Viele Menschen, besonders Frauen, kennen das Problem: Kalte Füße, die das Einschlafen erschweren oder den Partner im Bett stören. Doch woher kommt dieses unangenehme Gefühl und was kann man dagegen tun? Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen kalter Hände und Füße und gibt praktische Tipps zur Vorbeugung und Behandlung.
Ursachen für kalte Hände und Füße
Kalte Hände und Füße können verschiedene Ursachen haben. Oft sind es äußere Faktoren wie Kälte und Nässe, die den Körper dazu veranlassen, die Blutzufuhr zu den Extremitäten zu reduzieren, um die lebenswichtigen Organe im Körperinneren warm zu halten. Aber auch innere Faktoren wie ein überaktives vegetatives Nervensystem, niedriger Blutdruck oder bestimmte Erkrankungen können eine Rolle spielen.
Äußere Einflüsse: Kälte, Nässe und enge Schuhe
Sinkt die Außentemperatur, reagiert der Körper, indem er vorrangig die Körpermitte und die lebenswichtigen Organe schützt. Dazu wird die Blutzufuhr zu den äußeren Gliedmaßen, also Händen und Füßen, reduziert. Die Gefäße verengen sich, wodurch die Extremitäten schlechter mit Wärme versorgt werden und schneller auskühlen.
Nasse Füße verstärken diesen Effekt, da die Feuchtigkeit auf der Haut Wärme nach außen ableitet und Verdunstungskälte entsteht. Auch zu enge Schuhe können die Durchblutung beeinträchtigen, indem sie auf die feinen Blutgefäße drücken.
Vegetatives Nervensystem und niedriger Blutdruck
Ein überaktives vegetatives Nervensystem kann ebenfalls zu kalten Händen und Füßen führen. Dieses System steuert unbewusste Körperfunktionen wie die Durchblutung. Ist es überaktiv, kann es zu einer übermäßigen Verengung der Blutgefäße in den Extremitäten kommen.
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Niedriger Blutdruck (Hypotonie) kann ebenfalls eine Ursache sein. Ist der Blutdruck zu niedrig, fließt das Blut nicht mehr gleichmäßig und die Organe und Körperteile werden schlechter durchblutet. Besonders schlanke junge Frauen, hochaufgeschossene junge Männer und ältere Menschen sind häufiger von niedrigem Blutdruck betroffen.
Gefäßerkrankungen: Arteriosklerose und pAVK
Chronisch kalte Füße können auch ein Anzeichen für Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) sein. Dabei kommt es zu Ablagerungen und Verengungen in den Gefäßen, die den Blutfluss behindern. Risikofaktoren für Arteriosklerose sind Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht, hohe Blutfettwerte, Bluthochdruck und Diabetes.
Betrifft die Arteriosklerose die Gliedmaßen, spricht man von peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK). Diese äußert sich vor allem durch Schmerzen in den Beinen beim Gehen (Schaufensterkrankheit), blasse und kalte Füße sowie schlecht heilende Wunden.
Raynaud-Syndrom: Plötzlich kalt, schmerzhaft und verfärbt
Das Raynaud-Syndrom ist eine Gefäßerkrankung, die vor allem jüngere Frauen betrifft. Dabei kommt es anfallsartig zu einer Verengung der Blutgefäße in den Fingern und Zehen, wodurch diese plötzlich kalt, blass und schmerzhaft werden. Auslöser sind meist Kälte und emotionale Faktoren.
Man unterscheidet zwischen dem primären Raynaud-Syndrom, bei dem keine ursächliche Erkrankung feststellbar ist, und dem sekundären Raynaud-Syndrom, das im Rahmen anderer Erkrankungen wie Gefäßerkrankungen, Bluterkrankungen oder Autoimmunerkrankungen auftritt.
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Weitere mögliche Ursachen
Neben den genannten Ursachen können kalte Hände und Füße auch durch folgende Faktoren bedingt sein:
- Diabetes: Nervenschädigungen (Neuropathie) infolge von Diabetes können zu Kälteempfindlichkeit und Durchblutungsstörungen führen.
- Herzerkrankungen: Eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) kann die Durchblutung beeinträchtigen und zu kalten Füßen führen.
- Blutarmut: Ein Mangel an roten Blutkörperchen (Anämie) kann ebenfalls zu kalten Extremitäten führen.
- Schilddrüsenunterfunktion: Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann den Stoffwechsel verlangsamen und zu Kälteempfindlichkeit führen.
- Stress und psychische Belastungen: Stress, Angst und Depressionen können das vegetative Nervensystem beeinflussen und zu Durchblutungsstörungen führen.
- Medikamente: Einige Medikamente, insbesondere Betablocker und Migränemittel, können die Blutgefäße verengen und kalte Hände und Füße verursachen.
Symptome und Beschwerden
Kalte Hände und Füße äußern sich in erster Linie durch ein unangenehmes Kältegefühl in den betroffenen Extremitäten. Begleitend können folgende Symptome auftreten:
- Kribbeln und Taubheitsgefühl
- Schmerzen
- Blasse oder bläuliche Verfärbung der Haut
- Hautveränderungen
- Schlecht heilende Wunden
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wer auch bei normalen oder gar höheren Temperaturen häufig oder ständig kalte Füße hat, sollte ärztlichen Rat suchen. Dies gilt insbesondere, wenn zusätzlich Krämpfe, Schmerzen, Hautveränderungen oder Fieber auftreten. Auch bei plötzlicher Kälte und starken Schmerzen in einem Fuß oder Bein, begleitet von Blässe oder bläulicher Verfärbung der Haut, ist ein sofortiger Arztbesuch erforderlich, da dies auf eine Embolie hindeuten kann.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose von kalten Händen und Füßen umfasst in der Regel eine Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte), eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere Untersuchungen wie:
- Blutdruckmessung: zur Feststellung von niedrigem Blutdruck
- Blutuntersuchung: zur Überprüfung der Blutfettwerte, des Blutzuckerspiegels, der Schilddrüsenwerte und anderer Parameter
- Doppler-Sonographie: zur Beurteilung der Durchblutung der Gefäße
- Nagelfalz-Kapillarmikroskopie: zur Untersuchung der kleinen Gefäße im Nagelbett
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der kalten Hände und Füße. Bei äußeren Einflüssen wie Kälte und Nässe helfen warme Kleidung, wasserdichte Schuhe und das Vermeiden von Nässe. Bei niedrigem Blutdruck können einfache Maßnahmen wie ausreichend trinken, regelmäßige Bewegung und Wechselduschen helfen. Bei Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose ist es wichtig, die Risikofaktoren zu reduzieren, beispielsweise durch Rauchentwöhnung, Gewichtsabnahme und eine gesunde Ernährung. In manchen Fällen können auch Medikamente oder gefäßchirurgische Eingriffe erforderlich sein. Beim Raynaud-Syndrom ist es wichtig, die Hände und Füße vor Kälte zu schützen und Stress zu vermeiden. In schweren Fällen können auch hier Medikamente eingesetzt werden.
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Tipps zur Vorbeugung und Selbsthilfe
Neben der Behandlung der Ursache gibt es zahlreiche Maßnahmen, die Sie selbst ergreifen können, um kalten Händen und Füßen vorzubeugen oder sie zu lindern:
- Warme Kleidung: Tragen Sie warme, atmungsaktive Kleidung, insbesondere Socken aus Wolle oder Baumwolle. Vermeiden Sie synthetische Materialien, da diese die Schweißbildung fördern.
- Wasserdichte Schuhe: Achten Sie auf wasserdichte Schuhe mit dicken Sohlen, um die Füße vor Kälte und Nässe zu schützen.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung und wärmt den Körper von innen.
- Fußbäder: Warme Fußbäder mit durchblutungsfördernden Zusätzen wie Rosmarin oder Ingwer können helfen, kalte Füße aufzuwärmen.
- Fußgymnastik: Fußübungen wie Zehenkreisen, Zehenspreizen und Fußwippen können die Durchblutung der Füße verbessern.
- Fußmassagen: Massieren Sie Ihre Füße regelmäßig, um die Durchblutung anzuregen.
- Wechselduschen: Wechselwarme Duschen oder Fußbäder können die Gefäße trainieren und die Durchblutung verbessern.
- Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Vermeiden Sie fettreiche und zuckerhaltige Speisen.
- Ausreichend trinken: Trinken Sie ausreichend Wasser, um die Durchblutung zu fördern.
- Rauchen vermeiden: Nikotin verengt die Gefäße und verschlechtert die Durchblutung.
- Stress reduzieren: Sorgen Sie für ausreichend Entspannung und Stressabbau, beispielsweise durch Yoga, Meditation oder autogenes Training.
- Wärmflasche oder Heizkissen: Verwenden Sie eine Wärmflasche oder ein Heizkissen, um kalte Füße oder Hände aufzuwärmen.
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