Wandern mit Kindern mit Epilepsie: Sicherheit und unvergessliche Erlebnisse

Wandern ist eine wunderbare Möglichkeit, die Natur zu erleben und als Familie Zeit miteinander zu verbringen. Für Kinder mit Epilepsie erfordert die Planung und Durchführung einer Wanderung jedoch besondere Aufmerksamkeit, um die Sicherheit zu gewährleisten und unbeschwerte Erlebnisse zu ermöglichen.

Vorbereitung ist das A und O

Eine sorgfältige Vorbereitung ist entscheidend, um Risiken zu minimieren und die Wanderung für alle Beteiligten angenehm zu gestalten.

Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse

Krankheiten im Kindes- und Jugendalter unterscheiden sich von denen im Erwachsenenalter, da sich der kindliche Organismus in der Entwicklung befindet. Es ist wichtig, die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten des Kindes mit Epilepsie zu berücksichtigen. Dazu gehören:

  • Anfallshäufigkeit und -muster: Wie oft treten Anfälle auf? Gibt es bestimmte Auslöser oder Tageszeiten, zu denen Anfälle wahrscheinlicher sind?
  • Medikation: Welche Medikamente nimmt das Kind ein? Müssen Medikamente während der Wanderung eingenommen werden?
  • Begleiterkrankungen: Leidet das Kind an weiteren Erkrankungen, die bei der Planung berücksichtigt werden müssen?

Auswahl der geeigneten Wanderroute

Die Auswahl der Wanderroute sollte sorgfältig erfolgen, um die körperliche Belastung und potenzielle Risiken zu minimieren.

  • Länge und Schwierigkeitsgrad: Die Strecke sollte dem Alter und der Kondition des Kindes entsprechen. Vermeiden Sie zu lange oder zu anstrengende Touren.
  • Gelände: Wählen Sie eine Route mit möglichst ebenem Gelände, um das Sturzrisiko zu reduzieren.
  • Erreichbarkeit: Stellen Sie sicher, dass die Route im Notfall gut erreichbar ist, beispielsweise durch Rettungsdienste oder andere Wanderer.
  • Handyempfang: Prüfen Sie vorab, ob auf der Strecke Handyempfang vorhanden ist, um im Notfall Hilfe rufen zu können.

Ausrüstung

Eine gute Ausrüstung ist unabdingbar. Packen Sie für den Notfall einen Anfalls-Aktionsplan ein. Die richtige Ausrüstung trägt dazu bei, die Sicherheit und den Komfort während der Wanderung zu gewährleisten.

Lesen Sie auch: Alles über eingeklemmte Nerven

  • Erste-Hilfe-Set: Ein gut ausgestattetes Erste-Hilfe-Set sollte auf keiner Wanderung fehlen. Es sollte unter anderem Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel, Schmerzmittel und Medikamente gegen allergische Reaktionen enthalten.
  • Notfallmedikamente: Wenn das Kind Notfallmedikamente gegen Anfälle benötigt, müssen diese unbedingt mitgenommen werden.
  • Handy: Ein aufgeladenes Handy mit eingespeicherter Notrufnummer ist unerlässlich.
  • GPS-Gerät oder Wanderkarte: Zur Orientierung und im Notfall.
  • Sonnenschutz: Sonnencreme, Sonnenhut und Sonnenbrille sind wichtig, um die Haut und Augen vor UV-Strahlung zu schützen.
  • Regenkleidung: Unerwartete Wetterumschwünge können vorkommen. Regenkleidung schützt vor Nässe und Auskühlung.
  • Ausreichend Proviant und Getränke: Kinder brauchen viele Pausen. Reichlich Flüssigkeit und ‚Brotzeit‘ für Zwischenmahlzeiten gehören ins Gepäck.

Sicherheitshinweise für unterwegs

Auch während der Wanderung selbst gibt es einige wichtige Sicherheitshinweise zu beachten.

Anfallsauslöser vermeiden

Versuchen Sie, potenzielle Anfallsauslöser zu vermeiden. Dazu gehören:

  • Schlafmangel: Achten Sie auf ausreichend Schlaf vor und während der Wanderung.
  • Stress: Vermeiden Sie Stress und Hektik. Planen Sie genügend Zeit ein und passen Sie das Tempo den Bedürfnissen des Kindes an.
  • Überanstrengung: Vermeiden Sie Überanstrengung. Machen Sie regelmäßige Pausen und achten Sie auf die Signale des Körpers.
  • Dehydration: Sorgen Sie für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
  • Flimmernde Lichter: Vermeiden Sie Orte mit flimmernden Lichtern, beispielsweise in der Nähe von Windrädern oder Wasserfällen.

Verhalten bei einem Anfall

Es ist wichtig, dass alle Beteiligten wissen, wie sie sich im Falle eines Anfalls verhalten sollen.

  • Ruhe bewahren: Bewahren Sie Ruhe und versuchen Sie, andere zu beruhigen.
  • Kind schützen: Sorgen Sie dafür, dass sich das Kind während des Anfalls nicht verletzt. Legen Sie beispielsweise eine weiche Unterlage unter den Kopf und entfernen Sie gefährliche Gegenstände aus der Umgebung.
  • Nicht festhalten: Versuchen Sie nicht, das Kind festzuhalten oder die Krampfbewegungen zu unterdrücken.
  • Nichts in den Mund stecken: Stecken Sie dem Kind während des Anfalls nichts in den Mund. Es besteht Erstickungsgefahr.
  • Anfallsdauer notieren: Notieren Sie die Dauer des Anfalls.
  • Notruf wählen: Rufen Sie den Notruf (112), wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert, das Kind sich verletzt hat oder Sie unsicher sind.

Höhenkrankheit

Bei der Höhe empfehlen Experten ebenso, nicht das Maß zu verlieren. Denn Kinder können wie Erwachsene in höheren Lagen eine Höhenkrankheit entwickeln. Diese kann nach einem zu schnellen Aufstieg ab einer Höhe von etwa 2.000 bis 2.500 Metern auftreten, wenn sich der Körper nicht mehr richtig den Druckverhältnissen und dem Sauerstoffmangel anpassen kann. Die Anzeichen sind gerade bei kleineren Kindern nicht immer eindeutig. Eine Höhenkrankheit kann sich bei ihnen wie viele andere Beschwerden in einem veränderten Essens-, Spiel- sowie Schlafverhalten und einer auffälligen Atmung bemerkbar machen. Bei Kindern ab etwa neun Jahren können bekannte Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitverlust, Schlafschwierigkeit und Schwächegefühl auftreten. Wenn Kinder gerade einen Atemwegsinfekt haben, an einem Herzfehler oder einer chronischen Lungenerkrankung leiden, sind sie besonders gefährdet, eine Höhenkrankheit zu entwickeln. Bleiben Eltern auf einer Hütte, dürfen sie mit ihren Kindern unter zwei Jahren nur unter einer Höhe von 2.000 Metern übernachten, bei Kindern von 2 bis 10 Jahren unter 3.000 Metern. Anstrengende Höhenwanderungen eignen sich erst für Jugendliche ab etwa 14 Jahren.

Wetterbedingungen

Wettervorhersagen sollten Vater und Mutter genau beobachten. Denn je kleiner Kinder sind, desto empfindlicher reagieren sie auf Hitze und Kälte. Kinder haben im Vergleich zu Erwachsenen eine größere Körperoberfläche bezogen auf ihr Volumen, wodurch sie schneller auskühlen oder überhitzen. Auch der Sonnenschutz durch Sonnencremes, Kleidung und Sonnenbrille ist aufgrund der höheren UV-Strahlung in der Höhe nicht zu vergessen.

Lesen Sie auch: Wandernde Nervenschmerzen verstehen

Epilepsie und Reisen

Feiertage sind eine Zeit des Feierns mit Freunden und Familie. Für viele bedeutet dies, in die Nähe oder in die Ferne zu reisen. Reisen ist nicht immer so einfach, wie einen Koffer zu packen und aus der Tür zu gehen. Menschen mit Epilepsie müssen besondere Überlegungen anstellen, wenn es darum geht, durch Staaten, Länder oder die Welt zu wandern. Für den Notfall kann es hilfreich sein, einen Anfalls-Aktionsplan bei sich zu haben. Und es ist wichtig, vor der Abreise einen Reiseplan zu haben. Hier sind einige häufige Fragen, die Menschen mit Epilepsie haben könnten, wenn sie darüber nachdenken, in Flugzeuge, Züge oder Autos einzusteigen, um Zeit mit ihren Lieben zu verbringen.

Ist es sicher, mit Epilepsie zu reisen?

Im Allgemeinen können Sie mit Epilepsie unabhängig von der Art des Transports sicher reisen. Sich Ihrer Umgebung bewusst zu sein und sich bei Bedarf anzupassen, ist eine einfache Möglichkeit, Ihre persönliche Sicherheit zu gewährleisten. Allerdings gibt es bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel kleine Dinge zu beachten, die große Auswirkungen haben können. Wenn Sie ein Transportmittel nutzen, das von einem Bahnsteig (z. B. einem Zug) oder vom Straßenrand (z. B. einem Bus) aus geladen wird, ist es am sichersten, sich von den Bereichen fernzuhalten, die der Bahnsteigkante oder dem Straßenrand am nächsten liegen Denn ein Anfall könnte dazu führen, dass ein entgegenkommendes Fahrzeug stürzt oder auf die Fahrbahn gerät. Diese Überlegung ist für Menschen mit Epilepsie, die in Großstädten mit weit verbreiteten öffentlichen Verkehrsmitteln leben, oft eine Selbstverständlichkeit, kann jedoch von denjenigen übersehen werden, die sich in unbekannten städtischen Umgebungen zurechtfinden.

Kann ich fliegen?

Ja. Fliegen ist bei Epilepsie sicher. Aber es gibt ein paar Dinge zu beachten: Möglicherweise befürchten Sie, dass Sie im Flugzeug einen Anfall erleiden könnten. Wenn während des Fluges ein unerwarteter Anfall auftritt, landet das Flugzeug möglicherweise nicht am nächstgelegenen Flughafen, um einen Arzt aufzusuchen. Für Menschen mit bestehenden Anfällen, die wissen, was sie erwartet, ist dies jedoch normalerweise nicht erforderlich. Erkundigen Sie sich in diesem Fall vor dem Flug bei der Fluggesellschaft, ob es eine Richtlinie gibt, die regelmäßige Reisen ermöglicht, wenn bei Ihnen Anfälle bekannt sind. Fliegen Sie mit jemandem, der mit Ihren Anfällen vertraut ist, und machen Sie die Flugbegleiter auf die Möglichkeit von Anfällen und darauf aufmerksam, was zu erwarten ist, um eine Unterbrechung des Fluges zu verhindern. Wenn Sie Notfallmedikamente haben, nehmen Sie diese immer mit ins Flugzeug, falls Sie sie benötigen. Packen Sie niemals Medikamente in Ihr aufgegebenes Gepäck. Wenn Sie regelmäßig längere Anfälle haben, die Notfallmedikamente erfordern, oder wenn Sie nach Anfällen störendes Verhalten zeigen, sollten Sie andere Transportmittel in Betracht ziehen, die Ihnen mehr persönliche Kontrolle über Ihre Reise geben. Beispiele hierfür sind das Fahren in einem Privatfahrzeug mit jemandem, der mit Ihrer Epilepsie vertraut ist.

Ich reise über Zeitzonen hinweg. Wie soll ich meine Medikamente einnehmen, um pünktlich zu bleiben?

Viele Menschen mit Epilepsie sind bei der Einnahme ihrer Medikamente genau festgelegt und befürchten, wie sich unterschiedliche Zeitzonen auf ihre Routinen auswirken könnten. Bei kürzeren Reisen in Zeitzonen, die nur 1 bis 2 Stunden von Ihrer gewohnten Zeitzone abweichen, ist die Einnahme Ihrer Medikamente zu Ihren regulären Zeiten wahrscheinlich kein Problem. Wenn Sie beispielsweise in North Carolina Ihre Medikamente um 9 Uhr und 9 Uhr einnehmen und nach Colorado reisen, ist es bei einem Zeitunterschied von zwei Stunden wahrscheinlich in Ordnung, Ihre Medikamente weiterhin um 9 Uhr und 9 Uhr einzunehmen. Wenn Sie empfindlich auf sich ändernde Medikamentenzeiten reagieren, können Sie erwägen, Ihre Medikamente weiterhin zu Ihrer „Heimzeit“ einzunehmen, auch wenn Sie sich in einer anderen Zeitzone befinden, sofern dies möglich ist. Im obigen Beispiel einer Reise von North Carolina nach Colorado würde das bedeuten, dass man in Colorado um 7 Uhr und 7 Uhr Medikamente einnimmt, um mit 9 Uhr und 9 Uhr in North Carolina im Einklang zu bleiben. Wenn Sie mehrere Zeitzonen durchqueren, kann es hilfreich sein, den Zeitpunkt Ihrer Medikamenteneinnahme in den ersten zwei bis drei Tagen einer Reise schrittweise anzupassen. Besprechen Sie Zeitänderungen mit Ihrem Neurologen, wenn Sie Hilfe bei der Planung der Einnahme Ihrer Medikamente auf Reisen benötigen.

Wie verpacke ich meine Medikamente?

Dies ist ein wichtiger Gesichtspunkt, wenn Sie während der Reise möglicherweise von Ihrem Gepäck getrennt werden. Packen Sie Medikamente in eine Handgepäcktasche oder anderes Gepäck, das Sie bei sich behalten. Packen Sie keine Medikamente in aufgegebene Gepäckstücke, die während der Reise nicht direkt unter Ihrer Kontrolle stehen. Wenn Sie also am Zielort ankommen und Ihr Gepäck dort nicht ankommt, sind Ihre Medikamente immer bei Ihnen. Wenn Sie Ihre Medikamente bei sich haben, können Sie sie auch problemlos einnehmen, wenn Sie während der üblichen Einnahmezeit verreisen. Wenn Ihr Medikament in flüssiger Form vorliegt, tragen Sie es bei sich und bewahren Sie es in der Originalflasche mit angebrachtem Rezeptetikett auf, anstatt es in einem anderen Behälter zu transportieren. Wenn Sie eine Diättherapie in Anspruch nehmen (z. B. eine ketogene Diät), bringen Sie ausreichend Snacks und Mahlzeiten mit, um an Ihr Ziel zu gelangen. Bei Bedarf kann Ihnen Ihr Arzt ein Schreiben ausstellen, in dem er Ihnen mitteilt, dass Sie während der Reise zusätzliche Flüssigkeiten und Lebensmittel mit sich führen müssen. Da es bei der Reise zu unerwarteten Verzögerungen kommen kann (leider mehr als jedem lieb ist!), bringen Sie unbedingt zusätzliche Dosen Ihrer Medikamente gegen Krampfanfälle mit.

Lesen Sie auch: Wandert Botox ins Gehirn? Eine Faktencheck

Ich würde gerne eine Party mit Freunden und Familie veranstalten, um die Feiertage zu feiern. Ist das in Ordnung?

Jeder verdient die Chance, Spaß mit Menschen zu haben, die er liebt und mit denen er gerne zusammen ist. Eine vorausschauende Planung kann dazu beitragen, dies noch besser zu machen, indem das Anfallsrisiko minimiert wird. Mangelnder Schlaf kann bei manchen Menschen die Wahrscheinlichkeit von Anfällen erhöhen. Bevor Sie lange aufbleiben, um das neue Jahr einzuläuten, versuchen Sie, mit einem Mittagsschlaf etwas länger zu schlafen, um das lange Aufbleiben auszugleichen. Alkohol ist auf vielen Feiertagsfeiern leicht erhältlich. Vermeiden Sie im Allgemeinen Alkohol, da er die Wahrscheinlichkeit eines Anfalls erhöhen und mit einigen Medikamenten interagieren kann, sodass diese weniger wirksam sind. Vergessen Sie nicht, Ihre Medikamente einzunehmen. Wenn Sie vorhaben, unterwegs zu sein, tragen Sie abends eine oder zwei Dosen bei sich, damit Sie Ihre Medikamente wie gewohnt einnehmen können. Wenn Sie lange unterwegs sind, möchten Sie vielleicht länger schlafen. Stellen Sie sich also einen Wecker (oder mehrere Wecker!), um mit Ihrer üblichen Morgendosis aufzuwachen - und gehen Sie dann wieder ins Bett. Menschen mit Epilepsie haben beim Reisen besondere Überlegungen, aber mit Bewusstsein und Planung kann jeder eine Portion Urlaubsfreude genießen.

Kinder brauchen Pausen

Ihr Bewegungsdrang täuscht darüber hinweg, dass sie ihre Reserven rascher aufbrauchen als Erwachsene und deshalb viele Pausen benötigen. Für eine Tour sollten Eltern deshalb großzügig Zeit einplanen.

tags: #wandern #epilepsie #kind