Gehen ist eine der grundlegendsten und natürlichsten menschlichen Bewegungen. Solange es reibungslos funktioniert, nehmen wir es als selbstverständlich hin. In Wirklichkeit ist Gehen ein komplexer Prozess, der das Zusammenspiel von Gelenken, Knochen, Muskeln, Nerven, Sinnesorganen und Gehirn erfordert. Wenn einer dieser Bereiche beeinträchtigt ist, kann es zu Gangstörungen kommen. Diese Störungen treten häufiger im Alter auf, oft aufgrund einer Kombination verschiedener Faktoren. Die Spezialisten in den Schön Kliniken verfügen über umfassende Expertise in der Diagnose und Behandlung von Gangstörungen unterschiedlicher Ursachen.
Was sind Gangstörungen?
Gangstörungen sind neurologische oder orthopädische Probleme, die die normale Art und Weise, wie eine Person geht, beeinträchtigen. Ein gesunder Mensch weist in der Regel einen gleichmäßigen und symmetrischen Gang auf, der sich in Stand- und Schwungphase unterteilt. In der Standphase berührt der Fuß den Boden, während in der Schwungphase kein Bodenkontakt besteht.
Ursachen von Gangstörungen
Gangstörungen können vielfältige Ursachen haben, die von neurologischen Erkrankungen über orthopädische Probleme bis hin zu altersbedingten Veränderungen reichen. Zu den häufigsten Ursachen gehören:
- Neurologische Erkrankungen: Erkrankungen des Nervensystems wie Parkinson-Syndrom, progressive supranukleäre Paralyse (PSP), Multisystematrophie (MSA), Normaldruckhydrozephalus (NPH), Multiple Sklerose und Schlaganfall können Gangstörungen verursachen. Je nach Lokalisation der Entzündungsherde im zentralen Nervensystem kann sich die Gangstörung in Form einer Ataxie, als spastische Lähmung oder sehr selten auch in Form einer Bradykinese manifestieren. Auch bei einer Parkinsonerkrankung ist das Gangbild häufiger durch eine Gehhemmung, das sogenannte Freezing of gait, beeinträchtigt.
- Orthopädische Probleme: Erkrankungen der Muskeln, Knochen, Gelenke, Sehnen und Bänder können ebenfalls zu Gangstörungen führen. Dazu gehören beispielsweise Arthrose, Hüft- oder Knieprobleme und Fußdeformitäten. Verschiedene Erkrankungen der unteren Extremitäten können den Gangablauf erheblich stören.
- Muskel- und Skeletterkrankungen: Diese Erkrankungen können eine Vielzahl von Symptomen verursachen, darunter Schmerzen, Steifheit, eingeschränkte Bewegungsfähigkeit und andere funktionelle Beeinträchtigungen.
- Altersbedingte Veränderungen: Mit zunehmendem Alter verändern sich der Körper, was sich auch auf Bereiche wie die Muskulatur, das Gleichgewicht und die Sinneswahrnehmungen auswirkt.
- Medikamente: Auch Medikamente können Gangstörungen verursachen.
- Psychogene Ursachen: Mitunter kann eine Gangstörung auch eine psychogene Ursache haben.
Insbesondere bei älteren Menschen kann eine Gangstörung auch durch die Kombination mehrerer Erkrankungen bedingt sein. So können eine Polyneuropathie oder eine orthopädische Ursache eine neurologische Erkrankung verkomplizieren.
Arten von Gangstörungen
Es gibt verschiedene Arten von Gangstörungen, die sich durch unterschiedliche Symptome und Ursachen auszeichnen:
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- Ataktischer Gang: Dieser Gangstörungstyp zeichnet sich durch einen unsicheren, schwankenden und unkoordinierten Gang aus. Betroffene Personen können Schwierigkeiten beim Halten des Gleichgewichts und beim Bewegen der Beine haben.
- Spastischer Gang: Beim spastischen Gang sind die Muskeln angespannt und steif. Die Schritte sind oft kurz und schneller als üblich.
- Parkinson-Gang: Er ist gekennzeichnet durch kleine, trippelnde Schritte und eine vornübergebeugte Haltung. Bei einer Parkinsonerkrankung ist das Gangbild häufiger durch eine Gehhemmung, das sogenannte Freezing of gait, beeinträchtigt. Für diese Störung wurde in der Klinik ein spezielles Therapiekonzept entwickelt, das Münchener Anti-Freezing-Training (MAFT).
- Choreatischer Gang: Dieser Gangstörungstyp ist durch unkontrollierte, zuckende Bewegungen gekennzeichnet.
- Festgefrorener Gang: Ein festgefrorener Gang ist ein Symptom von Parkinson und tritt auf, wenn die Füße plötzlich am Boden „kleben“ und die Person nicht vorwärts gehen kann.
- Watschelnder Gang: Ein watschelnder Gang äußert sich durch breite Schritte und eine schaukelnde Bewegung der Hüften.
- Hinken: Eine der häufigsten Arten von Gangstörungen ist das sogenannte Hinken.
Symptome von Gangstörungen
Die Symptome von Gangstörungen sind vielfältig und können sich je nach Art und Ursache der Störung unterschiedlich äußern. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Schwankender Gang: Ein auffälliges Merkmal ist ein instabiler und schwankender Gang.
- Unsichere Schritte: Menschen mit Gangstörungen machen oft unsichere und unkoordinierte Schritte.
- Veränderte Schrittlänge: Die Schrittlänge kann ungleichmäßig sein.
- Muskelsteifheit: Bei einigen Gangstörungen, wie bei der Parkinson-Krankheit, kann es zu einer erhöhten Muskelsteifheit kommen.
- Geschwindigkeitsänderungen: Die Geschwindigkeit des Gehens kann beeinflusst sein.
- Fehlende oder veränderte Armschwingung: Bei einigen Gangstörungen kann die Armschwingung fehlen oder stark reduziert sein.
- Schwindel: Schwindel ist einer der Gründe für Gangstörungen.
Oft sind Gangstörungen mit anderen Symptomen wie Muskelsteifheit, Zittern oder Schmerzen verbunden.
Diagnose von Gangstörungen
Zur genauen Einordnung der Ursache Ihrer neurologischen Gangstörung empfehlen wir Ihnen, sich frühzeitig an einen Experten zu wenden. Die qualifizierten Ärztinnen und Ärzte ärztliche Personal in unserer Neurologie in München sind spezialisiert auf die Diagnostik und Behandlung von neurologischen Gangstörungen. Wir analysieren Ihre Symptome beim Gehen genau und können dadurch feststellen, inwiefern bestimmte Funktionen Ihres Gehirns oder Ihrer Nerven beeinträchtigt und diese Einschränkungen ursächlich für Ihre Gangstörung sind.
Am Anfang steht immer eine genaue Gangbildanalyse. In der Physiotherapie bedeutet das: Ihre Therapeutin oder Ihr Therapeut schaut sich sehr genau an, wie Du gehst. Dabei geht es nicht nur um die Geschwindigkeit, sondern um viele Details: Setzt Du Deine Füße symmetrisch auf? Wie bewegt sich Dein Becken? Ist der Oberkörper aufrecht? Diese Beobachtungen sind essenziell, um die richtigen physiotherapeutischen Übungen auszuwählen.
Einige orthopädische Praxen oder Kliniken verfügen über computergestützte Ganglabore (z. B. mit Druckplatten, Sensorik und Videoauswertung). Diese sind meist Privatleistungen oder fallen unter Selbstzahler-Angebote, da gesetzliche Kassen nur bestimmte Untersuchungen erstatten. Eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt kann klären, ob ein solcher Check sinnvoll und möglich ist.
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Behandlung von Gangstörungen
Ob Patientinnen und Patienten mehr von einer aktivierenden Therapie, von der Einleitung einer spezifischen medikamentösen Behandlung, der Versorgung mit spezifischen Hilfsmitteln oder einer Kombination verschiedener therapeutischer Verfahren profitieren, hängt sehr von der Ursache der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Das ermöglicht es uns, einen für Sie maßgeschneiderten Behandlungsplan zu erstellen, dessen Spektrum von aktivierenden Therapien wie speziellen Übungen und Gangtraining bis hin zum Einsatz von Medikamenten und besonderen Hilfsmitteln reicht.
Es gibt verschiedene Therapieformen und Ansätze zur Behandlung von Gangstörungen, je nach Ursache und Schweregrad der Störung. Die Wahl der geeigneten Therapie hängt von der genauen Diagnose, der Schwere der Gangstörung und den individuellen Bedürfnissen des Patienten ab. In vielen Fällen ist eine multidisziplinäre Herangehensweise am effektivsten, bei der verschiedene Fachleute zusammenarbeiten, um die bestmögliche Betreuung und Therapie zu gewährleisten.
Zu den wichtigsten Therapieansätzen gehören:
- Physiotherapie: Die Physiotherapie ist eine Schlüsselkomponente der Behandlung von Gangstörungen. Physiotherapie bietet dafür ein breites Spektrum an Übungsformen - von der klassischen Krankengymnastik bis hin zu spezialisierten Gangtrainings. Gerade wenn Du nach einer Erkrankung oder Verletzung wieder richtig gehen lernen möchtest, ist die Gangschule ein zentraler Bestandteil der therapeutischen Behandlung. Unsere Gehfähigkeit ist ein komplexes Zusammenspiel aus Kraft, Koordination, Gleichgewicht, Reaktion und Wahrnehmung. Zu den typischen Übungen in der Gangschulung gehören sowohl dynamische als auch statische Trainingsformen. Dabei wird nicht nur das Gehen selbst geübt, sondern auch alle beteiligten Funktionen wie Gleichgewicht, Kraft und Koordination.
- Ergotherapie: Der Ergotherapeut wird den Gesundheitszustand des Patienten bewerten, die individuellen Ziele festlegen und die spezifischen Ursachen der Gangstörung ermitteln. Basierend auf der Bewertung entwickelt der Ergotherapeut gemeinsam mit dem Patienten klare und erreichbare Ziele. Ein maßgeschneiderter Trainingsplan kann verschiedene Übungen zur Stärkung der Muskulatur und des Gleichgewichts umfassen, abhängig von den spezifischen Herausforderungen des Patienten. Ergotherapeuten integrieren auch funktionale Übungen, die darauf abzielen, die Mobilität im Alltag zu verbessern. Verschiedene Übungen helfen, das Gleichgewicht zu fördern.
- Medikamentöse Behandlung: Bei einigen neurologischen Erkrankungen können Medikamente helfen, die Symptome zu lindern und die Gangstörung zu verbessern.
- Hilfsmittel und Gehhilfen: Es gibt verschiedene Hilfsmittel und Gehhilfen, die für Menschen mit Gangstörungen entwickelt wurden, um ihnen dabei zu helfen, sicherer und stabiler zu gehen. Dazu gehören Gehstöcke, Vierfußgehgestelle und Rollatoren. Die Wahl des richtigen Hilfsmittels oder der geeigneten Gehhilfe hängt von der Schwere der Gangstörung, der Diagnose und den individuellen Bedürfnissen ab.
- Muskelaufbau: Der Muskelaufbau spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung. Gut entwickelte Muskeln, insbesondere in den Beinen und im Rumpf, tragen dazu bei, die Stabilität und das Gleichgewicht während des Gehens zu verbessern. Muskelaufbau kann zudem dazu beitragen, die Bewegungskoordination zu verbessern, was bei Gangstörungen von großer Bedeutung ist.
- C-Mill: Die C-Mill von Motek ist ein hochentwickeltes Rehabilitationslaufband, das speziell für die Rehabilitation und das Training von Menschen mit neurologischen und orthopädischen Beeinträchtigungen entwickelt wurde. Das Laufband verfügt über ein integriertes System, das visuelle Ziele und Hindernisse auf die Lauffläche projiziert. Dies hilft den Patient:innen, ihre Schritte zu koordinieren und auf spezifische visuelle Reize zu reagieren. Die C-Mill bietet genaue Messungen der Gangparameter wie Schrittlänge, Geschwindigkeit und Timing. Diese Daten ermöglichen es Therapeut:innen, den Fortschritt objektiv zu bewerten und gegebenenfalls Anpassungen der Therapie vorzunehmen. Durch das Training auf der C-Mill können Patient:innen ihre Gangsicherheit verbessern, was Stürzen vorbeugt. Die Nutzung visueller und akustischer Hinweise fördert eine bessere Fußplatzierung und hilft bei der Entwicklung eines sichereren, effizienteren Gangmusters. Die C-Mill kann auch in frühen Stadien der Rehabilitation eingesetzt werden, was den Patient:innen hilft, schneller in die Mobilität zurückzukehren.
Gangschule Übungen für zu Hause
Die regelmäßige Teilnahme an physiotherapeutischen Sitzungen ist ein wichtiger Bestandteil der Gangschule. Doch mindestens genauso entscheidend ist das eigenständige Üben zwischen den Terminen - vor allem dann, wenn Du langfristige Erfolge erzielen möchtest. Dabei musst Du nicht ins Fitnessstudio oder in eine spezielle Einrichtung gehen. Viele Übungen aus der Gangschulung lassen sich problemlos in den eigenen vier Wänden durchführen. Im Folgenden findest Du ausgewählte Übungen aus der Physiotherapie, die sich besonders gut für zuhause eignen. Diese sind bewusst einfach gehalten, erfordern keine speziellen Geräte und lassen sich individuell an Dein Leistungsniveau anpassen.
- Stell Dich aufrecht hin, die Füße hüftbreit auseinander. Hebe langsam die Fersen an, sodass Du auf den Zehenspitzen stehst.
- Spanne ein Fitnessband (oder ein auf den Boden gelegtes Seil) etwa auf Knöchelhöhe zwischen zwei festen Punkten. Gehe nun langsam darüber - erst vorwärts, dann seitlich.
- Lege Dir farbige Klebepunkte, Kreppband-Streifen oder flache Objekte auf den Boden - in unterschiedlichen Abständen. Versuche, bei jedem Schritt gezielt auf ein Ziel zu treten.
- Zeichne mit Kreide oder Klebeband eine Linie auf den Boden.
- Setze Dich auf einen stabilen Stuhl (möglichst ohne Armlehnen) und stelle die Füße flach auf den Boden. Warum diese Übung wichtig ist: Der Übergang vom Sitzen zum Stehen ist ein kritischer Moment im Alltag und eng mit dem Gangbeginn verbunden.
Drei konkrete Gangschule-Übungen für zu Hause:
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- Liniengang: Balance & Symmetrie
- Ziel: Verbesserung der Koordination
- Anleitung: Eine Linie (z. B. mit Klebeband) auf dem Boden markieren. Ferse an Spitze entlang gehen, aufrechte Haltung und Blick nach vorne halten. → Gut bei Gangunsicherheit nach OP oder im Alter.
- Standwaage: Gleichgewicht & Muskelkontrolle
- Ziel: Schulung der Rumpf- und Beinkontrolle
- Anleitung: Im sicheren Stand ein Bein nach hinten strecken, Oberkörper leicht nach vorn neigen, Position 5-10 Sekunden halten. Seitenwechsel. → Besonders hilfreich bei Sprunggelenksverletzungen oder Unsicherheit.
- Seitwärtsgehen mit Widerstandsband
- Ziel: Stärkung der Hüft- und Oberschenkelmuskulatur
- Anleitung: Theraband um Oberschenkel legen, Knie leicht beugen, langsam seitwärts schreiten.
Prophylaxe von Gangstörungen
Die Prophylaxe von Gangstörungen kann, je nach zugrunde liegender Ursache, in einigen Fällen möglich sein. Eine ausgewogene körperliche Aktivität, einschließlich Kraft- und Gleichgewichtstraining, kann die Muskulatur stärken, die Koordination verbessern und das allgemeine Gangbild unterstützen.
Die Vorbeugung von Gangstörungen erfordert eine Kombination aus gesundem Lebensstil, regelmäßiger ärztlicher Betreuung und gezielten Maßnahmen zur Stärkung der Muskeln und zur Erhaltung des Gleichgewichts. Einige Ursachen von Gangstörungen sind schwer zu verhindern, insbesondere wenn sie genetischer oder neurologischer Natur sind.
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