Das verlängerte Rückenmark, lateinisch Medulla oblongata, ist ein lebenswichtiger Teil des Gehirns. Es verbindet das Gehirn mit dem Rückenmark und spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung lebenswichtiger Funktionen. Dieser Artikel beleuchtet die Anatomie, Funktion und klinische Bedeutung des verlängerten Rückenmarks.
Anatomie des verlängerten Rückenmarks
Das verlängerte Rückenmark ist der unterste Teil des Hirnstamms, der sich zwischen der Brücke (Pons) und dem Rückenmark befindet. Es ist nach hinten vom Kleinhirn (Cerebellum) überdeckt. Im unteren Bereich geht das verlängerte Mark direkt in das Rückenmark über. Nach oben hin geht es in die Brücke über.
Im vorderen Anteil des verlängerten Marks befindet sich die Pyramidenbahn. Diese Nervenbahn ist die größte vom Gehirn absteigende Nervenbahn und leitet Erregungen für Muskelantworten. Im hinteren Anteil des verlängerten Marks liegen die Ursprungsorte für die Hirnnerven IX bis XII.
Lage und Begrenzungen
- Kaudal: Übergang zum Rückenmark
- Rostral: Brücke (Pons)
- Dorsal: Kleinhirn (Cerebellum)
Hirnnerven
Im verlängerten Mark befinden sich die Ursprungsorte (Hirnnervenkerne) für die Hirnnerven IX bis XII:
- Nervus glossopharyngeus (IX): zuständig für Geschmack, Schlucken (Schlundmuskeln)
- Nervus vagus (X): Versorgt unter anderem Ohrmuschel und äußeren Gehörgang, die harte Hirnhaut, die Schleimhaut von Kehlkopf und Luftröhre und die Kehlkopfmuskeln.
- Nervus accessorius (XI): führt nur absteigende (efferente) Fasern zu verschiedenen Schlund- und Halsmuskeln.
- Nervus hypoglossus (XII): zuständig für die Zungenbewegung.
Funktion des verlängerten Rückenmarks
Das verlängerte Rückenmark ist ein wichtiges Steuerzentrum für lebensnotwendige Funktionen wie:
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- Atmung: Das Atemzentrum im verlängerten Mark reguliert die Atemfrequenz und -tiefe.
- Herz-Kreislauf-System: Es steuert Herzfrequenz, Blutdruck und die Kontraktion der Blutgefäße.
- Reflexe: Husten, Niesen, Schlucken und Erbrechen werden hier koordiniert.
Darüber hinaus dient das verlängerte Rückenmark als Durchgangsstation für auf- und absteigende Nervenbahnen, die Informationen zwischen Gehirn und Körper austauschen.
Beteiligung an den Hirnnervenfunktionen
Die Hirnnerven, die im verlängerten Mark entspringen, sind für folgende Funktionen zuständig:
- Nervus glossopharyngeus (IX): Geschmacksempfindung im hinteren Zungenbereich, Speichelsekretion, Schlucken.
- Nervus vagus (X): Steuerung von Herzfrequenz, Atmung, Verdauung und Sprechen.
- Nervus accessorius (XI): Steuerung der Muskeln, die für Kopfbewegungen und Schulterhebung verantwortlich sind.
- Nervus hypoglossus (XII): Steuerung der Zungenmuskulatur, wichtig für Sprechen und Schlucken.
Klinische Bedeutung des verlängerten Rückenmarks
Schädigungen des verlängerten Rückenmarks können schwerwiegende Folgen haben, da sie lebenswichtige Funktionen beeinträchtigen. Ursachen für Schädigungen können sein:
- Schlaganfall: Unterbrechung der Blutversorgung, die zu einem Funktionsverlust führt.
- Tumoren: Druck auf das verlängerte Mark, der die Funktion beeinträchtigt. Circa 20 % der Hirnstammgliome wachsen, indem sie das Gewebe verdrängen (exophytisches Wachstum) und verlängertes Mark, Brücke und Mittelhirn in erster Linie durch Druck auf diese Strukturen schädigen.
- Entzündungen: Entzündliche Prozesse, die das Gewebe schädigen.
- Trauma: Verletzungen, die das verlängerte Mark direkt schädigen.
- Einklemmung: Ein sehr großer Tumor in dieser Region kann zusätzlich dazu führen, dass Kleinhirnanteile nach unten auf den Hirnstamm gedrückt werden, der dann in der knöchernen Schädelöffnung zum Wirbelkanal (Foramen occipitale magnum) einklemmt. Diese Gefahr wird verstärkt, wenn durch eine Lumbalpunktion der Druck im Rückenmarkskanal gesenkt wird und sich dadurch der Druckunterschied zwischen Schädelhöhle und Rückenmarkskanal noch weiter vergrößert.
- Medulloblastom oder Kleinhirn-Astrozytom
Mögliche Folgen von Schädigungen
- Atemstörungen: Beeinträchtigung der Atmung bis hin zum Atemstillstand.
- Herz-Kreislauf-Instabilität: Schwankungen von Herzfrequenz und Blutdruck.
- Schluckstörungen (Dysphagie): Schwierigkeiten beim Schlucken, die zu Aspiration (Eindringen von Nahrung in die Atemwege) führen können.
- Sprachstörungen (Dysarthrie): Schwierigkeiten beim Sprechen aufgrund von Lähmungen der Zungen- und Gesichtsmuskulatur.
- Hirnnervenausfälle: Ausfall der Funktionen der Hirnnerven IX bis XII, z.B. Geschmacksverlust, Schluckbeschwerden, Störungen der Zungenbewegung.
- Bewusstseinsstörungen: Beeinträchtigung des Bewusstseins bis hin zum Koma.
Diagnostik
Zur Diagnose von Erkrankungen des verlängerten Rückenmarks werden verschiedene bildgebende Verfahren eingesetzt:
- Magnetresonanztomographie (MRT): Ermöglicht eine detaillierte Darstellung des Gehirns und des Rückenmarks.
- Computertomographie (CT): Kann bei der Beurteilung von knöchernen Strukturen und Blutungen hilfreich sein.
Zusätzlich können neurologische Untersuchungen durchgeführt werden, um die Funktion der Hirnnerven und die motorischen Fähigkeiten zu überprüfen.
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Therapie
Die Therapie von Erkrankungen des verlängerten Rückenmarks richtet sich nach der Ursache der Schädigung. Mögliche Behandlungen sind:
- Medikamentöse Therapie: Bei Entzündungen oder Infektionen.
- Chirurgische Eingriffe: Bei Tumoren oder zur Druckentlastung.
- Rehabilitation: Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten, der Sprache und des Schluckens.
Spezifische Hirnnervenausfälle und ihre Ursachen
- Nervus facialis (VII): Schädigung des Nervs in seinem Verlauf (zum Beispiel durch einen Tumor oder durch Infektionen im Mittelohr) erfolgt. Es kommt zu einer schlaffen Lähmung aller Muskeln auf der betroffenen Gesichtshälfte (die Mundpartie hängt herab, das Auge kann nicht mehr geschlossen werden). Zudem treten auch Störungen des Augentränens, des Speichelflusses und der Geschmacksempfindung auf.
- Nervus abducens (VI): Der Augenmuskelnerv kann zum Beispiel durch einen Hirntumor im hinteren Bereich der Schädelhöhle (beispielsweise einem Kleinhirn-Astrozytom oder einem Medulloblastom) oder auch durch eine (meist) vorübergehende Störung nach einer Operation in diesem Bereich geschädigt werden. Bei einer solchen Schädigung ist der betroffene Augapfel nach innen, also zur Nase hin gerichtet.
- Nervus vagus (X): Große Tumoren im Halsbereich (Mediastinaltumoren, wie zum Beispiel bestimmte Lymphome) können zu einer Schädigung des X. Hirnnervs im Halsbereich führen.
Organtestsatz im Kunstlederetui
Ein Organtestsatz im Kunstlederetui mit potenzierten Organen kann in der naturheilkundlichen Diagnostik und Therapie eingesetzt werden. Ein solcher Satz kann beispielsweise folgende Organe in potenzierter Form enthalten:
| Nr. | Organ (lateinische Bezeichnung) | Potenz | Organ (deutsche Bezeichnung) |
|---|---|---|---|
| 26 | Medulla oblongata | D6 | verlängertes Rückenmark |
Die Organpotenzen werden nach den Regeln der Homöopathie hergestellt und sollen die Selbstheilungskräfte des Körpers anregen.
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