Rudi Assauer: Vom Malocher zur Schalke-Legende – Ein Leben mit Höhen und Tiefen, gekrönt von Alzheimer

Das Leben von Rudolf "Rudi" Assauer, der am 6. im Alter von 74 Jahren verstarb, ist mehr als nur eine Aneinanderreihung von Stationen. Es ist eine bewegte Geschichte, die von Erfolgen im Fußball, aber auch von persönlichen Schicksalsschlägen geprägt ist. Malocher, Fußballprofi, Manager, Alzheimer-Patient: Stationen eines Lebens, für das die Beschreibung „bewegt“ noch untertrieben ist.

Eine Karriere im Zeichen des Fußballs

Assauer begann seine Karriere als Stahlbauschlosser und absolvierte später eine Ausbildung zum Bankkaufmann, doch der Fußball sollte sein Leben bestimmen. Von 1964 bis 1976 bestritt Assauer als Fußball-Profi 307 Bundesliga-Spiele für Borussia Dortmund und Werder Bremen. 1966 gewann er mit Dortmund den Europapokal der Pokalsieger. Die Dortmunder Mannschaft im Jahr 1966: Rudi Assauer spielte mit Größen wie Hans Tilkowski und Lothar Emmerich zusammen.

Nach seiner aktiven Zeit wechselte er ins Management. Zwischen 1976 und 1981 war Assauer Manager bei Werder Bremen. 1981 wurde Assauer Manager des FC Schalke 04. Seine erste Amtszeit verlief durchwachsen und war von Abstieg und Wiederaufstieg geprägt. Im April 1981 verpflichtet, konnte er nur noch die Scherben des so gut wie feststehenden ersten Bundesligaabstiegs aufkehren. In den letzten vier Spielen saß er sogar auf der Bank, aber ein Wunder vermochte Assauer nicht mehr zu vollbringen. Seine ersten Personalentscheidungen bewirkten dann den sofortigen Wiederaufstieg 1982. Er setzte auf ehemaligen Weggefährten als Trainer (Siegfried Held), auf Routiniers im Spielerkader. Das zahlte sich zunächst aus. Doch ging seine Einkaufspolitik vor und in der Saison 1982/1983 schief. Schalke stieg zum zweiten Mal ab. Dann zog er die richtigen Schlüsse. Mit Klaus Täuber, Bernd Dierssen, Michael Jakobs kamen im Sommer 1983 jüngere Spieler. Der 17-jährige Olaf Thon aus er eigenen Jugend war gar ein Geschenk des Himmels. Der S04 erreichte als Zweitligist das Pokal-Halbfinale 1984 und stieg erneut sofort wieder auf. In der Folgesaison 1984/1985 verpasste die offensivfreudige Elf als Achter nur knapp den UEFA-Cup. Ein Jahr später wurde Schalke Zehnter - und der Vorstand wurde ungeduldig. Präsident Hans-Joachim Fenne wollte den UEFA-Cup geradezu erzwingen, setzte Rolf Schafstall vom VfL Bochum als neuen Trainer und Millioneninvestitionen durch: ein gefährliches Wetten auf die Zukunft. Der Streit zwischen Trainer und Manager eskalierte, Assauer wurde im Dezember 1986 beurlaubt. Sein Plan, im von Emotionen getrieben Club mehr Professionalität und Vernunft in Entscheidungsprozessen einzuführen, war eindeutig gescheitert.

Die Schalker Legende

Seine zweite Amtszeit auf Schalke (1993-2006) machte ihn zur Legende. Im April 1993 erhielt er für alle überraschend eine zweite Chance. Denn Schalke 04 steckte wieder einmal in Schwierigkeiten und suchte eine populäre Lösung. Der damalige Präsident Günter Eichberg hatte den Fußballverstand des mittlerweile 48-jährigen Assauer nicht vergessen. Nach wie vor versuchte Assauer, Professionalität und Rationalität im Verein zu etablieren. Er hatte die richtigen Schlüsse aus den 80ern gezogen. Den beliebten Mannschaftsbetreuer Charly Neumann bekämpfte er nicht länger, sondern gewann ihn für sich. Mit Olaf Thon holt er 1994 den von allen vermissten „verlorenen Sohn“ zurück. Gemeinsam mit Marketingleiter Andreas Steiniger und Geschäftsführer Peter Peters navigiert er den Club durch wirtschaftlich schwierige Jahre. Für die Mannschaft war Assauer der Boss, der sie nach außen wie ein Löwe verteidigte, aber nach innen Teamgeist und Einsatz für den Verein einforderte. Schritt für Schritt wurde aus dem Kader eine echte Mannschaft: Vom erfolgreichen Klassenerhalt 1994 aus scheinbar aussichtsloser Lage bis zur ersten Europapokal-Qualifikation 1996 waren es nur etwas mehr als zwei Jahre.

Assauer hat den Verein gelebt und war sich auch nicht zu schade, in den Trainingsanzug zu schlüpfen und sich mit der Mannschaft warmzumachen. Der Manager wahrte stets einen guten Draht zum Team. Seine weniger herzliche Seite zeigte Assauer vor allem sportlichen Konkurrenten. In seiner Zeit als Schalke-Manager erlebte er zahlreiche Trainer. Andere bekamen weniger Zeit, wie etwa Frank Neubarth.

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Der UEFA-Cup-Sieg und die "Meisterschaft der Herzen"

Der größte Triumph auf Schalke: Unter Trainer Huub Stevens gewannen die "Knappen" 1997 den Uefa-Cup. Im UEFA-Cup der Saison 1996/1997 feierte man jede überstandene Runde wie einen großen Sieg - und hielt am Ende völlig verdient und gleichermaßen sensationell den UEFA-Cup in der Hand. Der damalige Trainer war Huub Stevens, er blieb fast sechs Jahre bis 2002. Der FC S04 gewann zweimal den DFB-Pokal, 2001 und 2002.

In Stevens Amtszeit auf Schalke fiel jedoch auch die größte Niederlage Assauers. Im Mai wähnte sich der Klub nach einem 5:3 in Unterhaching einige Minuten als Meister - bis die Nachricht zu den Schalkern durchdrang, dass der FC Bayern in Hamburg doch noch getroffen hatte. Mai 2001 das Stadion. In buchstäblich letzter Sekunde hatte der FC Bayern mit einem 1:1 beim HSV den Schalkern, … die 5:3 gegen Unterhaching gewonnen hatten, noch die Meisterschaft entrissen. Schalke jubelte ein paar Minuten zu früh. Die Tränen nach dem letzten Spiel im Parkstadion, als Fans und Spieler nach dem Sieg gegen Unterhaching bereits den Platz stürmten und den vermeintlichen Titel feierten, gingen um die Welt. Die "Meister der Herzen" waren geboren, doch Assauer sagte auf der Pressekonferenz bitter: "Ich glaube nicht mehr an den Fußball-Gott."

Bau der Arena und Abschied von Schalke

Als Vermächtnis hinterließ Assauer auch die Schalke-Arena. Der Umzug ins neue Stadion, die VELTINS-Arena fand 2001 statt. Seit Beginn konnte der S04 so gut wie immer 60.000 Fans zu Heimspielen begrüßen. Eine weitere Vizemeisterschaft folgt 2005 hinter dem FC Bayern München.

Mit dem Wechsel von Stevens zur Hertha im Sommer 2002 neigte sich die erfolgreiche Zeit dem Ende entgegen. Später kam es zum Bruch mit Aufsichtsratschef Clemens Tönnies und den anderen Vorstandsmitgliedern. Im Mai 2006 erfolgte dann die „einvernehmliche Trennung“.

Der Mensch Rudi Assauer

Überhaupt, das Bier: Assauer war jahrelang Werbebotschafter eines bekannten deutschen Bierherstellers. Auch mit seiner zeitweiligen Lebensgefährtin, der Schauspielerin Simone Thomalla, trat er öfter vor die Kamera. Sie machten gemeinsam TV-Werbung für Veltins. Für große Aufmerksamkeit sorgte auch seine Beziehung mit der Schauspielerin Simone Thomalla (2000 bis 2009). "Vom Fußball hat sie keine Ahnung, aber sonst ist die Alte schwer in Ordnung", sagte der stets Zigarren oder Zigarillos rauchende Manager - was ihm den Spitznamen "Stumpen-Rudi" einbrachte - in seiner typisch rauen, aber liebenswerten und ehrlichen Art. Für einen Bier-Werbespot ("Nur gucken, nicht anfassen") wurden er und die spätere "Tatort"-Kommissarin 2006 mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet.

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2011 heiratete Assauer Britta Idrizi. Im April 2011 heiratete Assauer seine Freundin Britta Idrizi. Die beiden trennten sich jedoch nach weniger als einem Jahr Ehe. Aus erster Ehe hatte Assauer zwei Kinder. Öffentlich in Erscheinung trat vor allem Bettina Michel.

Die Alzheimer-Erkrankung und das öffentliche Bekenntnis

Ende Januar 2012 wurde bekannt, dass Assauer an Alzheimer erkrankt war. Längst gab es erste Anzeichen für Assauers Krankheit, die er aber zunächst ignorierte und dann vertuschte. "Man will es nicht wahrhaben. Wenn es eine Sache in der Welt gibt, vor der ich immer Angst habe, so richtig Schiss auf gut Deutsch, dann Alzheimer", gestand er später. "Bloß nicht die Birne." Er vergaß Termine und konnte sich an bestimmte Dinge nicht mehr erinnern.

Nach Bekanntwerden seiner Erkrankung wurde es lange still um Assauer. Die Öffentlichkeit bekam in einer Fernsehdokumentation und in Assauers Memoiren "Wie ausgewechselt" einen Eindruck von seiner Krankheit. Sie ist auch ein Thema seiner im selben Monat veröffentlichten Biographie, die den Titel "Wie ausgewechselt - Verblassende Erinnerungen an mein Leben" trägt.

Ein wichtiger Schritt für die Akzeptanz von Demenzkranken

Rudi Assauer hat nicht nur für den Fußball, Schalke 04 und das Ruhrgebiet viel geleistet. Eine riesengroße Leistung war es auch, dass er sich Anfang 2012 so offensiv zu seiner Alzheimer-Demenz bekannt hat. Damit hat er deutlich gemacht, dass jeder die Erkrankung bekommen kann, und viel wichtiger noch, dass sich niemand dieser Diagnose schämen muss. Für die gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit Alzheimer oder einer anderen Demenzerkrankung war das ein immens wichtiger Schritt. Auch wir haben gemerkt, dass sich seit einigen Jahren etwas verändert. Früher war es an der Tagesordnung, dass bei uns Broschüren angefordert wurden, die in einem neutralen Umschlag versendet werden sollten. Es durfte keiner erfahren, dass man sich Informationen zur Alzheimer-Krankheit schicken ließ. Heute erreicht uns diese Bitte immer seltener. Mittlerweile gibt es Kinofilme wie „Still Alice“ oder „Honig im Kopf“, in denen Demenz als Krankheit thematisiert wird - das ist ein gutes Zeichen!

Anderbrügge über Assauer: "Die letzten drei, vier Jahre hat er durch Menschen durchgeschaut"

Im Interview erinnert sich Ingo Anderbrügge, der bei Schalke in den Neunzigern mit Assauer den Uefa-Pokal gewann, an das Vereinsidol. Anderbrügge: Er war da nur noch anwesend, wir fragten uns: Ist er wirklich da? Die letzten drei, vier Jahre, da hat er durch Menschen durchgeschaut. Das war brutal. Er war der erste Mensch, durch den ich mit Alzheimer konfrontiert wurde. Er hat ja gar keine Menschen mehr erkannt. Bei dem Jubiläumsspiel saß er auf der Trainerbank. Da saß er auch nur und hat gar nicht mehr verstanden, was passiert. Wenn er gewusst hätte, was passiert und wie wir ihn wahrnehmen, dann wäre nach Hause gegangen, weil er nicht so mit dieser Krankheit auf den Präsentierteller gewollt hätte. Aber er gehörte dazu und die Tochter und die Verantwortlichen haben das Beste für ihn gewollt. Vielleicht hatte er ja einen Lichtblick in der Arena. Dieser Funken, den haben sie ihm gegönnt.

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Vermutliche Ausplünderung im Alter?

Wurde der ehemalige Fußballmanager Rudi Assauer ausgeplündert? Diente ein ehemaliger Fußballtrainer als Strohmann, um das Geld des demenzkranken Rudi Assauer beiseitezuschaffen? Für Werner Kasper interessiert sich jetzt die Staatsanwaltschaft, weil eines seiner Konten als Drehscheibe für einen Teil von Rudi Assauers Vermögen gedient haben soll. Der ehemalige Fußballmanager Assauer, der schwer an Alzheimer erkrankt war und von seiner heute 58-jährigen Tochter Bettina Michel bei sich zu Hause in der Stadt Herten gepflegt wurde, starb im Februar 2019 fast mittellos. Bevor ihn die Tochter Bettina zu sich nahm, hatte er noch ein Vermögen von rund 2,3 Millionen Euro - Reinvermögen, nach Abzug aller Verbindlichkeiten. Wie kann das sein? Verdächtig sind auch zwei seiner ehemaligen Vertrauten, die der frühere Schalke-Manager zu seinen Generalbevollmächtigten ernannt hatte: Assauers ehemalige Sekretärin, die heute 63-jährige Sabine Söldner, außerdem einer seiner Freunde, der 80-jährige Heinz Bull, ein ehemaliger Schönheitschirurg. Die beiden durften Assauers Post eigenmächtig öffnen, seinen Aufenthaltsort bestimmen, seine Immobilien verkaufen. Und sie herrschten über seine Konten.

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