Die Innere Kapsel des Gehirns: Funktion, Anatomie und Klinische Bedeutung

Das Gehirn ist ein komplexes Organ, das aus verschiedenen Strukturen besteht, die zusammenarbeiten, um vielfältige Funktionen zu ermöglichen. Zu diesen Strukturen gehören die graue und die weiße Substanz, die Basalganglien und die Capsula interna (innere Kapsel). Dieser Artikel beleuchtet die Anatomie und Funktion der Capsula interna im Kontext des Gehirns, insbesondere im Hinblick auf ihre Rolle als wichtige Projektionsbahn und ihre klinische Bedeutung bei Erkrankungen wie Schlaganfall und Parkinson.

Gehirn: Graue und weiße Substanz

Das Gehirn besteht aus grauer und weißer Substanz. Die graue Substanz enthält Zellkörper von Nervenzellen (Neuronen) und Gliazellen (hauptsächlich Astrozyten). Sie liegt im Kortex (der äußeren Schicht des Gehirns) und in tieferen Kerngebieten, den Basalganglien. Die weiße Substanz besteht hauptsächlich aus Nervenfasern (Axonen), die von Myelin umhüllt sind. Diese Myelinscheide wird von Oligodendrozyten gebildet und verleiht der weißen Substanz ihre Farbe. Die größte Faserverbindung im Gehirn ist das Corpus callosum, das die beiden Hemisphären miteinander verbindet.

Basalganglien: Steuerung der Motorik und mehr

Die Basalganglien sind eine Gruppe von Kernen grauer Substanz tief im Inneren des Gehirns. Sie spielen eine zentrale Rolle bei der Regulation der Willkürmotorik, des motorischen Lernens und anderer kognitiver Prozesse. Zu den wichtigsten Kernen der Basalganglien gehören:

  • Nucleus caudatus (Schweifkern): Ein bogenförmiger Kern, der sich entlang des Seitenventrikels erstreckt.
  • Putamen (Schalenkern): Ein Kern, der zusammen mit dem Nucleus caudatus das Striatum bildet.
  • Globus pallidus (bleiche Kugel): Ein Kern, der eng mit dem Putamen verbunden ist und in einen inneren und äußeren Teil unterteilt wird.
  • Nucleus accumbens: Ein Teil des ventralen Striatums, der eine wichtige Rolle im Belohnungssystem spielt.
  • Substantia nigra: Ein Kern im Mittelhirn, der dopaminerge Neuronen enthält, die für die Funktion der Basalganglien unerlässlich sind.

Funktion der Basalganglien

Die Basalganglien sind an der Initiation, Planung und Ausführung von Bewegungen beteiligt. Sie wirken über eine komplexe neuronale Schleife, die den Kortex, die Basalganglien und den Thalamus verbindet. Vereinfacht dargestellt, empfangen die Basalganglien (insbesondere Putamen und Nucleus caudatus) Informationen aus dem Kortex. Diese Informationen werden dann über den Globus pallidus und die Substantia nigra zum Thalamus weitergeleitet, der sie wiederum an den Kortex zurücksendet. Dieser Kreislauf ermöglicht es den Basalganglien, Bewegungen zu modulieren und zu koordinieren.

Darüber hinaus spielen die Basalganglien eine Rolle bei:

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  • Motorisches Lernen: Erwerb und Speicherung von Bewegungsfertigkeiten wie Fahrradfahren oder Klavierspielen.
  • Belohnungsverarbeitung: Der Nucleus accumbens ist ein wichtiger Bestandteil des Belohnungssystems und spielt eine Rolle bei Suchtverhalten.
  • Kognitive Funktionen: Beteiligung an exekutiven Funktionen wie Planung und Entscheidungsfindung.

Erkrankungen der Basalganglien

Erkrankungen der Basalganglien können zu einer Vielzahl von Bewegungsstörungen führen, darunter:

  • Morbus Parkinson: Eine degenerative Erkrankung, die durch den Verlust dopaminerger Neuronen in der Substantia nigra gekennzeichnet ist. Dies führt zu Symptomen wie Tremor, Rigor, Bradykinese (Verlangsamung der Bewegungen) und posturaler Instabilität.
  • Chorea Huntington: Eine erbliche Erkrankung, die durch den Verlust von Neuronen im Striatum gekennzeichnet ist. Dies führt zu unwillkürlichen, ruckartigen Bewegungen (Chorea) und kognitivem Abbau.
  • Dystonie: Eine Bewegungsstörung, die durch unwillkürliche Muskelkontraktionen gekennzeichnet ist, die zu abnormen Haltungen und Bewegungen führen.

Capsula interna: Die Hauptverkehrsstraße des Gehirns

Die Capsula interna (innere Kapsel) ist eine wichtige Struktur der weißen Substanz im Gehirn. Sie ist eine bandförmige Ansammlung von Nervenfasern, die zwischen den Basalganglien, dem Thalamus und dem Kortex verlaufen. Die Capsula interna enthält die meisten auf- und absteigenden Projektionsbahnen des Gehirns und verbindet den Kortex mit subkortikalen Strukturen und dem Rückenmark.

Anatomie der Capsula interna

Die Capsula interna hat im Horizontalschnitt eine V-förmige Gestalt. Sie besteht aus drei Hauptabschnitten:

  • Crus anterius (vorderer Schenkel): Liegt zwischen dem Nucleus caudatus und dem Nucleus lentiformis (Putamen und Globus pallidus).
  • Genu (Knie): Der Knickpunkt der V-Form.
  • Crus posterius (hinterer Schenkel): Liegt zwischen dem Thalamus und dem Nucleus lentiformis.

Faserbahnen in der Capsula interna

Durch die Capsula interna verlaufen zahlreiche wichtige Faserbahnen, darunter:

  • Tractus corticospinalis (Pyramidenbahn): Eine absteigende Bahn, die motorische Signale vom Kortex zum Rückenmark leitet. Sie verläuft durch den hinteren Schenkel der Capsula interna.
  • Tractus corticonuclearis: Eine absteigende Bahn, die motorische Signale vom Kortex zu den Hirnnervenkernen im Hirnstamm leitet. Sie verläuft durch das Genu der Capsula interna.
  • Thalamocorticale Projektionen: Aufsteigende Bahnen, die sensorische Informationen vom Thalamus zum Kortex leiten. Sie verlaufen durch den vorderen und hinteren Schenkel der Capsula interna.
  • Fibrae frontopontinae und temporopontinae: Absteigende Bahnen, die den Kortex mit der Brücke (Pons) verbinden.

Blutversorgung der Capsula interna

Die Capsula interna wird von verschiedenen Arterien versorgt:

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  • Crus anterius und Genu: Arteriae centrales anterolaterales, Äste der Arteria cerebri media.
  • Crus posterius: Kleinere Äste der Arteria cerebri media und der Arteria choroidea anterior.

Klinische Bedeutung der Capsula interna

Aufgrund ihrer zentralen Lage und der Vielzahl wichtiger Faserbahnen, die durch sie hindurchziehen, ist die Capsula interna klinisch von großer Bedeutung. Läsionen der Capsula interna, wie z.B. durch einen Schlaganfall, können zu schweren neurologischen Defiziten führen.

Capsula interna Infarkt

Ein Capsula interna Infarkt ist ein Schlaganfall, der durch eine Unterbrechung der Blutversorgung der Capsula interna verursacht wird. Dies kann zu einer Schädigung der Nervenfasern führen, die durch die Capsula interna verlaufen, und zu einer Vielzahl von Symptomen führen, je nachdem, welche Bahnen betroffen sind. Häufige Symptome eines Capsula interna Infarkts sind:

  • Kontralaterale Hemiparese oder Hemiplegie: Schwäche oder Lähmung der gegenüberliegenden Körperseite, da die Pyramidenbahn betroffen ist.
  • Kontralaterale Hemihypästhesie: Sensibilitätsverlust auf der gegenüberliegenden Körperseite, da thalamocorticale Bahnen betroffen sind.
  • Dysarthrie: Sprechstörung, da der Tractus corticonuclearis betroffen ist.

Die Aa. centrales anterolaterales sind eine Prädilektionsstelle für intrazerebrale Blutungen (ICB), insbesondere bei Patienten mit Bluthochdruck. Eine Blutung in diesem Bereich kann ebenfalls zu einer Schädigung der Capsula interna und zu ähnlichen Symptomen wie bei einem Infarkt führen.

Andere Erkrankungen

Auch andere Erkrankungen können die Capsula interna betreffen, wie z.B.:

  • Multiple Sklerose (MS): Eine entzündliche Erkrankung, die die Myelinscheide der Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark schädigt. MS-Läsionen in der Capsula interna können zu verschiedenen neurologischen Symptomen führen.
  • Hirntumoren: Tumoren, die in der Nähe der Capsula interna liegen, können diese komprimieren und schädigen.

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