex zugleich: Weil ein riesiges Nervennetzwerk unseren Körper durchzieht, Nervenbahnen verlaufen kreuz und quer durch unseren Organismus. Dieses Nervennetzwerk bildet sich schon während der Entwicklung im Mutterleib und bestimmt unser Leben bis zum Tod. Untergliedert ist dieser Komplex in das sogenannte zentrale und das periphere Nervensystem, die gemeinsam eine funktionelle Einheit bilden.
Zum Beispiel bei der Schmerzwahrnehmung, wenn man auf die berüchtigte heiße Herdplatte fasst und binnen dem Bruchteil einer Sekunde die Hand wieder zurückzieht. Diese Reaktion, die blitzschnell passiert und uns vor Schmerzen und Verbrennungen schützt, ist ein präzise aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel einer Kette von Nervenzellen im peripheren und zentralen Nervensystem. Das periphere Nervensystem nimmt über die Sinne - in diesem Fall die Schmerzrezeptoren in der Haut - Informationen von außen auf und leitet sie zum zentralen Nervensystem weiter. Dort werden die Informationen verarbeitet und entsprechende Reaktionen geplant. Beim Rückziehreflex müssen diese Informationen nicht erst im Gehirn verarbeitet werden, sondern werden direkt im Rückenmark verschaltet. Das Rückenmark ist neben dem Gehirn der zweite wichtige Teil des Zentralnervensystems. Dort wird ein Befehl an die Muskeln im Arm erzeugt.
So anspruchsvoll und vielfältig die Aufgaben des Nervensystems sind, so komplex sind auch seine Zellen. Stark vereinfacht besteht es nur aus zwei Zelltypen: den Nervenzellen (Neuronen) und den Stützzellen (Gliazellen). Je nach Einsatzgebiet - von der Muskelsteuerung bis hin zur Verarbeitung von Sprache - weisen Nervenzellen allerdings gewisse Spezialisierungen auf. Neuronen unterscheiden sich in Abhängigkeit ihrer Aufgabe in Morphologie, zum Beispiel Größe und Form, in Botenstoffen, Funktionsweise sowie der Vernetzung.
Die Bedeutung der Neurologie
Rund zweieinhalb Millionen Patienten werden einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie aus dem Jahr 2015 zufolge pro Jahr in Deutschland neurologisch behandelt. Neurologen befassen sich mit der Wissenschaft und Lehre vom Nervensystem, seinen Erkrankungen und deren medizinischer Behandlung. Sie behandeln nicht nur Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems, sondern ebenfalls der Muskulatur. Darunter fallen Volkskrankheiten wie Kopfschmerzen oder Migräne, aber auch neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Alzheimer und autoimmunologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose. Auch Gehirntumor-, Epilepsie- und Schlaganfallbehandlungen gehören ebenso wie neuromuskuläre Erkrankungen und viele Seltene Erkrankungen zum Aufgabengebiet. Die Grenzen zu anderen medizinischen Disziplinen sind dabei teilweise fließend. „Dadurch, dass unser Nervensystem einen so zentralen Teil unseres Körpers ausmacht, müssen zahlreiche Erkrankungen interdisziplinär betrachtet und auch behandelt werden. In der Uniklinik in Aachen arbeiten wir eng mit anderen Fachbereichen zusammen, um den Patienten eine angemessene und qualitativ hochwertige Behandlung gewährleisten zu können“, erklärt Univ.-Prof. Dr. med. Jörg B. Schulz, Direktor der Klinik für Neurologie an der Uniklinik RWTH Aachen.
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Die therapeutischen Möglichkeiten haben sich in den letzten beiden Jahrzehnten dramatisch geändert. Galt die Neurologie vor 25 Jahren im Wesentlichen als diagnostisches Fach, werden heute in der Routineversorgung Therapien angeboten, die neue entzündliche Schübe bei der Multiplen Sklerose unterdrücken und Gefäßverschlüsse beim Schlaganfall wiedereröffnen. Andere Erkrankungen, zum Beispiel die Parkinson-Krankheit, können zwar nicht geheilt werden, aber es stehen vielfältige, an das jeweilige Stadium der Erkrankung angepasste Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. „Heutzutage können wir mithilfe bildgebender Verfahren und neuer Medikamente den Krankheitsverlauf bei vielen Erkrankungen gut verfolgen und positiv beeinflussen“, weiß Prof. Schulz.
Die Klinik für Neurologie an der Uniklinik RWTH Aachen besteht aus zwei Normalstationen, einer Intensivstation, einer speziellen Abteilung für Schlaganfallpatienten, der sogenannten Comprehensive Stroke-Unit, einer neuropsychologischen Therapiestation, einer Sektion Neurogeriatrie, einer Sektion Epileptologie, einem Schlaflabor und einer Poliklinik. Schwerpunkte liegen unter anderem im Bereich neurodegenerativer Erkrankungen (Parkinson, Demenzen und Ataxien), in der Schlaganfallversorgung und -nachsorge, der Epileptologie sowie neuroimmunologischer und neuromuskulärer Erkrankungen. Zur Entwicklung neuer therapeutischer Strategien für neurologische Erkrankungen streben die Aachener Neurologen darüber hinaus eine enge Verzahnung von Wissenschaft und Krankenversorgung an.
Schlaganfall: Eine neurologische Notfallsituation
Unter einem Schlaganfall, auch bekannt als Hirnschlag oder Apoplexie, versteht man eine Durchblutungsstörung des Gehirns. Dieser Mangel an Blut im Gehirn und die damit einhergehende Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff führt zu einer Schädigung des Gehirngewebes. Je nachdem, welche Gehirnregion betroffen ist, kann eine Vielzahl von Symptomen auftreten, da das Gehirn zentral sämtliche Körperfunktionen steuert. Da sich im Laufe des Alters immer mehr Stoffe in den Arterien ablagern, liegt der Altersgipfel bei 50+ Jahren. Mit ca. In den meisten Fällen, mit ca. 80 %, liegt dem Schlaganfall eine Ischämie (Mangelversorgung) aufgrund von Arteriosklerose (Verengung der Arterien) zugrunde. Diese kann sich beispielsweise im Bereich der Halsschlagadern oder der Gehirnarterien befinden. Das Gehirn wird somit nicht mehr ausreichend durchblutet. Herzrhythmusstörungen (z Bsp. In selteneren Fällen (20 %)2 ist eine Blutung/Verletzung (z. B Riss) einer Arterie im Bereich des Gehirnes für einen Schlaganfall verantwortlich. Durch die Blutung wird der Druck im Gehirn erhöht und Gehirnstrukturen werden geschädigt. Des Weiteren werden die Hirnareale, welche im Versorgungsgebiet nach der Läsion liegen, unzureichend versorgt. In diesem Fall spricht man von einem „Hämorrhagischen Schlaganfall“. Halbseitige Lähmungen (Hemiplegie oder Hemiparese) → z. B. Je nachdem wo sich der Schlaganfall im Gehirn entwickelt, können jedoch unterschiedlichste Symptome auftreten.
Wenn jemand Anzeichen eines Schlaganfalls zeigt, ist es wichtig, sofort den Notarzt zu rufen, da eine schnelle Behandlung die Auswirkungen des Schlaganfalls reduzieren und Leben retten kann.
Formen des Schlaganfalls
- TIA (Transitorische ischämische Attacke): kurze, meist nur Minuten bis wenige Stunden andauernde Durchblutungsstörung im Gehirn. Symptome einer TIA bilden sich immer vollständig und meistens innerhalb von Minuten bis einer Stunde zurück.
- PRIND (Prolongiertes ischämisches neurologisches Defizit): Längere, meist mehrere Tage andauernde Durchblutungsstörung. Symptome bilden sich langsamer und können bis zu mehreren Tagen bestehen bleiben.
Symptome eines Schlaganfalls
- Ein beidseitiges Lächeln ist nicht mehr möglich. Evtl. hängt ein Mundwinkel herunter.
- Ein beidseitiges und synchrones Ausstrecken der Arme nach vorne sowie das Drehen der Handflächen nach oben ist nicht mehr oder nur teilweise möglich.
- Das Wiederholen einfacher Sätze ist für den Betroffenen nicht mehr oder nur teilweise möglich.
Jede Sekunde zählt. Bei einem Verdacht sollte sofort der Notarzt gerufen werden. Um eine sichere Diagnose zu erhalten, gibt es in Kliniken spezielle Teams, die sogenannte „Stroke Unit“, welche sich auf die schnelle Diagnostik und Behandlung von Patienten mit Schlaganfall oder Verdacht auf einen Schlaganfall spezialisiert haben. Dort kommen unter anderem bildgebende Verfahren zum Einsatz, wie z. Bsp. CT oder MRT des Kopfes. Es ist wichtig, herauszufinden, was den Schlaganfall verursacht hat. Nur so können die richtige Therapie und eine zukünftige Prävention stattfinden.
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Therapie und Rehabilitation
Da ein Schlaganfall immer ein Notfall ist, bedarf er sofortiger Behandlung.
- Akuttherapie bei ischämischem Schlaganfall (Verengung der Arterien): besteht darin, das entstandene Blutgerinnsel (Thrombus), welches die Hirngefäße verengt, aufzulösen. Dies wird oftmals durch eine Lysetherapie bewirkt. Dabei wird durch ein bestimmtes zugeführtes Enzym das Gerüst des Gerinnsels gezielt abgebaut und zersetzt. Auch durch eine Thrombektomie kann der Thrombus entfernt werden. Dabei entfernt der Arzt mit einem speziellen Katheter das entstandene Gerinnsel.
- Akuttherapie bei hämorrhagischem Schlaganfall (Blutung durch z.B. Riss der Arterie): besteht darin, die innere Blutung zu stoppen und den dadurch entstandenen Hirndruck zu senken. Je nach Schweregrad der Blutung im Gehirn wird auf der Stroke Unit entschieden, welche Maßnahme im Akutfall am besten geeignet ist.
Nach der Akuttherapie ist es wichtig, das Risiko eines erneuten Schlaganfalles zu senken. Dies wird durch Vermeiden des auslösenden Faktors erzielt. Eine genaue Ursachenanalyse ist deshalb umso wichtiger. Die Einnahme der vom Arzt verordneten Medikamente, wie z.B. Auch bei einem ischämischen Schlaganfall ist es wichtig, nach der Behandlung das Risiko eines erneuten Auftretens zu minimieren. Der Patient sollte unter anderem auf seinen Blutdruck achten, da ein zu hoher Blutdruck auf Dauer die Gefäße schädigen kann. Ebenfalls sollte man Aktivitäten unterlassen, welche mit einem erhöhten Hirndruck verbunden sind, z.B.
Um evtl. verlorene Fähigkeiten, sogenannte Apraxien (z.B. Laufen, Sprechen) wieder herzustellen, wird nach der Therapie oftmals eine Physiotherapie, Logopädie oder Ergotherapie verordnet. Damit soll den Betroffenen eine schnellere Wiedereingliederung in den Alltag ermöglicht werden. Um das Risiko eines Schlaganfalls zu senken, sollten die z.B. oben genannten begünstigenden Risikofaktoren vermieden werden. Als vorbeugende Maßnahme, z B. bei familiärer Vorbelastung oder beim Vorliegen mehrerer Risikofaktoren kann der Arzt mittels Ultraschall evtl. schon verengte Arterien (z.B. Halsschlagader) erkennen und somit frühzeitig der Entstehung eines Schlaganfalls entgegenwirken.
Orthesen als Hilfsmittel nach einem Schlaganfall
Nach einem Schlaganfall können halbseitige Lähmungen (Hemiparesen oder Hemiplegien) auftreten. Bei einer Lähmung der Schulter kann der Betroffene durch den Ausfall der Muskulatur der Gewichtskraft des Armes nicht mehr entgegenwirken. Der Arm wird durch sein Eigengewicht unkontrolliert nach unten gezogen. Dies führt zu einem teilweisen Austritt des Oberarmkopfes aus der Gelenkpfanne im Schultergelenk (Subluxation). Muskeln, Sehnen, Bänder und Nerven werden krankhaft gedehnt. Des Weiteren erfährt der Arm durch die Lähmung eine unkontrollierte Pendelbewegung, welche zu ungewollten Verletzungen führen kann. Eine vom behandelnden Arzt verordnete ,,Schultergelenksorthese mit definierbarer Bewegungsbegrenzung‘‘ wie die BORT OmoControl Schulterorthese kann diesen Symptomen entgegenwirken.
Bei einer Lähmung im Bereich des Unterarmes und der Hand kann es vorkommen, dass die Extensionsfähigkeit im Handgelenk nicht mehr gegeben ist. In diesem Fall können Handgelenk und Finger nicht mehr gestreckt werden. Um dieser Symptomatik entgegenzuwirken, gibt es spezielle Orthesen, wie z.B. die BORT Parese-Schiene. Diese ermöglicht eine schonende Korrektur der Fehlstellung durch anatomisch korrekte Lagerung von Handgelenk und Finger auf der Orthese.
Bei einer Lähmung im Bereich der unteren Extremität kann z.B. eine Lähmung des N. Peroneus vorliegen. Dieser Nerv ist dafür verantwortlich, dass der Fuß bzw. die Fußspitze angehoben werden kann. Ist dies nicht mehr oder nur noch zum Teil möglich, spricht man von einer Fußheberschwäche bzw. Peroneusparese. In der Praxis bedeutet das, dass die betroffene Person bei der Bewegung mit dem Fuß entstandenen Spitzfuß am Boden hängen bleiben kann. Mit speziellen Orthesen wie z.B. der BORT Fußheberorthese oder der BORT Peroneusschiene, kann der Spitzfuß während der Schrittabwicklung in eine physiologienahe Position gehalten werden. Das Gangbild wird dadurch sicherer und das Sturzrisiko kann gesenkt werden. Mit welchem medizinischen Hilfsmittel im jeweiligen Indikationsfall zu versorgen ist, hängt von mehreren Faktoren ab (z. B. Kraftgrad 0-4) und wird somit durch den behandelnden Arzt bzw. Therapeuten entschieden.
Neuropädiatrie: Neurologische Versorgung von Kindern
Kinder mit Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems und der Muskulatur werden in der Neuropädiatrie (=Kinderneurologie) unter Leitung von Prof. Dr. Alexandra Klotz und ihrem interdisziplinären Team umfassend und professionell betreut. Zu der Abteilung Neuropädiatrie gehört auch das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ), das sich besonders der ambulanten interdisziplinären Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Störungen der körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung widmet.
Wir betreuen Säuglinge, Kinder und Jugendliche, sowie deren Familien, deren Entwicklung verzögert oder gestört ist bzw. bei denen eine Entwicklungsverzögerung oder -störung droht. Das SPZ ist direkt an die Neuropädiatrie angeschlossen. Für Patienten mit einer bereits bekannten Diagnose oder mit eindeutiger Problemstellung bieten wir verschiedene Spezialsprechstunden an. Das Sozialpädiatrische Zentrum verbindet die medizinische mit der psychosozialen Versorgung für Kinder und Jugendliche. Um der Komplexität der verschiedenen Entwicklungsstufen von Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden, bieten wir mit einem Team aus Ärztinnen und Ärzten, Psychologinnen, Physiotherapeut:Innen, Sozialpädagog:Innen eine umfassende, interdisziplinäre Diagnostik. Zusätzlich können wir auf ein enges Netzwerk verschiedener Abteilungen der Uniklinik Bonn zurückgreifen. Die Kooperation mit den niedergelassenen Kinderärztinnen und -ärzten, Kindergärten, Schulen und anderen pädagogischen, psychologischen und therapeutischen Einrichtungen sehen wir als unverzichtbar an.
Erkrankungen in der Neuropädiatrie
Zu den Erkrankungen, die durch die Neuropädiatrie und das SPZ betreut werden, zählen z. B.:
- Neuromuskuläre Erkrankungen
- Epilepsien
- Chronische Kopfschmerzen
- Zerebralparesen
- Fehlbildungen des Gehirns und des Rückenmarks
- globale oder umschriebene Störungen der psychomotorischen Entwicklung
- Neurodegenerative und neurometabolische Erkrankungen
- Entwicklungs-, psychosoziale oder Lernstörungen als Folge komplexer chronischer Erkrankungen
- neuroimmunologische Erkrankungen (z.B. Multiple Sklerose)
- kombinierte Schulleistungsstörungen in Verbindung mit neurokognitiven Auffälligkeiten
- kindliche Hör- und Sprachentwicklungsstörungen
Ziel des SPZ
Wir haben ein gemeinsames Ziel: die Früherkennung und Behandlung von (drohenden) Entwicklungsstörungen bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen. Wir möchten die Kinder und deren Familien dabei unterstützen, ihre Entwicklung und dadurch ihre Lebensqualität und ihre Teilhabe am Leben bestmöglich gestalten zu können. Dabei berücksichtigen wir die individuelle Lebenssituation, die Stärken und das soziale Umfeld jedes Kindes und schätzen einen vertrauensvollen Umgang mit den jungen Patientinnen und Patienten und ihren Familien. Diese ganzheitliche Betreuung von Kindern und Jugendlichen, mit teils schwerwiegenden chronischen Erkrankungen, liegt uns am Herzen. Wir sind spezialisiert auf Kinder und Jugendliche mit chronischen körperlichen Erkrankungen. Unsere SPZ-Patient:innen betreuen wir interdisziplinär, d. h. wir arbeiten immer im Team aus Ärzt:innen, Psychologinnen, Phystiotherapeutinnen und Sozialarbeiterinnen - je nach dem, was sinnvoll und hilfreich ist.
Behandlungsschwerpunkte im SPZ
Behandlungsschwerpunkte sind z. B.:
- Neurologische Erkrankungen mit Cerebralparesen
- Neuromuskuläre Erkrankungen (Duchenne, SMA)
- Neuroimmunologische Erkrankungen (z.B. Multiple Sklerose)
- Epilepsien und anfallsverdächtige Ereignisse
- Genetische Störungen, z.B. chromosomale Störungen, Dysmorphie-Syndrome
- Neurokognitive Störungen, z.B. Lern-/Teilleistungsstörungen, Intelligenzminderungen
- Globale oder umschriebene Störungen der psychomotorischen Entwicklung
- Sprachentwicklungsstörungen
- Entwicklungsnachsorge von Frühgeborenen und Neugeborenen mit Risikofaktoren
- Entwicklungs-, psychosoziale oder Lernstörungen als Folge seltener komplexer chronischer Erkrankungen
- Kombinierte Schulleistungsstörungen in Verbindung mit neurokognitiven Auffälligkeiten
Das „Spiritualitäts-Zentrum“ im Gehirn
Das Periaquäduktale Grau (PAG) liegt im innersten Bereich des Mesencephalons und damit im oberen Teil des Hirnstamms. Wie sich nun zeigt, ist dieser evolutionär alte Hirnteil offenbar auch eng mit der Erzeugung religiöser Gefühle und Vorstellungen verknüpft. „Wir waren sehr erstaunt, dass der Gehirnschaltkreis für die Spiritualität ausgerechnet in einem der evolutionär ältesten Strukturen des Gehirns sitzt“, sagt Ferguson. Denn unser Stammhirn teilen wir nicht nur mit anderen Säugetieren, selbst Reptilien und Fische besitzen schon ähnliche Strukturen. Bestätigt wurde die Lokalisierung des „Spiritualitäts-Zentrums“ durch eine ergänzende Untersuchung, bei der die Forschenden 105 US-Vietnamkriegsveteranen nach ihrer Religiosität befragt hatten. Auch dabei berichteten ehemalige Soldaten mit Verletzungen am Periaquäduktalen Grau von einem Wandel im Ausmaß ihrer spirituellen Gefühle und Vorstellungen. Interessant auch: Im gleichen Hirnteil sind auch Schaltkreise lokalisiert, die bei Krankheiten wie Parkinson, bei Halluzinationen und auch dem Alien-Limb-Syndrom eine Rolle spielen. Wie die Läsionskartierung ergab, überschneiden sich Zonen, die im intakten Zustand die Religiosität fördern, mit den Arealen, die häufig durch Parkinson geschädigt werden. „Diese Überlappungen könnten dabei helfen, diese Phänomen besser zu verstehen“, sagt Ferguson. „Es ist uns aber wichtig zu betonen, dass unsere Ergebnisse nicht bedeuten, dass alle religiösen Personen der Geschichte an einem Hirnschaden litten oder dass Parkinson und Atheismus miteinander verknüpft sind.
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