Wadenkrampf, blaue Flecken und ihre Ursachen: Ein umfassender Überblick

Wadenkrämpfe sind ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Menschen betrifft. Sie können sehr schmerzhaft sein und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Oftmals treten sie plötzlich und unerwartet auf, beispielsweise nachts, nach sportlicher Betätigung oder bei längerer Inaktivität. In einigen Fällen können Wadenkrämpfe auch von blauen Flecken (Hämatomen) begleitet sein. In diesem Artikel werden die verschiedenen Ursachen von Wadenkrämpfen und blauen Flecken beleuchtet und es wird erklärt, wann ein Arzt aufgesucht werden sollte.

Ursachen von Wadenkrämpfen

Ein Wadenkrampf ist eine plötzliche, unwillkürliche und schmerzhafte Kontraktion der Wadenmuskulatur. Die meisten Wadenkrämpfe sind harmlos und haben muskuläre Ursachen. Es gibt jedoch auch eine Reihe von anderen Faktoren, die Wadenkrämpfe auslösen können.

Häufige Ursachen

  • Muskuläre Überlastung: Sportler kennen es gut - starke Muskelschmerzen in Form von Wadenkrämpfen oder Schmerzen in den Oberschenkeln bzw. der Gesäßregion. Muskelverletzungen entstehen häufig bei schnellen oder abrupten Lauf- und Drehbewegungen. Eine Muskelzerrung oder ein Muskelfaserriss kann entstehen, wenn ein Muskel überlastet oder überdehnt wird, etwa bei einer schnellen, plötzlichen oder unkontrollierten Bewegung.

  • Elektrolytmangel: Ein Mangel an wichtigen Mineralstoffen wie Magnesium, Kalium oder Kalzium kann zu Muskelverspannungen und Krämpfen führen. Sportler oder Fitness-Treibende verbrauchen sehr viele Mikronährstoffe. Dabei schwitzt er auch reichlich Elektrolyte aus - in Körperflüssigkeit gelöste Mineralstoffe wie Magnesium, Kalium oder Kalzium.

  • Dehydration: Eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr kann ebenfalls Muskelkrämpfe begünstigen.

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  • Schilddrüsenerkrankungen: Schilddrüsenerkrankungen wie eine Unterfunktion können den Stoffwechsel verlangsamen und so indirekt Schmerzen in den Waden auslösen. Auch können eine Schilddrüsenunterfunktion oder andere hormonelle Störungen den Salz- und Wasserhaushalt beeinflussen.

  • Nervensystemstörungen: Erkrankungen des Nervensystems wie Polyneuropathien, Bandscheibenvorfälle oder amyotrophe Lateralsklerose (ALS) können ebenfalls Ursache für Beinkrämpfe sein. Da die Aktivität der Beinmuskeln durch das Gehirn und die von dort über das Rückenmark in die Körperperipherie ziehenden Nerven gesteuert wird, kommen verschiedene Erkrankungen des Nervensystems als Ursache für Beinkrämpfe infrage.

  • Medikamente: Einige Medikamente können Muskelkrämpfe als Nebenwirkung haben. Zu den Arzneimitteln, die Muskelkrämpfe begünstigen, gehören auch einige häufig verschriebene Substanzen. So können bestimmte Blutdrucksenker (Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker, manche Betablocker) das Risiko erhöhen, ebenso Entwässerungsmittel (Diuretika). Aber auch Asthmamedikamente und die Antibabypille fördern Muskelkrämpfe. Nicht nur die Einnahme, auch das Absetzen bestimmter Substanzen kann im Zusammenhang mit Muskelkrämpfen stehen.

  • Alkohol: Starker Alkoholkonsum kann den Salz- und Wasserhaushalt beeinflussen und so Krämpfe begünstigen. Hören Alkoholabhängige plötzlich mit dem Trinken auf, steigt ebenfalls das Risiko für Muskelkrämpfe. Zudem können weitere, teils lebensbedrohliche Zustände resultieren, weshalb eine qualifizierte Entzugsbehandlung in einer Klinik dringend anzuraten ist.

  • Schwangerschaft: Während einer Schwangerschaft hat der Organismus besondere Bedürfnisse, vor allem weil er Nährstoffe und Vitamine für zwei zur Verfügung stellen muss.

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Seltenere Ursachen

  • Myopathien: Erkrankungen, die den Muskel direkt betreffen, können ebenfalls Krämpfe verursachen.

  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Treten die typischen Krämpfe bei einer längeren Gehstrecke oder beim Treppensteigen wiederholt auf, können sie ein Hinweis auf eine periphere arterielle Verschluss-Krankheit (pAVK) sein. Schmerzen dieser Art können vielmehr auf eine Verengung der Gefäße hindeuten, in deren Folge die Beine nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden. Insbesondere bei körperlicher Belastung kann es durch die pAVK zu einem Sauerstoffmangel in der Muskulatur kommen. Dieser fühlt sich zunächst an wie ein Muskelkrampf oder Muskelkater.

Ursachen von blauen Flecken (Hämatomen)

Ein blauer Fleck entsteht, wenn kleine Blutgefäße unter der Haut verletzt werden und Blut ins umliegende Gewebe austritt. Dies kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden.

Häufige Ursachen

  • Verletzungen: In den meisten Fällen entstehen blaue Flecken durch eine vorangegangene Verletzung wie einen Unfall, einen Stoß oder Schlag. Eine Wadenprellung tritt häufig auf und verursacht vorübergehend Schmerzen, Schwellungen und möglicherweise Blutergüsse. Typischerweise entsteht eine Prellung der Wade durch äußere Einwirkungen, beispielsweise durch einen Schlag, Stoß oder Aufprall im Rahmen von sportlichen Aktivitäten. Das Trauma führt zu einem reflexartigen Zusammenziehen und Verhärten des Muskels, um weitere Schäden zu verhindern.

  • Einnahme gerinnungshemmender Medikamente: Menschen, die gerinnungshemmende Medikamente wie ASS/Aspirin® oder Phenprocoumon/Marcumar® einnehmen, neigen eher zu blauen Flecken, da ihr Blut langsamer gerinnt.

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  • Blutgerinnungsstörungen: Auch Blutgerinnungsstörungen wie die Bluter-Krankheit Hämophilie können die Entstehung von blauen Flecken begünstigen.

Seltenere Ursachen

  • Wadenkrämpfe: In seltenen Fällen kann ein sehr starker Wadenkrampf so heftig sein, dass er kleine Blutgefäße in der Wade verletzt und einen blauen Fleck verursacht.

Wadenkrampf und blauer Fleck: Mögliche Zusammenhänge

Obwohl Wadenkrämpfe und blaue Flecken oft unabhängig voneinander auftreten, können sie in einigen Fällen auch zusammenhängen.

  • Starker Wadenkrampf: Wie bereits erwähnt, kann ein sehr starker Wadenkrampf so heftig sein, dass er kleine Blutgefäße in der Wade verletzt und einen blauen Fleck verursacht. Ist der Krampf sehr stark und das Muskelgewebe zieht sich zusammen, kann es umliegende Areale verletzen. Es entsteht ein zu hoher Druck, der dazu führen kann, dass ein Blutgefäß platzt. Da sich die Arterie oder Vene im Gewebe befindet, kommt es nicht zu einer offenen Wunde, sondern zu einer Blutung unterhalb der obersten Hautschicht.

  • Fehldeutung einer anderen Erkrankung: Manchmal werden Schmerzen in den Waden mit einem anschließenden blauen Fleck als Wadenkrampf fehlgedeutet, obwohl eine andere, möglicherweise schwerwiegendere Erkrankung dahintersteckt.

    • Thrombose: Eine Thrombose im Bein kann zu plötzlichen Schmerzen führen, die zunächst einem Wadenkrampf ähneln können. Weitere Anzeichen einer Beinvenenthrombose sind eine Schwellung des Bereichs sowie eine blaue Verfärbung.

    • Kompartment-Syndrom: Eine ebenfalls schwere und gefährliche Erkrankung, die am Unterschenkel auftreten kann, ist das Kompartment-Syndrom. Dabei kommt es nach Verletzungen oder Überlastung zu einer starken Schwellung, die innerhalb der Muskelhülle (Faszie) zu einem erhöhten Druck führt. Dies kann auch durch Blutergüsse bedingt sein.

    • Muskelfaserriss: Zudem kommt es vor, dass Patienten eine Muskelzerrung, einen Muskelfaser- oder sogar einen Muskelbündelriss erleiden. Auf den ersten Blick unterscheiden sich Muskelkrämpfe und Muskelrisse kaum voneinander. Neben einem blauen Fleck entsteht bei Rissen im Muskelgewebe oftmals eine Delle in der Haut.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

In den meisten Fällen sind Wadenkrämpfe und blaue Flecken harmlos und verschwinden von selbst wieder. Es gibt jedoch einige Situationen, in denen ein Arzt aufgesucht werden sollte:

  • Starke Schmerzen: Wenn die Schmerzen sehr stark sind oder länger anhalten.
  • Schwellung oder Rötung: Wenn die Wade stark geschwollen oder gerötet ist.
  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln: Wenn Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Bein auftreten.
  • Bluterguss ohne erkennbare Ursache: Wenn ein blauer Fleck ohne erkennbare Ursache auftritt.
  • Wiederholte Wadenkrämpfe: Wenn Wadenkrämpfe häufig auftreten oder die Lebensqualität beeinträchtigen.
  • Verdacht auf Thrombose: Bei Verdacht auf eine Thrombose (plötzlicher Schmerz, Schwellung, blaue Verfärbung).
  • Verdacht auf Kompartment-Syndrom: Bei Verdacht auf ein Kompartment-Syndrom (heftige Schmerzen, Schwellung, Verfärbung am Bein).
  • Delle in der Haut: Wenn neben einem blauen Fleck eine Delle in der Haut vorhanden ist (Hinweis auf Muskelfaserriss).
  • Einschränkung der Beweglichkeit: Wenn die Beweglichkeit des Beins eingeschränkt ist.
  • Begleitende Symptome: Bei begleitenden Symptomen wie Fieber, Schüttelfrost oder Gewichtsverlust.

Diagnose

Um die Ursache von Wadenkrämpfen und blauen Flecken abzuklären, wird der Arzt zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und den Patienten körperlich untersuchen. Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein.

  • Anamnese: Der Arzt wird nach den genauen Beschwerden fragen, wie beispielsweise Art, Dauer und Häufigkeit der Krämpfe, Begleitsymptome, eingenommene Medikamente und Vorerkrankungen. Im Gespräch werden Sie wahrscheinlich zu den Schmerzen genauer befragt und ob den Beschwerden ein Unfall oder körperliche Belastung unmittelbar vorherging.

  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird die Wade abtasten, um sich ein eigenes Bild der Verhärtungen zu machen. Anschließend kann anhand bestimmter Bewegungstests überprüft werden, ob die Beweglichkeit des betroffenen Beins eingeschränkt ist.

  • Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung kann helfen, Elektrolytmängel, Schilddrüsenerkrankungen oder Entzündungen zu erkennen. Mit dem D-Dimere-Test wird im Blut bestimmt, ob die Gerinnung aktiviert ist. Um eine genetische Gerinnungsstörung wie APC-Resistenz (Faktor-V-Leiden-Mutation), Protein-C-Mangel oder Protein-S-Mangel zu entdecken, sind spezielle Bluttests nötig.

  • Ultraschalluntersuchung (Sonographie): Der Ultraschall ermöglicht dem Arzt, die Struktur und den Zustand des Muskels in Echtzeit zu visualisieren. Mit Hilfe der farbkodierten Duplexsonografie, einer Ultraschalluntersuchung, können die Beinarterien sehr genau beurteilt und Engstellen dargestellt werden.

  • Magnetresonanztomographie (MRT): Ein MRT kann bei der Beurteilung komplexer Verletzungen, wie einem Muskelriss oder einer Sehnenverletzung, hilfreich sein, um den Umfang der Verletzung und deren Auswirkungen auf das umliegende Gewebe besser beurteilen zu können.

  • Doppler-Ultraschall: Häufig kommen bildgebende Verfahren wie der Doppler-Ultraschall zum Einsatz, um die Durchblutung der Gefäße zu prüfen.

  • Weitere bildgebende Verfahren: Für die erweiterte Untersuchung werden oft MRT- oder CT-Untersuchungen durchgeführt. Bei einer pAVK Stadium IIb wird auch eine Computer- und/oder Kernspintomografie der arteriellen Beingefäße durchgeführt. Dabei werden die Beinarterien durch die Injektion von Kontrastmittel auf dem Röntgenbild sichtbar gemacht.

  • Messung der Nervenleitgeschwindigkeit: Besteht der Verdacht auf neurologische Ursachen, kann eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit weitere Aufschlüsse geben.

Behandlung

Die Behandlung von Wadenkrämpfen und blauen Flecken richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Allgemeine Maßnahmen

  • Dehnung: Das Strecken und Dehnen des betroffenen Beins kann den Muskel entspannen.

  • Wärme: Bei einem Krampf hilft Wärme weiter. Wärmebehandlungen wie ein warmes Fußbad vor dem Schlafengehen können ebenfalls hilfreich sein.

  • Kälte: Bei einem Muskelfaserriss hilft Kälte weiter. Die schmerzende Stelle wiederholt kühlen, zum Beispiel mit einer Kühlkompresse oder einem Gel-Pack. Um die Haut nicht zu schädigen, werden gefrorene Packs mit einem Tuch umwickelt.

  • Ruhe: Das Bein 1 bis 2 Tage nicht belasten.

  • Hochlagern: Das Bein hochlegen, sodass es über dem Herzen liegt.

  • Kompressionsverband: Einen Druckverband oder eine elastische Bandage anlegen.

  • Flüssigkeitszufuhr: Eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme ist wichtig, um den Elektrolythaushalt auszugleichen.

  • Elektrolyte: Die regelmäßige Zufuhr von Elektrolyten über die Ernährung oder Nahrungsergänzungsmittel kann vorbeugend wirken.

  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung ist besonders wichtig, um die Durchblutung zu fördern und die Muskulatur zu stärken. Bewegung sorgt für guten Blutfluss in den Beinvenen, weil mit jedem Schritt die sogenannte Muskelpumpe aktiviert wird. Sie hilft, dass das Blut gegen die Schwerkraft zum Herzen zurückfließen kann.

Medikamentöse Behandlung

  • Schmerzmittel: Gegen die Schmerzen können für wenige Tage frei verkäufliche Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen eingenommen werden. Nichtsteroidale entzündungshemmende Medikamente (NSAIDs)Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen können einerseits Schmerzen lindern und andererseits Entzündungsprozesse im betroffenen Muskelgewebe hemmen.

  • Muskelrelaxantien: In einigen Fällen können Muskelrelaxantien verschrieben werden, um die Muskelspannung zu reduzieren.

  • Magnesium: Da ein Magnesiummangel mit Muskelkrämpfen und -verhärtungen in Verbindung gebracht wird, kann eine Mangnesiumsubstitution als Therapieoption, vorallem bei häufigauftretenden Muskelverhärtungen der Wade in Betracht gezogen werden.

  • Gerinnungshemmer: Thrombosen werden mit Gerinnungshemmern behandelt. In der Regel kommen moderne Gerinnungshemmer als Tabletten zum Einsatz, die als NOAK oder DOAK bezeichnet werden (neue orale Antikoagulanzien oder direkte orale Antikoagulantien).

  • Weitere Medikamente: Je nach Grunderkrankung können weitere Medikamente erforderlich sein, beispielsweise zur Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen oder Nervensystemstörungen.

Weitere Therapien

  • Physiotherapie: Eine Praxis für Physiotherapie kann bei der Regeneration und Vorbeugung einer erneuten Muskelverletzung unterstützen kann. Zusätzlich kann die gezielte Einnahme von Magnesium oder Kalium Elektrolytmängel ausgleichen. Auch konservative Maßnahmen wie Hochlegen der Beine, Lagerungsänderungen oder regelmäßige Physiotherapie tragen häufig zur Linderung der Beschwerden bei.

  • Manuelle Therapie: Sie sollten eine gezielte manuelle Entspannungstechniken nutzen, um die Myogelosen aufzulösen.

  • Faszienrolle: Legen Sie hierfür die Faszienrolle auf den Boden und setzen sich auf eine Sportmatte oder eine andere bequeme Unterlage. Positionieren Sie anschließend die betroffene Wade über der Faszienrolle. Nun können Sie versuchen Ihren Körper langsam nach vorne zu schieben und dadurch die Wade über die Faszienrolle zu rollen.

  • Injektionen: Lokalanästhetika (z.B. Lidocain oder Bupivacain) werden injiziert, um den Muskel zu betäuben und Schmerzen zu lindern. Injektion von Botulinumtoxin kann in bestimmten Fällen in Erwägung gezogen werden.

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