Vestibuläre Migräne im Winter: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Die vestibuläre Migräne ist eine Form der Migräne, die sich durch wiederkehrende Schwindelattacken äußert. Diese Attacken können von Kopfschmerzen, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit begleitet sein. Schätzungsweise sind in Deutschland fast ein Prozent der Bevölkerung betroffen, was mehrere Hunderttausend Menschen entspricht. Die Diagnose ist oft schwierig, da Schwindel viele Ursachen haben kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der vestibulären Migräne, insbesondere im Hinblick auf mögliche saisonale Einflüsse im Winter.

Was ist vestibuläre Migräne?

Im Gegensatz zur klassischen Migräne steht bei der vestibulären Migräne nicht der Kopfschmerz, sondern der Schwindel im Vordergrund. Betroffene erleben plötzliche Dreh- oder Schwankschwindel-Attacken, die von wenigen Sekunden bis zu mehreren Stunden oder sogar Tagen andauern können. Begleitsymptome ähneln denen der klassischen Migräne und können Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit, ein starkes Ruhebedürfnis und Auren (z.B. Flimmern vor den Augen) umfassen.

Die Furcht vor dem nächsten Anfall ist oft groß, was dazu führen kann, dass sich Betroffene aus Angst vor Kontrollverlust kaum mehr vor die Tür trauen. Dies kann die Erkrankung noch verschlimmern, da Bewegung zur Verbesserung der Symptome beitragen kann.

Abgrenzung zu anderen Schwindelerkrankungen

Die vestibuläre Migräne kann leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden, die ebenfalls mit Schwindel einhergehen. Eine wichtige Unterscheidung ist die zum Morbus Menière, bei dem ein Flüssigkeitsstau im Innenohr vorliegt, der auch das Hören einschränkt. Bei der vestibulären Migräne handelt es sich jedoch um eine neurologische Erkrankung ohne Hörverlust.

Ursachen der vestibulären Migräne

Die genauen Ursachen der vestibulären Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass es sich um eine "Softwarestörung im Gehirn" handelt, bei der Reize nicht mehr richtig verarbeitet werden können. Dies führt zu einer Art Entzündungsreaktion in den Hirnarealen, die für das Gleichgewicht verantwortlich sind. Oft liegt die Erkrankung in der Familie, was auf eine genetische Komponente hindeutet.

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Äußere Faktoren können Attacken auslösen, darunter:

  • Licht
  • Lärm
  • Schlafmangel
  • Bestimmte Gerüche
  • Hormonelle Schwankungen
  • Alkohol und Zigarettenrauch
  • Stress

Mögliche saisonale Einflüsse im Winter

Es gibt keine direkten Beweise dafür, dass die vestibuläre Migräne im Winter häufiger auftritt oder spezifische Ursachen hat. Allerdings könnten bestimmte saisonale Faktoren eine Rolle spielen:

  • Weniger Sonnenlicht: Lichtmangel kann bei manchen Menschen Migräneattacken auslösen.
  • Veränderungen im Tagesrhythmus: Kürzere Tage und längere Nächte können den Schlafrhythmus stören und somit Migräne begünstigen.
  • Häufigere Erkältungen und Grippe: Infektionen können das Immunsystem schwächen und die Anfälligkeit für Migräne erhöhen.
  • Weihnachtsstress: Die Vorweihnachtszeit ist oft mit Stress und Hektik verbunden, was ebenfalls Migräneattacken auslösen kann.

Symptome der vestibulären Migräne

Die Symptome der vestibulären Migräne können von Person zu Person variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Schwindel: Drehschwindel, Schwankschwindel, Liftschwindel, lageabhängiger Schwindel, Kopfbewegungsintoleranz
  • Kopfschmerzen: Treten nicht immer auf, können aber migränetypisch sein (einseitig, pulsierend)
  • Begleitsymptome: Lichtempfindlichkeit, Lärmempfindlichkeit, Geruchsempfindlichkeit, Übelkeit, Erbrechen, Gangunsicherheit, Oszillopsien (Scheinbewegungen der Umwelt), auditive Symptome (Hörminderung, Tinnitus, Ohrendruck)

Diagnosestellung

Die Diagnose der vestibulären Migräne ist oft eine Herausforderung und kann Jahre dauern. Viele Betroffene durchlaufen eine Ärzte-Odyssee, bevor die richtige Diagnose gestellt wird. Wichtig ist, dass mindestens fünf Schwindelattacken von mindestens fünf Minuten Dauer aufgetreten sind und eine aktive oder zurückliegende Migräne diagnostiziert wurde. Zusätzlich müssen weitere Migränezeichen wie Aura, Tonempfindlichkeit oder Lichtempfindlichkeit bestehen.

Zur Diagnosestellung werden in der Regel folgende Untersuchungen durchgeführt:

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  • Anamnese: Detaillierte Erhebung der Krankengeschichte und der Symptome
  • Neurologische Untersuchung: Überprüfung der neurologischen Funktionen
  • Videonystagmografie (VNG): Messung der Augenbewegungen zur Beurteilung der Funktion des Gleichgewichtsorgans
  • Weitere Untersuchungen: MRT, HNO-ärztliche Untersuchung, Herz-Kreislauf-Untersuchungen (zum Ausschluss anderer Schwindelerkrankungen)

Behandlung der vestibulären Migräne

Die Behandlung der vestibulären Migräne zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt werden.

Akutbehandlung

Bei einer akuten Attacke können folgende Medikamente helfen:

  • Antiemetika: Gegen Übelkeit und Erbrechen (z.B. Dimenhydrinat, Metoclopramid, Domperidon)
  • Schmerzmittel: Gegen Kopfschmerzen (z.B. Ibuprofen, ASS)
  • Triptane: Spezifische Migränemedikamente, die auf Rezeptoren der Blutgefäße im Gehirn wirken (z.B. Sumatriptan, Zolmitriptan, Rizatriptan)

Prophylaxe

Zur Vorbeugung von Attacken können folgende Medikamente eingesetzt werden:

  • Betablocker: (z.B. Metoprolol)
  • Antidepressiva: (z.B. Amitriptylin)
  • Antiepileptika: (z.B. Topiramat)
  • Kalziumkanalblocker: (z.B. Flunarizin)
  • CGRP-Antikörper: (werden einmal im Monat oder einmal im Quartal unter die Haut gespritzt)
  • Gepante: Neue Wirkstoffklasse, die im Gehirn einen Rezeptor blockiert, der an der Entstehung von Attacken beteiligt ist

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Vorbeugung und Linderung von Symptomen beitragen:

  • Regelmäßiger Schlaf: Ausreichend Schlaf und ein regelmäßiger Schlafrhythmus sind wichtig.
  • Stressmanagement: Stress vermeiden oder reduzieren (z.B. durch Entspannungstechniken wie Yoga, progressive Muskelrelaxation, autogenes Training oder Biofeedback-Techniken)
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Regelmäßig essen und trinken, um das Gehirn stets mit Energie zu versorgen.
  • Ausdauersport: Moderater Ausdauersport (30 Minuten zwei- bis dreimal pro Woche) kann positiv wirken.
  • Gleichgewichtstraining: Gibt Patientinnen und Patienten Sicherheit.
  • Vermeidung von Triggern: Auslöser von Migräneattacken vermeiden (z.B. bestimmte Lebensmittel, Alkohol, Nikotin, grelles Licht, Lärm)
  • Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel bzw. Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel bzw.
  • Psychologische Verfahren: Verhaltenstherapeutische Verfahren können helfen, insbesondere wenn auch eine Depression oder eine Angststörung bestehen.
  • Migränetagebuch: Führen eines Kopfschmerz- oder Migränetagebuchs, um individuelle Trigger zu identifizieren.

Leben mit vestibulärer Migräne

Die vestibuläre Migräne kann das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich der Erkrankung bewusst zu sein und Strategien zu entwickeln, um mit den Symptomen umzugehen. Dazu gehören:

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  • Akzeptanz der Erkrankung: Die Diagnose zu akzeptieren und sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen, ist ein wichtiger erster Schritt.
  • Selbstmanagement: Erlernen von Selbstmanagement-Techniken, um die Symptome zu kontrollieren und die Lebensqualität zu verbessern.
  • Unterstützung suchen: Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren.
  • Offene Kommunikation: Mit Familie, Freunden und Kollegen über die Erkrankung sprechen, um Verständnis und Unterstützung zu erhalten.
  • Anpassung des Lebensstils: Anpassung des Lebensstils, um Trigger zu vermeiden und die Gesundheit zu fördern.
  • Berufliche Anpassung: Gegebenenfalls Anpassung der Arbeitsbedingungen, um den Anforderungen der Erkrankung gerecht zu werden.

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