Ursachen von Rückenmarksverdickungen: Ein umfassender Überblick

Eine Verdickung des Rückenmarks kann verschiedene Ursachen haben, die von harmlosen anatomischen Varianten bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen reichen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen, Symptome, Diagnosemethoden und Behandlungsansätze im Zusammenhang mit Rückenmarksverdickungen.

Einführung in die Anatomie der Wirbelsäule und des Rückenmarks

Um die Ursachen und Auswirkungen von Rückenmarksverdickungen zu verstehen, ist ein grundlegendes Verständnis der Anatomie der Wirbelsäule und des Rückenmarks unerlässlich.

Die Wirbelsäule besteht aus einzelnen Wirbelkörpern, die durch Bandscheiben miteinander verbunden sind. Diese Bandscheiben dienen als Stoßdämpfer und ermöglichen die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Die Wirbelgelenke (Facettengelenke) gewährleisten die Bewegungsführung.

Der Spinalkanal, der von den Wirbeln gebildet wird, beherbergt das Rückenmark, das von Rückenmarkshäuten (Dura) geschützt ist. Das Gehirnwasser (Liquor) umgibt das Rückenmark und die Nervenfasern und sorgt für zusätzlichen Schutz.

Das Rückenmark selbst ist eine zentrale Nervenstruktur, die Informationen zwischen Gehirn und Körper überträgt. Es besteht aus grauer Substanz (Nervenzellkörper) und weißer Substanz (Nervenfasern). An deinem Rückenmark findest du vordere und hintere Nervenwurzeln. Diese vereinen sich zu Spinalnerven, die paarweise zwischen deinen Wirbeln verlaufen. Die Spinalnerven gehören zu deinem peripheren Nervensystem - also dem Teil außerhalb von Schädel und Wirbelkanal. Interessant ist auch: Dein Rückenmark endet bereits etwa auf Höhe deines 1. oder 2. Lendenwirbels.

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Spinalkanalstenose: Eine häufige Ursache für Rückenmarksverdickung

Eine häufige Ursache für Rückenmarksverdickungen ist die Spinalkanalstenose, eine Verengung des Wirbelkanals. Diese Verengung kann Druck auf das Rückenmark und die Nervenwurzeln ausüben, was zu verschiedenen Symptomen führen kann.

Ursachen der Spinalkanalstenose

Die Spinalkanalstenose kann verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Degenerative Veränderungen: Im Laufe des natürlichen Alterungsprozesses können Verschleißerscheinungen an Bandscheiben, Bändern und Wirbelgelenken auftreten. Diese Veränderungen können zu Knochenanbauten (Osteophyten) und Verdickungen der Bänder führen, die den Spinalkanal einengen.
  • Bandscheibenvorfälle und -protrusionen: Bandscheibenvorfälle und -protrusionen können ebenfalls den Spinalkanal einengen und Druck auf das Rückenmark ausüben.
  • Wirbelgleiten (Spondylolisthesis): Das Wirbelgleiten, eine Überbeweglichkeit von Wirbelkörpern, kann ebenfalls zu einer Verengung des Spinalkanals führen.
  • Angeborene Spinalkanalstenose: In seltenen Fällen kann eine Spinalkanalstenose angeboren sein, d.h. die Betroffenen werden mit einem engeren Spinalkanal geboren.
  • Verdickte Bänder: Entlang der Wirbelsäule, die auf den Spinalkanal drücken. Durch Verschleißerscheinungen.
  • Wirbelgleiten
  • Durch Verschleiß entstehende Knochenzacken und Knochenanbauten an den Wirbeln: Diese Zacken und Anbauten ragen in den Spinalkanal.

Symptome der Spinalkanalstenose

Die Symptome einer Spinalkanalstenose können je nach Lokalisation und Ausmaß der Verengung variieren. Häufige Symptome sind:

  • Schmerzen: Schmerzen im Rücken oder Nacken, die in die Beine oder Arme ausstrahlen können.
  • Taubheitsgefühle und Kribbeln: Taubheitsgefühle und Kribbeln in den Beinen, Füßen, Armen oder Händen.
  • Muskelschwäche: Muskelschwäche in den Beinen oder Armen.
  • Gangstörungen: Schwierigkeiten beim Gehen oder Stehen.
  • Blasen- und Darmfunktionsstörungen: In schweren Fällen können Blasen- und Darmfunktionsstörungen auftreten.
  • Minderung der Gehstrecke
  • Schweregefühl in den Beinen
  • Nächtliche Krämpfe

Typischerweise verspüren Betroffene Rücken- und Beinschmerzen und können keine weiten Strecken mehr gehen. Oftmals ist es der natürliche Alterungsprozess, der zu Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule führt.

Diagnose der Spinalkanalstenose

Die Diagnose einer Spinalkanalstenose umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung, eine neurologische Untersuchung und bildgebende Verfahren.

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  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird die Wirbelsäule abtasten und die Beweglichkeit prüfen.
  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt wird die Reflexe, die Muskelkraft und die Sensibilität prüfen, um festzustellen, ob Nervenschäden vorliegen.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Röntgenaufnahmen: Röntgenaufnahmen können Knochenanbauten und andere strukturelle Veränderungen der Wirbelsäule sichtbar machen.
    • Magnetresonanztomographie (MRT): Eine MRT ist die beste Methode, um Weichteile wie Bandscheiben, Nerven und das Rückenmark darzustellen.
    • Computertomographie (CT): Eine CT kann zusätzliche Informationen über knöcherne Strukturen liefern.

Behandlung der Spinalkanalstenose

Die Behandlung einer Spinalkanalstenose hängt von der Schwere der Symptome ab. Konservative Behandlungsmethoden können ausreichen, um die Symptome zu lindern. In schweren Fällen kann eine Operation erforderlich sein.

  • Konservative Behandlung:
    • Schmerzmittel: Schmerzmittel können helfen, die Schmerzen zu lindern.
    • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskeln zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern.
    • Injektionen: Injektionen mit Kortikosteroiden können helfen, Entzündungen zu reduzieren und die Schmerzen zu lindern.
    • Krankengymnastik und spezielle Mieder: Können die Wirbelsäule etwas aufgerichtet werden, so dass die Nervenwurzeln wieder mehr Platz haben.
    • Bewegungsübungen und Physiotherapie
  • Operative Behandlung:
    • Dekompression: Bei einer Dekompressionsoperation wird der Spinalkanal erweitert, um den Druck auf das Rückenmark und die Nervenwurzeln zu verringern.
    • Stabilisierung: In einigen Fällen kann eine Stabilisierungsoperation erforderlich sein, um die Wirbelsäule zu stabilisieren.
    • Bandscheibenoperationen: Hat etwa ein Bandscheibenvorfall den Rückenmarkskanal verengt, so wird es voraussichtlich reichen nur den Vorfall zu beheben.
    • Stabilisierung des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts: Haben gleitende Wirbel den Kanal verengt, ist meist eine Stabilisierung des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts vonnöten.
    • Erweiterung des Spinalkanals von hinten (Dekompression): In diesem Fall reicht es aus, den Spinalkanal von hinten zu erweitern (Dekompression). Hier entfernt der Operateur jedoch sehr viel Knochen, weshalb eventuell zusätzlich eine Stabilisierung mit Schrauben notwendig ist.

Syringomyelie: Eine weitere mögliche Ursache

Die Syringomyelie ist eine Erkrankung, bei der sich flüssigkeitsgefüllte Hohlräume (Syringen) im Rückenmark bilden. Diese Syringen können das Rückenmark schädigen und zu verschiedenen neurologischen Symptomen führen.

Ursachen der Syringomyelie

Die Syringomyelie kann verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Angeborene Fehlbildungen: Angeborene Fehlbildungen des Gehirns oder des Rückenmarks können zu einer Syringomyelie führen.
  • Verletzungen: Verletzungen des Rückenmarks, wie z.B. schwere Stürze oder Verkehrsunfälle, können ebenfalls eine Syringomyelie verursachen.
  • Tumore: Tumore im Rückenmark können den Fluss des Gehirnwassers blockieren und zu einer Syringomyelie führen.
  • Hirnhautentzündung: Eine Hirnhautentzündung kann zu Verwachsungen und Verdickungen der Rückenmarkshülle führen, was wiederum eine Syringomyelie verursachen kann.

Symptome der Syringomyelie

Die Symptome einer Syringomyelie können je nach Größe und Lokalisation der Syringe variieren. Häufige Symptome sind:

  • Schmerzen: Schmerzen im Nacken, in den Schultern, in den Armen oder in den Händen.
  • Taubheitsgefühle und Kribbeln: Taubheitsgefühle und Kribbeln in den Händen oder Füßen.
  • Muskelschwäche: Muskelschwäche in den Armen oder Beinen.
  • Gangstörungen: Schwierigkeiten beim Gehen oder Stehen.
  • Blasen- und Darmfunktionsstörungen: In schweren Fällen können Blasen- und Darmfunktionsstörungen auftreten.
  • Verlust von Temperatur- und Schmerzwahrnehmung
  • Spinale Ataxie
  • Missempfindungen mit einem brennenden Charakter
  • Schluckstörungen, Heiserkeit, Schiefhals

Diagnose der Syringomyelie

Die Diagnose einer Syringomyelie erfolgt in der Regel durch eine MRT des Rückenmarks. Eine MRT kann die Syringe sichtbar machen und Informationen über ihre Größe und Lokalisation liefern.

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Behandlung der Syringomyelie

Die Behandlung einer Syringomyelie hängt von der Ursache und der Schwere der Symptome ab. In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Syringe zu entlasten.

  • Operative Behandlung:
    • Entlastung der Syringe: Bei einer Operation wird die Syringe entlastet, um den Druck auf das Rückenmark zu verringern.
    • Behandlung der Ursache: Wenn die Syringomyelie durch eine andere Erkrankung verursacht wird, wie z.B. einen Tumor, muss diese Erkrankung ebenfalls behandelt werden.

Weitere Ursachen für Rückenmarksverdickungen

Neben Spinalkanalstenose und Syringomyelie gibt es noch weitere mögliche Ursachen für Rückenmarksverdickungen, darunter:

  • Tumore: Tumore im Rückenmark können das Rückenmark komprimieren und zu einer Verdickung führen.
  • Entzündungen: Entzündungen des Rückenmarks (Myelitis) können ebenfalls zu einer Verdickung führen.
  • Gefäßerkrankungen: Gefäßerkrankungen des Rückenmarks können zu einer Verdickung führen.
  • Epidurale Lipomatose: Eine übermäßige Fettgewebsansammlung (epidurale Lipomatose) kann den Spinalkanal einengen.
  • Synovialzysten: Aussackungen der Gelenkkapsel (Synovialzysten) der kleinen Wirbelgelenke können den Spinalkanal einengen.

Diagnostische Verfahren

Um die Ursache einer Rückenmarksverdickung zu ermitteln, stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung:

  • Körperliche Untersuchung: Eine gründliche körperliche Untersuchung kann erste Hinweise auf die Ursache der Beschwerden liefern.
  • Neurologische Untersuchung: Eine neurologische Untersuchung kann helfen, Nervenschäden zu identifizieren.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Röntgenaufnahmen: Röntgenaufnahmen können Knochenanbauten und andere strukturelle Veränderungen der Wirbelsäule sichtbar machen.
    • Magnetresonanztomographie (MRT): Eine MRT ist die beste Methode, um Weichteile wie Bandscheiben, Nerven und das Rückenmark darzustellen.
    • Computertomographie (CT): Eine CT kann zusätzliche Informationen über knöcherne Strukturen liefern.
    • Funktionsaufnahmen
    • Elektromyografie (EMG)
  • Patientenbefragung (Anamnese)

Therapieansätze

Die Therapie von Rückenmarksverdickungen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, Schmerzmittel und Injektionen können in vielen Fällen die Symptome lindern. In schweren Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf das Rückenmark zu verringern.

  • Konservative Therapie
    • Schmerzmittel
    • Physiotherapie
    • Infiltrationstherapie
    • Eigeninitiative des Patienten zur täglichen Bewegung
    • Wärme
    • Akupunktur und Ultraschall
    • Korsett
  • Operative Therapie
    • Dekompression
    • Instrumentationsspondylodese
    • Implantation eines Interspinösen Implantates

Prävention

Einige Ursachen von Rückenmarksverdickungen lassen sich nicht verhindern, wie z.B. angeborene Fehlbildungen. Es gibt jedoch Maßnahmen, die dazu beitragen können, das Risiko einer Spinalkanalstenose zu verringern:

  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, die Muskeln zu stärken und die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu erhalten.
  • Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung kann helfen, Übergewicht zu vermeiden, was die Wirbelsäule zusätzlich belastet.
  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung kann helfen, die Wirbelsäule zu entlasten.
  • Vermeidung von Überlastung: Überlastung der Wirbelsäule sollte vermieden werden.

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