Die Annahme, dass der Geruch von verbranntem Toast ein Vorbote eines Schlaganfalls sein könnte, ist ein weit verbreiteter Mythos. Diese Vorstellung ist tief in der öffentlichen Wahrnehmung verwurzelt und hat sich sogar in den Medien und sozialen Netzwerken etabliert. Doch was steckt wirklich dahinter?
Die Faktenlage: Was die Wissenschaft sagt
Fachleute aus der Neurologie betonen, dass es keine wissenschaftlichen Beweise für diese Annahme gibt. Dr. Alhamza Al-Bayati, ein Neurointerventionalist am University of Pittsburgh Medical Center, weist darauf hin, dass solche Gerüche bei Schlaganfällen äußerst selten auftreten. Statt sich auf den Geruch von verbranntem Toast zu konzentrieren, sollten Menschen die tatsächlichen Warnzeichen eines Schlaganfalls kennen.
Phantosmie: Wenn die Nase Geister riecht
Der medizinische Fachbegriff für das Wahrnehmen von Phantomgerüchen ist Phantosmie. Dabei nehmen Betroffene Gerüche wahr, die nicht real vorhanden sind. Kathleen Bainbridge und Danita Byrd-Clark vom National Institute on Deafness and Other Communication Disorders in Bethesda haben in einer Studie einige interessante Zusammenhänge gefunden.
Die Teilnehmer der Studie beantworteten Fragen zu ihrer Gefäßgesundheit, einschließlich aufgetretener Schlaganfälle. Dabei zeigte sich, dass Personen, die einen Schlaganfall erlitten hatten, eine um 76 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für eine Phantosmie aufwiesen. Ein ähnliches Ergebnis fanden die Forscherinnen bei Hypertonikern unter Therapie (+68 Prozent). Allerdings ist es wichtig zu betonen, dass Phantosmie nicht spezifisch für Schlaganfälle ist und auch andere Ursachen haben kann.
Schlaganfall erkennen: Auf die Symptome kommt es an
Ein Schlaganfall tritt auf, wenn die Blutversorgung zum Gehirn unterbrochen wird, entweder durch ein blockiertes Blutgefäß (ischämischer Schlaganfall) oder durch das Platzen eines Blutgefäßes (hämorrhagischer Schlaganfall). Die Symptome eines Schlaganfalls können vielfältig sein und umfassen:
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- Gleichgewichtsstörungen
- Veränderungen des Sehvermögens
- Einseitige Gesichtslähmung
- Schwäche in einem Arm
- Sprachschwierigkeiten
Es ist wichtig, die Anzeichen und Symptome eines Schlaganfalls zu erkennen und sofort medizinische Hilfe zu suchen, wenn sie auftreten. Die Behandlung eines Schlaganfalls erfordert eine schnelle Reaktion, um das Risiko von dauerhaften Schäden zu minimieren.
Der FAST-Test kann helfen, einen Schlaganfall schnell zu erkennen:
- Face (Gesicht): Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab, deutet das auf eine Halbseitenlähmung hin.
- Arms (Arme): Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden, ein Arm sinkt oder dreht sich.
- Speech (Sprache): Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.
- Time (Zeit): Zögern Sie nicht, wählen Sie unverzüglich die 112 und schildern Sie die Symptome.
Schlaganfallrisiko minimieren: Ein gesunder Lebensstil zählt
Um das Risiko eines Schlaganfalls zu verringern, empfehlen Experten einen gesunden Lebensstil. Dazu gehört eine ausgewogene Ernährung mit wenig Fett und Zucker sowie regelmäßige körperliche Aktivität. Auch das Rauchen sollte vermieden werden. Dr. Linda Wendell von Mount Auburn Hospital in Massachusetts betont, dass Schlaganfälle Menschen jeden Alters betreffen können.
Verbrannter Toast: Mehr als nur ein Geschmacksverlust?
Abgesehen von der unbegründeten Angst vor einem Schlaganfall, stellt sich die Frage, ob verbrannter Toast tatsächlich gesundheitsschädlich ist. Hier spielt vor allem der Stoff Acrylamid eine Rolle.
Acrylamid: Entstehung und potenzielle Gefahren
Acrylamid ist eine chemische Verbindung, die beim Erhitzen von stärkehaltigen Lebensmitteln wie Brot, Kartoffeln und Kaffee entsteht. Dies geschieht insbesondere bei hohen Temperaturen, wie sie beim Backen, Braten, Grillen, Frittieren und Rösten erreicht werden. Die Reaktion zwischen natürlichem Zucker und Hitze, die zur Bräunung führt, ist dabei der Auslöser.
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In Tierversuchen hat sich gezeigt, dass Acrylamid das Erbgut schädigen und Krebs erzeugen kann. Allerdings wurden in diesen Studien wesentlich höhere Dosierungen verwendet, als ein Mensch normalerweise mit der Nahrung aufnimmt. Studien an größeren Bevölkerungsgruppen konnten bislang keinen sicheren Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Acrylamid und der Entstehung von Krebs herstellen.
Verbrannter Toast und Acrylamid
Verbrannter Toast weist einen erhöhten Gehalt an Acrylamid auf. Eine Scheibe Toast enthält etwa 4,8 Mikrogramm Acrylamid. Dieser Wert verdoppelt sich, wenn sie verbrannt wird. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft Acrylamid für den Menschen als potenziell krebserregend ein und empfiehlt, die Aufnahme so gering wie möglich zu halten.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Ein weiteres Risiko?
Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine höhere Acrylamid-Aufnahme auch mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sein könnte. Eine Studie, die diverse Studien aus den letzten 20 Jahren untersuchte, ergab, dass eine hohe Acrylamid-Belastung durch die Ernährung das Risiko eines kardiovaskulären Todes um bis zu 60 Prozent erhöhen könnte.
Was tun? Tipps für den Umgang mit Acrylamid
Um die Acrylamid-Aufnahme zu minimieren, sollten Sie folgende Tipps beachten:
- "Vergolden statt verkohlen": Reduzieren Sie die Temperatur beim Braten, Backen, Frittieren und Grillen.
- Dunkle Stellen entfernen: Schneiden Sie verbrannte Stellen am Toast oder Pizzarand großzügig ab.
- Verbranntes entsorgen: Ist der Toast komplett verbrannt, sollte man ihn wegwerfen.
- Abwechslungsreiche Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse.
- Weniger hochverarbeitete Lebensmittel: Reduzieren Sie den Konsum von hochverarbeiteten Lebensmitteln, insbesondere bei Jugendlichen.
Toastbrot: Nährwerte und Alternativen
Toastbrot ist nicht gleich Toastbrot. Es gibt verschiedene Varianten, die sich in Bezug auf ihre Inhaltsstoffe und Nährwerte unterscheiden:
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- Buttertoast: Besteht hauptsächlich aus Weizenmehl und besitzt nur wenige Ballaststoffe.
- Mehrkorntoast (auch: Saatentoast): Enthält mindestens drei Arten von Getreide und etwas mehr Ballaststoffe.
- Vollkorntoast: Hat einen Vollkornanteil von mindestens 90 Prozent und ist besonders reich an Ballaststoffen.
Aufgrund des höchsten Wertes an Ballaststoffen ist Vollkorntoast unter allen Toastsorten die bessere Wahl. Menschen mit einem erhöhten Cholesterinwert sollten ebenfalls lieber zur Vollkornvariante greifen, da Ballaststoffe helfen, die LDL-Cholesterinwerte im Blut zu senken.
Inzwischen gibt es auch viele Alternativen zum klassischen Toastbrot, die auf die individuellen Ernährungsgewohnheiten, Allergien oder Lebensmittelunverträglichkeiten eingehen, wie Dinkel-Toastbrot, zuckerfreies Toastbrot, glutenfreies Toastbrot oder laktosefreies Toastbrot.
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