Bestrahlungstherapie bei Trigeminusneuralgie: Ein umfassender Überblick

Die Trigeminusneuralgie ist eine chronische Schmerzerkrankung, die durch heftige, blitzartige Gesichtsschmerzen gekennzeichnet ist. Die Behandlung dieser Erkrankung hat sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt, wobei die Bestrahlungstherapie eine wichtige Rolle spielt. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Bestrahlungstherapie bei Trigeminusneuralgie, einschliesslich der verschiedenen Techniken, Anwendungsgebiete und Ergebnisse.

Was ist Trigeminusneuralgie?

Die Trigeminusneuralgie, auch bekannt als Gesichtsschmerz durch Reizung des Drillingsnervs, ist eine chronische, neuropathische Schmerzerkrankung. Sie ist durch blitzartig einschießende Schmerzen im Versorgungsgebiet des Nervus trigeminus (fünfter Hirnnerv) charakterisiert. Die Schmerzen treten meist im Versorgungsgebiet des II. oder III. Trigeminusastes auf und verursachen plötzliche, heftigste Schmerzattacken im Gesicht, die Sekunden, selten länger als zwei Minuten, andauern.

Die Attacken können spontan oder durch Reize ausgelöst werden. Häufige Auslöser sind Kauen, Sprechen, Schlucken, Zähneputzen, Berührung im Gesicht, ein kalter Luftzug sowie Bewegungen der Gesichtsmuskulatur. Zwischen den Attacken besteht in der Regel Beschwerdefreiheit, wobei der Verlauf meist progredient ist.

Ursachen und Diagnose

Die klassische Trigeminusneuralgie wird wahrscheinlich durch einen pathologischen Gefäß-Nerven-Kontakt zwischen dem Nervus trigeminus und der Arteria cerebelli superior verursacht, was zu einer Irritation der Nervenwurzel im Kleinhirnbrückenwinkel führt. Symptomatische Trigeminusneuralgien können als Symptom von Raumforderungen, umschriebenen Hirnstammischämien, Angiomen des Hirnstamms oder bei Multipler Sklerose auftreten.

Die Diagnose basiert in erster Linie auf der Anamnese und den typischen Schmerzbeschreibungen des Patienten. Warnsymptome, die auf eine symptomatische Trigeminusneuralgie hinweisen können, sind sensible Defizite im Gesicht, einseitige Hyperakusis, vestibuläre Störungen, Manifestation vor dem 50. Lebensjahr, bilaterale Schmerzattacken, Dauerschmerzen in der frühen Erkrankungsphase und mangelndes Ansprechen auf medikamentöse Therapie. In solchen Fällen ist eine zerebrale MRT mit Dünnschichtung des Hirnstamms erforderlich.

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Therapieansätze bei Trigeminusneuralgie

Die Behandlung der Trigeminusneuralgie umfasst in der Regel eine Kombination aus medikamentösen und invasiven Therapien.

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie ist oft der erste Schritt in der Behandlung der Trigeminusneuralgie. Carbamazepin ist das Medikament der ersten Wahl und in Deutschland zur Behandlung der Trigeminusneuralgie zugelassen. Es wird langsam aufdosiert, bis die gewünschte Reduktion der Attacken oder die Nebenwirkungsgrenze erreicht ist. Bei 70 % der Patienten führt Carbamazepin initial zu einem Sistieren der Attacken.

Wenn Carbamazepin nicht vertragen wird, kann auf Oxcarbazepin umgestiegen werden, ein Derivat des Carbamazepins mit vergleichbarer Wirkung, aber geringeren zentralnervösen Nebenwirkungen und pharmakologischen Interaktionen. Weitere Antiepileptika, die sich als wirksam erwiesen haben, sind Lamotrigin, Gabapentin und Pregabalin. Auch Baclofen, Clonazepam, Opioide und die Antiepileptika Phenytoin und Topiramat können eingesetzt werden.

Invasive Therapie

Wenn die medikamentöse Behandlung nicht ausreichend wirksam ist oder zu starken Nebenwirkungen führt, können invasive Therapien in Betracht gezogen werden. Diese lassen sich in ablative und nichtablative Verfahren unterteilen.

Ablative Verfahren

Ablative Verfahren sind minimalinvasiv und können in Kurznarkose durchgeführt werden. Zu diesen Verfahren gehören die Thermokoagulation, die Glyzerinrhizolyse und der Ballonkatheter. Der Zugang erfolgt perkutan mit einer Nadel über das Foramen ovale. Der Nachteil dieser Verfahren ist, dass sie eine irreversible Läsion des Nervus trigeminus verursachen und bei etwa der Hälfte der Patienten zu Sensibilitätsstörungen im Gesicht führen können. Eine gefürchtete Komplikation ist die Anaesthesia dolorosa, die sich durch dauerhafte, sehr intensive, brennende Schmerzen im Bereich der fazialen Sensibilitätsstörung auszeichnet.

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Nichtablative Verfahren

Das einzige nichtablative Verfahren ist die mikrovaskuläre Dekompression des Nervus trigeminus. Bei dieser Operation wird ein Blutgefäß aufgesucht, das Kontakt zum Nervus trigeminus hat, und zwischen dem Gefäß und dem Nerven ein Teflon-Schwämmchen oder anderes Material fixiert. Der Vorteil dieses Verfahrens ist, dass die anatomische und funktionale Integrität des Nervus trigeminus erhalten bleibt. Der Nachteil ist, dass es sich um eine neurochirurgische Operation im Kleinhirnbückenwinkel mit einer gewissen Mortalitätsrate und potenziellen Komplikationen handelt.

Die Rolle der Bestrahlungstherapie

Die Bestrahlungstherapie, insbesondere die Radiochirurgie mit dem Gamma Knife, hat sich als eine wertvolle Option in der Behandlung der Trigeminusneuralgie etabliert. Sie stellt eine minimalinvasive Alternative dar, insbesondere für Patienten, die älter sind oder bei denen ein erhöhtes Operationsrisiko besteht.

Gamma Knife Radiochirurgie

Das Leksell Gamma Knife ist eine hochpräzise Methode, die das umgebende gesunde Gewebe schont und sich durch eine niedrige Strahlendosis auszeichnet. Es gilt als Goldstandard für die Behandlung von Hirnerkrankungen und setzt neue Maßstäbe in der Radiochirurgie.

Die Gamma Knife Radiochirurgie wird bei einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt, darunter Hirnmetastasen, Meningeome, Akustikusneurinome, Hirntumoren, Trigeminusneuralgie und arteriovenöse Malformationen. Bei der Behandlung der Trigeminusneuralgie wird eine hochpräzise Bestrahlung mit hoher Dosis eingesetzt, um eine funktionelle Destruktion von pathologisch aktiven Nervenfasern in der Eintrittszone des Nervus trigeminus in das Ponsareal zu erreichen.

Ablauf der Behandlung

Die Bestrahlung kann entweder mit einer Maske oder durch eine komfortable Ringanlage durchgeführt werden, bei der das Gesicht frei bleibt. Die Entscheidung zwischen beiden Methoden erfolgt in enger Absprache mit dem Patienten und berücksichtigt sowohl die optimale Technik als auch die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse.

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Ergebnisse der Gamma Knife Radiochirurgie

Laut Literatur führt eine Gamma Knife Bestrahlung bei Trigeminusneuralgie in etwa 75 % der Fälle zu einer deutlichen Schmerzlinderung. Anders als bei anderen Verfahren tritt die Schmerzbesserung zeitverzögert ein, im Schnitt erst nach Wochen bis Monaten. Studien haben gezeigt, dass nach der Behandlung 70 % der Betroffenen schmerzfrei sind, nach 5 Jahren 45 % und nach 10 Jahren 25 %.

Vorteile der Gamma Knife Radiochirurgie

  • Nicht-invasiv: Keine Operation erforderlich
  • Hochpräzise: Minimale Schädigung des umliegenden Gewebes
  • Ambulante Behandlung: Keine lange Krankenhausaufenthalte
  • Geringe Komplikationsrate

Mögliche Nebenwirkungen

Obwohl die Gamma Knife Radiochirurgie im Allgemeinen gut vertragen wird, können Nebenwirkungen auftreten, darunter:

  • Sensibilitätsstörungen im Gesicht
  • Anaesthesia dolorosa (selten)
  • Keratitis (bei Sensibilitätsstörung der Kornea)

Alternative Behandlungsmethoden

Neben der medikamentösen Therapie, der Operation und der Strahlentherapie gibt es auch alternative Behandlungsmethoden, die einige Patienten als hilfreich empfinden. Dazu gehören Akupunktur, Biofeedback, Chiropraktik, Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel. Es ist wichtig, solche Behandlungen mit dem behandelnden Arzt zu besprechen, da es zu Wechselwirkungen mit anderen Therapien kommen kann.

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