Leiden bei Demenz: Verursachen Schmerzen und wie man sie erkennt und behandelt

Demenz ist eine fortschreitende Erkrankung, die das Gedächtnis, das Denkvermögen und die sozialen Fähigkeiten beeinträchtigt. Obwohl Demenz selbst nicht direkt Schmerzen verursacht, können Menschen mit Demenz unter verschiedenen schmerzhaften Beschwerden leiden. Die Schwierigkeit besteht darin, dass sie oft nicht in der Lage sind, ihre Schmerzen klar zu äußern, was die Erkennung und Behandlung erschwert. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Schmerzen bei Demenz, von den Ursachen und der Erkennung bis hin zu Behandlungsoptionen und Unterstützungsmöglichkeiten.

Vaskuläre Demenz: Ursachen und Symptome

Die vaskuläre Demenz ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste Form der Demenz. Sie entsteht durch Schädigungen der Blutgefäße im Gehirn, die die Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff beeinträchtigen. Die Symptome können je nach Art und Ort der Schädigung variieren und plötzlich, schleichend oder schrittweise auftreten.

Ursachen der vaskulären Demenz:

  • Schlaganfälle, die Hirnarterien verschließen
  • Stille Schlaganfälle ohne spürbare Symptome
  • Arterienverkalkung (Arteriosklerose)
  • Bluthochdruck

Symptome der vaskulären Demenz:

Die Symptome können vielfältig sein und hängen von der betroffenen Hirnregion ab. Sie können sich schleichend oder plötzlich verschlechtern, wobei auch stabile Phasen möglich sind.

Schmerzen bei Demenz: Eine besondere Herausforderung

Obwohl Demenz selbst nicht weh tut, können Menschen mit Demenz genauso Schmerzen empfinden wie andere auch. Die Schwierigkeit besteht darin, dass sie oft nicht mehr in der Lage sind, ihre Schmerzen verbal auszudrücken. Dies kann verschiedene Gründe haben:

  • Sprachliche Schwierigkeiten: Im Verlauf der Demenz können das Sprachvermögen und die Fähigkeit, sich auszudrücken, nachlassen.
  • Gedächtnisprobleme: Menschen mit Demenz können sich möglicherweise nicht an frühere Schmerzereignisse erinnern oder den Zusammenhang zwischen Schmerz und Ursache verstehen.
  • Beeinträchtigte Wahrnehmung: Die veränderte Wahrnehmung kann dazu führen, dass Schmerzen anders interpretiert oder nicht als solche erkannt werden.

Wie man Schmerzen bei Demenz erkennt

Da verbale Äußerungen oft fehlen, ist es wichtig, auf nonverbale Anzeichen und Verhaltensänderungen zu achten, die auf Schmerzen hindeuten können:

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  • Verhaltensänderungen: Unruhe, Aggressivität, Rückzug, Angstzustände oder plötzliche Stimmungsschwankungen.
  • Körperhaltung: Verkrampfte Haltung, zusammengezogenes Gesicht, Vermeidung bestimmter Bewegungen.
  • Mimik und Gestik: Verzerrtes Gesicht, zusammengepresste Lippen, Stirnrunzeln.
  • Schlafstörungen: Unruhe im Schlaf, Schlaflosigkeit.
  • Veränderungen in der täglichen Routine: Weniger Aktivität, Desinteresse an gewohnten Aktivitäten.
  • Körperliche Symptome: Übermäßiges Schwitzen, Zittern, Atembeschwerden.
  • Lautäußerungen: Stöhnen, Jammern, Schreien.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Anzeichen auch andere Ursachen haben können. Eine sorgfältige Beobachtung und die Einbeziehung von Angehörigen und Pflegepersonal sind entscheidend, um Schmerzen zu erkennen und von anderen Beschwerden zu unterscheiden.

Häufige Schmerzursachen bei Menschen mit Demenz

Menschen mit Demenz leiden oft unter den gleichen Schmerzen wie ältere Menschen ohne Demenz. Häufige Ursachen sind:

  • Arthritis: Gelenkschmerzen, insbesondere durch Osteoarthritis oder rheumatoide Arthritis.
  • Kopf- und Nackenschmerzen: Spannungskopfschmerzen oder Migräne.
  • Rücken- und Beinschmerzen: Verspannungen, Bewegungsmangel, schlechte Haltung.
  • Neuropathische Schmerzen: Nervenschädigungen, z.B. bei Diabetes.
  • Schmerzen nach Verletzungen: Stürze, Prellungen, Knochenbrüche.
  • Magen-Darm-Beschwerden: Sodbrennen, Verstopfung, Krämpfe.
  • Zahnschmerzen: Entzündungen, schlecht sitzende Prothesen.
  • Harnwegsinfektionen: Schmerzen beim Wasserlassen.

Diagnose von Schmerzen bei Demenz

Die Diagnose von Schmerzen bei Menschen mit Demenz erfordert eine sorgfältige Anamnese, körperliche Untersuchung und Verhaltensbeobachtung. Folgende Schritte sind wichtig:

  1. Gespräch mit dem Patienten (wenn möglich): Einfühlsame Fragen nach Schmerzen, Ort, Art und Intensität.
  2. Befragung von Angehörigen und Pflegepersonal: Informationen über Verhaltensänderungen, frühere Schmerzereignisse und bekannte Erkrankungen.
  3. Körperliche Untersuchung: Suche nach offensichtlichen Schmerzursachen wie Verletzungen, Entzündungen oder Druckstellen.
  4. Beobachtung des Verhaltens: Achten auf nonverbale Anzeichen von Schmerzen (siehe oben).
  5. Schmerzskalen: Spezielle Schmerzskalen für Menschen mit kognitiven Einschränkungen können helfen, die Schmerzintensität einzuschätzen. Beispiele sind die BESD (Beurteilung von Schmerzen bei Demenz) und die BISAD (Beobachtungsinstrument für das Schmerzassessment bei alten Menschen mit Demenz).
  6. Medizinische Tests: Bei Bedarf können bildgebende Verfahren (z.B. Röntgen, CT, MRT) oder Blutuntersuchungen durchgeführt werden, um die Ursache der Schmerzen zu finden.

Behandlung von Schmerzen bei Demenz

Die Behandlung von Schmerzen bei Menschen mit Demenz sollte individuell auf die Ursache, Art und Intensität der Schmerzen abgestimmt sein. Es gibt verschiedene Therapieansätze:

Medikamentöse Therapie

  • Paracetamol: Ein relativ sicheres und wirksames Schmerzmittel der ersten Wahl.
  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Können bei Entzündungen und Schmerzen helfen, sollten aber aufgrund möglicher Nebenwirkungen (z.B. Magenbeschwerden, Herz-Kreislauf-Probleme) nur kurzzeitig und unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden.
  • Opioide: Können bei starken Schmerzen eingesetzt werden, erfordern aber eine sorgfältige Überwachung aufgrund möglicher Nebenwirkungen wie Verwirrtheit, Verstopfung und Atemdepression.
  • Antidepressiva und Antikonvulsiva: Können bei neuropathischen Schmerzen hilfreich sein.

Die Dosierung der Medikamente muss sorgfältig angepasst werden, um unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden. Es ist wichtig, die Medikamentenwirkung regelmäßig zu überprüfen und die Therapie bei Bedarf anzupassen.

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Nicht-medikamentöse Therapie

  • Physiotherapie: Kann bei Muskelverspannungen, Gelenkschmerzen und Bewegungseinschränkungen helfen.
  • Ergotherapie: Kann bei der Anpassung des Wohnumfelds und der Entwicklung von Strategien zur Schmerzlinderung im Alltag helfen.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Können bei Muskelverspannungen und Entzündungen lindernd wirken.
  • Massagen: Können die Durchblutung fördern und Muskelverspannungen lösen.
  • Entspannungsübungen: Können helfen, Stress abzubauen und Schmerzen zu lindern.
  • Musiktherapie: Kann die Stimmung verbessern und von Schmerzen ablenken.
  • Aromatherapie: Bestimmte Düfte können beruhigend und schmerzlindernd wirken.
  • Kognitive Stimulation: Gespräche und Erinnerungsarbeit können von Schmerzen ablenken.
  • Kunsttherapie: Kann helfen, Gefühle auszudrücken und von Schmerzen abzulenken.
  • Bewegungsübungen: Regelmäßige Bewegung kann die Muskeln stärken und die Gelenke beweglich halten.
  • Anpassung der Umgebung: Eine sichere und komfortable Umgebung kann Stürze und Verletzungen vermeiden.
  • Gute Mundpflege: Regelmäßige Zahnarztbesuche und eine gute Mundhygiene können Zahnschmerzen verhindern.

Multimodale Therapie

Die Kombination von medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapien ist oft am wirksamsten. Ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Pflegepersonal, Therapeuten und Angehörigen sollte zusammenarbeiten, um einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen.

Unterstützung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen

Die Pflege von Menschen mit Demenz und Schmerzen kann sehr belastend sein. Es gibt verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten:

  • 24-Stunden-Betreuung: Eine Betreuungskraft kann im Haushalt des Betroffenen leben und ihn rund um die Uhr versorgen.
  • Ambulante Pflegedienste: Bieten Unterstützung bei der Körperpflege, Medikamentengabe und anderen Aufgaben.
  • Tagespflege: Bietet Menschen mit Demenz die Möglichkeit, tagsüber in einer Gruppe betreut zu werden.
  • Selbsthilfegruppen: Bieten Angehörigen die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und Unterstützung zu finden.
  • Beratungsstellen: Bieten Informationen und Unterstützung zu allen Fragen rund um Demenz.
  • Hospizdienste: Bieten Unterstützung in der letzten Lebensphase.

Wichtige Aspekte in der letzten Lebensphase

In der letzten Lebensphase können bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz verschiedene belastende Beschwerden auftreten, darunter Schmerzen, Luftnot, Unruhe und Angst. Es ist wichtig, diese Beschwerden frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, um die Lebensqualität des Betroffenen zu verbessern.

  • Schmerzen: Treten häufig auf und können durch Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Zahnschmerzen, Harnblasenentzündungen oder Verstopfung verursacht werden.
  • Luftnot: Kann sehr belastend und ängstigend sein und durch Infektionen der Lunge, Blutarmut oder andere Erkrankungen verursacht werden.
  • Unruhe und Angst: Können durch Schmerzen, Verwirrtheit oder andere Faktoren ausgelöst werden.
  • Akute Verwirrtheit: Kann plötzlich auftreten und wieder abklingen.

Die Behandlung dieser Beschwerden sollte individuell auf die Bedürfnisse des Betroffenen abgestimmt sein. Nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Berührungen, Massagen oder Musik können sehr beruhigend wirken. In manchen Fällen können auch Medikamente zur Linderung der Beschwerden eingesetzt werden.

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