Mit Mitte 40 setzen bei den meisten Frauen die ersten Symptome der Wechseljahre ein. Dazu zählen Hitzewallungen, Schlafstörungen und Depressionen. Welche Phasen gibt es und was hilft bei Beschwerden? Die Jahre vor und nach der letzten Monatsblutung bezeichnet man als Wechseljahre. Sie kennzeichnen den Übergang von der fruchtbaren Phase der Frau zu der Lebensphase, in der keine Schwangerschaft mehr möglich ist. Die Wechseljahre sind keine "Krankheit", sondern ein ganz normaler Prozess im Leben jeder Frau. Wechseljahresbeschwerden sind eine komplexe Symptomatik aus psychischen Symptomen und solchen, die das vegetative Nervensystem betreffen.
Die Phasen der Wechseljahre
Es gibt verschiedene Phasen der Wechseljahre. In der Regel beginnt die "Vorphase" (Prämenopause) im Alter von Mitte 40. Die Zeit um die letzte Regelblutung wird auch Perimenopause genannt. Können Frauen zu Beginn der Wechseljahre durchaus noch schwanger werden, ist das spätestens ein Jahr nach der letzten Monatsblutung nicht mehr möglich. Zu Beginn der Wechseljahre sinkt zunächst der Spiegel des weiblichen Hormons Progesteron; später reduziert sich auch die Menge des Östrogens im Körper.
- Prämenopause: Die erste Phase der Wechseljahre wird als Prämenopause bezeichnet. Die Prämenopause markiert die erste Phase der hormonellen Umstellung: Es findet nicht mehr regelmäßig jeden Zyklus ein Eisprung statt, sodass auch die nachfolgende Gelbkörperphase fehlt, in der normalerweise Progesteron gebildet wird. Deshalb ist ein Progesteronmangel typisch für diese Zeit im Leben von Frauen. Als Folge dieser Östrogendominanz können verschiedene Beschwerden auftreten, etwa Spannungsgefühle in der Brust, Stimmungsschwankungen oder auch eine veränderte (stärkere oder längere) Regelblutung.
- Perimenopause: Etwa ein- bis zwei Jahre vor der Menopause setzt die Perimenopause ein, die bis zu zwei Jahre nach der letzten Menstruationsblutung andauert. Nun lässt auch die Östrogenproduktion nach, und es kann s… Die Zeit um die letzte Regelblutung wird auch Perimenopause genannt.
- Menopause: Das ist der Zeitpunkt der allerletzten Regelblutung, von der man spricht, wenn mindestens zwölf Monate lang keine Blutung mehr aufgetreten ist. Mit der Menopause ist der Zeitpunkt der letzten Regelblutung gemeint. I.d.R. geht der Menopause eine Zeitspanne voraus, in der die Frauen merken, dass die Regel seltener, unregelmäßig kommt bzw. der Zyklus verlängert sich (>28 Tage). Hier sollte Frau sehr aufmerksam sein, denn bei 1/5 der Frauen setzt die Regel nach 3 Monaten nochmal ein. Erst wenn ein Jahr ohne weitere Blutung vergangen ist, kann man sicher sein, dass man diese Phase wirklich erreicht hat.
- Postmenopause: Postmenopause ist der Abschnitt der Wechseljahre, der beginnt, wenn die letzte Regelblutung mehr als zwölf Monate vergangen ist. Mit der Post-Menopause ist die Phase nach der letzten Regel, also nach der Menopause gemeint. Das Jahrzehnt nach der letzten Monatsblutung nennt man Postmenopause. Auch wenn jetzt keine Schwangerschaft mehr eintreten kann, finden weitere hormonelle Umstellungen statt.
Hormonelle Veränderungen und ihre Auswirkungen
Bei der Geburt haben Mädchen etwa 400.000 Eizellen in jedem Eierstock. In der Pubertät mit dem Eintreten der Periode reift in jedem Zyklus eine Eizelle vollständig in einem Follikel heran und wird mit dem Eisprung freigesetzt. Nach ungefähr 30 Jahren geht der Eizellenvorrat langsam zu Ende. Zu Beginn der Wechseljahre sinkt zunächst der Spiegel des weiblichen Hormons Progesteron; später reduziert sich auch die Menge des Östrogens im Körper.
Die Ursache von evtl. Beschwerden ist das wechselhafte Absinken bzw. die z.T. schwankenden Werte der beiden Hormone: in einem Moment fühlt Frau sich super, im nächsten Moment (z.T. Dabei ist wichtig zu wissen, dass ein evtl. im Blut gemessener Hormonspiegel nicht zwangsläufig mit den Beschwerden zusammenpassen muss. Es gibt Frauen mit starken Beschwerden, doch die Hormonwerte sind unauffällig. Dann gibt es Frauen die keinerlei Symptome haben, hier zeigt das Blutbild jedoch, dass sie mitten in den Wechseljahren sind.
Zwar sind Östrogene vor allem an der Steuerung des weiblichen Zyklus beteiligt, sie sind aber auch für eine Reihe weiterer Aufgaben wichtig: Struktur- und Feuchtigkeitsgehalt der Haut, Stabilität der Knochen, Vorbeugung von Gefäßverkalkung, Freisetzung anderer Hormone, etc. So erklärt sich, dass die Wechseljahre nicht nur das Erlöschen des Menstruationszyklus‘ zur Folge haben. Die veränderte Hormonsituation kann zu Beschwerden führen, die sich erst nach Jahren z. B. Nicht jede Frau nimmt ihre Wechseljahre als beschwerliche Zeit wahr. Etwa jede 5. Frau hat keine Probleme körperlicher und seelischer Art. Bei den anderen 80% tritt jedoch eine ganze Bandbreite von leichten bis quälenden Symptomen auf.
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Die Rolle des vegetativen Nervensystems
Vermutet wird eine Fehlregulation der Körpertemperatur im Gehirn beziehungsweise im vegetativen Nervensystem. Die Hormone Östrogen und Progesteron spielen als Botenstoffe eine wichtige Rolle bei der Temperaturregulation. Klimakterische BeschwerdenDie typischen Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen und Herzrasen werden durch hormonell bedingte Fehlsteuerungen im vegetativen Nervensystem verursacht. Viele Wechseljahrsbeschwerden hängen mit einer Überlastung des Nervensystems zusammen.
Ursache für die Herzsymptome ist vermutlich vor allem der teils sinkende Östrogenspiegel: Östrogen wirkt nicht nur als Geschlechtshormon, sondern auch als Botenstoff des vegetativen Nervensystems. Dieses wiederum reguliert unter anderem Blutdruck und Herzschlag. Forschende vermuten, dass aus diesem Grund jüngere Frauen im Vergleich zu ihren männlichen Altersgenossen auch seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden.
Häufige Symptome und Beschwerden
- Hitzewallungen: Hitzewallungen gehören zu den häufigsten Wechseljahresbeschwerden. Was genau die Ursache für das plötzliche Schwitzen ist, ist noch nicht bis ins Detail erforscht. Während einige Frauen nur gelegentlich einen Hitzeschub erleben, haben andere bis zu zwanzig Mal am Tag heftige Schweißausbrüche. Auch nachts wachen viele Frauen durch Hitzewellen und durchgeschwitzte Kleidung auf. Im westlichen Kulturkreis klagen 50 - 85 % aller Frauen zwischen 45 und 60 Jahren zumindest gelegentlich über Hitzewallungen. Bei den Hitzewallungen handelt es sich um ein unangenehmes, vorübergehendes Gefühl von Hitze in der Haut, vor allem in den oberen Körperpartien. Das Gesicht rötet sich und es kann zu Schweißausbrüchen kommen. Dauer und Häufigkeit können erheblich schwanken: von wenigen Sekunden bis zu 30 Minuten, mehrmals pro Stunde oder nur einige Male im Monat. Die Hitzewallungen sind oft von Herzrasen begleitet.
- Schlafstörungen: Bei vielen Frauen sind Schlafstörungen und Schlaflosigkeit die ersten Anzeichen der Wechseljahre, noch bevor Hitzewallungen oder andere typische Beschwerden auftreten. Ist dafür zu Beginn der Wechseljahre ein Mangel an Progesteron verantwortlich, fehlt später auch Östrogen, was ebenfalls zu Schlafstörungen und Schlaflosigkeit führen kann. Hinzu kommt, dass ein niedriger Östrogenspiegel zu einer verminderten Produktion von Melatonin führt. Dieses so genannte Schlafhormon reguliert unter anderem unseren Schlaf-Wach-Zyklus. Schlechtes Einschlafen, mehrfaches nächtliches Erwachen, sowie Veränderungen der Schlaftiefe treten auf. Sie kommen als wahrscheinlich häufigste Wechseljahresbeschwerden vor und können von Stimmungsschwankungen über Ängste, Nervosität und Reizbarkeit bis hin zu depressiven Verstimmungen reichen.
- Psychische Symptome: Die Menopause kann, muss aber nicht mit psychischen Symptomen einhergehen. Etwa 20 Prozent aller Frauen entwickeln Depressivität, Schlafstörungen, massive Erschöpfung, Unruhe, Panikattacken oder Konzentrationsstörungen. Auch hier spielt wieder das Sexualhormon Progesteron eine Rolle. Progesteron ist ein wichtiger Hilfsfaktor, mit dem im Gehirn Botenstoffe gebildet werden, die unsere seelische Stimmung, den Schlaf, Ängste und Unruhe beeinflussen. Kommt zu dem sinkenden Progesteron-Spiegel noch eine - wahrscheinlich genetisch bedingte - seelische Sensibilität hinzu, können psychische Symptome entstehen.
- Urogenitale Beschwerden: Vor allem der Rückgang von Östrogen führt dazu, dass die Schleimhäute im Genitalbereich dünner und trockener sowie anfälliger für Verletzungen werden. Die Vagina (Scheide) kann sich trockener anfühlen, Frauen haben eventuell Schmerzen beim Sex. Auch die Schleimhaut der Harnröhre kann betroffen sein, wodurch es häufiger zu Harnwegsinfekten kommt. Als besonders unangenehm erleben die Frauen, dass die Durchblutung der Schleimhäute im Urogenitalbereich abnimmt. Die Scheide wird trocken und für Verletzungen und Infektionen anfällig. Der Geschlechtsverkehr kann erschwert oder sogar unmöglich sein.
- Gewichtszunahme: Viele Frauen nehmen während der Wechseljahre kontinuierlich zu. Wie könnte es anders sein: Auch hier spielen die veränderten Hormonspiegel eine wichtige Rolle. Es wird weniger Östrogen und dafür mehr Testosteron (männliches Sexualhormon) gebildet. Dadurch verändert sich das Fettverteilungsmuster, weg von der "Birne" mit den Fettpolstern an Hüfte und Po, hin zur "Apfelform", bei der sich das Fett hauptsächlich am Bauch sammelt. Hinzu kommt: im Alter verlangsamt sich der Stoffwechsel und der Kalorienbedarf sinkt. Isst frau weiter so wie gewohnt, wird sie kontinuierlich Gewicht zulegen. Diäten sind hier allerdings keine gute Lösung, weil die Stoffwechselaktivität dadurch weiter absinkt.
- Herzrasen: Ab dem 50. Herzrasen und Herzstolpern gehören zu den unangenehmen, oft auch beunruhigenden Symptomen, die viele Frauen in den Wechseljahren erleben. Rund die Hälfte aller Frauen berichtet im Zuge der hormonellen Umstellung vor und nach der letzten Monatsblutung über solche Beschwerden im Herzbereich. Ursache für die Herzsymptome ist vermutlich vor allem der teils sinkende Östrogenspiegel: Östrogen wirkt nicht nur als Geschlechtshormon, sondern auch als Botenstoff des vegetativen Nervensystems. Dieses wiederum reguliert unter anderem Blutdruck und Herzschlag.
- Weitere Beschwerden: Weiterhin können körperliche Beschwerden wie Schwindel, Herzklopfen, Verstopfung und eine Gewichtszunahme ebenfalls zu den Beschwerden im Klimakterium zählen.
Zusammenhang mit Rückenschmerzen und Beinschmerzen
Manche Frauen haben in den Wechseljahren Schmerzen in den Beinen. Die schlechtere Durchblutung durch die Hormonumstellung und Wassereinlagerungen können eine Rolle spielen. Weil zu Beginn der Wechseljahre die Östrogene im Vergleich zum Progesteron im Überschuss vorliegen, fördert dies Wassereinlagerungen in den Wechseljahren. Manchmal komm es auch zu einem Restless-Leg-Syndrom mit schmerzenden und zuckenden Beinen. Möglicherweise verschlechtert der veränderte Östrogenspiegel die Reizübertragung bestimmter Botenstoffe. Die Unterleibsschmerzen können bis ins Becken oder in den Rücken ausstrahlen. Auch eine Gebärmuttersenkung kann das komische Gefühl im Unterleib auslösen. Diese Senkung entsteht, wenn die Haltestrukturen (z.B. die Mutterbänder) oder der Beckenboden nachgeben. Der Östrogenabfall in den Wechseljahren ist wohl der Grund dafür.
Spätfolgen des Östrogenmangels
Kein direktes Symptom der Wechseljahre, aber ein Faktor, der ernst genommen werden sollte, ist das mit den Wechseljahren steigende Risiko für Knochenschwund (Osteoporose) und Herz-Kreislauferkrankungen. Beides hat mit dem sinkenden Spiegel des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen zu tun. Östrogen fördert den Knochenaufbau und schützt das Gefäßsystem; mit sinkendem Östrogenspiegel reduzieren sich diese positiven Effekte. Das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, steigt in den Wechseljahren an und die Symptome eines Herzinfarkts sind bei Frauen oft andere als bei Männern (Bauch- und Rückenschmerzen, Übelkeit).
Der Östrogenmangel hat zur Folge, dass sich deutliche Veränderungen am Urogenitalsystem (also den Fortpflanzungsorganen und den harnleitenden Organen) vollziehen. Ferner kann der Östrogenentzug zu Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Östrogene spielen auch für die Versorgung der Haut und den Haarwuchs eine wichtige Rolle. Durch das Absinken der Östrogenspiegel in den Wechseljahren können sich daher auch kosmetische Probleme ergeben, die sehr belastend sein könnUrogenitale ProblemeAls besonders unangenehm erleben die Frauen, dass die Durchblutung der Schleimhäute im Urogenitalbereich abnimmt. Die Scheide wird trocken und für Verletzungen und Infektionen anfällig. Der Geschlechtsverkehr kann erschwert oder sogar unmöglich sein.
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Osteoporose heißt wörtlich übersetzt “poröser Knochen” (im Volksmund auch Knochenschwund genannt). Nach der Menopause kommt es zu einem gesteigerten Verlust von Knochenmasse. Dies ist ein Hinweis darauf, dass Sexualhormone - vor allem die Östrogene - am Erhalt der Knochenmasse beteiligt sind. Osteoporose kann auch bei jüngeren Frauen auftreten, die zu wenig Östrogene bilden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die Eierstöcke entfernt werden mussten.
Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter sind im Vergleich zu gleichaltrigen Männern vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen weitgehend geschätzt. Sie erkranken wesentlich seltener an Herzinfarkt, Bluthochdruck oder Schlaganfall. Diesen relativen Schutz schreibt man überwiegend den Östrogenen zu. Östrogene haben eine positive Wirkung auf die Blutfette, vor allem das Cholesterin. Sie wirken der Entstehung einer Arteriosklerose entgegen, indem sie Ablagerungen (Plaque) in den Gefäßen verhindern bzw. verringern und so Gefäßverengungen vorbeugen.
Als Folge des Östrogenmangels kommt es zur Rückbildung der elastischen und kollagenen Fasern der Haut. Die Aktivität der Talg- und Schweißdrüsen nimmt ab. Die Haut wird trocken und Juckreiz tritt auf.
Diagnose und Behandlung
Manche Frauen wollen es genauer wissen und ihren Hormonspiegel bei der Gynäkologin oder dem Endokrinologen (Facharzt für Hormone) bestimmen lassen. Das ist allerdings wenig sinnvoll, weil die Hormonspiegel zu Beginn der Wechseljahre stark schwanken und eine Momentaufnahme durch eine Blutanalyse wenig aussagekräftig ist. Es gibt auch Tests für zu Hause, die frau sich im Internet bestellen kann. Solche Selbsttests seien laut "Deutscher Apotheker Zeitung" und Stiftung Warentest weder sinnvoll noch zuverlässig. Mit ihnen wird unter anderem der Spiegel des Gelbkörperhormons FSH gemessen. Ein erhöhter Wert soll auf beginnende Wechseljahre hinweisen. Dieser Wert kann aber auch durch andere Faktoren erhöht sein.
Hormonersatztherapie (HRT)
Die Behandlung von Wechseljahresbeschwerden durch den Ersatz von Hormonen ist nach wie vor umstritten. Nachdem die Auswertung der "Women’s Health Initiative Studie" im Jahr 2002 gezeigt hat, dass eine Hormonersatztherapie (HRT="Hormone Replacement Therapy") zu Nebenwirkungen wie Brustkrebs, Thrombosen, Herzinfarkt und Schlaganfall führen kann, waren Frauen, Ärzte und Ärztinnen jahrelang zurückhaltend was eine HRT angeht. Inzwischen wurden die Studiendaten aber neu interpretiert und die HRT als weniger riskant eingeschätzt.
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Es gibt verschiedene Hormonpräparate, die die Sexualhormone Progesteron und Östrogen enthalten. Unterschieden wird zwischen synthetisch hergestellten Hormonpräparaten, bioidentischen Präparaten und so genannten Phytoöstrogenen. Hinzu kommt, dass diese Hormonpräparate unterschiedlich angewendet werden können. Hormone, die über die Haut aufgenommen werden, belasten den Stoffwechsel und die Leber weniger als Tabletten. Die häufigste Variante der Hormontherapie ist die Einnahme von Präparaten mit Östrogen und Gestagen. Beide Hormone werden vor den Wechseljahren vor allem in den Eierstöcken hergestellt. Kombinationspräparate sollen die Schleimhaut der Gebärmutter schützen, denn eine Behandlung nur mit Östrogen führt sehr oft zu Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut. Bei einigen Frauen kann daraus ein sogenannter Endometrium- oder Gebärmutterkörperkrebs entstehen. Bei einer ausschließlich lokalen Hormonbehandlung im Bereich der Scheide - zum Beispiel aufgrund von Scheidentrockenheit - kann in der Regel auf Gestagen verzichtet werden. Die Anwendung von östrogenhaltigen Mitteln bewirkt, dass sich die dünner und trockener gewordene Scheidenschleimhaut wieder aufbaut. Dies kann zum Beispiel vor Schmerzen beim Geschlechtsverkehr schützen. Zudem kann die lokale Behandlung positiven Einfluss auf eine Harninkontinenz und die Beschwerden bei einer überaktiven Blase haben. Hormonpflaster lassen sich auf allen wenig behaarten und ebenmäßigen Körperstellen (außer den Brüsten) aufkleben.
WirksamkeitViele Studien haben belegt, dass Frauen in den Wechseljahren von einer Hormonersatz-Therapie profitieren:Klimakterische Beschwerden (z.B. Schweißausbrüche, Hitzewallungen) werden gelindert.Osteoporose bedingte Knochenbrüche werden deutlich reduziert.Beschwerden durch trockene Schleimhäute (vor allem der Scheide und Harnröhre) werden gelindert.Psychische Beschwerden (z.B. depressive Verstimmungen) werden gelindert.Das Ziel der Hormonersatz-Therapie ist die Verbesserung und der langfristige Erhalt der Lebensqualität der Frau.
Bioidentische Hormone
Als bioidentisch werden Hormone in Präparaten bezeichnet, wenn sie in ihrer chemischen Molekülstruktur exakt gleich sind wie diejenigen, die der weibliche Körper in den Eierstöcken produziert. Der Pflanzenstoff Diosgenin dient als Basis für die Herstellung der bioidentischen Hormone 17-beta-Östradiol und Progesteron. Er findet sich in größeren Mengen in der Yamswurzel. Verschreibungspflichtige bioidentische Hormonpräparate unterliegen einer standardisierten Herstellung, die eine gleichbleibende Qualität verspricht. Sie wird unter strengen Qualitätskontrollen durchgeführt. Darüber hinaus gibt es frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel, die häufig über das Internet vertrieben werden. Diese Produkte sind arzneimittelrechtlich in der Regel nicht zugelassen, da Qualitätskontrollen und Studien fehlen. Manchmal wird der Eindruck erweckt, bioidentische Hormone seien völlig frei von Risiken und Nebenwirkungen. Das trifft nicht zu. Umgekehrt bedeutet "synthetisch" nicht automatisch "schlecht". Welche Vorteile oder Risiken bioidentische Hormone gegenüber synthetischen Hormonen haben, ist noch nicht abschließend erforscht.
Phytoöstrogene
Phytoöstrogene (wie Isoflavone, Lignane) sind Stoffe, die in verschiedenen Pflanzen enthalten sind. Sie kommen beispielsweise in Sojabohnen, Sesam- und Leinsamen vor, aber auch in Hülsenfrüchten, Getreide oder Rotklee. Es wird vermutet, dass Phytoöstrogene verschiedene hormonartige Effekte ausüben können, wenn sie mit der Nahrung aufgenommen werden. Gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren sollen manche Phytoöstrogene einen gewissen Effekt haben. Vor allem für Frauen, die eine Hormonbehandlung ablehnen oder aus gesundheitlichen Gründen nicht anwenden können, kommen pflanzliche Präparate infrage. Soja, Rotklee und Hülsenfrüchte enthalten so genannte Isoflavone. Sie ähneln in ihrer Struktur dem weiblichen Sexualhormon Östrogen. Studien zufolge können diese Phytoöstrogene beispielsweise Schlafstörungen lindern. Auch bei pflanzlichen Wirkstoffen gibt es allerdings Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Nicht alle der auf dem Markt angebotenen Mittel sind zugelassene Arzneimittel, die umfassend in Studien geprüft wurden. Und nicht alles, was "natürlich" oder "pflanzlich" ist, ist automatisch harmlos.
Weitere Empfehlungen
In den Wechseljahren nehmen viele Frauen an Gewicht zu. Eine ausgewogene Ernährung ist daher besonders wichtig. Sie besteht aus viel Gemüse, Salat, Obst, Milchprodukten. Aber weniger Zucker, Fett, Wurst und Weißmehl sowie einem weitgehenden Verzicht auf Alkohol und Nikotin. Weiterhin wichtig: ausreichender Schlaf, genügend Bewegung sowie Entspannungsübungen. Verringern Sie Stress, Ängste und innere Anspannung, so gut es geht. Trinken Sie Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke nur in Maßen, wenn Sie nicht ganz darauf verzichten wollen. Verzichten Sie am besten komplett auf das Rauchen.
Frühzeitige Wechseljahre
Kommen Frauen vor dem 40. Lebensjahr in die Wechseljahre, spricht man von "frühzeitigen Wechseljahren". Eine der häufigsten Gründe hierfür ist die Entfernung der Eierstöcke aufgrund einer Krebserkrankung. Die Entfernung der Gebärmutter aufgrund einer Krebserkrankung oder aus anderen Gründen führt zwar zu einem Ausbleiben der Regelblutung; die typischen Wechseljahresbeschwerden treten aber in der Regel noch nicht auf. Auch Frauen, die wegen einer Brustkrebserkrankung mit antihormonellen Medikamenten behandelt werden, kämpfen oft mit verschiedenen Symptomen der Wechseljahre. Weitere mögliche Auslöser von frühzeitigen Wechseljahren sind Autoimmunerkrankungen, eine Entzündung der Eierstöcke oder spezielle Stoffwechselstörungen. Auch Rauchen spielt eine Rolle; Raucherinnen kommen im Durchschnitt etwa zwei Jahre früher in die Wechseljahre als Nichtraucherinnen.
Die Rolle der Östrogene im Detail
Östrogene sind die bekanntesten weiblichen Sexualhormone. Das Wort Östrogen oder Estrogen kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Leidenschaft“ oder „Schwung“. Was in der Alltagssprache als „Östrogen“ häufig für „das Sexualhormon der Frau“ steht, ist eigentlich ein Sammelbegriff für verschiedene Östrogene. Es gibt mehr als 30 verschiedene Hormone, die in dieser Gruppe zusammengefasst werden. Die wichtigsten sind vor allem die Östrogene Estradiol, Estron und Estriol. Insbesondere das Estradiol ist unverzichtbar für die weibliche Fruchtbarkeit.
Östrogene sorgen für die Entwicklung vom Mädchen zur geschlechtsreifen Frau. Noch im Mutterleib bilden sich unter dem Einfluss der Östrogene bereits die primären weiblichen Geschlechtsmerkmale (z. B. Vagina und Eierstöcke) aus. In der Pubertät sorgen Östrogene für die Ausprägung der sekundären weiblichen Geschlechtsmerkmale (z. B. Brüste, geschlechtsspezifische Körperproportionen, Fettverteilungsmuster). Darüber hinaus schützen Östrogene vor Trockenheit der Haut und der Scheide. Sie sind wichtig für die Knochengesundheit, schützen vor Harnwegsinfektionen und fördern die Gedächtnisleistung. Östrogene sind an der Blutdruckregulation beteiligt, beeinflussen die Zusammensetzung der Fette im Blut sowie den Zuckerstoffwechsel positiv und schützen vor Gefäßverkalkung.
Die wichtigsten Östrogene
- Estradiol: Estradiol ist das wirksamste Östrogen beim Menschen. Es zählt gemeinsam mit Progesteron zu den wichtigsten weiblichen Sexualhormonen. Das Verhältnis der beiden zueinander ist essenziell für die Geschlechtsdifferenzierung, die Regulierung des Menstruationszyklus und den Eintritt sowie die Aufrechterhaltung einer Schwangerschaft.
- Estron: Estron ist weniger wirksam, aber nach Estradiol das zweitstärkste Östrogen der Frau und in der Postmenopause besonders wichtig. Estron kann in Estradiol umgewandelt werden und stellt dadurch vorrangig eine Speicherform des Estradiol dar.
- Estriol: Estriol ist ein schwach wirksames Östrogen. Es wird hauptsächlich während der Schwangerschaft in der Plazenta (Mutterkuchen) hergestellt, weshalb es häufig Schwangerschaftsöstrogen bezeichnet wird.
Funktionen der Östrogene
Östrogene sind verantwortlich für die Ausbildung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale. Zu den primären Merkmalen zählen alle, die direkt der Fortpflanzung dienen (wie zum Beispiel Gebärmutter, Eierstock, Scheide). Unter den sekundären Merkmalen versteht man solche, die nicht unmittelbar an der Fortpflanzung beteiligt sind. So dient beispielsweise die weibliche Brust in erster Linie dem Stillen von Säuglingen.
Neben den geschlechtsspezifischen Funktionen können Sexualhormone auf viele weitere Prozesse im Körper einwirken. So regulieren die Östrogene nicht nur die Fortpflanzungsfunktion, sondern beeinflussen viele andere Bereiche des Organismus - sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Es gibt verschiedene Typen von Östrogenrezeptoren im Körper, deren Effekte auch vom Zusammenspiel mit anderen Botenstoffen abhängen. Deshalb sind im gesamten Organismus viele verschiedene biologische Wirkungen der Östrogene zu beobachten.
Was passiert, wenn der Östrogenspiegel sinkt?
Der Östrogenspiegel kann in verschiedenen Lebensphasen der Frau schwanken. Im Verlauf der Wechseljahre kommt die Estradiolproduktion nach und nach zum Erliegen und der körpereigene Estradiolspiegel nimmt bis zum Eintritt der letzten Regelblutung (Menopause) über mehrere Jahre fortlaufend ab. Der Mangel an Estradiol ist ein wesentlicher Faktor für die Beschwerden, besonders nach der Menopause (in der Postmenopause).
Durch die Hormonschwankungen gerät unter anderem das vegetative Nervensystem aus dem Gleichgewicht. Es steuert die unbewusst ablaufenden Körperfunktionen, zum Beispiel den Herzschlag, die Atmung und den Stoffwechsel. Diese Dysbalance führt zu den charakteristischsten, häufigsten und belastendsten Symptomen der Wechseljahre wie zum Beispiel:
- Hitzewallungen und Schweißausbrüche
- Herzrasen
- Schwindel
- Verstopfung
- Schlafstörungen
- Depressive Verstimmungen bis hin zur Depression
- Panikattacken/Angststörungen
- Innere Unruhe und Reizbarkeit
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