Migräne am Morgen: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne, eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, äußert sich oft durch einen starken, pochend-pulsierenden, oft einseitigen Kopfschmerz. Viele Patient:innen erleben auch Symptome wie Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und Sehstörungen, die den Alltag erheblich beeinträchtigen können. Ein besonderes Phänomen ist die Migräne am Morgen, die den Start in den Tag erschwert.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die nach heutigem Kenntnisstand durch eine Fehlfunktion in der Schmerzverarbeitung des Gehirns ausgelöst wird. Dabei kommt es zu einer Überempfindlichkeit der Nervenzellen und einer gestörten Kommunikation zwischen verschiedenen Gehirnregionen. Das sogenannte trigeminovaskuläre System, ein System aus Nervenverbindungen, das Schmerzsignale von den Blutgefäßen der Hirnhäute verarbeitet, ist besonders betroffen.

Während eines Migräneanfalls werden schmerzvermittelnde Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter, wie Serotonin und CGRP (Calcitonin-Gen-Related Peptide) freigesetzt. Diese Stoffe führen zu einer Entzündungsreaktion an den Blutgefäßen der Hirnhäute, was die typischen pulsierenden Kopfschmerzen verursacht. Zudem kann es zu einer wellenförmigen Hemmung der Nervenzellenaktivität kommen, wodurch Aura-Symptome ausgelöst werden. Migräne-Patient:innen reagieren besonders empfindlich auf äußere Reize wie Licht, Geräusche oder Gerüche. Diese Überempfindlichkeit ist ein Zeichen für die gestörte Reizverarbeitung im Gehirn. Studien zeigen, dass genetische Faktoren die Anfälligkeit für Migräne erhöhen können.

Symptome der Migräne

Migräne ist nicht nur durch Kopfschmerzen gekennzeichnet, sondern auch durch zahlreiche weitere Symptome. Ein wesentliches Merkmal der Migräne sind starke pulsierende oder pochende Kopfschmerzen, die meist einseitig auftreten. Die Schmerzen können sich jedoch auch auf beide Seiten des Kopfes ausdehnen. Anders als bei Spannungskopfschmerzen verstärken sie sich im Rahmen von Migräne häufig bei körperlicher Aktivität. Viele Betroffene leiden während eines Migräne-Anfalls unter starker Übelkeit, die oft von Erbrechen begleitet wird.

Zu den häufigsten Begleiterscheinungen der Migräne gehört eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht (Photophobie) und Geräuschen (Phonophobie). Etwa 15 bis 20 Prozent der Migräne-Patient:innen erleben vor oder während eines Anfalls eine Aura. Diese Phase äußert sich durch Sehstörungen wie Flimmersehen, Lichtblitze oder Gesichtsfeldausfälle. Bei manchen Betroffenen treten während der Aura auch Sprachstörungen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle auf. Manche Patient:innen mit Migräne berichten auch von einer gesteigerten Empfindlichkeit gegenüber Gerüchen, was in der Medizin als Osmophobie bezeichnet wird. Während eines Anfalls fällt es vielen Migräne-Patient:innen schwer, sich zu konzentrieren, sich Dinge zu merken oder klar zu denken. Nach einem Migräneanfall berichten viele Betroffene von intensiver Müdigkeit und Erschöpfung, was als Postdromalphase bezeichnet wird.

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Migräne am Morgen: Ein spezifisches Problem

Besonders in den Morgenstunden zwischen 4 und 9 Uhr tritt Migräne besonders häufig auf. In dieser Zeit produziert unser Körper weniger Endorphine, die als natürliche Schmerzmittel in unserem Körper agieren. Außerdem setzt der Körper morgens mehr Adrenalin frei, um uns aus dem Bett zu bekommen. Das erhöht aber auch den Blutdruck - und kann Migräne auslösen.

Mögliche Ursachen für morgendliche Migräne

  • Hormonelle Veränderungen: In den frühen Morgenstunden werden weniger Endorphine produziert, was die Schmerzwahrnehmung verstärken kann. Die Freisetzung von Adrenalin zur Aktivierung des Körpers kann ebenfalls eine Rolle spielen.
  • Schlafapnoe: Morgendliche Kopfschmerzen können auf Schlafapnoe (Atemaussetzer) hindeuten. Sie entstehen durch den Sauerstoffmangel während der Nacht und halten meist für circa eine halbe Stunde nach dem Aufstehen an.
  • Verspannungen: Ein falsches Kopfkissen oder eine unpassende Matratze können für Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich sorgen, die sich dann als Spannungskopfschmerzen bemerkbar machen. Außerdem kann nächtliches Zähneknirschen für Verspannungen im Kiefer sorgen, die beim Aufwachen für Kopfschmerzen sorgen.
  • Schmerzmittel: Bei zu vielen Schmerzmitteln gewöhnt sich das Nervensystem an das Medikament und ist dann empfindlicher für Schmerzreize. Nehmen Sie Schmerzmittel wie Ibuprofen maximal zehn Tage im Monat.
  • Bluthochdruck: Kopfschmerzen direkt nach dem Aufwachen können ein Symptom für Bluthochdruck sein.
  • Veränderter Schlafrhythmus: Veränderte Schlafzeiten können den Organismus aus dem Takt bringen. Auch Schichtarbeit wirkt sich durch den wechselnden Tag-Nacht-Rhythmus bei einigen Betroffenen ungünstig auf die Migräne aus.
  • Stressabfall: Der Stressabfall, die Rückkehr in den Ruhemodus, können wesentliche Trigger der Migräne darstellen.

Diagnose der Migräne

Die Diagnose der Migräne erfolgt durch ein ausführliches Gespräch (Anamnese) mit der Erfassung der Symptome und der Familienbelastung sowie einer körperlich-neurologischen Untersuchung. Dabei ist es wichtig, die Schmerzintensität, den Schmerzbereich und den Schmerzcharakter zu beschreiben. Ein Kopfschmerzkalender oder Kopfschmerztagebuch, in dem Sie Ihre Symptome dokumentieren, kann die Diagnose erleichtern. Die körperliche Untersuchung, einschließlich einer neurologischen Untersuchung zur Prüfung der Nervenfunktion, dient dazu, andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen. Bei einer typischen Migräne sind die Untersuchungsergebnisse meist unauffällig. Bildgebende Diagnostikverfahren wie die Computertomografie (CT) und die Magnetresonanztomografie (MRT) sind nur erforderlich, wenn Anzeichen vorliegen, die auf andere Erkrankungen hindeuten können.

Behandlungsmöglichkeiten bei Migräne

Migräne kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, doch mit einer individuell abgestimmten Behandlung lassen sich Symptome lindern und bei Bedarf auch Anfällen vorbeugen.

Akutbehandlung

Die Akutbehandlung bei Migräne zielt darauf ab, die Beschwerden während eines Anfalls zu lindern und dessen Dauer zu verkürzen. Ruhe und Lichtreduzierung spielen hierbei eine zentrale Rolle: Vielen Betroffenen hilft es, sich in einen dunklen, ruhigen Raum zurückzuziehen, um Licht und Geräusche zu reduzieren. Unterstützend können Medikamente verordnet werden, die einerseits gezielt die Schmerzen und andererseits Begleitsymptome wie Übelkeit und Erbrechen bekämpfen.

  • Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR): Bei einer leichten bis mittelschweren Migräneattacke können Wirkstoffe wie Ibuprofen und Acetylsalicylsäure (ASS) angewendet werden.
  • Triptane: In der Therapie mittelschwerer und schwerer Migräneattacken haben sich die sogenannten Triptane als besonders wirksam erwiesen.
  • Antiemetika: Gegen Übelkeit und Erbrechen kann ein Antiemetikum eingesetzt werden.

Prophylaxe

Sollten Sie sehr häufig unter belastenden Migräneattacken leiden, können unsere Expert:innen mit Ihnen die Möglichkeit einer medikamentösen Prophylaxe (Vorbeugung) besprechen. Es gibt inzwischen zahlreiche Therapiemöglichkeiten in der Migräneprophylaxe. Die neuesten Entwicklungen sind die sogenannten monoklonalen Antikörper, die sich gegen die Wirkung des schmerzvermittelnden Botenstoffes CGRP richten.

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Auch ein Lebensstil mit verlässlicher Regelmäßigkeit und einem festen Tag- und Nachtrhythmus kann Migräneanfälle deutlich reduzieren. Dazu gehören insbesondere ein geregelter Schlafrhythmus, feste Essenszeiten und eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr. Ebenfalls sinnvoll und wertvoll, sofern Ihre Ärztin oder Ihr Arzt grünes Licht dafür geben: regelmäßiger Ausdauersport, am besten dreimal pro Woche, um die innere Balance zu fördern und psychische Belastungen zu minimieren. Auch gezielte Maßnahmen der Physiotherapie können die ärztliche Behandlung der Migräne unterstützen, insbesondere wenn Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich die Symptome verstärken. Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson sind bewährte effektive Methoden, um Geist und Körper in Stresssituationen zügig zu beruhigen. Wenn die Migräne durch Stress oder psychische Belastungen verstärkt wird, kann eine psychotherapeutische Begleitung hilfreich sein.

Weitere Maßnahmen zur Vorbeugung

  • Regelmäßiger Schlafrhythmus: Schlafmangel oder übermäßiger Schlaf können Auslöser für Migräne sein. Versuchen Sie daher, möglichst jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen und aufzustehen, auch an Wochenenden. Achten Sie darauf, mindestens sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht zu bekommen.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Flüssigkeitsmangel (Dehydration) ist ebenfalls ein bekannter Trigger für Migräne. Stellen Sie daher sicher, dass Sie täglich mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser trinken.
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Das Auslassen von Mahlzeiten oder lange Pausen zwischen dem Essen können Migräneattacken fördern. Halten Sie sich deshalb an möglichst feste Essenszeiten und vermeiden Sie so eine Unterzuckerung.
  • Vermeidung von Alkohol: Alkohol, insbesondere Rotwein, ist ein bekannter Auslöser von Migräneanfällen.
  • Stressmanagement: Stress ist ein zentraler Faktor bei der Entstehung von Migräne. Entspannungsverfahren wie Yoga und die progressive Muskelentspannung nach Jacobson können helfen, den Stresspegel nachhaltig zu senken.
  • Körperliche Bewegung: Körperliche Bewegung wirkt sich positiv auf den Migräneverlauf aus und hilft, die Häufigkeit von Anfällen zu reduzieren.

Begleiterkrankungen bei Migräne

Migräne tritt häufig in Verbindung mit weiteren gesundheitlichen Herausforderungen und Erkrankungen auf. Menschen mit Migräne sind häufig auch von Depressionen und/oder Angststörungen betroffen. Ein unregelmäßiger Schlafrhythmus und Schlafstörungen sind häufig mit Migräne verknüpft. Bluthochdruck ist eine in der Bevölkerung weit verbreitete Erkrankung, die häufig auch bei Menschen mit Migräne auftritt. Auch chronischer Spannungskopfschmerz ist eine häufige Begleiterkrankung der Migräne. Fibromyalgie, eine Erkrankung, die durch chronische Schmerzen und erhöhte Schmerzempfindlichkeit gekennzeichnet ist, tritt ebenfalls häufig bei Migräne-Patient:innen auf.

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