Vergesslichkeit nach Meningitis: Ursachen und Behandlungen

Die Vergesslichkeit kann verschiedene Ursachen haben. Im Alter muss Vergesslichkeit beispielsweise nicht zwangsläufig auf Demenz hindeuten. Es kann noch andere Gründe haben, wenn Gedächtnisinhalte nicht abrufbar sind. Demenz, andere Erkrankungen, psychische Störungen sowie weitere Ursachen können eine Rolle spielen. Hier werden die Ursachen von Vergesslichkeit im Zusammenhang mit Meningitis und mögliche Behandlungsansätze erläutert.

Einführung in die Meningitis

Meningitis ist eine Entzündung der Schutzschichten (Hirnhäute) um Gehirn und Rückenmark. Sie kann durch verschiedene Erreger, einschließlich Bakterien, Viren und Pilze, verursacht werden. Die Meningitis-Symptome können sich je nach Alter und Art des Erregers unterscheiden. Allgemeine Symptome können Kopfschmerzen, Fieber, steifer Nacken, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und geistige Verwirrung sein. Einige Formen der Meningitis können auch Hautveränderungen wie Ausschlag oder Flecken verursachen. Dieser Meningitis-Ausschlag kann durch das sogenannte „Glas-Test“ geprüft werden. Es ist wichtig zu beachten, dass Meningitis in einigen Fällen auch ohne Fieber auftreten kann.

Ursachen der Meningitis

Die Ursachen einer Hirnhautentzündung (Meningitis) sind mannigfaltig. Viren sind weit häufiger Grund einer Hirnhautentzündung als Bakterien. Ein häufiger Durchfallerreger, die Enteroviren, sind die häufigste virale Ursache einer akuten Meningitis. Eine akute bakterielle Meningitis ist ein medizinischer Notfall. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO 2000) gibt es im Jahr circa 1,2 Millionen Erkrankungen einer akuten bakteriellen Meningitis. Circa 10 Prozent der Verläufe enden tödlich. In Deutschland erkranken im Schnitt 0,8 von 100.000 Menschen an einer der häufigsten Formen der Meningokokkenmeningitis. Eine Erkrankung oder ein Versterben an einer Meningokokkenmeningitis ist in Deutschland meldepflichtig.

Erreger der Meningitis

Streptococcus pneumoniae ist der häufigste Erreger der bakteriellen Meningitis in Europa. Neben den Haufenbakterien (Pneumokokken und Meningokokken) sind beim Erwachsenen Listerien, Staphlykokken, Enterobakterien, Pseudomonas und Haemophilis influenzae die wichtigsten Erreger. Neugeborene sind insbesonders durch b-Streptokokken gefährdet. Außer einer Abwehrschwäche ist auf andere Infektionsherde d.h. deren Beschwerden an Lunge, Herz oder Haut zu achten.

Weitere Ursachen

Als Komplikation einer Entzündung im benachbarten Gewebe („Durchwanderungsmeningitis“) zum Beispiel bei Ohr-, Stirn- oder Nasennebenhöhlenentzündung, einem Hirnabszess. Durch eine Streuung der Bakterien über das Blut (hämatogen) zum Beispiel bei Meningokokken oder als Streuung von einem andere Infektionsherd (Lungenentzündung, Herzklappenentzündung). Nach einer Operation (am Kopf). Selten nach ärztlichem Eingriff zum Beispiel Injektionen entlang der Wirbelsäule.

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Symptome der Meningitis

Eine Hirnhautentzündung ist durch drei Kernbeschwerden gekennzeichnet (Trias):

  • Hohes Fieber
  • Nackensteifigkeit (Meningismus)
  • Kopfschmerzen

Weitere können hinzutreten: Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörung, epileptische Anfälle (in 15-30 Prozent der Fälle). Bei Erkrankung an Meningokokken ist in 75 Prozent der Fälle ein Exanthem am Körperstamm, den Beinen, den Schleimhäuten oder an der Bindehaut der Augen zu beobachten. In 10 Prozent der Meningokokkeninfektionen kommt es zu einem sehr rasanten Verlauf mit inneren Blutungen (Waterhouse-Friderichsen-Syndrom), was zu einem Schock mit Multiorganversagen führen kann. In 10 Prozent der Fälle einer eitrigen Meningitis entsteht eine Hirnentzündung (Zerebritis) mit entsprechenden Ausfällen wie beispielsweise Lähmungen, Gesichtsfeldeinschränkung oder Sprachstörung.

Vergesslichkeit als Folge von Meningitis

Die Vergesslichkeit kann auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen stehen. Beispiele sind: Hirnhautentzündung (Meningitis): Hier können Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche, Verwirrtheit und Benommenheit bis hin zum Koma (selten) auftreten. Am häufigsten sind Bakterien oder Viren die Verursacher.

Andere Erkrankungen als Ursache für Vergesslichkeit

Die Vergesslichkeit kann auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen stehen. Beispiele sind:

  • Gehirnentzündung (Enzephalitis): Menschen mit einer Hirnhautentzündung erleiden in manchen Fällen auch eine Gehirnentzündung. Symptome sind unter anderem Bewusstseinsstörungen, Vergesslichkeit oder Verwirrtheit.
  • Schlafapnoe: Bei Menschen mit einer Schlafapnoe kommt es zu wiederholten Atemaussetzern im Schlaf. Die Nachtruhe ist dadurch erheblich beeinträchtigt. Häufige Folgen sind Müdigkeit, Vergesslichkeit und Konzentrationsschwäche tagsüber.
  • Chronic Fatigue Syndrome (CFS): Auch Chronisches Erschöpfungssyndrom genannt. Typisch für die Krankheit ist eine schwere geistige (und körperliche) Erschöpfung mit Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit oder Reizbarkeit.
  • Schilddrüsenerkrankungen: Sowohl eine Überfunktion (Hypertyhreose) als auch eine Unterfunktion (Hypothyreose) kann mit Vergesslichkeit, Orientierungsschwierigkeiten und Gedächtnisproblemen einhergehen.
  • Akutes Nierenversagen: Es kann sich unter anderem durch Gedächtnisstörungen, Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit äußern. Das Gleiche gilt für die chronische Nierenschwäche (chronische Niereninsuffizienz).
  • Leberversagen: Eine Leberinsuffizienz (zum Beispiel infolge von Leberzirrhose oder Hepatitis) kann das Gehirn schädigen. Symptome sind Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche bis hin zur Bewusstlosigkeit (Leberkoma).
  • Schwere Herzschwäche: Viele Patienten mit einer schwerer Herzinsuffizienz leiden unter Vergesslichkeit, Gedächtnisschwierigkeiten und Denkproblemen.
  • Ausgeprägte Blutarmut: Eine Anämie, vor allem bedingt durch einen Eisenmangel (Eisenmangelanämie), kann die geistige Leistungsfähigkeit einschränken. Vergesslichkeit und Gedächtnisstörungen sind einige der möglichen Anzeichen. Auch eine Vitamin-B12-Mangelanämie kann Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche und Müdigkeit auslösen.
  • Epilepsie: Nicht nur das typischen Krampfen, auch Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit und Wahrnehmungsschwierigkeiten können im Zusammenhang mit einer Epilepsie auftreten.
  • Hirntraumata: Traumatische Hirnverletzungen können die Nervenzellen schädigen, sodass in der Folge die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigt sein kann.

Diagnostik bei Verdacht auf Meningitis

Bei der Abklärung muss rasch gehandelt werden. Im Blut lassen sich regelhaft deutlich erhöhte Entzündungszeichen nachweisen (Anstieg von C-reaktivem Protein und Leukozyten). Bei Verdacht auf infektiöse Meningitis werden Blutkulturen abgenommen (in 60-70 Prozent fallen diese positiv für Bakterien aus) und Nervenwasser (Liquor) für die Erregerdiagnostik gewonnen. Im Nervenwasser findet sich eine typische Konstellation für eine bakterielle Entzündung: sehr viele Entzündungszellen (vornehmlich Granulozyten über 1000 Zellen/µl), ein deutlich erhöhter Eiweißgehalt (>120mg/dl) und Laktatgehalt (>4,5mmol/µl) sowie ein deutlich abgesenkter Zuckerspiegel (<5mg/dl). Mikroskopisch können durch eine Gramfärbung einer Liquorprobe Bakterien direkt nachgewiesen werden. Zudem stehen Antigennachweismethoden gegen die Bakterien zur Verfügung. Meningokokken können auch in vorliegenden Hautveränderungen mikroskopisch nachgewiesen werden.

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Die neurologische Untersuchung umfasst neben der Abklärung von Hirnnervenlähmungen, Stupor, Bewusstseinszustand und Vigilanz eine Meningismus-Prüfung mit typischen Diagnosezeichen. Dazu zählen vor allem:

  • Brudzinski-Zeichen: reflexartiges Anziehen der Beine bei Vorbeugung des Kopfes
  • Lasègue-Zeichen: einschießender Schmerz in das ipsilaterale Bein mit Ausbreitung im motorischen/sensiblen Areal der betroffenen Nervenwurzel bei Anheben des gestreckten Beines in Rückenlage (durch den Untersucher)
  • Kernig-Zeichen: einschießende Schmerzen und reflektorische Beugung im Kniegelenk bei Anheben des gestreckten Beines (durch den Untersucher)
  • Amoss-Zeichen (Dreifuß-Zeichen): im Sitzen seitliches Abstützen der Hände nach hinten bei gebeugten Knie- und Hüftgelenken (insbesondere bei Kindern)
  • Kniekuss-Versuch: Unfähigkeit, mit dem Mund das Knie zu berühren (bei Kindern Aufforderung, das Knie zu küssen)
  • jolt accentuation maneuver: Verstärkung der Kopfschmerzen bei raschem Hin- und Herschütteln des Kopfes (zwei- bis dreimal pro Sekunde) wie bei einer Verneinung

Liquorbefunde

Je nach Ursache der Meningitis unterscheiden sich die Liquorbefunde. Als Referenz bei gesunden Menschen erscheint die Flüssigkeit klar, die Zellzahl ist unter 5/µl, der Laktatwert beträgt 1,5 bis 2,1 mmol/l, die Gesamtproteinkonzentration 150 bis 400 mg/l und der Glucosegehalt liegt zwischen 2,7 bis 4,2 mmol/l (Liquor-Serum-Quotient > 0,5). Unterschiedliche Meningitiden sind mit folgenden Befunden assoziiert:

  • Bakterielle Meningitis: Flüssigkeit trüb bis eitrig, Glucose erniedrigt, Protein erhöht, Laktat deutlich erhöht (> 3,5 mmol/l), Zellzahl erhöht (1.000 bis 6.000), massive Granulozytose (Neutrophilie)
  • Tuberkulöse Meningitis: Flüssigkeit klar - aber mit weiß-gelblichen, schleierartigen Gerinnseln (Spinngewebsgerinnsel), Glucose erniedrigt, Protein erhöht, Laktat erhöht (> 2,5 mmol/l), Zellzahl erhöht (30 bis 500), Lymphozytose, Monozytose, Granulozytose (buntes Bild)
  • Virale Meningitis: Flüssigkeit klar, Glucose normal, Protein normal (evtl. leicht erhöht), Laktat normal, Zellzahl erhöht (10 bis 500), Lymphozytose, evtl. Monozytose

Behandlung der Meningitis und ihrer Folgen

Die notfallmäßige Gabe einer Kombination von Antibiotika ist entscheidend. Bei der Auswahl der Antibiotika ist es wichtig Substanzen zu wählen, die die sogenannte Blut-Hirn-Schranke überwinden können, d.h. in den Nervenwasserraum eindringen, den Erreger erreichen und abtöten. Vor der Ära der Antibiotika lag die Sterblichkeit bei Befall von Pneumokokken bei 100 Prozent. Hochdosiert wird bei bestimmten Formen der Hirnhautentzündung notfallmäßig über die Vene Kortison gegeben. Bei Patienten mit Pneumokokkenmeningitis konnte dadurch die Sterblichkeit von 34 auf 14 Prozent und verbleibende neurologische Behinderungen von 52 auf 14 Prozent gesenkt werden. Ist die Infektquelle bekannt, ist es wichtig diesen Herd chirurgisch zu sanieren. Weiter stehen Medikamente für die symptomatische Therapie zur Verfügung. Es erfolgt eine engmaschige Überwachung, in der Regel auf der Intensivstation, um weitere Komplikationen erkennen und behandeln zu können.

Behandlung von Vergesslichkeit nach Meningitis

Die Behandlung von Vergesslichkeit nach Meningitis zielt darauf ab, die kognitiven Funktionen zu verbessern und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen. Hierzu können verschiedene Therapieansätze eingesetzt werden:

  • Kognitive Therapie: Diese Therapieform hilft, Gedächtnisstrategien zu entwickeln und die Aufmerksamkeit zu verbessern.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann dazu beitragen, Alltagsaktivitäten wieder selbstständig ausführen zu können und den Alltag besser zu strukturieren.
  • Logopädie: Bei Sprach- und Sprechstörungen kann Logopädie helfen, die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern.
  • Neuropsychologische Therapie: Diese Therapieform ist speziell auf die Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen ausgerichtet und kann bei der Bewältigung von Gedächtnisproblemen, Konzentrationsschwierigkeiten und anderen kognitiven Defiziten helfen.
  • Medikamentöse Behandlung: In einigen Fällen können Medikamente eingesetzt werden, um die kognitiven Funktionen zu verbessern oder Begleitsymptome wie Depressionen oder Angstzustände zu behandeln.

Chronische Meningitis

Eine Meningitis, die länger als vier Wochen besteht und persistierende Symptome verursacht, gilt als chronisch. Zu den möglichen Symptomen einer chronischen Meningitis gehören Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Persönlichkeitsveränderungen und Fieber. Auch Hirnnerven-Dysfunktionen wie Hörverlust oder Doppelbilder können auf eine chronische Meningitis hinweisen. Weitere potenzielle Krankheitszeichen sind Hydrocephalus und erhöhter Hirndruck, Krampfanfälle, schlaganfallähn­­liche Episoden sowie kranielle Neuropathien oder Radikulopathien. Nackensteifigkeit tritt im Gegensatz zur akuten Meningitis selten auf. Kognitive Veränderungen betreffen etwa 40 % der Patienten und sind manchmal das einzige Krankheitszeichen.

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Prävention

Impfungen

Durch die Impfung gegen Haemophilus influenzae ist es bei Kindern in den letzten Jahren zu deutlich weniger Hirnhautentzündungen durch diesen Erreger gekommen. Weitere Impfungen gegen Pneumokokken und bestimmte Meningokokken stehen zur Verfügung.

Prophylaxe von Kontaktpersonen

Das Erkrankungsrisiko von engen Kontaktpersonen bei Infektion mit Haemophilus influenzae oder Meningokokken ist um 200 bis 1000fach erhöht. Daher ist dringend die Einnahme von Antibiotika als Chemoprophylaxe angeraten. Ideal ist eine Einnahme innerhalb der ersten 24 Stunden. Die Chemoprophylaxe ist aber bis zu 10 Tagen nach Kontakt mit dem Patienten sinnvoll.

Fallbeispiel

Die 46-jährige Cornelia T. hat über Nacht ungewohnt heftige Kopfschmerzen mit Fieber von 39°C bekommen. Dann hat sie eine schwere Übelkeit verspürt, die bereits zu zweimaligem Erbrechen geführt hat. Sie klagt zudem über das Gefühl eines extrem steifen Nackens. Sie vertrage helles Licht nicht und bei Eintreffen in der Notaufnahme wird die Patientin zunehmend schläfrig. Sie reagiert nur noch apathisch auf einfache Aufforderungen.

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