Nervenschmerzen können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Neben medizinischen Behandlungen gibt es verschiedene Hausmittel, die zur Linderung beitragen können. Dr. Bela Braag, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie bei Lumedis, hat diesen Artikel für Sie aktualisiert. Lumedis bietet orthopädische Maßnahmen zur Linderung von Nervenschmerzen an.
Was sind Hausmittel gegen Nervenschmerzen?
Nervenschmerzen können sehr unangenehm sein, und es gibt verschiedene Hausmittel, die möglicherweise Linderung bringen können. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass schwere oder chronische Nervenschmerzen ärztliche Aufmerksamkeit erfordern und Hausmittel allein möglicherweise nicht ausreichen. Die Wirksamkeit der Hausmittel kann je nach individueller Reaktion und Ursache der Nervenschmerzen variieren. Es ist wichtig, mit einem Arzt zu sprechen, um die beste Behandlung für Ihre spezifische Situation zu finden.
Welche Hausmittel können gegen Nervenschmerzen helfen?
Wärme- und Kältetherapie
Wärme- und Kältetherapie sind häufig verwendete Methoden zur Schmerzlinderung, die auch bei der Behandlung von Nervenschmerzen hilfreich sein können.
Wärmetherapie: Die Anwendung von Wärme kann helfen, die Muskeln zu entspannen, die Durchblutung zu verbessern und Schmerzen zu lindern. Bei Nervenschmerzen kann Wärme helfen, indem sie die Nerven beruhigt und dadurch die Schmerzsignale verringert. Wärme kann in Form von Heizkissen, warmen Bädern, warmen Kompressen oder Wärmepflastern angewendet werden. Warme Bäder sind ein altbewährtes Hausmittel, um die Muskulatur zu wärmen und zu entspannen. Wärmflaschen oder Kirschkernkissen werden zunächst erwärmt und dann auf die schmerzende Stelle gelegt, um die Durchblutung anzuregen. Rotlichtlampen erzeugen durch Infrarotstrahlung Tiefenwärme, die die Durchblutung und die Entspannung der Muskulatur fördern soll. Es ist wichtig, genügend Abstand zum Gerät einzuhalten, um Verbrennungen zu vermeiden. Wärmecremes werden auf die betroffenen Stellen aufgetragen, um Verspannungen zu lösen und die Durchblutung anzuregen. Allerdings kann die Hitzewirkung sehr stark sein. Wärmepflaster mit Wärmezellen werden direkt auf die schmerzende Stelle geklebt. Durch Kontakt der Wärmezellen mit dem Sauerstoff der Luft wird eine Reaktion ausgelöst, die Wärme erzeugt. Die Wärme dringt in das Gewebe ein und soll für mehrere Stunden die Durchblutung und Muskelentspannung fördern. Wärmepflaster mit Capsaicin enthalten einen Wirkstoff, der aus den Früchten des Cayennepfeffers gewonnen wird. Er soll die Durchblutung fördern und zur Muskelentspannung beitragen.
Kältetherapie: Kälte kann helfen, Schmerzen zu reduzieren, indem sie Entzündungen verringert und die Nervenleitfähigkeit verlangsamt. Es kann auch dazu beitragen, Schwellungen zu reduzieren. Kältetherapie wird oft durch Eispackungen, Gel-Packungen oder Eisbeutel durchgeführt. Eisbeutel oder gefrorene Gel-Packs werden auf den schmerzenden Bereich gelegt, um eine lokale Kühlung zu erreichen. Kühlende Salben und Gels enthalten kühlende Inhaltsstoffe wie Menthol und werden auf die Haut aufgetragen. Kalte Wickel werden um den betroffenen Bereich gelegt, um eine großflächige Kühlung zu ermöglichen. Kältesprays bieten eine schnelle Kühlung und sind praktisch für unterwegs.
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Ob Wärme oder Kälte besser geeignet ist, hängt von der Ursache der Schmerzen ab. Wärme soll Verspannungen der Muskulatur lösen, während Kälte bei Entzündungen, Prellungen oder Verletzungen die bessere Wahl ist. Kälte vermindert die Durchblutung und hat eine entzündungshemmende Wirkung. Außerdem verzögert Kälte die Schmerzweiterleitung und trägt so zu einer verminderten Schmerzwahrnehmung bei. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass sich die akuten Rückenschmerzen durch Wärme oder Kälte nicht verschlimmern. Patienten mit Durchblutungsstörungen, Diabetes mellitus oder anderen Erkrankungen sollten mit ihrem Arzt besprechen, ob Wärme oder Kälte infrage kommen, um die Rückenbeschwerden zu lindern. Tendenziell können sich Durchblutungsstörungen durch Kälteanwendungen verschlimmern, und bei Diabetes ist teilweise das Temperaturempfinden gestört, sodass es zu Hautschäden durch zu viel Kälte oder Hitze kommen kann.
Entspannungstechniken
Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung (PME), Atemübungen, Meditation und Yoga können helfen, Stress abzubauen und Muskelverspannungen zu reduzieren, was wiederum Nervenschmerzen lindern kann. Regelmäßiges autogenes Training kann ein tiefes Entspannungsgefühl auslösen und dadurch die Muskulatur lockern. Bei der progressiven Muskelentspannung nach Jacobsen erlernen Schmerzpatienten, bestimmte Muskelgruppen zu entspannen, indem sie diese erst anspannen und dann locker lassen. Biofeedback ist eine Methode, die vegetative Körperfunktionen bewusst beeinflusst.
Massage
Massage ist eine weitere Methode, die bei der Linderung von Nervenschmerzen helfen kann. Eine sanfte Massage kann dazu beitragen, Muskelverspannungen zu reduzieren, die Durchblutung zu verbessern und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern. Bei Nervenschmerzen kann eine spezifische Art der Massage, wie zum Beispiel eine nervenfreundliche Massage oder eine sanfte Druckmassage, angewendet werden, um die betroffenen Bereiche zu beruhigen. Eine Massage kann auch dazu beitragen, den Stress abzubauen und die Freisetzung von Endorphinen zu fördern, welche natürliche Schmerzmittel des Körpers sind. Es ist wichtig, eine sanfte Herangehensweise zu wählen, um keine zusätzlichen Schmerzen zu verursachen.
Bewegung und Dehnübungen
Bewegung und leichte Dehnübungen können bei der Linderung einer Nervenentzündung äußerst hilfreich sein. Regelmäßige körperliche Aktivität, wie Spazierengehen oder Schwimmen, fördert die Durchblutung und stärkt die Muskulatur, was wiederum zur Schmerzlinderung beitragen kann. Gezielte Dehnübungen sind ebenfalls wichtig, um die Flexibilität zu verbessern und Muskelverspannungen zu lösen, die den Druck auf die Nerven mindern können. Es ist essenziell, korrekte Techniken anzuwenden, um Verletzungen zu vermeiden.
Kräuter und Nahrungsergänzungsmittel
Einige Kräuter und Nahrungsergänzungsmittel können bei der Linderung von Nervenschmerzen hilfreich sein.
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- Capsaicin: Capsaicin, gewonnen aus Cayennepfeffer, blockiert Schmerzsignale.
- Kurkuma und Ingwer: Kurkuma und Ingwer haben entzündungshemmende Eigenschaften.
- Omega-3-Fettsäuren: Omega-3-Fettsäuren können die Nervenfunktion unterstützen.
- B-Vitamine: B-Vitamine wie B1, B6 und B12 werden zur Nervengesundheit empfohlen.
Auch pflanzliche Mittel, Heilkräuter oder homöopathische Mittel wie Globuli sollen manchen Menschen mit Nervenschmerzen helfen. In Form von Tees, Auszügen, Tinkturen, Salben, Kapseln oder Wickeln eingenommen oder angewendet, sollen sie schmerzstillend und entzündungshemmend wirken. Speziell gegen Nervenschmerzen sollen sich zum Beispiel die Rinde der Silberweide, Weihrauch, Chili (enthält Capsaicin), Teufelskralle, Beinwell und Arnika bewährt haben. Homöopathische Mittel wie Globuli mit Spigelia (Wurmkraut) sollen außerdem bei regelmäßig auftretenden Schmerzen helfen. Bei akut auftretenden Nervenschmerzen soll Verbascum (Königskerze) Linderung verschaffen.
Ausgewogene Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung ist entscheidend für die Linderung von Nervenschmerzen. Frisches Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und gesunde Fette wie Nüsse und Fisch mit Omega-3-Fettsäuren können dazu beitragen, Entzündungen zu reduzieren und die Nervengesundheit zu unterstützen. Proteine aus magerem Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchten und Quinoa helfen beim Gewebeaufbau. Eine ausgewogene Ernährung, die auf solchen Nahrungsmitteln basiert, kann die Schmerzen verringern und die Gesundheit insgesamt fördern.
Weitere komplementärmedizinische Verfahren
Neben den genannten Hausmitteln gibt es weitere komplementärmedizinische Verfahren, die bei Neuralgie gezielt zum Einsatz kommen können:
- Physiotherapie: Durch Mobilisierung und Muskelaufbau werden Schwächen in der Muskulatur und Instabilitäten kompensiert. Sensomotorische-funktionelle Einzelbehandlungen können die Oberflächen- und Tiefensensibilität günstig modulieren.
- Hydrothermotherapie: Kalte oder wechselwarme Güsse können zur Linderung der Symptomatik verordnet werden. Vorsicht ist bei eventuell gestörter Thermosensibilität geboten.
- CO2-Bäder: Der CO2-Kontakt führt zu einer peripheren Stimulation des Gewebes mit Gefäßerweiterung und verbesserter Hautdurchblutung mit einer milden Kreislaufanregung.
- Elektrotherapie: Neben 2- und 4-Zellenbädern kommt gerade auch die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS-Behandlung) in Betracht.
- Ätherische Öle: Ätherische Öle wie Fichtennadel-, Kiefernadel-, Minz-, Pfefferminz- oder Rosmarinöl wirken über eine Anregung der Kälterezeptoren der Haut kühlend.
- Johanniskrautöl: Warme Johanniskrautölauflagen können z.B. bei Trigeminusneuralgie oder atypischem Gesichtsschmerz appliziert werden.
- Orthomolekulare Medizin: Hochdosierte neurotrope B-Vitamine (B1, B2, B6, B12 und Nicotinamid) können über einen Zeitraum von ca. drei Monaten verordnet werden.
- Alpha-Liponsäure: Die Wirksamkeit der Alpha-Liponsäure bei diabetischer Polyneuropathie ist bereits durch Studien belegt.
- Ganzkörperhyperthermie: Über die passagere Erhöhung der Körperkerntemperatur in den Fieberbereich bis max. 40,5 °C kommt es zu einer starken Stoffwechselsteigerung, sodass regenerative und regulative Prozesse angestoßen werden.
- Schröpfen oder Blutegel: Bei Polyneuropathien der unteren Extremitäten kann eine segmentale Therapie mit Schröpfen oder Blutegeln im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule erwogen werden.
Was sind die Alternativen zu den Hausmitteln?
Bei anhaltenden oder schweren Nervenschmerzen können verschiedene Alternativen zu Hausmitteln erwogen werden. Dazu gehören medikamentöse Therapien wie verschreibungspflichtige Schmerzmittel, Antidepressiva oder Antikonvulsiva, die speziell zur Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt werden. Trainingstherapie und Rehabilitation bieten gezielte Übungen zur Stärkung von Muskeln und Verbesserung der Beweglichkeit. In einigen Fällen können Nervenblockaden oder Injektionen mit Cortison die Schmerzen lindern. Elektrische Stimulationstherapien wie TENS können ebenfalls helfen. Chirurgische Eingriffe werden bei schweren Schäden oder anhaltenden Beschwerden in Betracht gezogen. Akupunktur ist eine alternative Behandlungsmethode, die Schmerzen lindern kann.
Medikamentöse Behandlung
Neuropathische Schmerzen sind nicht leicht zu behandeln, weil viele „klassische" Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen (nicht-steroidale Antirheumatika, kurz: NSAR), nicht oder nicht ausreichend wirken. Der Arzt setzt daher meist folgende Schmerzmittel gegen Nervenschmerzen ein, die deutlich wirksamer sind:
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- Antikonvulsiva: (z.B. die Wirkstoffe Gabapentin, Pregabalin, Carbamazepin) wirken krampflösend, verringern die Reizweiterleitung an den Nervenbahnen, vermindern die Erregbarkeit der Nerven
- Trizyklische Antidepressiva: (z.B. die Wirkstoffe Amitriptylin, Imipramin oder Doxepin) wirken schmerzlindernd, verstärken die Wirkung von Schmerzmitteln
- Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer: (z.B. die Wirkstoffe Duloxetin, Venlafaxin, Milnacipran) wirken schmerzlindernd, hemmen die Schmerzempfindlichkeit
- Opiate: (z.B. die Wirkstoffe Tramadol, Hydromorphon, Fentanyl) wirken stark schmerzlindernd, unterdrücken die Weiterleitung sowie Verarbeitung von Schmerzreizen
- Örtliche Schmerztherapie: (z.B. die Wirkstoffe Lidocain, Capsaicin, Botulinumtoxin) wirken betäubend und schmerzlindernd
Behandlung ohne Medikamente
Darüber hinaus wirken auch Behandlungen ohne Medikamente unterstützend gegen Nervenschmerzen. Dazu zählen beispielsweise:
- Krankengymnastik: Eine Physio- und/oder Ergotherapie hilft in vielen Fällen, Nervenschmerzen zu lindern. Sie umfasst unter anderem Übungen, die Muskeln kräftigen, Massagen und physikalische Behandlungen (z.B. Anwendungen mit Wärme, Kälte, Licht oder elektrischen Reizen).
- Akupunktur: Auch Akupunktur hilft bei Nervenschmerzen. Dazu sticht der Akupunkteur feine Einmalnadeln in bestimmte Hautpunkte des Körpers.
- Ruhigstellen des betroffenen Körperteils: Manchmal hilft es, den betroffenen Körperbereich mittels Schienen oder Bandagen vorübergehend ruhig zu stellen.
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Auch die TENS soll Menschen mit Nervenschmerzen manchmal helfen. Dabei werden elektrische Impulse mittels Hautelektroden auf betroffene Körperteile übertragen.
- Kältetherapie: Auch Kältemaßnahmen wie kühlende Sprays, Kältepackungen oder kalte Wickel versprechen vielen Menschen mit Nervenschmerzen Linderung.
- Entspannungsübungen: Entspannungstechniken setzen das Schmerzempfinden (zusätzlich) herab. Dazu zählen etwa autogenes Training, Muskelentspannung nach Jacobson, Hypnose, Meditation oder Biofeedback.
- Psychotherapie: Auch eine begleitende psychologische Unterstützung (z.B. eine Psychotherapie) wirkt unterstützend gegen Nervenschmerzen.
Operation
Lassen sich die neuropathischen Schmerzen trotz verschiedener Therapieansätze nicht ausreichend lindern, hilft je nach Ursache nur eine Operation gegen die Nervenschmerzen. Dazu führt der Arzt zum Beispiel eine Neuromodulation durch. Hier setzt er operativ Elektroden in der Nähe des Rückenmarks ein. Diese geben spezielle elektrische Impulse ab, die die neuropathischen Schmerzen deutlich verringern. Manchmal muss der Arzt Nervenfasern des betroffenen Nervs teilweise oder vollständig operativ entfernen oder einen Teil des Nervs herausschneiden und so durchtrennen, um den Schmerz „auszuschalten“. Ist ein Nerv eingeklemmt, legt der Arzt den Nerv durch eine Operation frei, um den Druck zu beseitigen, der die Schmerzen verursacht.
Wann muss ich zum Arzt?
Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn Sie unter starken oder anhaltenden Nervenschmerzen leiden, die Ihre täglichen Aktivitäten beeinträchtigen oder zunehmen. Insbesondere sollten Sie ärztliche Hilfe suchen, wenn neben den Nervenschmerzen plötzlich neue Symptome auftreten, wie Taubheitsgefühle, Muskelschwäche oder Kontrollverlust über Blase oder Darm. Personen mit bestehenden Erkrankungen wie Diabetes oder anderen Krankheiten, die Nervenschäden verursachen können, sollten ihre Nervenschmerzen mit einem Arzt besprechen. Wenn die Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen auftreten oder sich ausbreiten, kann dies auf ein ernsthaftes Problem hindeuten und erfordert ärztliche Aufmerksamkeit. Zudem ist es wichtig, medikamentöse Nebenwirkungen zu beachten und einen Arzt aufzusuchen, wenn unerwartete Reaktionen auftreten.