Ruhepotential und Kalium: Eine verständliche Erklärung

Das Ruhepotential ist ein grundlegender Zustand von Zellen, besonders wichtig für Nerven- und Muskelzellen. Es ermöglicht die Erregbarkeit und Signalweiterleitung. Kalium spielt dabei eine entscheidende Rolle. Dieser Artikel erklärt, wie Kalium das Ruhepotential beeinflusst und welche Mechanismen beteiligt sind.

Was ist das Ruhepotential?

Das Ruhepotential einer Nervenzelle ist ein komplexer elektrochemischer Zustand, der durch das Zusammenspiel verschiedener Ionenkonzentrationen und Membranprozesse entsteht. Es ist der elektrische Spannungsunterschied zwischen der Innen- und Außenseite einer Zellmembran im Ruhezustand. Dieser Zustand ist fundamental für die Funktion von Nervenzellen, Muskelzellen und anderen erregbaren Zellen. Das Ruhepotential beträgt etwa -70 mV, was bedeutet, dass das Zellinnere im Vergleich zum Außenraum negativ geladen ist.

Die Rolle von Kalium

Kalium (K+) ist eines der wichtigsten positiv geladenen Ionen (Kationen) im Körper und maßgeblich an der Aufrechterhaltung des Ruhepotentials beteiligt. Es befindet sich zu 98 Prozent im Inneren der Zelle und nur zu zwei Prozent im Raum außerhalb von Zellen. Durch seine elektrische Ladung sorgt Kalium dafür, dass das Ruhepotential zwischen Zellinnerem und Zelläußerem erhalten bleibt. In Ruhe sind die Kaliumionenkanäle in der Zellmembran geöffnet, was den Ausstrom von Kaliumionen aus der Zelle ermöglicht.

Konzentrationsgradient

In der Zelle befindet sich eine hohe Konzentration an Kaliumionen, während außerhalb der Zelle die Konzentration gering ist. Dieser Konzentrationsgradient treibt Kaliumionen durch geöffnete Kaliumkanäle nach außen, entlang ihres Konzentrationsgefälles.

Selektive Permeabilität der Membran

Die Axonmembran lässt bestimmte Ionen leichter passieren als andere. Kalium-Ionen (K+) können relativ leicht durch die Membran diffundieren, während Natrium-Ionen (Na+) und Chlorid-Ionen (Cl−) nur schwer eindringen können. Diese selektive Permeabilität trägt dazu bei, dass sich eine ungleiche Ionenverteilung und somit das Ruhepotential ausbilden kann.

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Die Natrium-Kalium-Pumpe: Ein Schlüsselmechanismus

Die Natrium-Kalium-Pumpe ist ein Protein in der Zellmembran, das Natrium-Ionen (Na+) aus der Zelle hinaus und Kalium-Ionen (K+) in die Zelle hinein transportiert. Diese Ionenpumpe spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung des Ruhepotentials.

Aktiver Transport gegen das Konzentrationsgefälle

Die Natrium-Kalium-Pumpe betreibt einen primär aktiven Transport, bei dem sie Teilchen vom Ort niedriger zum Ort höherer Konzentration transportiert. Sie transportiert aktiv 3 Na+-Ionen nach außen und 2 K+-Ionen nach innen, entgegen ihrer Konzentrationsgradienten. Dieser Vorgang benötigt Energie in Form von Adenosintriphosphat (ATP). Die Pumpe spaltet jedes Mal ein ATP, um die notwendige Energie zu gewinnen.

Aufrechterhaltung des Ladungsausgleichs

In Ruhe sind die Kaliumionenkanäle in der Zellmembran geöffnet. Gleichzeitig gibt es sogenannte Na+ Leckströme. Das sind Ströme von Natriumionen direkt durch die Membran. Die Ionen bewegen sich also von außerhalb der Zelle in ihr Inneres, um das Konzentrationsgefälle auszugleichen. Um diesem Ladungsausgleich entgegenzuwirken, gibt es die Natrium-Kalium-Pumpe. Sie transportiert Na+ Ionen aus der Zelle heraus und K+ Ionen in die Zelle zurück. Sie pumpt die Ionen also entgegen ihres Konzentrationsgradienten und wirkt aktiv einem Ladungsausgleich entgegen. Bei jedem Transport entfernt die Pumpe drei positive Ladungen aus der Zelle und fügt nur zwei positive Ladungen hinzu. Dadurch nimmt die Gesamtladung innerhalb der Zelle bei jedem Transport um eins ab.

Funktionsweise im Detail

  1. Bindung von Natriumionen: Natriumionen binden an ihre Bindungsstellen am innenliegenden Teil des Proteins.
  2. ATP-Spaltung: ATP wird gespalten (hydrolysiert), wodurch ADP (Adenosindiphosphat) und ein Phosphatrest entstehen.
  3. Konformationsänderung: Die freigesetzte Energie führt dazu, dass die Natrium-Kalium-Pumpe ihre räumliche Struktur ändert (Konformationsänderung).
  4. Freisetzung von Natriumionen: Die Natriumionen werden aus der Zelle heraus transportiert.
  5. Bindung von Kaliumionen: Kaliumionen binden an die Bindungsstellen am außenseitigen Teil des Proteins.
  6. Phosphatabspaltung: Der Phosphatrest wird abgespalten.
  7. Freisetzung von Kaliumionen: Die Kaliumionen lösen sich aus der Bindungsstelle und gelangen ins Cytoplasma (Zellinnere).

Bedeutung für die Zelle

Die Natrium-Kalium-Pumpe transportiert Natriumionen aus der Zelle heraus und Kaliumionen in die Zelle hinein. Sie arbeitet gegen das Konzentrationsgefälle und verhindert einen Ladungsausgleich. Würde die Natrium-Kalium-Pumpe ausfallen, wäre die Zelle für immer kaputt. Die Natrium-Kalium-Pumpe liegt in der Zellmembran. Sie verbraucht etwa ein Drittel des menschlichen Grundumsatzes an Energie, was ihre Bedeutung für den Organismus unterstreicht.

Das Aktionspotential

Das Aktionspotential ist eine kurzzeitige, charakteristische Änderung des Membranpotentials, die der Signalübertragung in Nervenzellen dient.

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Schwellenwert und Ionenkanäle

Der Schwellenwert für die Auslösung eines Aktionspotentials liegt bei etwa -55 mV. Wird die Schwelle an einer Nervenfaser durch einen eintreffenden Reiz überschritten, so kommt es zur Öffnung der spannungsabhängigen Kalium- und Natrium-Kanäle, wodurch es zu einer Depolarisation und zur Auslösung eines Aktionspotenzials kommt. Anschließend schließen sich die Natriumkanäle und Kaliumkanäle öffnen sich.

Rolle des Ruhepotentials

Das Ruhepotential spielt eine wichtige Rolle in erregbaren Zellen, insbesondere in Nervenzellen, Muskelzellen (Skelett-, Herz- und glatte Muskelzellen) und Sinneszellen. Es ist essenziell, um ein stabiles elektrisches Milieu innerhalb der Zelle aufrecht zu erhalten und eine gute Reaktion auf Reize zu ermöglichen. Ohne das Ruhepotential, wäre es den Nervenzellen nicht möglich Signale weiterzuleiten und Muskeln könnten nicht kontrahieren. Das Ruhepotential ist wesentlich für die Erregbarkeit von Nervenzellen. Gäbe es das Spannungsgefälle nicht, so wäre eine Weiterleitung elektrischer Signale unmöglich. Durch spezifische Reize kann es zu einer Depolarisation kommen.

Abweichungen vom normalen Ruhepotential

Abweichungen vom normalen Ruhepotential können schwerwiegende Folgen für die Zellfunktion haben.

Hyperpolarisation

Bei der Depolarisation wird das Membranpotenzial positiver und es steigt die Wahrscheinlichkeit eines Aktionspotentials. Ein gestörtes Ruhepotenzial kann zu verschiedene pathologische Bildern führen. Es kann zu einer erniedrigten Kaliumkonzentration im Blut kommen, zur sogenannten Hypokaliämie. Dies würde in einer Hyperpolarisation resultieren, wodurch die Nervenzellen weniger erregbar wären und es zu Lähmungen kommen kann.

Depolarisation

Eine Hyperkaliämie kann zu einer Depolarisation führen und die Erregbarkeit der Zellen übermäßig steigern, was Herzrhythmusstörungen und Muskelkrämpfe zur Folge haben kann.

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Kaliumhaushalt und Gesundheit

Der Kaliumspiegel im Blut wird standardmäßig bei fast jeder Blutuntersuchung mitbestimmt, da bereits geringe Abweichungen von den Normwerten weitreichende Folgen wie Herzrhythmusstörungen haben können.

Kalium-Normwerte

Der Kaliumspiegel im Blutserum und Blutplasma beträgt normalerweise wie folgt:

  • Erwachsene: 3,8 - 5,2 mmol/l

Hypokaliämie (Kaliummangel)

Verminderte Kalium-Spiegel (Hypokaliämie) entstehen meist dadurch, dass zu viel des Mineralstoffes über die Nieren verloren geht. Mögliche Ursachen sind:

  • Therapie mit Entwässerungsmitteln
  • Überschuss an Aldosteron
  • Erbrechen, Durchfall
  • Missbrauch von Abführmitteln

Symptome können Muskelschwäche, Verstopfung und Herzstolpern sein.

Hyperkaliämie (Kaliumüberschuss)

Ist das Kalium erhöht, spricht der Arzt von Hyperkaliämie. Zu viel Kalium im Körper liegt vor allem dann vor, wenn die Ausscheidung über die Nieren vermindert ist. Mögliche Gründe:

  • Akutes oder chronisches Nierenversagen
  • Mangel an Aldosteron
  • Bestimmte Medikamente (kaliumsparende Diuretika, ACE-Hemmer)

Symptome können Missempfindungen, Muskelzuckungen und Herzrhythmusstörungen sein.

Maßnahmen bei veränderten Kaliumwerten

Bei einem akuten Anstieg des Kaliumspiegels sind Sofortmaßnahmen notwendig, da lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen drohen. Eine rasche Aufnahme von Kalium in die Zelle kann mit Hilfe von Insulin und Glucose bewirkt werden. Ist die Hyperkaliämie chronisch, werden kaliumerhöhende Medikamente abgesetzt und eine kaliumarme Ernährung empfohlen. Die akute Hypokaliämie wird mit einer intravenösen Gabe von Kaliumchlorid therapiert. Ist das Kalium chronisch vermindert, werden eventuell verantwortliche Medikamente abgesetzt und eine kaliumreiche Diät eingeleitet.

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