Das vegetative Nervensystem und seine Rolle bei der Wärmeregulation

Die Wärmeregulation ist ein komplexer Prozess, der anfällig für Störungen ist. Eine intakte Temperaturregulation ist entscheidend für die Aufrechterhaltung einer angenehmen Körpertemperatur. Diese Regulation besteht aus Temperatursensoren in der Haut und im Körperinneren, die kontinuierlich Werte über Nervenbahnen an den Hypothalamus, das Messzentrum im Gehirn, weiterleiten. Der Hypothalamus setzt dann durch Rückmeldung an Haut, Drüsen und Muskulatur die notwendigen Mechanismen in Gang, um eine physiologische Körpertemperatur aufrechtzuerhalten. Ein gut funktionierendes vegetatives Nervensystem mit seinen zugehörigen Neurohormonen ist für eine effektive Thermoregulation unerlässlich. Allerdings ist das vegetative Nervensystem bei bestimmten Erkrankungen, wie z.B. Parkinson, in seiner Funktion beeinträchtigt.

Die Bedeutung des vegetativen Nervensystems für die Thermoregulation

Das vegetative Nervensystem spielt eine entscheidende Rolle bei der Thermoregulation des Körpers. Es steuert unter anderem die Schweißsekretion, wodurch der Körper durch Verdunstung gekühlt wird. Das vegetative Nervensystem wird funktionell in zwei Teilsysteme unterteilt: den Sympathikus und den Parasympathikus. Manchmal kann das innere Gleichgewicht gestört sein, was zu einer Verschiebung der Erregungsleitung im vegetativen System führt. Dies kann dazu führen, dass Menschen übermäßig schwitzen, selbst ohne körperliche Anstrengung.

Auswirkungen von Störungen der Thermoregulation bei Parkinson-Patienten

Bei Parkinson-Patienten kann die gestörte Funktion des vegetativen Nervensystems zu Problemen bei der Thermoregulation führen. Einige Patienten kleiden sich trotz extremer Kälte zu spärlich, was zu einer Auskühlung der Haut und Muskulatur führt. Diese Auskühlung kann die Durchblutung der Muskulatur verschlechtern und die Muskelsteifheit (Rigor) verstärken. Der Körper muss dann viel Energie aufwenden, um gegen die Auskühlung anzuheizen, was zu Erschöpfung und Müdigkeit führt. Einige Patienten berichten auch über eine Zunahme des Tremors (Zittern) bei Kälte.

Wenn der Rigor zunimmt, verlangsamen sich die Bewegungen, und alles wird langsamer und steifer. Aufgrund der Zunahme der Steifheit und oft auch aufgrund widriger Wetterverhältnisse mit Schnee und Glatteis werden auch die täglich notwendigen Bewegungsübungen eingeschränkt. Weniger Bewegung bei Parkinson führt ebenfalls zu einer Verschlechterung mit Zunahme der Steifheit und Unbeweglichkeit. Durch das rasche Dunkelwerden kommt es in den Wintermonaten zudem auch zu einer Verschlechterung der Stimmungslage ("Winterblues") und zu einem Mangel am Sonnenhormon Vitamin D. Fehlen Sonne und Vitamin D, leidet das Immunsystem, welches im Winter eigentlich viel zu tun hat und auf Hochtouren laufen sollte, um Infekte abzuwehren.

Da viele Patienten das Medikament Amantadin einnehmen, sind sie vor Erkältungen ganz gut geschützt, denn Amantadin ist ja eigentlich ein Anti-Grippemittel! Wenn sie jedoch durch die falsche Wärme- und Kälteempfindung auch noch unter starkem Schwitzen leiden, auch ohne körperliche Anstrengung oder große Hitze, dann sind sie im Winter besonders anfällig für Infekte. Denn häufig ist das Schwitzen besonders in der Nacht sehr ausgeprägt, es kommt zu regelrechten Schweißausbrüchen, als hätte man Fieber. Bettwäsche und Nachtkleidung sind vollkommen durchnässt und müssen nicht selten gewechselt werden.

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Was ist der Hypothalamus?

Der Hypothalamus ist der Vermittler zwischen dem Hormon- und Nervensystem. Er erhält Informationen von verschiedenen Messstationen im Körper (z.B. über Blutzucker, Blutdruck, Temperatur). Über die Ausschüttung von Hormonen kann er solche Parameter je nach Bedarf regulieren. So steuert der Hypothalamus zum Beispiel die Körpertemperatur, den Schlaf-Wach-Rhythmus, das Gefühl für Hunger und Durst, den Sexualtrieb und das Schmerzempfinden.

Die Hypothalamus-Hormone lassen sich in drei Gruppen einteilen:

  • Effektorhormone: Zu dieser Gruppe gehören Oxytocin und Adiuretin. Oxytocin regt die Wehentätigkeit bei der Geburt sowie das Einschießen der Muttermilch in die weibliche Brust aus. Adiuretin ist für die Wasserrückresorption in der Niere zuständig.
  • Steuerhormone: Hierbei unterscheidet man Releasing- und Inhibiting-Hormone. Über Releasing-Hormone regt der Hypothalamus die Hypophyse zur Synthese und Sekretion diverser Hormone an. Mit Inhibiting-Hormonen bremst der Hypothalamus die Sekretion der Hypophysenhormone.
  • Weitere Hormone (Neuropeptide): Diese beeinflussen zusammen mit den beiden anderen Gruppen von Hypothalamus-Hormonen die Funktion des Hypophysenvorderlappens oder fungieren als Kommunikatoren zwischen dem Hypothalamus und anderen Bereichen des Gehirns.

Regelkreise sorgen dafür, dass die Wirkungen der Hormone immer genau an die Bedürfnisse des Organismus angepasst sind. Ein Beispiel ist die Thermoregulation: Sinkt die Körperkerntemperatur ab, setzt ein Regelkreis zur Temperaturregulation ein. Der Hypothalamus setzt das Hormon TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon) frei. TRH animiert den Hypophysenvorderlappen, TSH (Thyroidea-stimulierendes Hormon) auszuschütten. TSH wiederum reguliert die Bildung des Schilddrüsenhormons Thyroxin (T4). Dieses gelangt in Fettgewebe und Skelettmuskulatur und wird dort in Trijodthyronin (T3) umgewandelt. T3 steigert den Grundumsatz, kurbelt die Energiebereitstellung aus der Leber an, erhöht die Herzfrequenz - mit dem Ergebnis einer Erhöhung der Temperatur. Erhöht sich die Körperkerntemperatur, dann erfolgt durch den Hypothalamus eine Absenkung des Sympathikotonus, der die Gefäße in der Peripherie weitet und die Schweißsekretion fördert - mit dem Ergebnis einer Abkühlung des Körpers.

Praktische Tipps für Parkinson-Patienten im Winter

Um den Problemen der Thermoregulation im Winter entgegenzuwirken, können Parkinson-Patienten folgende Hinweise beachten:

  1. Kurbeln Sie Ihre Durchblutung an: Gehen Sie täglich an die frische Luft, auch bei Kälte. Sauna und Kneipp-Wechselduschen sowie Trockenbürstenmassagen können ebenfalls hilfreich sein. Härten Sie sich ab!
  2. Bewegen Sie sich täglich: Sofern es zu kalt oder glatt ist, sollten die täglichen nötigen Bewegungsübungen in der Wohnung stattfinden. Morgengymnastik ist unabhängig vom Wetter, jedoch sollte die Zimmertemperatur angenehm warm sein. Üben Sie nicht in einem zu kalten Raum! Wer kein Heimfahrrad oder Stepper zur Verfügung hat, kann auch das Thera-Band zu Hilfe nehmen. Viele Übungen sind völlig unabhängig von externen Hilfsmitteln - nur "der innere Schweinehund" muss besiegt werden. Einige Patienten nutzen Fernsehsendungen oder Online-Videos zur Gymnastik.
  3. Aufwärmen von innen: Trinken Sie heißen Tee oder genießen Sie eine heiße Suppe. Sie wirkt bei Kälte Wunder! Würzen Sie mit Chili oder Ingwer. Für unterwegs gibt es neben der traditionellen Thermoskanne bereits zahlreiche fantasievolle Isolierbehälter.
  4. Warm anziehen: Ziehen Sie sich der Umgebungstemperatur angepasst an. Falls Sie verschiedenen Temperaturen ausgesetzt sind (Spazierengehen, Besuch eines Cafes…) nutzen Sie das Zwiebelschalenprinzip. Mehrere leichtere Kleidungsstücke übereinander sind besser als zwei dicke! Die Luftschicht zwischen der Kleidung isoliert zusätzlich und wenn es zu warm wird, kann man Schichten nach Bedarf abwerfen. Unterwäsche (Unterhemd, lange Unterhosen) hält besonders gut warm, auch wenn sie nicht so toll aussieht!
  5. Vermeiden Sie Eisfüße: Tragen Sie warmes und nässedichtes Schuhwerk. Damit die Luft auch im Fußbereich zirkulieren kann, sollten die Schuhe nicht zu eng sein. Im Winter sollte man bequem dicke Socken tragen können. Wer unter kalten Füßen leidet, sollte Thermosohlen einlegen können. Falls sie Schnürschuhe tragen, binden Sie diese nicht zu fest, um die Blutzirkulation nicht zu hindern. Denken Sie daran: "Den Kopf halt' kühl, die Füße warm, das macht den besten Doktor arm!"
  6. Handschuhe tragen: Finger frieren schnell und einige Parkinson-Patienten bekommen bei Kälte schnell ganz weiße oder blaue Finger (M. Raynaud). Tragen Sie bereits ab Herbst Handschuhe, bei starker Kälte dicke Fausthandschuhe über leichten Fingerhandschuhen. Pulswärmer sind ebenfalls sehr effektiv. Patienten mit M. Raynaud sollten neben den Pulswärmern auch warme Stulpen über den Fußknöcheln tragen.
  7. Nicht ins Schwitzen kommen: Beim Wandern oder Spazierengehen unbedingt Unterwäsche tragen, welche den Schweiß aufnimmt und schnell trocknet, es gibt dafür spezielle Funktionsunterwäsche im Fachgeschäft. Sie sollte eng anliegen. Die überliegenden Schichten sollten atmungsaktiv und leicht sein und ausreichend Wind- und Nässeschutz bieten.
  8. Richtiges Atmen: Beim Einatmen kalter Luft muss diese auf dem Weg zur Lunge vom Körper erwärmt werden. Versuchen Sie deshalb, durch die Nase zu atmen, hier ist der Weg etwas länger und die Lunge bekommt keinen Schreck, wenn die kalte Luft ankommt. Ein Schal vor Mund und Nase ist ebenfalls hilfreich, da die Einatmungsluft bereits vorgewärmt wird.
  9. Vermeiden Sie "Frostbeulen": Wind und Wetter treffen direkt auf Ihr Gesicht. Die Haut sollte deshalb im Winter mit fetthaltiger Kälteschutzcreme gepflegt werden. Beim Wandern oder Skifahren in der glitzernden Wintersonne Kombipflege mit Kälte- und Sonnenschutz! Pflegeprodukte mit hoher Feuchtigkeit sind eher für den Sommer geeignet, im Winter kann sich die Feuchtigkeit schnell in Eiskristalle verwandeln und Hautschäden verursachen. Und vergessen Sie die Sonnenbrille nicht - auch im Winter. Bei trockenen Augen ist bei Kälte und Wind eine Sonnenbrille mit Kantenschutz ein Segen.
  10. Licht für die Seele: Sparen Sie nicht mit Licht in Ihrer Wohnung. Die Dunkelheit lockt die Depression hinter dem Ofen hervor. Also alle Schalter an und Lichter in den Fenstern für die verlorenen Seelen. Für Patienten mit Winterdepression gibt es mehrere Studien über eine Besserung durch Lichttherapie. Entsprechende Lichtduschen bzw. Tageslicht-Lampen sind im Fachhandel oder im www (Suchwort Lichttherapie) zu erschwinglichen Preisen zu erwerben.
  11. Sorgen Sie für das Sonnenhormon: In den Wintermonaten fällt es schwer, genügend Sonne für eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D (Fisch, Ei, Käse, Avocados, Champignons…) zu tanken, selbst gesunden jüngeren Menschen. Parkinson-Patienten leiden jedoch ohnehin oft an einem Vitamin-D-Mangel. Ernähren Sie sich deshalb bewusst Vitamin-D-reich und nehmen Sie über den Winter zusätzlich Vitamin D in Kapselform ein, es gibt Kapseln für die tägliche oder wöchentliche Einnahme, ganz nach Wunsch.

Hyperhidrose (übermäßiges Schwitzen)

Übermäßiges Schwitzen, auch Hyperhidrose genannt, kann eine große Belastung darstellen. Es dient der Wärmeregulation, aber manchmal kann das vegetative Nervensystem gestört sein, was zu einer Verschiebung der Erregungsleitung führt. Dies kann dazu führen, dass Menschen übermäßig schwitzen, selbst ohne körperliche Anstrengung. Die Ursache für die Hyperhidrosis ist der Sympathikus im vegetativen Nervensystem. Betroffene müssen oft dunklere Kleidung tragen, um Schweißflecken zu kaschieren.

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Ein einfacher Weg, die Schweißkanäle zu desensibilisieren, ist die Verwendung eines Antitranspirants. In vielen Fällen erlernt der Körper auf diesem Weg wieder eine Normalität der Regulation, d.h. nach einiger Zeit kann die Frequenz des Auftragens reduziert werden und starkes Schwitzen tritt dennoch nicht auf.

Es gibt auch spezielle Antitranspirante wie "Just dry", das alkohol- und parfumfrei ist und keine Emulgatoren enthält. Es sollte jedoch nicht auf frisch rasierte Stellen aufgetragen werden. "Just dry" kann auch bei stark schwitzenden Händen oder Füßen angewendet werden. Am nächsten Morgen kann man ganz normal duschen und ein kosmetisches Deodorant mit Duft verwenden. Der Wirkstoff Aluminiumchlorid in Antitranspiranten wirkt als Adstringens und Desensibilisator, der die Produktion übermäßigen Schweißes in der Schweißdrüse verhindert.

Weitere therapeutische Ansätze

Neben den genannten Maßnahmen gibt es weitere Therapieansätze, die bei der Regulierung des Wärmehaushaltes unterstützend wirken können:

  • Hydrotherapie: Anwendungen wie Güsse oder Warm-/Kalt-Wechselduschen können die Entspannung fördern oder belebend wirken und die vegetative Resilienz stärken.
  • Sauna und Infrarotbehandlungen: Diese fördern in erster Linie die Entspannung und können die Durchblutung der Organe verbessern.
  • Kältetherapie (Kryotherapie): Wirkt belebend und kann die antioxidative Kapazität erhöhen.

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