Gait Trainer bei Parkinson: Innovative Ansätze zur Verbesserung der Mobilität

Einführung

Das idiopathische Parkinson-Syndrom (IPS) ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch eine Vielzahl motorischer Symptome gekennzeichnet ist, darunter Tremor, Rigor, Bradykinese und posturale Instabilität. Diese Symptome können die Mobilität der Betroffenen erheblich einschränken und die Lebensqualität beeinträchtigen. Neben medikamentösen Therapien spielen Bewegungstherapien eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Parkinson. In den letzten Jahren wurden verschiedene innovative Ansätze entwickelt, um die Wirksamkeit von Bewegungstherapien zu verbessern, darunter der Einsatz von Gait Trainern.

Die Rolle der Bewegungstherapie bei Parkinson

Bewegungstherapie gilt als "potenziell förderliche" Methode zur Parkinson-Behandlung. Studien haben gezeigt, dass verschiedene Therapieformen, wie Musiktherapie, Vibrationstraining und Laufbandtraining unter Körpergewichtsentlastung, in vergleichenden Studien der herkömmlichen Physiotherapie überlegen sind.

Motorisches Lernen als Therapieansatz

Ein vielversprechender Ansatz ist die Nutzung des motorischen Lernens. Studien deuten darauf hin, dass Patienten in höherem Maße von neuen verglichen mit herkömmlichen Therapiemethoden profitieren. Ebenso scheinen kurze Übungseinheiten effektiver zu sein als lange Einheiten. Der Therapieeffekt kann durch das Anwenden externer Stimuli verstärkt werden. Dies wird darauf zurückgeführt, dass durch externe Stimuli unbeeinträchtigte Areale im Gehirn angesprochen und pathologische Netzwerke der Basalganglien umgangen werden. Da beim motorischen Neulernen ebenfalls unbeeinträchtigte Areale aktiviert werden, wird postuliert, dass der Neuheitsfaktor der Therapien eine entscheidende Rolle spielt.

Externe Stimuli und ihre Wirkung

Das Training mit externen Stimuli verbessert Gang und Gleichgewicht und weist anhaltende Effekte auf. Thaut und Mitarbeiter konnten diese Erfolge bereits an biomechanisch erhobenen Größen nachweisen. Positive Effekte auf die Symptomatik des IPS infolge von Training mit externen Stimuli werden der Nutzung unbeeinträchtigter Areale zugeschrieben.

Gait Trainer: Eine Übersicht

Gait Trainer sind speziell entwickelte Geräte, die Menschen mit Gangstörungen, wie sie bei Parkinson auftreten, unterstützen und das Gehen erleichtern sollen. Sie können in verschiedenen Ausführungen erhältlich sein, von einfachen Gehhilfen bis hin zu komplexen robotikgestützten Systemen.

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Robotikgestütztes Gangtraining

Eine Pilotstudie vergleicht robotergestütztes Gangtraining mit der THERA-Trainer lyra und Laufbandtraining bei Patienten mit Parkinson. Mit robotergestütztem Gangtraining oder Laufbandtraining ist es den Patienten möglich, in der Therapie die Gehstrecke und die Schrittwiederholungen zu erhöhen. In dieser randomisierten, kontrollierten Studie wurden 20 Patienten mit Morbus Parkinson (Hoehn & Yahr 1-4) nach dem Zufallsprinzip in 2 Gruppen eingeteilt: eine THERA-Trainer lyra- und eine Laufbandgruppe. Jede Gruppe erhielt 4 Wochen lang an 3 Tagen pro Woche 30 Minuten Gangtraining. Ziel der vorliegenden Studie war es, zu untersuchen, ob ein roboter-gestütztes Gehtraining mit der THERA-Trainer lyra mit Endeffektor-geführten Schritten die Schrittlänge stärker verbessern kann als ein Laufbandtraining mit visuell vorgegebenen Schritten. Nach vier Wochen hatten beide Gruppen ihre Schrittlänge verbessert, aber es wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen festgestellt. Sekundäre Zielgrößen waren die Gehgeschwindigkeit und die Haltungsstabilität beim Gehen, die sich ebenfalls in beiden Gruppen ohne signifikanten Unterschied verbesserten.

Laufbandtraining mit Perturbationen

Eine Studie des Universitätsklinikums Erlangen untersuchte die Auswirkungen von Laufbandtraining mit zusätzlichen Kippbewegungen auf das Gangbild und das Gleichgewicht von Parkinson-Patienten. Bei dem Training mit zusätzlichen Kippbewegungen gingen die motorischen Symptome der Krankheit im Untersuchungszeitraum deutlicher zurück als beim normalen Laufbandtraining. Gleichgewicht und Gangbild der Patienten hatten sich nur in der Gruppe mit Laufbandtraining plus Perturbationen signifikant verbessert.

Integrative Therapieansätze

Integrative Trainingsmethoden, die verschiedene Elemente wie Gang-, Balance- und Krafttraining kombinieren, könnten besonders effektiv sein. Eine Studie untersuchte die Auswirkungen von zwei integrativen Interventionen auf Gang und Gleichgewicht von Patienten mit PD. Die Patienten erhielten entweder Widerstandstraining in Kombination mit Gangtraining (GRT) oder Widerstandstraining in Kombination mit Balancetraining (SRT) für sechs Wochen. Die Ergebnisse zeigten, dass beide Gruppen nach der Intervention im Functional Reach Test signifikant besser abschnitten. Die Schrittlänge erhöhte sich signifikant nur in der GRT-Gruppe.

Forced Exercise und MOTOmed

Bei dem bewegungstherapeutischen Konzept „Forced Exercise“ werden die unteren Extremitäten von Parkinson Patienten deutlich schneller bewegt, als sie dies von sich aus aufgrund der Symptome ihrer Erkrankung tun können. Eine Forschergruppe aus den USA stellte bei Bewegungsgeschwindigkeiten von bis zu 90 U/min eine Verbesserung des parkinsontypischen Symptoms Tremor fest. Die schnellen Beinbewegungen wirken nicht nur lokal, sondern wie Medikamente auf den ganzen Körper. Zudem zeigte sich eine signifikante Verbesserung der Feinmotorik der Hände um über 30%.

Die MOTOmed Parkinson Modelle besitzen einen softwaregesteuerten Motor, der ein Bewegungstraining bei hohen Drehgeschwindigkeiten ermöglicht. Parkinson Patienten können sich bewegen lassen oder selbst aktiv mitarbeiten. Therapieeinheiten mit dem MOTOmed viva2 Parkinson können positive Effekte bei der Gehfähigkeit, dem Gleichgewicht, der Akinese, der Feinmotorik und der Haltungsstabilität bewirken. Mit der MOTOmed Bewegungstherapie können zudem Symptome wie Tremor und Rigor verringert werden.

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Wissenschaftliche Untersuchung der MOTOmed-Therapie

Die durchgeführte Interventionsstudie zeigte signifikant positive Verbesserungen der Grobmotorik (Walking) sowie der Hand-/Feinmotorik (Diadochokinese) von Parkinson-Patienten durch ein zehnwöchiges Forced Exercise Bewegungstraining mittels eines motorbetriebenen Bewegungstherapiegerätes (MOTOmed viva2_Parkinson).

Therapie-Modi des MOTOmed

  • Passiv: Die motorbetriebene Bewegung ohne Kraftaufwand eignet sich zur Regulierung des Muskeltonus, zur Lockerung der Muskulatur und zur Frühmobilisation nach langen Ruhezeiten.
  • Assistiv: Bei der motorunterstützten Bewegungstherapie ermöglicht die Funktion MOTOmed ServoTreten einen leichten Übergang vom passiven zum aktiven Training.
  • Aktiv: Das aktive Training mit eigener Muskelkraft gegen fein dosierbare Bremswiderstände kräftigt die Bein-, Arm- und Oberkörpermuskulatur und stärkt das Herz-/Kreislaufsystem.

Der Aktiv/Passiv-Wechsel ermöglicht gezielte Therapie-Ergebnisse durch abwechselnde Belastungs- und Erholungsphasen.

Therapieziele mit MOTOmed

  • Rigor und Tremor positiv beeinflussen
  • Gehen fördern
  • Folgen von Bewegungsmangel mindern
  • Restmuskelkräfte aktivieren
  • Fatigue entgegenwirken
  • Psyche und Wohlbefinden stärken

Empfehlungen für die Praxis

Generelle Empfehlungen zu geben, ist aufgrund der mannigfaltigen Ausprägungsformen des Parkinson Syndroms sehr schwierig. Übungen sollten immer an die individuellen Voraussetzungen des Patienten angepasst werden und es sollte beachtet werden, dass ein Patient selbst unterschiedliche Voraussetzungen mit sich bringt (bspw. Unterschiede zwischen der mehr und weniger betroffenen Körperseite). Bezüglich der Trainingsinhalte sollte dies ebenfalls berücksichtigt werden. Die oben beschriebene Studie gibt Grund zur Annahme, dass nicht die Trainingsinhalte an sich, sondern die Steuerung der Aufgabe über den Grad der Trainierbarkeit bestimmen. Grundsätzlich stellt das Trainieren von Neuem eine durchaus empfehlenswerte Ergänzung zu bislang durchgeführten Therapieprogrammen beim IPS dar.

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