Einführung
Der Plexus brachialis, ein komplexes Netzwerk von Nerven, das aus dem Rückenmark im Halsbereich entspringt, spielt eine entscheidende Rolle bei der Versorgung von Schulter, Arm und Hand. Eine Läsion dieses Nervengeflechts kann zu einer Vielzahl von Beschwerden führen, darunter Muskelschwäche, Sensibilitätsverlust und Schmerzen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und verschiedenen Behandlungsansätze bei einer Läsion des Plexus brachialis.
Anatomie und Funktion des Plexus brachialis
Der Plexus brachialis bildet sich aus den Spinalnerven C5 bis Th1. Diese Nervenwurzeln vereinigen sich zu Trunci (Stämmen), Divisionen (Aufteilungen), Fasciculi (Strängen) und schließlich zu den peripheren Nerven, die die Muskeln und die Haut der oberen Extremität innervieren. Die Hauptnerven, die aus dem Plexus brachialis hervorgehen, sind der Nervus medianus, der Nervus ulnaris, der Nervus radialis, der Nervus axillaris und der Nervus musculocutaneus.
Ursachen einer Plexus brachialis Läsion
Eine Läsion des Plexus brachialis kann verschiedene Ursachen haben:
- Traumatische Ursachen:
- Geburtsverletzungen: Bei Neugeborenen kann es während der Geburt zu einer Schädigung des Plexus brachialis kommen, insbesondere bei schwierigen Geburten mit Schulterdystokie. Eine nicht erkannte Luxation bei der Geburt kann zur Einklemmung des Plexus brachialis führen.
- Verkehrsunfälle: Motorradunfälle und andere Hochrasanztraumata sind häufige Ursachen für Plexus brachialis Läsionen.
- Sportverletzungen: Kontaktsportarten wie Football oder Rugby können zu Zerrungen oder Rissen des Plexus brachialis führen.
- Stürze: Stürze aus großer Höhe oder direkt auf die Schulter können den Plexus brachialis schädigen.
- Schnittverletzungen: Durchdringende Verletzungen, beispielsweise durch Messer oder Glasscherben, können die Nerven des Plexus brachialis durchtrennen.
- Nicht-traumatische Ursachen:
- Tumore: Tumore in der Nähe des Plexus brachialis können auf die Nerven drücken und sie schädigen. Bösartige Neubildungen des Plexus brachialis (C47.-) oder Metastasen (C79.-) können ebenfalls Ursache sein. Gutartige Neubildungen (D36.-) oder Neubildungen unsicheren Verhaltens (D48.-) können ebenfalls eine Rolle spielen.
- Entzündungen: In seltenen Fällen können Entzündungen des Plexus brachialis auftreten (Plexusneuritis).
- Strahlentherapie: Eine Strahlentherapie im Bereich des Halses oder der Schulter kann den Plexus brachialis schädigen.
- Thoracic-Outlet-Syndrom: Das Cervicothoracic-outlet-Syndrom kann durch Druck auf den Plexus brachialis entstehen.
- Iatrogene Schäden: In seltenen Fällen kann es im Rahmen von Operationen im Schulterbereich zu einer Schädigung des Plexus brachialis kommen.
Symptome einer Plexus brachialis Läsion
Die Symptome einer Plexus brachialis Läsion können je nach Schweregrad und Lokalisation der Schädigung variieren. Mögliche Symptome sind:
- Muskelschwäche oder Lähmung: Dies kann einzelne Muskeln oder ganze Muskelgruppen betreffen. In manchen Fällen sind bestimmte Muskeln, wie der Delta- und der Infraspinatus-Muskel, aufgrund der Läsion nicht ausgebildet.
- Sensibilitätsverlust: Betroffene können ein Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Brennen in Arm und Hand verspüren.
- Schmerzen: Die Schmerzen können von leicht bis unerträglich reichen und sich als stechend, brennend oder reißend äußern.
- Eingeschränkte Beweglichkeit: Die Beweglichkeit von Schulter, Arm und Hand kann eingeschränkt sein. Der Patient kann keine AR und die Flex/AV eingeschränkt haben.
- Reflexverlust: Die Reflexe an Arm und Hand können abgeschwächt oder nicht auslösbar sein.
- Neuropathische Schmerzen: Chronische Nervenschmerzen können sich entwickeln.
- In schweren Fällen: Komplette Lähmung des Arms.
Diagnose einer Plexus brachialis Läsion
Die Diagnose einer Plexus brachialis Läsion umfasst in der Regel folgende Schritte:
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- Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten und erkundigt sich nach den genauen Beschwerden und möglichen Ursachen.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Beweglichkeit, Kraft, Sensibilität und Reflexe von Arm und Hand.
- Elektrophysiologische Untersuchungen:
- Elektromyographie (EMG): Diese Untersuchung misst die elektrische Aktivität der Muskeln und kann Hinweise auf Nervenschädigungen liefern.
- Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Diese Untersuchung misst die Geschwindigkeit, mit der elektrische Impulse entlang der Nerven wandern. Eine verlangsamte Nervenleitgeschwindigkeit deutet auf eine Nervenschädigung hin.
- Bildgebende Verfahren:
- Magnetresonanztomographie (MRT): Eine MRT kann den Plexus brachialis und die umliegenden Strukturen darstellen und Verletzungen oder Tumore sichtbar machen.
- Computertomographie (CT): Eine CT kann knöcherne Strukturen darstellen und Frakturen ausschließen.
- Auszug aus dem OP Bericht: "…Neurolyse und Dekompression supraclavicular links. Zustand nach breits erster Neurolyse des linken infraclavicularen Plexus, Zustand nach supraclavicularer Revision. Es fiel auf, dass die Nervenstrukturen tatsächlich verklebt waren, wie das bei traumatisierten Nerven oft eintritt. Schnitt unterhalb des Schlüsselbeins und Darstellung der Faszikel lateral, posterior und medial. In diesem Kompartment lassen sich die einzelnen Nerven gut einordnen. Insbesondre der Faszikulus ist vernarbt, die anderen Faszikel hatten weniger Vernarbung. Alle Strukturen wurden entsprechen neurolysiert und dekomprimiert….Teilweise konnte an den Faszikel Stimulation erfolgreich ausgelöst werden."
ICD-10-GM Codes
Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision, German Modification (ICD-10-GM) stellt verschiedene Codes zur Verfügung, um eine Läsion des Plexus brachialis zu klassifizieren. Die Wahl des korrekten Codes hängt von der Ätiologie und den spezifischen Merkmalen der Läsion ab. Einige relevante ICD-10-GM Codes sind:
- G50-G59: Krankheiten von Nerven, Nervenwurzeln und Nervenplexus (Exkl.: Akute Verletzung von Nerven, Nervenwurzeln und Nervenplexus - siehe Nervenverletzung nach Lokalisation).
- G54: Krankheiten von Nervenwurzeln und Nervenplexus (Exkl.: Akute Verletzung von Nervenwurzeln und Nervenplexus - siehe Nervenverletzung nach Lokalisation).
- S14: Verletzung der Nerven und des Rückenmarkes in Halshöhe des Plexus brachialis.
- S14.3: Verletzung des Plexus brachialis.
- P14: Geburtsverletzung des peripheren Nervensystems (Geburtsverletzungen des Plexus brachialis).
- M54: Rückenschmerzen (Neuritis des Plexus brachialis).
- Q07: Sonstige angeborene Fehlbildungen des Nervensystems (Verlagerung des Plexus brachialis).
- C47: Bösartige Neubildung der peripheren Nerven und des autonomen Nervensystems (Bösartige Neubildung des Plexus brachialis).
- C79: Sekundäre bösartige Neubildung an sonstigen und nicht näher bezeichneten Lokalisationen (Metastase am Plexus brachialis).
- D36: Gutartige Neubildung an sonstigen und nicht näher bezeichneten Lokalisationen (Gutartige Neubildung des Plexus brachialis).
- D48: Neubildung unsicheren oder unbekannten Verhaltens an sonstigen und nicht näher bezeichneten Lokalisationen (Unsichere Neubildung des Plexus brachialis).
Es ist wichtig zu beachten, dass bei Folgezuständen nach einer Verletzung des Plexus brachialis auch spezifische Codes für Folgezustände (Z) verwendet werden können.
Behandlung einer Plexus brachialis Läsion
Die Behandlung einer Plexus brachialis Läsion hängt von der Ursache, dem Schweregrad und dem Zeitpunkt der Diagnose ab. Konservative und operative Maßnahmen können zum Einsatz kommen.
Konservative Behandlung
- Physiotherapie: Physiotherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Ziel ist es, die Beweglichkeit zu verbessern, die Muskulatur zu kräftigen und Schmerzen zu lindern. Die Mobilitätseinschränkung kann sich im Laufe der Zeit verbessern.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, dieFunktionsfähigkeit von Arm und Hand im Alltag zu verbessern.
- Schmerztherapie: Schmerzmittel, Antidepressiva oder Antikonvulsiva können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Orthesen: Orthesen können den Arm stabilisieren und die Funktion verbessern.
- Injektionen: In einigen Fällen können Injektionen mit Kortikosteroiden oder Lokalanästhetika zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
Operative Behandlung
- Nervenrekonstruktion: Bei schweren Verletzungen des Plexus brachialis kann eine operative Nervenrekonstruktion erforderlich sein. Dabei werden die beschädigten Nerven entweder direkt miteinander vernäht (Nervennaht) oder durch Nerventransplantate ersetzt.
- Neurolyse: Bei einer Neurolyse werden Narben oder Verklebungen, die auf die Nerven drücken, entfernt. Im OP-Bericht wird von einer Neurolyse und Dekompression supraclavicular links berichtet, bei der festgestellt wurde, dass die Nervenstrukturen verklebt waren.
- Muskeltransfers: Wenn bestimmte Muskeln dauerhaft gelähmt sind, können Muskeltransfers durchgeführt werden, um die Funktion wiederherzustellen.
Wirtschaftlichkeitsverantwortung
Es ist wichtig, die Wirtschaftlichkeitsverantwortung bei der Behandlung einer Plexus brachialis Läsion zu berücksichtigen. Ärzte und Therapeuten sollten gemeinsam entscheiden, welche Behandlungen notwendig und wirtschaftlich sind. Es sollte vermieden werden, die Wirtschaftlichkeitsverantwortung auf den Therapeuten abzuschieben.
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