Monica Lierhaus, einst ein bekanntes Gesicht der deutschen Sportberichterstattung, erlitt im Januar 2009 während einer Operation zur Entfernung eines Hirnaneurysmas schwere Komplikationen. Seitdem kämpft sie sich zurück ins Leben. Dieser Artikel beleuchtet ihren Weg, die Herausforderungen, denen sie sich stellen musste, und wie sie heute damit umgeht.
Der Wendepunkt: Die Diagnose und die Operation
Im Dezember 2008 erhielt Monica Lierhaus die Schockdiagnose Aneurysma. Wie bei Monica Lierhaus können sie jahrelang unentdeckt bleiben und oft haben Betroffene keinerlei Beschwerden. Die Entdeckung erfolgte zufällig im Rahmen einer Voruntersuchung für eine geplante Augenlaser-OP. „Ich wollte mir eigentlich meine Augen lasern lassen, da riet mir ein befreundeter Arzt dazu, vorsichtshalber vorher ein MRT vom Kopf machen zu lassen, um den Augenhintergrund besser erfassen zu können. Dabei kam heraus, dass ich ein Angiom (gutartiges Geschwür) mit einem Aneurysma am Kleinhirn hatte.” Anzeichen gab es schon zuvor, doch die seien nicht ernst genommen worden. Lierhaus: „Ich hatte beim Schlafen Probleme, da ich auf einer Seite ein Pochen im Ohr hörte, was allerdings damals von Ärzten als ,Stress-Symptom’ abgetan wurde.” Tatsächlich sei das Pochen der Puls des durchbluteten Angioms mit Aneurysma gewesen.
Ein Aneurysma ist eine Ausbuchtung in der Wand einer Hirnarterie, die durch eine Schwachstelle im Blutgefäß entsteht. Viele Menschen mit einem Aneurysma haben keine Beschwerden. Ärztinnen und Ärzte sprechen dann von einem asymptomatischen Aneurysma. Wie bei Monica Lierhaus wird diese „tickende Zeitbombe“ im Kopf oft nur durch Zufall bei anderen Untersuchungen entdeckt.
Die Ärzte rieten zu einer Operation, um das Aneurysma zu entfernen, da die Gefahr bestand, dass es platzen und eine Hirnblutung verursachen könnte. Lierhaus entschied sich für den Eingriff, ahnte jedoch nicht, welche Folgen dieser haben würde. Am 8. Januar 2009 unterzog sich Lierhaus der riskanten, aber alternativlosen Operation. „Ich war mir sicher, es würde gut gehen und Ende Januar wäre ich beim Start der Bundesligasaison wieder vor der Kamera“, erzählt die heute 55-Jährige der Bild. Doch das Aneurysma platzte während des Eingriffs, Lierhaus lag vier Monate im Koma. Die Familie wurde darauf vorbereitet, Abschied zu nehmen - die Ärztinnen und Ärzte sagten, sie würde nicht mehr aufwachen.
Die Zeit nach dem Koma: Ein Leben neu lernen
Als Monica Lierhaus aus dem Koma erwachte, war nichts mehr wie zuvor. Vorher die gefeierte Sportmoderatorin, locker, authentisch, souverän. Nachher auf dem Stand eines Kleinkinds, eingeschränkt, ausdruckslos, hilflos. Sie musste alles neu lernen: Sprechen, Gehen, Essen. Die Ärzte in der Reha hatten ihr damals prognostiziert, sie werde nie wieder gehen können und müsse ihr Leben im Rollstuhl verbringen. „Da habe ich gedacht: Nein, das kommt für mich nicht infrage. Also trainierte ich wie eine Verrückte und bin auf meinen eigenen Beinen aus der Reha herausmarschiert.“
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„Dieser Kampf zurück in mein Leben war brutal - ich ging einmal durch die Hölle und wieder zurück. In den ersten Wochen und Monaten konnte ich ja gar nichts außer liegen. Ich musste alles neu erlernen - sich aufrichten, sitzen, kontrollierte Bewegungen machen, sprechen, essen - es war schrecklich. Ich war gefangen in einem Körper, der mir nicht gehorchte.”
Körperliche und emotionale Herausforderungen
Monica Lierhaus kämpft noch heute mit den Folgen des geplatzten Aneurysmas. Auch heute sind bei Monica Lierhaus sowohl in ihrer Sprache als auch in ihren Bewegungsabläufen noch die Folgen ihrer Behinderung erkennbar. Zu den größten Herausforderungen gehören:
- Eingeschränkte Motorik: Ich kann keine freien Treppen mehr gehen, weil mein Gleichgewichtssinn nicht mehr funktioniert, das ist etwas, was mich sehr belastet. Und ich brauche in vielen Dingen noch Hilfe. Ich kann mir zum Beispiel selbst keine Zöpfe mehr machen. Das kriege ich motorisch nicht mehr hin. Ich habe ein Taubheitsgefühl in der linken Hand, meine Finger sind nach wie vor alle taub.
- Sprachschwierigkeiten: Die meisten Fortschritte spüre ich beim Sprechen.
- Chronische Schmerzen: Aber am meisten quälen mich die ständigen Rückenschmerzen, die durch Muskelverhärtungen entstanden sind. Ich kann deswegen nur sehr schlecht schlafen. Die Therapien lindern die Schmerzen zwar, können sie aber nicht ganz auflösen.
- Emotionale Belastung: In einem Interview vor zwei Jahren sagte Monica Lierhaus, dass sie die Operation mit ihrem Wissensstand von heute vermutlich nicht noch einmal machen würde.
Therapien und Unterstützung
Um ihre Lebensqualität zu verbessern, absolviert Monica Lierhaus regelmäßig verschiedene Therapien:
- Physiotherapie: Zusätzlich Physiotherapie.
- Logopädie: Logopädie.
- Osteopathie: Ich bekomme zweimal in der Woche Osteopathie.
- Massagen: Zusätzlich Massagen.
Eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielt auch ihre Familie: Und dann unterstützt mich noch meine wunderbare Familie, also meine Schwester Eva, mein Bruder Tommy und meine Mutter. Ohne meine Familie hätte ich es niemals so weit gebracht, sie ist das absolut Wichtigste für mich.
Rückkehr ins Berufsleben
Trotz ihrer gesundheitlichen Einschränkungen hat Monica Lierhaus den Weg zurück ins Berufsleben gefunden. 2014 kehrte sie in den Journalismus zurück, seit Juni 2023 moderiert sie im Sportteam von RTL Aktuell. Ihr neuestes Projekt: Sie ist Botschafterin der ersten sportartenübergreifenden Trainerausbildung für Menschen mit Handicap. Sie interviewt für den Sender Sky Persönlichkeiten aus dem Sport und hält Vorträge zum Thema Motivation. Ich möchte Menschen, die mit ähnlichen Symptomen zu kämpfen haben, Mut machen und sie motovieren, nicht aufzugeben. Auch wenn direkt nach einem Schlaganfall alles ausweglos scheint, ist es das nicht. Mit kleinen Schritten stellen sich nach und nach Verbesserungen und Erfolge ein. Ob es das Sprechen ist oder das Gehen. Man braucht Geduld und viel Therapie und Training, aber es wird.
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Ein Vorbild für andere
Monica Lierhaus' Geschichte ist eine Geschichte von Mut, Stärke und Lebenswillen. Sie ist ein Vorbild für Menschen, die mit schweren Schicksalsschlägen zu kämpfen haben. Aktuell sitze ich in der Jury für den „Motivations-Preis 2020“, der unter dem Motto „Leben nach Schlaganfall“ steht. Ausgezeichnet werden Betroffene, die ein Vorbild für andere sind, weil sie nach dem Schlaganfall nochmal neu durchgestartet haben, zum Beispiel mit einem Hobby, einem beruflichen Wechsel oder einem Ehrenamt. Sie zeigt, dass es möglich ist, auch nach einem schweren Schicksalsschlag ein erfülltes Leben zu führen.
Aneurysma: Ursachen, Symptome und Behandlung
Ein Hirnaneurysma ist eine Ausbuchtung in der Wand einer Hirnarterie. Es entsteht durch eine Schwachstelle im Blutgefäß. Viele Menschen mit einem Aneurysma haben keine Beschwerden. In manchen Fällen kann ein Aneurysma jedoch reißen und eine Hirnblutung verursachen.
Symptome eines Hirnaneurysmas:
Die Symptome eines Hirnaneurysmas variieren stark, je nach Größe und Lage. Bei einem nicht geplatzten Aneurysma können folgende Beschwerden auftreten:
- Kopfschmerzen, die sich zeitgleich mit dem Puls in einem pochenden Schmerz äußern
- Sehstörungen, Doppelbilder und Schmerzen im Bereich der Augen
- Seh-, Hör-, oder Gleichgewichtsstörungen
- Lähmungen
- epileptische Anfälle
- Schwindel oder plötzliche Sehstörungen
- Taubheitsgefühl oder Schwäche auf einer Körperseite
- Sprachstörungen
Anders sieht es bei einem geplatzten Aneurysma aus. Dann handelt es sich um einen medizinischen Notfall, oft mit folgenden Beschwerden:
- Plötzliche, sehr starke Kopfschmerzen - oft als „die schlimmsten Kopfschmerzen, die jemals erlebt wurden“ beschrieben
- Übelkeit und Erbrechen
- Nackensteifigkeit
- Bewusstseinsverlust und Krampfanfälle
- Lichtempfindlichkeit
- Schockzustände und Kreislaufkollaps
Risikofaktoren und Ursachen eines Hirnaneurysmas:
Ursache für ein Hirnaneurysma ist meist eine anlagebedingte Gefäßwandschwäche. Auch Monica Lierhaus‘ Aneurysma war nach Einschätzung der Ärztinnen und Ärzte angeboren. Generell haben Frauen ein höheres Risiko für Hirnaneurysmen als Männer. Weitere fördernde Faktoren sind: Bluthochdruck, Rauchen und hohes Alter. Diese Faktoren erhöhen nach Angaben von gesund.bund.de außerdem die Wahrscheinlichkeit, dass ein Aneurysma irgendwann reißt.
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Behandlung eines Hirnaneurysmas:
Bei einem Aneurysma nutzt man entweder das so genannte Clipping, bei dem die Aussackung mit einem Clip verschlossen wird, um sie von der Blutzirkulation abzutrennen. Oder man wendet das Coiling an. Dabei wird das Aneurysma mit Metallspangen (Coils) aufgefüllt, um den Blutfluss zu umgehen. Welche Therapie angezeigt ist, entscheidet der Einzelfall.
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