Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen, wobei in Deutschland etwa 33 Prozent aller Todesfälle darauf zurückzuführen sind. Viele Risikofaktoren für diese Erkrankungen, wie Bluthochdruck und Bewegungsmangel, sind positiv beeinflussbar. Die rechtzeitige Kontrolle und Behandlung dieser Faktoren kann eine große Anzahl kardiovaskulär bedingter Todesfälle verhindern.
Was ist Arteriosklerose?
Arteriosklerose, oft auch als Arterienverkalkung bezeichnet, ist eine chronische Erkrankung der Arterien. Arterien sind die Blutgefäße, die sauerstoff- und nährstoffreiches Blut vom Herzen zu den Organen transportieren. Bei Arteriosklerose bilden sich Ablagerungen, sogenannte Plaques, an den Gefäßwänden. Diese Plaques bestehen aus Fetten (insbesondere LDL-Cholesterin), Kalk und anderen Substanzen wie weißen Blutkörperchen. Die Ablagerungen verengen und verhärten die Arterienwände, wodurch der Blutfluss eingeschränkt wird.
Die Begriffe Arteriosklerose und Atherosklerose werden oft synonym verwendet. Medizinisch gesehen ist dies jedoch nicht ganz korrekt. Arteriosklerose ist ein allgemeiner Begriff für Erkrankungen der Arterienwände, während Atherosklerose speziell die Ablagerung von fetthaltigen Plaques in den Arterien bezeichnet. Atherosklerose ist somit eine Form der Arteriosklerose.
Ursachen und Entstehung der Arteriosklerose
Die genauen Ursachen für die Entstehung der Arteriosklerose sind noch nicht vollständig geklärt. Es ist jedoch bekannt, dass Cholesterin eine wichtige Rolle spielt. Insbesondere das LDL-Cholesterin (Low-Density-Lipoprotein) gilt als schädlich, da es sich in den Gefäßwänden ablagern kann.
Die Entstehung der Arteriosklerose ist ein schleichender Prozess, der sich über viele Jahre hinziehen kann. Kleine Entzündungen in der Gefäßwand führen dazu, dass diese brüchiger werden. An den beschädigten Stellen können sich Fette und andere Substanzen ablagern und Plaques bilden. Wenn Plaques einreißen, können sich Blutgerinnsel bilden, die die Arterien zusätzlich verengen oder sogar ganz verschließen können.
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Eine wesentliche Rolle bei der Entstehung der Arteriosklerose spielen genetische Faktoren. Eine weitere Ursache kann ein ungesunder Lebenswandel sein. Klassische Risikofaktoren sind eine fett- und zuckerreiche Ernährung, Bewegungsmangel und Rauchen.
Risikofaktoren für Arteriosklerose
Verschiedene Risikofaktoren können die Entstehung und das Fortschreiten der Arteriosklerose begünstigen. Einige dieser Risikofaktoren sind nicht beeinflussbar, während andere durch einen gesunden Lebensstil und medizinische Behandlungen kontrolliert werden können.
Nicht beeinflussbare Risikofaktoren
- Alter: Das Risiko für Arteriosklerose steigt mit zunehmendem Alter.
- Geschlecht: Männer haben ein höheres Risiko für Arteriosklerose als Frauen, insbesondere vor dem 55. Lebensjahr. Nach der Menopause steigt das Risiko für Frauen jedoch an.
- Genetische Veranlagung: Eine familiäre Vorbelastung mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht das Risiko für Arteriosklerose. Bei der sogenannten familiären Hypercholesterinämie liegt eine erbliche Störung des Fettstoffwechsels vor, die an die Kinder vererbt werden kann.
Beeinflussbare Risikofaktoren
- Bluthochdruck (Hypertonie): Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck belastet die Gefäßwände und kann zu mikroskopisch kleinen Verletzungen führen, an denen sich Fette wie Cholesterin ablagern können. Idealerweise sollte der Blutdruck nicht höher als 120/80 mmHg sein.
- Erhöhte Cholesterinwerte: Ein zu hoher Wert des LDL-Cholesterins beschleunigt die Ablagerung von Cholesterin in den Blutgefäßwänden. Ebenso wichtig ist die Kontrolle des Lipoprotein (a).
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit): Hohe Blutzuckerwerte fördern Entzündungsreaktionen im Körper und stören bestimmte Vorgänge im Stoffwechsel des Herzens. Ein chronisch hoher Blutzucker beschleunigt die Schädigung von Gefäßen (Arteriosklerose) und führt zu einer Verschlechterung der Pumpleistung des Herzens.
- Bewegungsmangel: Bereits moderate Bewegung hilft dabei, das Fortschreiten von Fett- und Kalkablagerungen in den Gefäßen (Arteriosklerose) zu verlangsamen.
- Übergewicht (Adipositas): Übergewicht belastet das Herz, da es mehr leisten muss, um die größere Körpermasse mit Sauerstoff zu versorgen. Außerdem verstärkt Adipositas das Risiko, an Bluthochdruck oder Diabetes zu erkranken.
- Rauchen: Die Giftstoffe von Zigaretten schädigen die Innenschicht der Blutgefäße (das Endothel). Dadurch werden Ablagerungen (Arteriosklerose) begünstigt, die zu Verschlüssen an den Gefäßen führen können.
- Ungesunde Ernährung: Eine fett- und zuckerreiche Ernährung fördert die Entstehung von Arteriosklerose.
- Stress: Chronischer Stress kann ebenfalls ein Risikofaktor für Arteriosklerose sein.
- Mutationen in Blutzellen (CHIP): Forscher haben einen weiteren Risikofaktor für Atherosklerose untersucht: Mutationen in den Blutzellen. In der Fachwelt werden sie kolonale Hämatopoese genannt. Die Wahrscheinlichkeit für solche Mutationen steigt mit zunehmendem Alter.
Symptome der Arteriosklerose
Die Arteriosklerose verläuft oft über Jahre hinweg unbemerkt, da Beschwerden in der Regel erst auftreten, wenn die Durchblutung der Gefäße bereits deutlich beeinträchtigt ist. Die Symptome können je nach betroffener Arterie unterschiedlich sein.
- Koronare Herzkrankheit (KHK): Verengungen der Herzkranzgefäße führen zu einer Minderversorgung des Herzmuskels. Dies kann sich durch Brustenge (Angina pectoris) und Kurzatmigkeit bemerkbar machen. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Herzinfarkt kommen.
- Schlaganfall: Durchblutungsstörungen des Gehirns können einen ischämischen Schlaganfall (Hirninfarkt) auslösen. Symptome können Gedächtnisstörungen, Schwindel, Verwirrtheit, Sprachstörungen oder Lähmungen sein.
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Verengungen der Beinarterien führen zu Durchblutungsstörungen, die sich durch Schmerzen beim Gehen bemerkbar machen (Schaufensterkrankheit).
- Nierenarterienstenose: Verengungen der Nierenarterien können zu Bluthochdruck und einer Beeinträchtigung der Nierenfunktion führen.
Diagnose der Arteriosklerose
Die Diagnose der Arteriosklerose umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung, eine Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) und verschiedene apparative Untersuchungen.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt achtet auf Anzeichen von Durchblutungsstörungen, wie z.B. blasse Haut, kalte Extremitäten oder fehlende Pulse. Er hört die Arterien ab, um eventuelle Strömungsgeräusche (Bruits) festzustellen.
- Anamnese: Der Arzt erfragt Risikofaktoren, Vorerkrankungen und aktuelle Beschwerden.
- Apparative Untersuchungen:
- Doppler- und Duplexsonographie (Gefäßultraschall): Mit Hilfe des Gefäßultraschalls lassen sich Strömungsverhältnisse in den Gefäßen messen und frühmanifestierte arteriosklerotische Veränderungen des Gefäßbettes erkennen. Es ermöglicht auch eine Beurteilung der Plaquemorphologie (Zusammensetzung des Plaques).
- Angiographie (Gefäßdarstellung): Bei der Angiographie werden die Blutgefäße mit Kontrastmittel dargestellt, um Verengungen oder Verschlüsse zu erkennen. Dies kann mittels Röntgen, Computertomographie (CT-Angiographie) oder Magnetresonanztomographie (MR-Angiographie) erfolgen.
- Blutuntersuchungen: Im Blut werden Cholesterinwerte (LDL, HDL, Lipoprotein (a)), Blutzuckerwerte und andere Risikofaktoren bestimmt.
- EKG (Elektrokardiogramm): Das EKG dient zur Beurteilung der Herzfunktion und kann Anzeichen einer koronaren Herzkrankheit erkennen.
Behandlung der Arteriosklerose
Eine Heilung der Arteriosklerose ist nach derzeitigem Stand der Forschung nicht möglich. Die Behandlung zielt darauf ab, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, Risikofaktoren zu senken und Komplikationen zu vermeiden.
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Die Therapie basiert auf mehreren Säulen:
- Lebensstiländerungen:
- Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene und fettarme Ernährung, wie z.B. die mediterrane Kost, ist empfehlenswert. Diese zeichnet sich durch einen hohen Anteil an frischem Gemüse, Hülsenfrüchten, Olivenöl, Nüssen und Fisch aus und liefert dem Körper wertvolle Omega-3-Fettsäuren, die entzündungshemmend wirken.
- Regelmäßige Bewegung: Sportliche Betätigung hilft, das Fortschreiten der Arteriosklerose zu verlangsamen und das Herz-Kreislauf-System zu stärken.
- Rauchstopp: Der Verzicht auf Tabak ist essentiell, da Rauchen die Gefäßwände stark schädigt und die Entstehung von Arteriosklerose begünstigt.
- Stressreduktion: Stress kann ein Risikofaktor für Arteriosklerose sein. Entspannungstechniken wie Meditation oder Yoga können helfen, Stress abzubauen.
- Gewichtsreduktion: Übergewicht belastet das Herz-Kreislauf-System. Eine Gewichtsreduktion kann das Risiko für Arteriosklerose senken.
- Medikamentöse Therapie:
- Thrombozytenfunktionshemmer: Medikamente wie ASS (Acetylsalicylsäure) verhindern die Bildung von Blutgerinnseln und können das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall senken.
- Statine: Statine senken den Cholesterinspiegel (insbesondere das LDL-Cholesterin) und wirken entzündungshemmend.
- Antihypertensiva: Medikamente zur Senkung des Blutdrucks entlasten die Gefäßwände und können das Fortschreiten der Arteriosklerose verlangsamen.
- Antidiabetika: Bei Diabetes mellitus ist eine gute Blutzuckereinstellung wichtig, um die Gefäße zu schützen.
- Interventionelle und operative Maßnahmen:
- Angioplastie (Ballondilatation): Verengte Arterien können mithilfe eines Katheters von innen aufgedehnt werden. Oft wird dabei ein Stent (Gefäßstütze) eingesetzt, um das Gefäß offen zu halten.
- Bypassoperation: Bei schweren Verengungen oder Verschlüssen kann ein Bypass gelegt werden, um das betroffene Gefäß zu umgehen.
- Carotis-Stenting (CAS): Bei einer Karotisstenose (Verengung der Halsschlagader) kann ein Stent eingesetzt werden, um das Gefäß offen zu halten.
- Rotations-Endarteriektomie: Hierbei kommt ein spezieller Katheter zum Einsatz, an dessen Ende sich eine Mini-Fräse befindet. Diese wird im Rahmen einer Katheter-Therapie unter Röntgenkontrolle über die Leiste in die verengte Schlagader eingeführt, dort vorangeschoben und die vorhandenen Ablagerungen werden durch einen sich drehenden Kopf abgefräst.
Prävention der Arteriosklerose
Die Vorbeugung der Arteriosklerose ist von großer Bedeutung, da die Erkrankung oft lange unbemerkt verläuft und zu schweren Komplikationen führen kann.
- Gesunder Lebensstil:
- Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine fettarme, ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten.
- Regelmäßige Bewegung: Treiben Sie regelmäßig Sport oder bewegen Sie sich im Alltag ausreichend.
- Nichtrauchen: Verzichten Sie auf Tabak.
- Stressmanagement: Finden Sie Wege, um Stress abzubauen.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: Lassen Sie regelmäßig Ihren Blutdruck, Cholesterinwerte und Blutzuckerwerte überprüfen, um Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Frühes Screening auf CHIP-Mutationen: In risikobehafteten Bevölkerungsgruppen, insbesondere bei älteren Patienten oder solchen mit kardiovaskulären Vorerkrankungen, könnte ein Screening auf CHIP-Mutationen sinnvoll sein.
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